Bild (Zeitung)

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Bild
Logo der Bild-Zeitung
Beschreibung Tageszeitung (Boulevard)
Sprache Deutsch
Verlag Axel Springer SE (Deutschland)
Hauptsitz Berlin
Erstausgabe 24. Juni 1952
Erscheinungsweise montags bis samstags
Verkaufte Auflage 1.203.486 Exemplare
(IVW 2/2021, Mo–Sa)
Reichweite 8,63 Mio. Leser
(MA 2020 I)
Chefredakteure Julian Reichelt,
Alexandra Würzbach
Weblink bild.de

Bild (bis in die 1970er Jahre und umgangssprachlich weiterhin auch Bild-Zeitung)[1] ist die auflagenstärkste Tageszeitung in Deutschland.[2] Die überregionale Boulevardzeitung erscheint seit Juni 1952 im Axel-Springer-Verlag in Berlin. Neben der Zeitung publiziert der Axel-Springer-Verlag unter der Medienmarke Bild einige Print-Ableger, das Nachrichtenportal Bild.de und den Fernseh-Spartensender Bild.

Die Zeitung war lange Zeit die auflagenstärkste Tageszeitung Europas. Die verkaufte Auflage beträgt 1.203.486 Exemplare, ein Minus von 72,7 Prozent seit 1998.[3] Im Januar 2020 nutzten 458.942 Leser das kostenpflichtige Digitalangebot Bild plus. Nach Abonnentenzahlen ist es das größte in Europa und das fünftgrößte weltweit.[4] Das digitale Gesamtangebot Bild.de ist die am meisten besuchte Nachrichtenseite Deutschlands und hatte laut einer Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (agof) im März 2019 rund 25 Millionen Besucher. Im März 2020 gab es 21 Bild-Redaktionen: Die bundesweite und 20 regionale, die zusätzlich zur Bundesausgabe 25 unterschiedliche regionale Ausgaben produzieren.[5][6]

Die Berichterstattung der Bild ist seit Jahrzehnten Gegenstand zahlreicher öffentlicher Diskussionen und Kritik. Unter allen Zeitungen Deutschlands erhielt die Bild seit Jahrzehnten mit Abstand die meisten Rügen aufgrund von Verstößen gegen den Pressekodex.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1950er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Axel-Springer-Verlagshaus in Hamburg, von 1952 bis 2008 Hauptsitz der Bild-Redaktion
Verleger Axel Springer (1966, links, mit Teddy Kollek) gab im Juni 1952 die erste Bild heraus
Chefredakteure der Bild
Jahr Chefredakteur
1952 Rolf von Bargen
1952–1958 Rudolf Michael
1958–1960 Oskar Bezold
1960–1961 Karl-Heinz Hagen
1961–1971 Peter Boenisch
1971–1981 Günter Prinz
1981–1988 Horst Fust
1988–1989 Werner Rudi
1989–1990 Peter Bartels
1989–1992 Hans-Hermann Tiedje
1992–1997 Claus Larass
1998–2000 Udo Röbel
2001–2015 Kai Diekmann
2016–2018 Tanit Koch
März 2018 – März 2021 Julian Reichelt
seit März 2021 Julian Reichelt & Alexandra Würzbach

Die erste Ausgabe der Bild-Zeitung erschien am 24. Juni 1952 mit einer Gesamtauflage von 455.000 Exemplaren. Sie hatte vier Seiten und wurde gratis verteilt, danach kostete eine Zeitung 10 Pfennig. Inhaltlich gab es auf der Titel- und Rückseite ausschließlich aktuelle Fotos des Weltgeschehens im Großformat, dazu längere Bildunterschriften und drei Comic-Strips. Der Innenteil war gefüllt mit knappen Meldungen, Preisausschreiben, Horoskopen und Kurzgeschichten. Die erste Schlagzeile lautete: „Grenze bei Helmstedt wird gesichert!“

Das Vorbild des Herausgebers Axel Springer für Stil und Inhalt war die auflagenstarke Boulevardpresse in Großbritannien, die er während der britischen Besatzungszeit in Hamburg näher kennengelernt hatte. Springer sah in der Bild-Zeitung die „gedruckte Antwort auf das Fernsehen“. Zur Startmannschaft gehörten zehn Redakteure und zwei Sekretärinnen. Bild war ursprünglich eine Kaufzeitung, kann inzwischen jedoch auch abonniert werden.

Inhalt und Form der frühen Bild-Zeitung waren noch weit entfernt von der heutigen Ausgabe. Oft bestanden die Artikel nur aus einem Foto mit Bildunterschrift. Laut Springer sollte der vordere Teil politisch sein, während die Rückseite zumeist Klatschgeschichten über Prominente lieferte. Das Konzept war, eine schnell lesbare Zeitung zu schaffen, die gleichzeitig Leser an sich binden konnte.

Die Zeitung hieß zunächst 10-Pfennig-Bild-Zeitung oder auch Groschenblatt und wurde aus dem Bauchladen von Straßenhändlern verkauft, die einen weißen langen Regenmantel trugen, dazu eine weiße Mütze mit hochgezogener Front, auf der der Name der Zeitung stand. Bis Oktober 1952 war Rolf von Bargen verantwortlich für den Inhalt. Am 1. November 1952 wurde Rudolf Michael Chefredakteur. Am 11. Dezember 1952 erschien die erste Anzeige in der Bild-Zeitung, Werbung für Chlorodont-Zahnpasta.

Unter Chefredakteur Rudolf Michael druckte die Bild-Zeitung weniger Bilder und mehr Text, der verbale Blickfang, die Schlagzeile, wurde eingeführt. Inhaltlich bot die Bild-Zeitung weiterhin sogenannte Human-Interest-Themen und wenig Politik. Nachdem die Auflage bis Ende 1952 auf 200.000 Exemplare täglich gefallen war und der Bild-Zeitung schon das finanzielle Aus drohte, stieg die Auflage bis März 1953 stark an und übersprang die Eine-Million-Marke. Am 11. April 1953 erschien erstmals die Regionalausgabe Bild Hamburg.

Von 1955 bis 1970 hatte Bild ein Maskottchen. Lilli, ein blondes, langbeiniges Mädchen aus der Feder des Karikaturisten Reinhard Beuthin, für die 1955 eine Puppe kreiert wurde. Die 30 Zentimeter große Bild-Lilli war Vorbild für die amerikanische Barbie-Puppe. Lilli wurde in Deutschland so populär, dass 1958 ein Film über sie gedreht wurde Lilli – ein Mädchen aus der Großstadt. Die Hauptrolle wurde in einem Wettbewerb in der Bild-Zeitung besetzt. Die Gewinnerin war die dänische Schauspielerin Ann Smyrner.

1956 lag die Auflage bei 2,5 Millionen Exemplaren. Die Bild am Sonntag, der erste Bild-Ableger, erschien. Am 14. Oktober 1957 wurde die Regionalausgabe Bild-Berlin eingeführt. Am 25. Mai 1959 legte Axel Springer den Grundstein für das Verlags- und Druckereigebäude in der Kochstraße in Berlin. Als Rudolf Michael 1958 die Chefredaktion aus Altersgründen niederlegte, betrug die verkaufte Auflage über 3 Millionen Exemplare. Bild war die auflagenstärkste Tageszeitung Europas geworden.

Die 1960er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1961 bis 1971 war Peter Boenisch (hier 1983) Bild-Chefredakteur

In den 1960er Jahren spiegelte die Bild-Zeitung die Atmosphäre der Wirtschaftswunderzeit wider. Axel Springer verteidigte sein Konzept, „die Masse, nicht der Intellektuelle“ sei seine Zielgruppe. Unter dem konservativen Chefredakteur Karl-Heinz Hagen wurde Politik wichtiger. Die Zeitung vertrat einen strikten Antikommunismus und trat vehement gegen die Deutsche Teilung ein. Unter dem im Vergleich zu Hagen liberaleren und damals erst 34-jährigen Chefredakteur Peter Boenisch kam es ab 1962 zu einer ruckartigen Kursveränderung. Politik trat stark in den Hintergrund und leichtere Themen wie Filmstars, Prominente und Sport wurden wichtiger. Im Januar 1962 entstammten 26 Seite-1-Schlagzeilen diesen Bereichen und nur zwei der Politik. Wenn politisch berichtet wurde, dann rückten die Innenpolitik und die deutsch-deutschen Beziehungen in den Mittelpunkt. Die Bild-Zeitung beteiligte sich an der Ansteckeraktion „Macht das Tor auf“ und berichtete ausführlich über die Fluchtbewegung aus der DDR. Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 lautete die Schlagzeile: „Der Osten handelt – was tut der Westen? Der Westen tut NICHTS!“ Zur Zeit des Mauerbaus 1961 machte die Bild-Zeitung wochenlang mit der Grafik eines Stacheldrahts als Umrandung der Titelseite auf.

Bild-Schlagzeile „Welcome to Berlin, Friends!“ (1962)

Die wachsende Marktmacht des Verlages beunruhigte Ende der 1960er Jahre viele Beobachter.[7] 1964 erörterte das Wirtschaftsmagazin Capital die Marktanteile des Springer-Konzerns in einem detaillierten Bericht unter dem Gesichtspunkt der Pressekonzentration. Ab Mai 1966 wurden diese Erscheinungen in der westdeutschen Medienpolitik zu einem zentralen Thema und stießen im darauf folgenden Frühjahr auch in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkmedien auf größere Resonanz. Verschiedene westdeutsche Verleger unter maßgeblicher Federführung von Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein beurteilten den Springer-Konzern in der Öffentlichkeit als eine bedrohliche publizistische Monopolmacht, was in einer Dissertation zum Thema von Melchert kritisch als strategische „Anti-Springer-Kampagne“ bezeichnet wird. Medien in der DDR verwendeten die Kritik im Kalten Krieg, um ein Meinungsmonopol der Bild-Zeitung in Westdeutschland abzuzeichnen.[8][9]

Von der Bundesregierung wurde als Reaktion auf die Diskussion eine Pressekommission unter dem Vorsitz des Präsidenten des Bundeskartellamts eingesetzt, um die Konzentration zu untersuchen. Die Kommission kam zu dem Urteil, dass durch den expansiven Springer-Konzern die Pressevielfalt und Pressefreiheit bedroht seien.[10] Zu diesem Zeitpunkt gehörten zum Springer-Konzern (Jahresumsatz knapp eine Milliarde Mark) 19 Zeitungen und Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von 17,5 Millionen.[11] Als Hauptgefährdung wurde dabei die Machtstellung weniger im Zeitschriftenbereich, jedoch im Zeitungssektor gesehen. Der Axel-Springer-Verlag stieß nach dem Urteil 1968 fünf seiner Zeitschriften ab.[12]

1964 gelang es der Bild-Zeitung erstmals, direkt Einfluss auf ein bereits beschlossenes Bundesgesetz zu nehmen. Im Juli 1964 gab Postminister Richard Stücklen eine Erhöhung der Fernsprechgebühren bekannt. Die Zeitung berichtete: „Alles lassen wir uns nicht gefallen!“ und „Holt den Bundestag aus dem Urlaub!“ In der extra einberufenen Sitzung des Parlaments während der Sommerpause wurde die Preiserhöhung teilweise zurückgenommen.[13]

1965 stieg der Preis der Bild-Zeitung von 10 auf 15 Pfennig. Um dies besser durchsetzen zu können, hatte Springer vergeblich von Ludwig Erhard die Herausgabe eines 15-Pfennig-Geldstückes gefordert. Die 13-jährige Geschichte als Groschenblatt war damit beendet.

Seit Ende 1966 häuften sich die kritischen Kommentare der Bild-Zeitung gegenüber der protestierenden Studentenschaft. Diese zunehmend verbal-aggressiven Anfeindungen führten bei den Studenten zu einer stark emotionalen Unterfütterung ihrer Verurteilung des vermeintlichen Meinungsführers Springer. Gleichzeitig erhielt Springer während dieser Jahre immer wieder die Zustimmung von Politikern.[14]

Pflasterstein mit „enteignet Springer“-Slogan (1969)

Für die APO wurde die Bild-Zeitung und der Springer-Verlag zum Feindbild. Die Kampagne „Enteignet Springer!“ wurde initiiert und offen die Zerschlagung des Konzerns verlangt.[15] Am 6. Oktober 1967 kam es zu einer Vereinbarung zu einer gemeinsamen APO-Kampagne gegen Springer zwischen Vertretern verschiedener Studentenverbände (LSD, SHB, SDS), den ASten verschiedener Universitäten, der Kampagne für Abrüstung (KfA) des Republikanischen Clubs (RC) und des Publikationsorgans Berliner Extra-Dienst.[16]

Am 2. Juni 1967 wurde der Student Benno Ohnesorg in Berlin durch einen Polizisten erschossen. Dieses Ereignis ließ den Konflikt zwischen Springer-Verlag und Studenten eskalieren. Der Vorfall wurde vertuscht und die Studenten wurden in der Bild-Zeitung nicht nur eindeutig als die Aggressoren dargestellt, sondern darüber hinaus mehrmals in polemischer Weise in die Nähe terroristischer Vereinigungen gerückt oder mit den Nationalsozialisten gleichgesetzt. Die Zeitung berichtete lediglich, es habe einen Toten gegeben und lenkte den Gewaltvorwurf auf die Demonstranten. In ihrem Kommentar vom 3. Juni 1967 hieß es: „Studenten drohen: Wir schießen zurück“ sowie „Hier hören der Spaß und der Kompromiss und die demokratische Toleranz auf. Wir haben etwas gegen SA-Methoden.“[17]

Bild-Kritiker Günter Grass initiierte 1967 die Aktion „Wir arbeiten nicht für Springer-Zeitungen“

1967 formulierte Axel Springer vier Leitlinien des Verlags, die nach der Wiedervereinigung Deutschland angepasst und nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA erweitert wurden.[18] Bis heute muss jeder Angestellte diese Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag unterzeichnen. Am 1. April 1968 erschien die Regionalausgabe Bild München zum ersten Mal. Nach der Mondlandung erschien am 21. Juli 1969 das erste Farbfoto in der Bild-Zeitung. Sie druckte aus diesem Anlass unter das Logo den Schriftzug „Mond-Zeitung“.

Am 11. April 1968 wurde der Studentenführer Rudi Dutschke von Josef Bachmann in Berlin angeschossen. Viele gaben der Bild-Zeitung und ihrer Berichterstattung über Dutschke und die Studentenbewegung eine Mitschuld an dem Attentat. „Bild schoss mit!“, hieß es. Es folgten schwere Unruhen in West-Berlin und anderen Städten. Demonstranten versuchten das Springer-Haus in Berlin zu stürmen und setzten Bild-Lieferwagen in Brand. Die Hamburger Druckerei wurde belagert, um die Auslieferung der Zeitung zu verhindern, die Bild-Redaktion in München wurde von Studenten verwüstet.

Viele namhafte linke deutsche Intellektuelle wandten sich 1967 öffentlich gegen die Zeitungen des Axel-Springer-Verlages und damit vor allem gegen die Bild-Zeitung. Bedeutende ehemalige Mitglieder der Gruppe 47 um Günter Grass, Peter Rühmkorf und Klaus Staeck begründeten die Anti-Bild-Kampagne mit der Unterschriftenaktion „Wir arbeiten nicht für Springer-Zeitungen“. Die Schriftsteller befürchteten eine „Einschränkung und Verletzung der Meinungsfreiheit“ und eine „Gefährdung der Grundlagen der parlamentarischen Demokratie in Deutschland“ durch die Marktmacht des Konzerns. Weitere Unterzeichner waren Heinrich Böll, Jürgen Habermas sowie Gewerkschafter und Politiker.

Intellektuelle wie Theodor Adorno, Heinrich Böll, Ludwig von Friedeburg, Eugen Kogon, Golo Mann und Alexander Mitscherlich unterzeichneten nach dem Dutschke-Attentat eine „Erklärung zum Mordanschlag“, in der sie eine öffentliche Diskussion über die Marktmacht Springers fordern.[19]

Im Jahr 2006 gab Günter Grass nach Jahrzehnten zu verstehen, von dem Boykott abrücken zu wollen, wenn sich der Springer-Konzern für die verletzende Art entschuldige, mit der die Zeitungen des Konzerns das Werk von Heinrich Böll begleitet hätten. 2006 traf sich Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner mehrfach mit Günter Grass und kündigte an „im Hinblick auf 1968 für den Axel-Springer-Verlag eine selbstkritische Revision zu führen.“ Auszüge des Streitgesprächs, das der Publizist Manfred Bissinger moderierte, wurden im Juni 2006 im Spiegel abgedruckt. Das Gespräch ist im Steidl-Verlag unter dem Titel Die Springer-Kontroverse als Taschenbuch herausgegeben worden.

Die 1970er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bild-Schlagzeile zum Rücktritt von Willy Brandt (1974)
Bild-Redaktionsbüro in West-Berlin am 31. Juli 1977. Rechts der damalige Berliner Redaktionsleiter Wieland Sandmann
Bild-Kritiker Günter Wallraff arbeitete 1977 verdeckt bei Bild Hannover
Seit 1978 sammelt Bild Spendengelder unter dem Slogan „Ein Herz für Kinder

Durch die eskalierte Auseinandersetzung mit der Studentenbewegung 1968 und vielen Intellektuellen befand sich die Zeitung in den 1970ern im Zentrum der Kritik. Die öffentlichen Auseinandersetzungen führten zu einem Auflagenrückgang um 1 Million Exemplare. Am 6. August 1971 übernahm Günter Prinz die Chefredaktion der Bild-Zeitung. Mit seinem Stil, einem „Mix aus Sex, Facts und Fiction, aus Politik, Verbrechen und Verbrauchertipps“ schaffte er es in verhältnismäßig kurzer Zeit, die Auflage wieder auf über 4 Millionen zu steigern.[20] Seit Ende 1971 trägt das Bild-Logo auf der Titelseite statt der Bezeichnung „Zeitung“ den Slogan „unabhängig – überparteilich“.[21]

Günter Prinz ist Erfinder von Ein Herz für Kinder, einer Spenden- und Hilfsaktion, mit der die Bild bis 2006 über 25 Millionen Euro sammelte. Zeitweise klebte Ende der 1970er Jahre auf jedem zweiten westdeutschen Pkw ein Aufkleber mit dem roten Herzen. Nach eigenen Angaben wurden 80 Millionen Stück verteilt.[20]

Prinz entwickelte auch die Aktion Bild kämpft für Sie. Innerhalb von zwei Jahren erhielt die Redaktion 2 Millionen Zuschriften mit der Bitte um Unterstützung. In den 1970er Jahren entstanden in den Ballungsgebieten 15 weitere Regionalausgaben. 1961 hatten 80 % aller Leser die zentral produzierte Bundesausgabe erhalten. 1977 waren es nur noch 10 %.

Am 19. Mai 1972 verübten Ulrike Meinhof und andere Terroristen der Roten Armee Fraktion einen Bombenanschlag auf das Verlagshaus der Axel Springer AG in Hamburg. Es gab 38 Verletzte. In zwei Privathäusern von Axel Springer kam es im selben Jahr zu Brandanschlägen. Daraufhin wurden die Sicherheitsvorkehrungen in allen Bild-Redaktionen verstärkt.

1974 analysierte der Soziologe Horst Holzer die Bild-Leserschaft.[22] Die Leser setzen sich demnach wie folgt zusammen:

  • 34 % Facharbeiter
  • 23 % sonstige Arbeiter
  • 23 % sonstige Beamte und Angestellte
  • 10 % Inhaber und Leiter von Unternehmen, Angehörige freier Berufe, selbstständige Gewerbetreibende
  • 4 % leitende Beamte und Angestellte
  • 3 % Angehörige der landwirtschaftlichen Berufe
  • 3 % Sonstige

Heinrich Böll spielte in seiner 1974 erschienenen Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum, in der er die Gnadenlosigkeit des Boulevardjournalismus anprangert, auf Bild an. In seinem Vorwort schrieb er: „Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“

Im Mai 1977 erschien im Rowohlt Taschenbuch-Verlag „Schlagzeile – Ein «Bild-Reporter» berichtet“ des ehemaligen Bild-Mitarbeiters Hans Schultes-Willekes, in dem er anhand von Fallbeispielen detailliert den Arbeitsalltag in der Redaktion des Boulevardblattes schildert.

Ebenfalls im Frühjahr 1977 arbeitete der Schriftsteller und investigative Journalist Günter Wallraff dreieinhalb Monate lang unerkannt unter dem Pseudonym Hans Esser als Lokalreporter für Bild in Hannover. Er veröffentlichte danach die Anti-Bild-Trilogie Der Aufmacher, Zeugen der Anklage und Das „Bild“-Handbuch, in der er der Bild schwere journalistische Versäumnisse nachwies. Die Wallraff-Enthüllungen wurden zu einem der größten Presseskandale der Bundesrepublik. Der WDR produzierte 1980 dazu einen Bericht, der allerdings vom WDR mit einem Sperrvermerk versehen wurde. Dieser Film wurde erst im August 2010 freigegeben.[23]

Nach Wallraffs Recherchen bei Bild sprach der Deutsche Presserat 1977 sechs Rügen gegen Bild aus, die auf Wallraffs Buch basierten. Wallraff selbst wurde „für seine unzulässige verdeckte Recherche“ einmal gerügt.[24] Die Verhandlungen über die Rügen im Fall Wallraff stürzten den Deutschen Presserat 1977 in eine tiefe Krise, die faktisch zu einer siebenjährigen Handlungsunfähigkeit des Gremiums führte. Erst Ende 1985 konnte die Krise mit einer Reihe von gemeinsamen Selbstverpflichtungen aller Verlage gelöst werden. Enthalten ist die Verpflichtung, Rügen und Stellungnahmen des Presserates im eigenen Blatt zu veröffentlichen.

Noch bevor Wallraff sein Buch veröffentlichte, ging der Verlag in die Offensive und griff ihn scharf an. In der Serie „Wallraff log…“ wurden vermeintliche Begebenheiten aus seiner Tätigkeit in der Bild-Redaktion berichtet. So seien etwa als Folge seiner falschen Berichterstattung einer Frau die Kinder weggenommen worden, außerdem wurde er unter anderem als Gewohnheitstrinker dargestellt, der bereits morgens gläserweise Whisky konsumiert habe. Seiner Aussage nach wurde seine Mutter von Nachbarn daraufhin regelmäßig mitleidig angesprochen, was sie für einen missratenen Sohn habe. In der 1977 erschienenen Auflage von Der Aufmacher stellte Wallraff die Behauptungen der Zeitung über seine angeblichen Fehler ebenso dar wie die Gegendarstellung der davon betroffenen Personen.

Der Springer-Verlag strengte mehrere Prozesse gegen Wallraff an, so dass dieser einige Passagen aus seinem Buch bei den nächsten Auflagen weglassen musste. Dies betraf vor allem zitierte Dialoge mit einzelnen Bild-Mitarbeitern, die sich auf ihr Persönlichkeitsrecht beriefen. Die Prozesse dauerten bis 1984. Der Bundesgerichtshof entschied zu Gunsten Wallraffs.[25] Dagegen legte der Springer-Konzern eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. In seinem Grundsatzurteil vom 25. Januar 1984 rügte dieses lediglich die teils wörtliche Schilderung einer Redaktionskonferenz und entschied ansonsten zugunsten Wallraffs.[26]

1979 stieg die Druckauflage von Bild auf 5.792.400 Exemplare an.

Die 1980er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Tod des Verlagsgründers Axel Springer 1985 leitet dessen Witwe Friede Springer den Konzern
Hans-Hermann Tiedje (hier 2011) war von 1989 bis 1992 Chefredakteur
Von 1994 bis 2009 verlieh die Bild Leipzig den Bild-Osgar

1982 übersprang Bild bei der täglichen Auflage die Fünf-Millionen-Marke, konnte sie jedoch nicht stabilisieren. 1985 starb Axel Springer. Vor seinem Tod hatten 24 Jahre hindurch zwei Männer Bild geleitet: Boenisch und Prinz. Nun wechselten die Chefredakteure häufiger. Zwischen 1989 und 1991 gab es sogar ein Doppelgespann aus zwei gleichberechtigten Chefredakteuren.

Der Bild-Gründer verpflichtete seine Erben, seinen Nachlass bis zum Jahre 2015 nicht zu verkaufen. Heute wird sein Erbe überwiegend von seiner fünften Ehefrau Friede Springer verwaltet. Bis 1990 entstanden neun weitere Regionalredaktionen in Westdeutschland.

Springers Berater und Sicherheitschef, der ehemalige Pressesprecher im NS-Außenministerium Paul Karl Schmidt alias Paul Carell schrieb am 13. Dezember 1981 zum Russland-Feldzug „wie es wirklich war“ und noch sechs Jahre nach dem Tod des Verlegers am 5. Februar 1991 zum 20. Tag der Bodenoffensive im Golfkrieg in Bild.[27]

Die 1990er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 1990 gründete Bild in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Magdeburg, Halle und Mecklenburg-Vorpommern neue lokale Redaktionen. Die Auflage lag 1990 bei 4,5 Millionen Exemplaren und blieb bis 1998 konstant. Trotz des neuen Marktes in den fünf neuen Ländern der ehemaligen DDR konnte Bild die Auflage nicht steigern.

Von 1994 bis 2009 wurde der Bild-Osgar jährlich von der Leipziger Bild verliehen. Ausgezeichnet werden Menschen, die sich um Frieden, Freiheit und die Deutsche Einheit verdient gemacht haben. Der Preis ist eine Porzellanfigur aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Bis einschließlich 2006 wurden 74 Preisträger gekürt.

Die Rechtschreibreform von 1996 wurde von Bild zeitweise abgelehnt. Nachdem die Reform 1999 zunächst übernommen worden war, entschied man sich 2004 für eine an die traditionelle Rechtschreibung angelehnte sogenannte „Hausorthographie“. Diese wurde im August 2005 noch einmal erweitert. Zugleich wurde eine öffentlichkeitswirksame Kampagne gegen die von Bild als „Schlechtschreibreform“ kritisierte Reform gestartet. Im Jahr 2006 gab Bild jedoch wie der Spiegel und der Stern den Widerstand gegen die Reform auf.[28] Am 7. März 2006 gab der Springer-Konzern bekannt, den Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 2. März für die reformierte Rechtschreibung entsprechend den Vorschlägen des Rats für deutsche Rechtschreibung für alle Erzeugnisse zu übernehmen, jedoch in Fällen von mehreren zulässigen Schreibweisen weitgehend die klassische Form anzuwenden.

Die 2000er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chefredakteur Kai Diekmann vom 1. Januar 2001 bis zum 31. Dezember 2015 und von 2015 bis 2017 Herausgeber der Zeitung (Bild 2016)

Nach 1998 wurde Bild von dem allgemeinen wirtschaftlichen Rückgang der Zeitungsbranche Ende der 1990er erfasst. Durch das aufstrebende Internet als neue journalistische Konkurrenz und die allgemein abnehmende Nachfrage nach Print-Anzeigen verlor Bild zwischen 1998 und 2006 1 Million Leser.[29] Bis heute ist dieser Trend nicht gebrochen. Zusätzliche Belastung war die aufwendige Erweiterung des neuen Springer-Hauptsitzes in Berlin nach der Wiedervereinigung, der etwa 400 Millionen Euro kostete, und der Umzug der Redaktionen von Bild und Bild am Sonntag von Hamburg nach Berlin, der im März 2008 endgültig abgeschlossen sein sollte. Zum 1. Januar 2001, die Auflage lag bei 4,36 Millionen Exemplaren, wurde Kai Diekmann zum Chefredakteur sowie zum Herausgeber von Bild und Bild am Sonntag berufen. 2005 war sie auf Platz sechs der größten Tageszeitungen der Welt.[30]

2003 verneinte das Berliner Landgericht einen Anspruch Kai Diekmanns auf Schadensersatz, nachdem dieser die tageszeitung (taz) verklagt hatte, als taz-Autor Gerhard Henschel am 8. Mai 2002 auf der Satire-Seite Die Wahrheit als Parodie auf die Berichterstattung der Bild behauptete, Diekmann habe sich in Miami seinen Penis mit Leichenteilen vergeblich operativ verlängern lassen wollen. Als Begründung wurde seitens des Gerichts angeführt, dass Diekmann als Chefredakteur der Bild „bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung anderer sucht“ und daher „weniger schwer durch die Verletzung seines eigenen Persönlichkeitsrechtes belastet wird“. Er müsse „davon ausgehen, dass diejenigen Maßstäbe, die er anderen gegenüber anlegt, auch für ihn selbst von Belang sind“.[31] Einer Berufung dagegen wurde vom Kammergericht keine Aussicht auf Erfolg gegeben, beide Seiten zogen daraufhin ihre Berufung zurück.[32]

Im August 2003 berichtete Bild, dass ein „Florida-Rolf“ betitelter Mann mit der monatlich aus Deutschland überwiesenen Sozialhilfe in Miami Beach ein Appartement in unmittelbarer Strandnähe finanzierte.[33] Nachdem er arbeitsunfähig erkrankt war und ein Gutachter erhöhte Suizidgefährdung bei Rückkehr nach Deutschland bescheinigt hatte, stimmte das Sozialamt seinem Wohnsitz in Florida zu und überwies ihm einschließlich Kosten der Unterkunft monatlich 1900 Euro. Infolge der öffentlichen Aufmerksamkeit, die durch die Berichterstattung der Bild geweckt worden war, verabschiedete die Bundesregierung innerhalb kürzester Zeit auf Betreiben der Bundessozialministerin Ulla Schmidt eine Verschärfung der Richtlinien zur Zahlung von Sozialhilfe ins Ausland und entzog dem Mann die Leistungen, der daraufhin nach Deutschland zurückkehrte und Altersrente beantragte.[34]

Im März 2004 belegte der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Bild mit einem Interview-Boykott, weil sie seiner Ansicht nach die Arbeit seiner Regierung einseitig negativ darstellte.

2006 forderte die Zeitung ihre Leser unter dem Projektnamen „BILD-Leserreporter 1414“ auf, „Schnappschüsse“ aktueller Geschehnisse einzuschicken. Der Spiegel vermutete in den Einsendern abschätzig „Hobby-Knipser, Pseudo-Journalisten, Unfall-Gaffer und Feierabend-Spanner“, die FAZ fürchtete eine „flächendeckende Paparazzisierung der Gesellschaft“. Bis zum Jahr 2010 gingen in der Redaktion 685.595[35] Bilder ein, von denen 13.514 (ca. 2 %) in das Blatt aufgenommen und mit je 50 (regional) oder 250 (bundesweit) Euro vergütet wurden. Die Zeitung zahlte für die Fotos insgesamt 2,3 Millionen Euro. Insbesondere die Honorierung der Beiträge führt immer wieder zu heftiger Kritik.[36][37] Der Zeitung wurde vorgeworfen, nicht oder mangelhaft auf rechtliche Belange hingewiesen zu haben.[38] Bei Verkehrsunfällen und anderen Notfalleinsätzen kam es zu Störungen durch selbst ernannte Leserreporter.[39] Im Dezember 2008 wurde von Lidl und Bild in einer Gemeinschaftsaktion Videokameras für Bild-Leserreporter angepriesen.[40] Diese Aktion führte zu kontroversen Diskussionen in den Medien.[41]

Am 11. Juni 2006 führte Bild eine Korrekturspalte an einem festen Ort, auf der Seite 2, ein, in der Falschmeldungen berichtigt und vorherige Darstellungen relativiert werden sollen. Diese stellt einen freiwilligen redaktionellen Widerruf dar und ist nicht mit einer Gegendarstellung zu verwechseln, zu der die Zeitung im Einzelfall verurteilt werden kann. Eine falsche Angabe unter einem Aktfoto der Wetter-Moderatorin Andrea Kempter auf der Bild-Titelseite vom 10. Juni 2006 wurde zum Anlass genommen, diese Korrekturspalte einzuführen. Im Text wurde die als „rassige Schönheit“ beschriebene Dame als Sat.1-Wetterfee bezeichnet. Tatsächlich war sie jedoch nicht bei Sat.1 tätig, sondern Wetter-Ansagerin des Nachrichtensenders N24. Bei US-amerikanischen Zeitungen sind solche Spalten seit Jahrzehnten etabliert.[42]

2007 stieg der Springer-Verlag mit dem Markentarif BildMobil in das Mobilfunkgeschäft ein,[43] die im Jahr 2016 von der Marke BILDconnect abgelöst wurde.[44]

Am 16. Mai 2007 verabschiedete der Vorstand des Axel-Springer-Verlages den Beschluss, dass die Redaktion von Bild und der Bild am Sonntag nach Berlin umgesiedelt werden soll. In Hamburg verbleibt lediglich eine Lokalredaktion. Am 24. Mai 2007 schränkte der Vorstand den Beschluss dahingehend ein, dass ab März 2008 etwa 500 Mitarbeiter aus den Redaktionen nach Berlin ziehen und die Bereiche Vertrieb, Logistik sowie Teile der Herstellung in Hamburg verbleiben sollen.[45] Für den Standort Hamburg wurde mit dem Betriebsrat eine am 30. Juni 2013 auslaufende fünfjährige Standortgarantie vereinbart.

Mitte des Jahres 2008 sorgte Bild für einen Skandal im Vereinigten Königreich. Bild druckte einen Ratgeber, wie für deutsche Urlauber der Kontakt mit britischen Touristen zu vermeiden sei, und lehnte sich in der Berichterstattung an Stereotypen an, zum Beispiel mit der Anrede „Liebe Tommies“ in einem der Artikel oder mit einem Schaukasten, in dem der britische Tourist mit einem „knallroten Gesicht, wabbelig-weichem Bierbauch, kurzen, raspeligen Haaren“ beschrieben wurde.[46] Dies fand in mehreren britischen Medien, unter anderem der BBC und der Independent Wiedergabe.

Die 2010er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlagshaus in Berlin, seit März 2008 neuer Hauptsitz der Bild-Redaktion
Julian Reichelt (hier 2018) ist seit März 2018 Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, seit März 2021 als Teil einer Doppelspitze mit Co-Chefredakteurin Alexandra Würzbach

Im Februar 2011 plante das Verteidigungsministerium mit Blick auf die Aussetzung der Wehrpflicht eine große Anzeigenkampagne, die exklusiv in Bild und BamS geschaltet wird.[47][48][49]

Im Januar 2012 überholte die britische The Sun erstmals die weiterhin sinkende Auflage der Bild und löste sie als auflagenstärkste Zeitung Europas ab.[50]

Am 9. März 2012 gab Bild bekannt, dass sie die „Seite-1-Mieze“ nach fast 28 Jahren und rund 5000 Nackt-Models von der Titelseite abschaffen und zukünftig nur noch im Innenteil zeigen würde.[51][52]

Am 23. Juni 2012 verteilte Bild anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens in alle deutschen Haushalte eine Sonderausgabe.[53] In ihrer Anzeigenpreisliste nannte Bild hierfür einen Anzeigenpreis von 4 Mio. Euro für eine ganze Seite. Gegen die Gratisverteilung hatte sich ab 11. April 2012 Widerstand formiert. Das Aktionsbündnis Alle gegen Bild[54] ermöglichte einen juristisch wirksamen Online-Widerspruch gegen die Verteilung in den eigenen Briefkasten.[55] Innerhalb von zwölf Tagen machten über 200.000 Bürger davon Gebrauch.[56] Bild kündigte an, diese Widersprüche bei der Verteilung an 41 Millionen Haushalte zu berücksichtigen. Dies wurde dadurch realisiert, indem jedem Haushalt, der widersprochen hatte, durch den Springer-Verlag ein großer roter Infopost-Umschlag zugesandt wurde. Die Postboten hatten die Anweisung, diesen Haushalten auf keinen Fall eine Bild-Zeitung zuzustellen.

Im Juli 2013 kündigte der Springer-Konzern im Rahmen einer Neuordnung seiner Print-Sparte die Vereinigung der Redaktionen von B.Z. und der Berliner Ausgabe der Bild an.[57]

Seit dem 13. Oktober 2015 unterbindet bild.de die Nutzung mit aktiviertem Werbeblocker.[58] Gegen Anleitungen zum Umgehen der Sperren leitete Bild juristische Schritte ein.[59]

Am 5. November 2015 gab der Springer-Verlag bekannt, dass Kai Diekmann die Chefredaktion der Printausgabe der Bild zum Ende des Jahres 2015 aufgeben wird. Er blieb jedoch Herausgeber der Zeitung. Seine Nachfolgerin wurde die bisherige stellvertretende Chefredakteurin und Leiterin des Ressorts Unterhaltung Tanit Koch. Sie wurde am 1. Januar 2016 die erste weibliche Chefredakteurin des Boulevardblatts.[60] Nachdem Diekmann im Februar 2017 den Verlag verließ, wurde der Posten des Herausgebers wieder abgeschafft und der Chefredakteur Digital Julian Reichelt wurde Vorsitzender der Chefredaktionen.[61] Anlässlich des 65-jährigen Jubiläums verteilte die Deutsche Post am 22. Juni 2017 im Auftrag der Bild eine kostenlose Sonderausgabe an 41 Millionen deutsche Haushalte.[62]

Im Februar 2018 gab Tanit Koch bekannt, ihre Position als Chefredakteurin der Bild-Zeitung nach zwei Jahren aufzugeben. Ursächlich waren laut Medienberichten Konflikte mit dem Vorsitzenden der Chefredaktionen und Chefredakteur Digital Julian Reichelt, der Kochs Position ab März 2018 zusätzlich übernahm und somit drei wichtige Führungspositionen gleichzeitig innehat.[63]

Im September 2019 berichtete das Medienmagazin Horizont, dass der Axel-Springer-Verlag die Eigenständigkeit von Bild und Bild am Sonntag beendet und beide Marken unter der Führung von Gesamtchefredakteur Julian Reichelt fusionieren.[64]

Die 2020er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der COVID-19-Pandemie griff Bild den Virologen Christian Drosten, Leiter der Virologie der Berliner Charité, scharf an. Am 25. Mai 2020 erschien das Blatt mit der Seite-1-Schlagzeile „Fragwürdige Methoden: Drosten-Studie über ansteckende Kinder grob falsch - Wie lange weiß der Star-Virologe schon davon?“. Die Kritik von Bild, gezeichnet von Filipp Piatov, bezog sich auf ein Preprint (also eine Vorveröffentlichung) des Virologen, das im April veröffentlicht worden war. Diese Studie verglich die Viruslasten bei Patienten mit deren jeweiligem Alter und stellte bei Kindern wie auch bei Jugendlichen keinen statistisch signifikanten Unterschied zu Erwachsenen fest: „Children may be as infectious as adults“, zu Deutsch „Kinder könnten so infektiös wie Erwachsene sein“, von Bild allerdings mit „können“ übersetzt.[65] Die Studie war bezüglich des Erregers SARS-CoV-2 eine der ersten ihrer Art. Auf Grundlage ihres vorläufigen Ergebnisses warnten die Autoren vor einer unbegrenzten Wiedereröffnung von Schulen und Kitas. Bestimmte Einschränkungen der Aussagekraft ihrer Analyse und allgemein ihres Datensatzes benannten die Wissenschaftler selbst: in erster Linie die geringe Anzahl der Proben von Kindern sowie das Fehlen einer durchgehenden Aufschlüsselung nach Befunden, die eine Probenabnahme im Vorfeld veranlasst haben könnten (vgl. bedingte Wahrscheinlichkeit). Die Zeitung stützte ihre scharfe Kritik an der Studie auf kurze Zitate von Wissenschaftlern, hauptsächlich Statistiker, die sich jedoch noch am Erscheinungstag öffentlich von der Berichterstattung sowie zum Teil von bestimmten Methoden der Zeitung distanzierten. Mehrere von ihnen gaben an, nicht direkt befragt worden zu sein; der Wirtschaftsprofessor Jörg Stoye sagte, Bild habe Zitate von ihm aus einem auf Englisch verfassten Aufsatz „recht freihändig“ übersetzt.[66][67][68] Auch Politiker stellten sich schützend vor Drosten.[69][68]

Drosten hatte auf Twitter der Veröffentlichung des Zeitungsartikels vorgegriffen. Unter Beifügung des Screenshots einer E-Mail, die er von Piatov erhalten hatte, schrieb er an seine über 360.000 Twitter-Follower über die entsprechenden Vorbereitungen: „Interessant: die #Bild plant eine tendenziöse Berichterstattung über unsere Vorpublikation zu Viruslasten und bemüht dabei Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang. Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun.“[67] Die Autorin und Tagesspiegel-Kolumnistin Hatice Akyün schrieb über die Reaktionen, die folgten: „Was Spiegel-Titelgeschichten und Presserat-Rügen jahrelang nicht geschafft haben, erledigt Dr. Drosten mal eben mit einem Tweet. Chapeau!“ Drosten und die Charité warfen der Bild außerdem vor, die telefonische Auskunft eines englischsprachigen Mitarbeiters verfälscht zu haben: Der Mitarbeiter habe gesagt, „dass man an einem Update der Studie arbeite“. Die Bild hingegen hatte geschrieben, dass andere Wissenschaftler den Charité-Forschern unsaubere Arbeit vorgeworfen hätten und dass diese Kritik nach ihren Informationen auch „Zustimmung in Drostens Forscherteam [findet]. Intern wurden die Fehler bereits eingestanden.“[70] Die Medienexpertin Johanna Haberer sprach von einem „[H]ochkochen“ eines Wissenschaftlerkonflikts zu einem „persönlichen Kleinkrieg“, der beim Thema Gesundheit „allerdings fahrlässig“ sei. Politiker und Wissenschaftler müssten in einer derartigen Situation „auch mal sagen dürfen ‚Ich weiß es nicht‘, ohne dass ihnen daraus gleich ein Strick gedreht“ werde. Mit einer Einteilung der Welt in „schwarz und weiß“ wie in der Bild komme man in einer solchen Epidemie nicht weiter. Drosten sei auch „nur ein Bauernopfer“, denn es gehe der Zeitung nicht um ihn, sondern darum, Bundeskanzlerin Angela Merkel „zu beschädigen“ und eine weitere Amtszeit Merkels „auf jeden Fall zu verhindern“. Bild habe sich „endgültig aus dem Diskurs gekegelt“, so Haberer.[71] Chefredakteur Reichelt nannte die Veröffentlichung „legitime Berichterstattung“[72] und argumentierte unter anderem, dass die Studie Einfluss auf die Beschlüsse für Schul- und Kitaschließungen gehabt habe.[73] Mit dem Vorgehen, Drosten für seine Stellungnahme zu der Bild-Story nur eine Stunde Zeit einzuräumen, habe man sich jedoch „angreifbar gemacht“, so Reichelt. Auch der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE Mathias Döpfner nannte dies einen „dummen Fehler“. Zu dem Vorwurf, die von Bild zitierten Wissenschaftler hätten nicht die Studie insgesamt als „grob falsch“ bezeichnet, sondern einzelne statistische Verfahren und Schlussfolgerungen kritisiert, sagte Reichelt, das sei aus seiner „Sicht eine für Journalismus komplett zulässige Zuspitzung“.[71]

Am 3. Juni 2020 veröffentlichte Drostens Arbeitsgruppe eine weiterentwickelte Version ihrer Studie (weiterhin ein Preprint). Auch hierin wurden keine wesentlichen Unterschiede der Viruslast zwischen Kindern und Erwachsenen festgestellt.[74]

Am 11. September 2020 sprach der Deutsche Presserat eine Rüge gegen die Berichterstattung der Bild aus, da der Beschwerdeausschuss die journalistische Sorgfaltspflicht gemäß Ziffer 2 des Pressekodex verletzt sah. Die Redaktion zitierte unsauber und übersetzte die Studie falsch. Weiterhin befand der Ausschuss die Frist zur Stellungnahme Drostens als zu kurz.[75]

Im Dezember 2020 erschien beim Streamingdienst Amazon Prime die siebenteilige Dokumentation Bild.Macht.Deutschland?, die die Arbeit in der Bild-Redaktion detailliert beobachtet. Seit Herbst 2019 ließ sich die Chefredaktion von Kamerateams begleiten. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde die Dokumentation als zu wenig kritisch bezeichnet.[76]

Im März 2021 wurde bekannt, dass sich Chefredakteur Julian Reichelt einer Untersuchung im eigenen Haus stellen muss. Es geht unter anderem um Vorwürfe des Machtmissbrauchs und der Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen gegenüber Mitarbeiterinnen. Der Springer-Verlag beauftragte die Rechtsanwaltskanzlei Freshfields, den Sachverhalt und mögliche Compliance-Verstöße zu untersuchen.[77][78] Reichelt bat bis zur Klärung der Vorwürfe um die befristete Freistellung von seinen Funktionen im Axel Springer Verlag, die anschließend erfolgte. Nach etwa zwei Wochen kehrte Reichelt nach Abschluss des Verfahrens zurück. Der Springerverlag führte aus, dass es „keine Anhaltspunkte für sexuelle Belästigung oder Nötigung“ gegeben habe. Reichelt räumte jedoch eine Vermischung beruflicher und privater Beziehungen ein.[79] Alexandra Würzbach, die in der Zwischenzeit die Leitung der Bild-Redaktion innehatte, wurde dauerhaft Co-Chefredakteurin.[80] Am 26. April 2021 verlor Reichelt seine Funktion als Geschäftsführer der Bild-Gruppe wegen „Fehler in der Amts- und Personalführung“.[81]

Am 12. April 2021 wurde bekannt, dass WeltN24 noch vor der anvisierten Bundestagswahl im September 2021 Bild als Fernsehsender starten soll. Die dafür notwendige Sendelizenz sei bereits bei der MABB beantragt. Teile des geplanten Programms sollen parallel auf N24 Doku ausgestrahlt werden.[82]

Struktur und Verkauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Automatenverkauf

Die Zeitung erscheint montags bis samstags in einer Bundesausgabe und in 25 Regional- und Stadtausgaben, unterschiedlich in Umfang und Inhalt. Sonntags erscheint das Schwesterblatt Bild am Sonntag.

Bild wird an über 100.000 Verkaufsständen in 44 Ländern verkauft.[83] Sie ist ursprünglich eine Kaufzeitung, kann aber mittlerweile auch abonniert werden. Dennoch wird sie auch heute noch wie die ersten Vertreter der Gattung Boulevardzeitung auf der Straße (Boulevard) angeboten. Die früher üblichen mobilen Zeitungsverkäufer wurden durch Automaten ergänzt und teilweise ersetzt. In einigen Städten wurde die Zeitungsautomaten 2019 aufgrund der Erhöhung der Sondernutzungsgebühren für die Straße abgebaut.[84]

Bild hat laut der Webseite (Stand März 2020)[85] 21 Redaktionen: eine für die Bundes-Ausgabe und regionale Redaktionen in

  • Berlin
  • Bremen
  • Chemnitz
  • Dresden
  • Düsseldorf
  • Frankfurt
  • Halle
  • Hamburg
  • Hannover
  • Köln bzw. Köln/Aachen[86]
  • Leipzig
  • Magdeburg
  • Rhein-Neckar
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • München
  • Nürnberg
  • Ruhrgebiet
  • Saarland
  • Stuttgart
  • Thüringen

Auf der Seite „Auflage, Redaktionen, Journalisten Alle Fakten zur BILD“ gibt der Springer-Verlag im März 2020 an, bei der Bild-Zeitung 883 Redakteure und Reporter sowie mehr als 200 Fotografen zu beschäftigen.

Ein Schwerpunkt innerhalb der Bild-Zeitung ist der Sportteil, der im Vergleich zu anderen deutschen Tageszeitungen überdurchschnittlich umfangreich ist und ein Viertel der Zeitung ausmacht. Etwa ein Viertel der fest angestellten Bild-Redakteure sind Sportreporter. Zu jeder Lokalredaktion gibt es eine davon unabhängige, lokale Sportredaktion. Über 50 % der Leser geben an, die Zeitung auch oder nur wegen des Sportteils zu kaufen.

Auflage und Leserschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leserstruktur nach Schulausbildung
Leserstruktur nach Geschlecht

Bild ist die auflagenstärkste Tageszeitung in Deutschland. Ihre Auflage beträgt gegenwärtig 1.203.486 Exemplare.[87] Das Blatt gehört zu den deutschen Zeitungen mit den größten Auflagenverlusten der vergangenen Jahre. Die verkaufte Auflage ist in den vergangenen 10 Jahren um durchschnittlich 8,4 % pro Jahr gesunken. Im vergangenen Jahr hat sie um 13,1 % abgenommen.[88] Der praktisch kontinuierliche Abwärtstrend fiel dabei stärker aus als bei fast allen anderen Boulevardzeitungen, überregionalen Tageszeitungen sowie Sonntags- und Wochenzeitungen.[89] Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 10,3 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[90]

2006 Bild erreichte nach Eigenangaben etwa 17,9 % der deutschen Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren, also etwa 11,63 Millionen Menschen.[83] Davon waren etwa 4,30 Millionen Frauen und 7,33 Millionen Männer.[91] 2006 waren 63 % der Leser Männer, 43 % der Leser haben einen Hauptschulabschluss mit Lehre, 35 % die mittlere Reife und 4 % die Hochschulreife. 7 % der Leser waren Selbstständige, 34 % waren Angestellte oder Beamte und 37 % waren Facharbeiter. Bei 65 % lag das Einkommen unter 2.000 Euro.[92] Laut Angabe des Axel-Springer-Verlags aus dem Jahr 2006 dauerte es durchschnittlich 38 Minuten, eine Bild-Ausgabe zu lesen.[91]

Laut einer Analyse der Zeitschrift Journalist, herausgegeben durch den Deutschen Journalisten-Verband, aus dem Jahr 2018 erreiche Bild überwiegend ältere Männer ohne Abitur. Die in Deutschland stark wachsende Gruppe der Menschen mit guten und sehr guten Bildungsabschlüssen sei in der Leserschaft deutlich unterrepräsentiert. Bild könne daher keine Repräsentativität mehr beanspruchen.[93] Bild war 2019, wie seit Jahrzehnten, die meistzitierte Tageszeitung in Deutschland.[94]

Im Jahr 2020 erzielte Bild eine Reichweite von rund 7,88 Millionen Leser pro Ausgabe mit der höchsten Reichweite in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen. Trotz des Reichweitenverlustes ist die Zeitung in Deutschland sowohl die reichweiten- als auch auflagenstärkste.[2] Zusätzlich zur gedruckten Auflage hatte Bild laut der IVW im Januar 2020 rund 458.000 zahlende Digital-Abonnenten und lag damit europaweit auf Rang 1.[95]

Format, Layout und Marketing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Druckmaschinen in Berlin-Spandau. Bild wird in zehn deutschen Städten gedruckt. In acht weiteren im Ausland werden spezielle Ausgaben gedruckt.

Bild verwendet seit Beginn das nordische Format (400 × 570 mm). Die Schlagzeile des Aufmachers steht dabei stets über dem Knick in der Mitte. Das Layout von Bild wird bestimmt durch die hart gegeneinander geschnittenen Farben Schwarz, Weiß, Gelb und Rot. Seit Einführung von DTP-Programmen wurde die Bild-Zeitung in den ersten Jahren mit Atex erstellt, das in den 1990er Jahren von QuarkXPress sowie vorübergehend von InDesign abgelöst wurde (Stand 2013). Die Grundschriften sind Neuzeit Grotesk für den Fließtext und Helvetica Inserat, Block und Escrow als Schriften für die Überschriften. Bei besonderen Ereignissen wurde die Bild-Marke für kurze Zeit umgestaltet, wie beispielsweise zum Mauerbau 1961 und dem Mauerfall 1989, zu Fußballweltmeisterschaften, nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 oder dem Flugverbot aufgrund von Vulkanasche 2010.

Gedruckt wird das Blatt in Ahrensburg, Hannover, Berlin, Leipzig, Essen-Kettwig, Esslingen am Neckar, München, Kassel und Syke. In Kiel, Madrid, Palma, Las Palmas, Vitrolles, Mailand, Izmir, Warna und Antalya werden spezielle Auslandsexemplare gedruckt.

Sich selbst bewirbt die Publikation in Versalien als „BILD“, ein Produkt ohne Artikel oder den Begriff „Zeitung“. Gegenüber Anzeigenkunden bewirbt sich Bild als eine Publikation, die „aus Fakten Gefühle macht“ und hochwertige Bilder sowie eine Sprache verwende, „die Bilder erzeugt“. Sie hebt die überragende Bedeutung der Personen, über die berichtet wird, sowie die Relevanz der Geschichten für die Leser hervor. Eine ganzseitige Anzeige in der Bild kostete im April 2017 505.000 Euro.[96]

Verlagsintern werden alle Publikationen, die den Namen Bild tragen, als Bild-Gruppe bezeichnet, die „aus einer Hand“ von einem Chefredakteur geleitet wird.[97] Zu dieser Gruppe zählen neben der Bild-Zeitung auch die Sonntagszeitung Bild am Sonntag, die Website bild.de und die App Bild mobil.

Durch Gewinnspiele wie Super Bingo und gezielte Werbung mit sogenannten Volks-Produkten wird versucht, Leser enger an die Zeitung zu binden. Bild.de, die Website der Zeitung, bewirbt in Aktionen Volks-Produkte und schaltet hierfür Anzeigen in Bild und Bild am Sonntag.[98] Gelegentlich fehlt die Abgrenzung zwischen redaktionellem Inhalt und einer Anzeige, was häufig Anlass zur Kritik bietet.[99] In Bild finden sich häufig Sonder-, Anzeigen-Sonder- und Verlags-Sonderveröffentlichungen mit wenig journalistischem Charakter.

Inhalt und Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bild bezeichnet sich selbst als überparteilich, gilt jedoch als CDU-nah.[100]

Wenn nicht menschliche Belange an sich das Thema sind, werden abstrakte Ereignisse personifiziert und stark zugespitzt. Typisch ist unter anderem die direkte Ansprache des Lesers, zum Beispiel durch das gemeinschaftsbildende „wir“. So verkündete Bild 2005 die Wahl des aus Deutschland stammenden katholischen Kirchenoberhaupts Benedikt XVI. auf der Titelseite mit der Überschrift „Wir sind Papst!

Innerhalb der Polizei- und Gerichtsberichterstattung werden die Leser durch das Erzeugen von Emotionen (z. B. Entsetzen, Abscheu) unmittelbar angesprochen. Schwerverbrecher werden z. B. „Bestie“ genannt; Verbrechen „abscheulich“. Der Deutsche Presserat urteilte 2005, dass dies zu einer Vorverurteilung und damit einem Verstoß gegen den Grundsatz In dubio pro reo führen kann.[101] Wegen des Rechtes am eigenen Bild werden häufig einzelne Beteiligte auf Bildern durch Balken unkenntlich gemacht, andere Fotos mit denselben, erkennbaren Personen werden aber dennoch gedruckt.

Schlagwörter kommen unter anderem durch Komposition mit Bindestrich zustande, oft auch unter Verzicht auf Adjektive wie bei „Schamlos-Prinz“ statt „schamloser Prinz“. Dabei werden auch ungewöhnliche Kombinationen gebildet wie „Sonnenbrand-Hitze“, „Kostenlos-Parkplätze“, „Maulkorb-Urteil“ oder „Brutalo-Schläger“. Andere Schlagwörter sind Neologismen wie „Blitzeis“ oder „Ramba-Zamba“. Einige davon sind in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen. Auf abgeleitete und flektierte Formen wird zugunsten von Schlagworteffekten verzichtet, wie bei „Krabbe doch Doping?“ statt „Krabbe doch gedopt?“ Durch den Einsatz von Superlativen werden Meldungen interessanter gestaltet; Beispiele sind „Hamburgs dümmster …“, „Berlins faulster …“, „Deutschlands verlogenster…“. Oft werden Personen mit einer Aktion oder einem Subjekt textlich verbunden, wie „Messeropa“, „Axtmann“ oder „Vergewaltigungsmädchen“, wobei dieser Stil häufig bei Artikeln auftaucht, die eine Fortsetzung darstellen.

Die Redaktion arbeitet außerdem häufig mit dem Mittel der Verballhornung von Namen bekannter Persönlichkeiten. So wurde die britische Sängerin Amy Winehouse in unterschiedlichen Zusammenhängen schon als „Amy Weinhouse“ und „Amy Müllhouse“ bezeichnet. In anderen Fällen vergibt Bild Spitznamen an Prominente (z. B. „Dr. Tod“ für den umstrittenen Hamburger Ex-Senator Roger Kusch sowie den Anatomen Gunther von Hagens). Schlagzeilen werden mit Emotionen verbunden, um beim Leser ein bestimmtes Gefühl hervorzurufen wie „Benzin-/Strom-/Preis-/Grand-Prix-Wut“, es wird in Großbuchstaben ein Gefühl von Entsetzen erzeugt wie bei „KREBS-ANGST wegen Handystrahlung“ oder Fragen gestellt wie „Muss unsere arme Erde sterben?“ oder „Sterben die Deutschen?“ Es werden reißerische Schlagzeilen wie „Komet rast auf die Erde zu!“ geschrieben, was im Artikel dann wieder relativiert wird.

Öffentliche Rezeption und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Bild-Herausgeber Kai Diekmann 2009 auf der Generalversammlung der taz

Auf den ersten Blick enthält Bild leichte Unterhaltung, Klatsch- und Skandalberichte.[102] Sie vermittelt dabei eine Weltsicht, die dramatisiert sowie auf Sensation fixiert dargestellt wird.[103] Gleichzeitig ist Bild wegen ihrer als polemisch empfundenen Art, ihres Hangs zur Vereinfachung und ihrer Sensationslust häufig der Kritik ausgesetzt. Kritik am Blatt, die es seit den 1960er Jahren gibt, nahm Bild bisher nicht zum Anlass, die Art ihrer Berichterstattung zu ändern.[104]

Dem Blatt werden von Kritikern zahlreiche Eingriffe in die Privat- und Intimsphäre vorgeworfen, um so Personen mit diesen oft zweifelhaften Erkenntnissen zu Interviews zu drängen.[105][106][107] Prominent ist das Beispiel Charlotte Roche, die ihr Privatleben erfolgreich gegenüber Bild vor Gericht verteidigte.[108] In diesem wie in vielen Fällen wird das Privatleben selbst dann recherchiert, wenn die Betroffenen dies ausdrücklich nicht wünschen oder ihr Privatleben zu schützen versuchen.[109] Dazu erklärte Springer-Chef Matthias Döpfner 2006: „Für die Bild-Zeitung gilt das Prinzip: Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten. Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.“[110][111]

Vielfach zitiert wurde der Schriftsteller Max Goldt, der anlässlich der Berichterstattung über Ernst August von Hannover im Jahr 2000 die Bild-Zeitung in einem Text in der Titanic 2001 als „Organ der Niedertracht“ bezeichnete. Es sei „falsch, sie zu lesen“. Bild-Mitarbeiter seien „gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein.“[112][113]

Der ehemalige Bild-Herausgeber Kai Diekmann hat mit dem Negativimage der Bild kokettiert. So wurde er Mitglied der Verlagsgenossenschaft, die die Bild-kritische taz herausgibt, und sprach 2009 auf deren Generalversammlung. Außerdem unterhielt er mit dem NDR-Medienmagazin Zapp einen regelmäßigen Briefwechsel, in dem er „Sünden“ der Bild als Themen für die Sendung vorschlug.[114]

Ende September 2018 bezeichnete der ehemalige stellvertretende Bild- und Bild am Sonntag-Chefredakteur Michael Spreng die Zeitung in einem Interview mit dem Tagesspiegel als „Vorfeldorganisation der AfD“. Bild versuche, „die Institutionen und Repräsentanten des Staats verächtlich zu machen“. Eine Gewalttat eines Flüchtlings gegen einen Deutschen werde „zur schreienden Schlagzeile“, wenn hingegen „ein Deutscher einen Syrer ersticht, wird dies mit ein paar Zeilen auf Seite 5 abgetan“. Häufig gebe es Artikel „gegen die angeblich zu lasche Justiz, gegen den angeblich untätigen Staat und die angeblich unfähigen Politiker“. Damit „zersetz[e]“ das Blatt „systematisch den Respekt vor den Institutionen und Repräsentanten des Staates und delegitimier[e] die liberale deutsche Demokratie“ und betreibe so „freiwillig oder unfreiwillig“ das Geschäft der AfD. Chefredakteur Reichelt habe offenbar „eine Truppe von selbsternannten Kriegern um sich geschart, die glauben, sie lägen im Schützengraben und müssten nicht nur die Kanzlerin, sondern auch den liberalen Rechtsstaat sturmreif schießen“.[115]

Auch der Autor und Journalist Patrick Gensing hat der Zeitung vorgeworfen, „eine politische Agenda“ zu verfolgen, „nämlich die Diskreditierung der Flüchtlingspolitik Angela Merkels“. Als ein Beispiel nannte er den Bericht in Bild vom 7. März 2019, wonach laut Bundesinnenministerium „tausende Hinweise auf mögliche Kriegsverbrecher unter den Asylsuchenden unbearbeitet liegen geblieben“ seien. Das Ministerium hatte jedoch auf eine FDP-Anfrage geantwortet, bei Befragungen von Geflüchteten habe es rund 5000 Hinweise auf Kriegsverbrechen gegeben. Armin Schuster, Unionsobmann im Innenausschuss, stellte klar, es seien „Hinweise auf Kriegsverbrecher von Asylbewerbern – nicht unter Asylbewerbern“. Gensing äußerte, die „grob irreführend[e]“ Interpretation der Bild passe zur Legende vom angeblichen „Staatsversagen“, wonach der deutsche Staat nicht in der Lage oder willens sei, gegen Rechtsbrüche vorzugehen, oder diese Rechtsbrüche sogar politisch gewollt seien.[116]

Laut dem Medienexperten Jürn Kruse setzt Bild seit Reichelts Amtsantritt wieder stärker auf Stammtisch-Themen und Stimmungen. Sein Kurs sei „wesentlich härter – und auch populistischer“. Es sei „die Methode, die beispielsweise Donald Trumps Lieblingssender Fox News in den USA verfolgt.“[117]

Presserat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vom Deutschen Presserat gerügten Printmedien (1986–2020)[118]

Der Bild-Redaktion werden nicht selten die vorschnelle Verurteilung von Verdächtigen, die Missachtung von Persönlichkeitsrechten und mangelnde Beachtung der journalistischen Sorgfaltspflicht nachgewiesen. Berichterstattung dieser Form verstößt gegen den Pressekodex des Deutschen Presserats, zu dessen Einhaltung sich Verlag und Redaktion selbst verpflichten. Der Springer-Verlag formulierte im August 2003 eigene journalistische Leitlinien, die das Verständnis der publizistischen Grundsätze des Pressekodex konkretisieren sollen.[119][120]

Bis zum Jahr 1986 gab es keine verbindlichen Richtlinien zum Abdruck von Rügen durch den Presserat. Zwischen 1977 und 1986 weigerte sich Bild in einigen Fällen, Rügen und Stellungnahmen des Deutschen Presserates abzudrucken. Als 1981 der Express den Abdruck einer Rüge verweigerte, stellte der Presserat seine Arbeit ein, bis 1985 die Verlage eine Selbstverpflichtung zum Abdruck der Rügen abgaben, der sich auch Bild anschloss. Allerdings hat die gedruckte Bild-Zeitung seit Mitte 2019 keine der Rügen über die eigene Berichterstattung veröffentlicht.[121]

Seit Beginn der Statistik im Jahr 1986 ist Bild die am meisten gerügte Zeitung mit 233 Rügen bis zum ersten Quartal 2021.[122]

Verstöße gegen den Pressekodex[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Protestaufkleber gegen die Bild-Zustellung an einem Briefkasten

1979 wurde Bild zu 25.000 DM Entschädigung verurteilt, nachdem sie in ihrer Berichterstattung über den Mord an dem Chef der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, die Studentin Eleonore Poensgen unter anderem als „Terroristen-Mädchen“ diffamiert hatte, obwohl gegen sie strafrechtlich nichts vorlag. Allerdings wurde eine weitere Klage gegen den damaligen Chefredakteur Prinz abgewiesen und Poensgen musste drei Viertel der Prozesskosten tragen, was einen Großteil der Entschädigung ausmachte.[123] Das Urteil erregte großes Aufsehen, weil der Fall starke Ähnlichkeit mit der fiktiven Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Heinrich Böll aus dem Jahr 1974 hatte.

1998 erhängte sich der Schauspieler Raimund Harmstorf nach einem weitgehend unwahren Bericht der Bild. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben: „Es liegen Erkenntnisse dahingehend vor, dass ein Mitauslöser für den Selbstmord in der Medienberichterstattung des vergangenen Samstags zu sehen ist.“ Günter Wallraff kommentierte: „Den Schauspieler Raimund Harmstorf hat Bild auf dem Gewissen.“ Die Zeitung behauptete, der Artikel sei „zutreffend und presserechtlich zulässig“ gewesen.[124]

1999 bezeichnete Bild Günter Wallraff als „Stasi-Spitzel“ und „inoffiziellen Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR“, woraufhin dieser auf Unterlassung klagte. Im folgenden Prozess legte die Bild-Redaktion Stasi-Akten vor, die zwar offenlegten, dass Wallraff dort als inoffizieller Mitarbeiter geführt wurde, jedoch ohne sein Wissen. Der Bundesgerichtshof entschied nach drei Jahren in letzter Instanz, dass Bild Wallraff nicht als „Stasi-Spitzel“ oder „IM“ bezeichnen dürfe.[125] Seit 1999 hat Bild nicht mehr über Günter Wallraff berichtet. Der Enthüllungsjournalist Wallraff hatte 1977 verdeckt als Redakteur bei der Bild gearbeitet, um über die Zustände der dortigen Berichterstattung zu berichten.[23]

Im November 2000 berichtete Bild über die vermeintliche Ermordung eines kleinen Jungen im sächsischen Sebnitz durch Neonazis. Über einen Mann wurde in Bild unter Nennung des Namens berichtet, dass dieser „unter Mordverdacht verhaftet“ wurde. Fünf Tage nach dieser Schlagzeile wurde klar, dass der vermeintliche Täter unschuldig war. Bild entschuldigte sich nicht, allerdings durfte der Ort Sebnitz in verschiedenen Springer-Zeitungen kostenlose Anzeigen schalten.

Im Januar 2001 zeigte Bild unter der Schlagzeile Was machte Minister Trittin auf dieser Gewalt-Demo? ein Foto von Jürgen Trittin auf einer Demonstration in Göttingen. Bild druckte das Foto in Schwarz-Weiß, grob gerastert und an den Rändern stark beschnitten und machte mit einmontierten Hinweisen auf einen Bolzenschneider, der eigentlich ein Handschuh war, sowie auf einen Schlagstock, in Wirklichkeit ein Tau, aufmerksam.[126] Chefredakteur Diekmann entschuldigte sich erst nach heftigen Diskussionen bei Trittin.

Im Jahr 2002 kam es zur „Bonusmeilen-Affäre“, bei der Bild zusammen mit dem Bund der Steuerzahler herausfand, dass einige Politiker mit ihren dienstlich angesammelten Bonusmeilen Privatreisen unternahmen. Dies führte unter anderem zu den Rücktritten von Gregor Gysi und Cem Özdemir. Es wurde kritisiert, dass Bild die Informationen Stück für Stück veröffentlichte und auffallend viele Politiker aus den Fraktionen von SPD und Grünen von der Berichterstattung betroffen waren.

Einem KNA-Bericht zufolge missachtete die Bild als einzige Zeitung die Sperrfrist über das Schreiben Über die Zusammenarbeit von Mann und Frau der katholischen Glaubenskongregation des Vatikans vom 31. Juli 2004.[127]

Schauspielerin Sibel Kekilli warf auf der Bambi-Verleihung 2004 Bild eine „dreckige Hetzkampagne“ vor und löste eine Debatte aus

Besonderes Aufsehen erregte 2004 ein Urteil des Berliner Kammergerichtes, das Bild die Verbreitung von Nacktfotos der Schauspielerin Sibel Kekilli untersagte. Kekilli war zur Berlinale mit dem Deutschen Filmpreis in Gold geehrt worden, die Begründung der Jury war ihre „Eindringliche Darstellung im Film Gegen die Wand“. Bild druckte daraufhin ein Foto aus einem ihrer früheren Pornofilme mit der Bildüberschrift „Eindringliche Darstellung“. In der Urteilsbegründung heißt es, Bild habe eine „Kampagne“ geführt, in der Kekilli „in höhnischer Weise herabgesetzt und verächtlich“ gemacht worden sei. Ein derartiger Eingriff in die Menschenwürde sei durch die Pressefreiheit nicht mehr gedeckt. Die Rüge des Presserates veröffentlichte Bild erst nach 15 Monaten auf Seite 4 in einem Vierzeiler.[128]

Am 19. Mai 2007 bezeichnete das Blatt den Deutsch-Libanesen Khaled al-Masri unter der Schlagzeile „Warum lassen wir uns von so einem terrorisieren?“ als „Islamisten“, „durchgeknallten Schläger“, „Querulanten“, „Brandstifter“ und möglichen „Lügner“ sowie als „Irren“. Hierfür wurde Bild vom Deutschen Presserat aufgrund „Verletzung des Persönlichkeitsrechts“ gerügt, da al-Masri zu diesem Zeitpunkt noch für keine Straftat rechtskräftig verurteilt war und somit die Unschuldsvermutung galt. Als Antwort schrieb das Blatt im November „Irre! Presserat rügt Bild wegen dieses Brandstifters“. Der Geschäftsführer des Deutschen Presserates, Lutz Tillmanns, zeigte sich verblüfft, in welcher Form die Zeitung die öffentlich ausgesprochene Rüge dargestellt habe, zu der das Blatt nach Ziffer 16 des Pressekodex verpflichtet sei. Weiter schrieb die Zeitung: „Wir stehen zu unserer Darstellung. Wir werden unsere Berichterstattung nicht weichspülen – so wenig wie bei Hasspredigern, Nazis oder sonstigem durchgeknallten Gesindel“. Al-Masris Anwalt Manfred R. Gnjdic kündigte daraufhin Strafanzeige wegen Beleidigung und übler Nachrede an.[129]

2008 erließ das Amtsgericht Osnabrück Strafbefehl gegen zwei Bild-Reporter, da diese im November 2007 im Rahmen aufdringlicher Reportage aus Sensationsgier einen Autofahrer im Straßenverkehr verfolgten, ausbremsten und ihn zum Anhalten nötigten, um unerlaubt Fotos von ihm zu schießen. Sie vermuteten hinter dem Autofahrer einen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu Sozialstunden verurteilten Mann, der seine Strafe in einem Kindergarten verbüßte.[130]

Am 11. Juni 2008 wurde der Axel-Springer-Verlag vom Landgericht München I zu Schadensersatz in Höhe von 50.000 Euro zuzüglich Arztkosten verurteilt, weil in unzulässiger und beleidigender Weise über die Ehefrau eines wegen Mordes Verhafteten in der Bild berichtet wurde.[131]

Im Juni 2008 missbilligte der Presserat erneut Berichte der Bild. In einem Fall sei die gesamte Berichterstattung „unangemessen sensationell“ dargestellt gewesen, das Opfer wurde durch die Schreibweise „zum Objekt, zu einem bloßen Mittel herabgewürdigt“ worden und es sei über einen „körperlich oder seelisch leidenden Menschen in einer über das öffentliche Interesse und das Informationsinteresse der Leser hinausreichenden Art und Weise“ veröffentlicht worden. Der Presserat missbilligte die Verstöße gegen Ziffer 11 (Sensationsberichterstattung) des Pressekodex.

Des Weiteren missbilligte der Presserat das Interview im Fall von Marco Weiss und erkannte eine Verletzung von Richtlinie 13.3. (Straftaten Jugendlicher) sowie einen Verstoß gegen Ziffer 4 (Grenzen der Recherche) des Pressekodex. Eine Missbilligung durch den Presserat ist für die missbilligte Zeitung folgenlos.[132]

Als Verstoß gegen die Menschenwürde und unangemessen sensationell rügte der Presserat 2009 die Zeitung wegen ihrer Berichterstattung über den Tod von Michael Jackson. Eine Rüge sprach der Presserat auch gegenüber dem Online-Portal Bild.de aus.

Eva Herman erstritt 2009 ein Schmerzensgeld von 25.000 Euro, nachdem sie in Bild als „dumme Kuh“ bezeichnet wurde

Am 28. Juli 2009 wurde der Axel-Springer-Verlag in einem von der Buchautorin und ehemaligen „Tagesschau“-Moderatorin Eva Herman angestrengten Berufungsverfahren vom Oberlandesgericht Köln zu Schadensersatz in Höhe von 25.000 Euro verurteilt. Das Medienhaus hatte behauptet, Herman habe „den Nationalsozialismus in Teilen gutgeheißen“. Zudem seien durch einen Bericht in der Springerzeitung Hamburger Abendblatt ihre Persönlichkeitsrechte verletzt worden. Weiter befanden die Richter, dass der Axel-Springer-Verlag nicht allein für die weiteren beruflichen und privaten Auswirkungen Hermans verantwortlich gemacht werden kann. In drei weiteren Berufungsverfahren seitens des Axel-Springer-Verlags oder Hermans musste das Oberlandesgericht Köln kein Urteil mehr fällen, da im Vorfeld der Verhandlungen die Berufungen zurückgezogen worden waren. Demnach dürfen Bild und Bild.de Herman nicht mehr als „dumme Kuh“ betiteln. Der Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner hatte sich in seiner Kolumne „Post von Wagner“ dieser Aussage aus der Johannes-B.-Kerner-Show bedient und sie dazu missbraucht, Herman zu beleidigen. Dafür wurde Herman eine Entschädigung von 10.000 Euro zuerkannt.

Im Oktober 2010 wurde ein ehemaliger Bild-Journalist vom Amtsgericht München zu einer Geldstrafe wegen Nötigung und Verletzung der Intimsphäre verurteilt. Er soll den Kabarettisten Ottfried Fischer mit Hilfe heimlich gedrehter Sexvideos zu einem ausführlichen Interview über seine Parkinson-Erkrankung gedrängt haben.[133]

Im April 2012 kritisierte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, die Berichterstattung der Bild über vermeintlich zunehmende „Tricksereien“ durch Hartz-IV-Bezieher als „unverantwortliche Stimmungsmache“.[134]

Im Zuge der Berichterstattung des Unglücks des Germanwings-Flug 9525 im März 2015 wurde Bild für häufig irrelevante und fehlerhafte Nachrichtenmeldungen kritisiert.[135] Die taz kritisierte die Sensationshascherei einiger Journalisten, die Flut irrelevanter Informationen in den Live-Blogs der großen Nachrichtenseiten und den Umgang mit Informationen über die Opfer und ihrer Angehörigen und bezog sich damit überwiegend auf die Bild-Zeitung.[136] Als verschiedene Händler als Reaktion darauf die Bild aus dem Verkauf nahmen, wurden sie von der Presseservice Nordwest und der Süddeutschen Zeitungszentrale unter Druck gesetzt, entweder die Bild wieder ins Sortiment zu nehmen oder sie würden gar nicht mehr mit Zeitungen beliefert.[137]

Jörg Kachelmann bei einem Auftritt im April 2016 in Erbach im Odenwald
Jörg Kachelmann (hier 2016) erstritt nach dem Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung 2015 mit 635.000 Euro die höchste Schmerzensgeldzahlung, zu der die Bild-Zeitung bisher verurteilt wurde. (später auf 395.000 Euro reduziert)

Im September 2015 wurde der Springerverlag vom Landgericht Köln dazu verurteilt, Jörg Kachelmann 635.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Bild und Bild-Online hatten nach Ansicht des Gerichts während der Berichterstattung über den Vergewaltigungsprozess gegen den Moderator Persönlichkeitsrechte verletzt und unwahr berichtet.[138] Das Oberlandesgericht Köln reduzierte 2016 den Schmerzensgeldanspruch auf 395.000 Euro.[139]

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg 2017 veröffentlichte Bild am 10. Juli 2017 auf der Titelseite unverpixelte Fotos von mutmaßlichen Gewalttätern mit dem Aufruf „Gesucht! Wer kennt diese G20-Verbrecher?“ Die Polizei erklärte, das Blatt nie um Hilfe gebeten zu haben. Der Medienrechtler Ralf Höcker sprach von „Selbstjustiz“ des Boulevardblattes. Klaus Hempel von der ARD-Rechtsredaktion stellte fest, dass die Fotos und deren Betitelung den Charakter eines Fahndungsaufrufs hätten, der ausschließlich der Polizei zustehe, und damit rechtswidrig seien. Auch der Deutsche Journalistenverband kritisierte die Berichterstattung. Der Deutsche Presserat erklärte, die Beschwerden zu prüfen.[140][141]

Der Presserat monierte die Falschdarstellung russischer Militäroperationen in Syrien durch Bild.de im Februar 2016. Dort wurde getitelt: „Putin und Assad bomben weiter“. Der Bezug war eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand binnen einer Woche. Der Beitrag erwecke wahrheitswidrig den Eindruck, dass der gerade beschlossene Waffenstillstand durch Russland gebrochen wurde. Presseethisch bewertete der Ausschuss den Verstoß gegen die publizistischen Grundsätze als so schwerwiegend, dass er gemäß § 12 der Beschwerdeordnung eine Missbilligung aussprach.[142]

Im Juni 2019 sprach das Landgericht Frankfurt dem Magistratsdirektor von Eschborn eine Entschädigung von 110.000 Euro zu, nachdem die Frankfurter Ausgabe der Zeitung und Bild.de im Herbst 2016 mehrfach über ihn berichtet hatten. An vier aufeinanderfolgenden Tagen hatte die Zeitung mit den Schlagzeilen „Sex-Mobbing-Vorwürfe“, „Suff-Exzesse im Rathaus?“, „Nazi-Vorwürfe“ und „Ekel-Vorwürfe“ ungeprüft schwere Anschuldigungen erhoben, die sich später als unglaubwürdig herausstellten. Hierbei waren der volle Name und mehrere, teilweise großformatige Fotos des Klägers ohne Unkenntlichmachung abgedruckt worden. Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden.[143][144]

Der Presserat sprach im Juni 2020 eine öffentliche Rüge gegen die Zeitung aus, weil sie zu einem Bericht mit der Schlagzeile Laila (1) erfror auf der Flucht vor dem Krieg zum Tod eines 18 Monate alten syrischen Mädchens ein Foto des toten Kindes mit offenen Augen gezeigt hatte. Er wertete dieses als Verstoß gegen die Menschenwürde und einen Verstoß gegen Ziffer 1 des Pressekodex („Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde“).[145]

Im Dezember 2020 erhielten Bild.de und zwei andere Tageszeitungen mehrere Rügen des Presserates, da sie im Kontext der Berichterstattung über gewaltsame Tode von fünf Kindern in Solingen WhatsApp-Nachrichten eines elfjährigen, überlebenden Kindes veröffentlicht hatten.[146]

Bildblog[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bildblog deckt seit Juni 2004 Fehler des Blattes auf.

Im Internet etablierte sich ab 2004 das von Medienjournalisten betriebene medienkritische Watchblog Bildblog, das bis Anfang 2009 fast ausschließlich über den Bild-Journalismus berichtete. Mit etwa 50.000 Seitenaufrufen am Tag ist es das meistgelesene Weblog Deutschlands, es wurde mehrfach ausgezeichnet.[147]

Implizite Wahlwerbung für die Unionsparteien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hamburgs damaliger Bürger­meister Ole von Beust – laut einer Studie der Universität Hamburg über die Bürgerschaftswahl 2008 der „Liebling der Bild-Zeitung“ – posiert mit der Zeitung (2008)

Eine Studie des Kommunikationswissenschaftlers Frank Brettschneider und der Politikwissenschaftlerin Bettina Wagner zur Berichterstattung über die Bundestagswahl 2002 belegt eine implizite Wahlwerbung für die Unionsparteien und Edmund Stoiber, obwohl sich Bild als „überparteilich“ bezeichnet und eine explizite Wahlempfehlung der Financial Times Deutschland verurteilte. Über die SPD und Gerhard Schröder berichtete die Zeitung häufiger und negativer, ließ Unions-Politiker häufiger kommentieren und stellte die Themen der Unionsparteien in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung.[148] Auch bei der Bundestagswahl 2005 machte die Zeitung laut einer Analyse des Politikwissenschaftlers Oskar Niedermayer implizite Wahlwerbung für die Unionsparteien und Angela Merkel.[149] Zu einem ähnlichen Ergebnis kam 2008 eine Studie der Universität Hamburg, die die Berichterstattung zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2008 untersuchte.[150][151]

Studien der Otto-Brenner-Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Publizisten und Kommunikationswissenschaftler Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz untersuchten 2011 im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung die Darstellung der Bild zur Griechenland- und Eurokrise 2010 und kamen zum Schluss, dass Bild lediglich anhand einer inhaltlichen Linie (z. B. die Darstellung der angeblich faulen Griechen) Botschaften an die Leser aussendet und hingegen kaum über die Sachverhalte informiert. Zwar bediene sich die Bild des journalistischen Handwerks, „aber nie, um Ziele des Journalismus zu verfolgen.“[152] Die Studie fand Beachtung in überregionalen deutschen Medien.[153]

2012 untersuchten die beiden Publizisten in der Studie „Bild“ und Wulff die Bild-Berichterstattung über Christian Wulff, der so lange unterstützt wurde, bis er die Meinung vertrat, der Islam gehöre zu Deutschland. Danach sei er „in Grund und Boden geschrieben“ worden.[154]

In der 2013 erschienenen Studie Missbrauchte Politik untersuchen die Autoren den Einfluss der „Bild“ auf politische Entscheidungen, Methoden der versuchten Einflussnahme und ihre Wirksamkeit.[155]

Studie der Gesellschaft Public Relations Agenturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Beteiligung von TNS Emnid untersuchte die Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA) das Vertrauen der Befragten in Printmedien. Der im April 2012 veröffentlichten Studie zufolge vertrauen dabei in die Bild-Zeitung 30 % der Befragten. Der Präsident der GPRA kommentierte das Ergebnis mit Blick auf die Wulff-Affäre: „Die Selbstwahrnehmung der BILD-Zeitung unterscheidet sich deutlich von der Realität. Sie besitzt keineswegs eine auf Vertrauen basierende Legitimation, über Moral und Gerechtigkeit in unserem Land zu urteilen.“[156]

Werbespots der taz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf das gelegentliche Klischee vom Bild-Leser wird auch in zwei zeitweise per einstweiliger Verfügung untersagten Werbespots der taz angespielt.[157][158] Die Axel Springer AG ließ die Ausstrahlung der beiden Kino-Spots untersagen. Der Verlag argumentierte, dass es sich dabei um eine „Rufausbeutung“ zu Lasten der Bild-Zeitung handele.

Das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg erklärte im Jahr 2007, im taz-Spot würden Bild-Leser als „dumm und begriffsstutzig“ dargestellt. Aus Sicht der Richter erweckte der Spot die Vorstellung, die Leser seien nicht in der Lage, die anspruchsvolle taz zu verstehen. Zwar sei der Spot „witzig“ und „künstlerisch anspruchsvoll“, trotz eines „nicht unerheblichen Wahrheitskerns“ hielten sie den Spot dennoch für „unangemessen“.[158]

In der Revisionsverhandlung vor dem Bundesgerichtshof hat dieser in seinem Urteil[159] vom 1. Oktober 2009 die Entscheidungen der Vorinstanzen aufgehoben und die Klage von Bild abgewiesen.[160] Die taz durfte die beiden preisgekrönten Werbespots somit wieder einsetzen.

Ableger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den hohen Bekanntheitsgrad der Marke Bild kommerziell zu nutzen, veröffentlicht der Verlag weitere Publikationen, die den Namen Bild tragen. Diese werden jeweils von einer eigenständigen Redaktion erstellt und sollen andere Lesergruppen erreichen.

Ableger der „Bild“
Logo Zeitungstitel Erscheinung Auflage[161] Reichweite
(in Mio.)[162]
Logo Bild am Sonntag
(kurz BamS)
seit 1956 672.676 10,07
Logo Bild der Frau* seit 1983 523.494 06,44
Logo Bildwoche* seit 1983 058.566 01,05
Logo Auto Bild seit 1986 241.842 02,72
Logo Sport Bild seit 1988 182.219 04,32
Logo Computer Bild seit 1996 128.456 03,12
Logo Computer Bild Spiele** 1999–2019 02,15
Logo Auto Bild Motorsport*** 2001–2009 01,03
Logo Autobild Sportscars
(vormals Auto Bild Test & Tuning)
seit 2002 028.561 k. A.
Logo Autobild allrad seit 2002 025.917 k. A.
Logo Audio Video Foto Bild seit 2003 017.061 00,8
Gesundheits Bild**** 2003–2007 280.000 k. A.
Logo BIKE Bild seit 2016 200.000 k. A.
Logo Reise Bild 2003–2006 200.000 k. A.
Logo Tier Bild***** 2002–2006 300.000 k. A.
Logo Bild.de (Website)
(von 2001 bis 2007 Bild.T-Online.de)
seit 1996
Logo Fußball Bild 20. Jan. 2017
bis Ende 2018
330.000
Logo Bild Politik****** 8. Feb. bis 5. Juli 2019 020.000

* 2014 wurde Bild der Frau an die Funke Mediengruppe und Bildwoche an die Mediengruppe Klambt verkauft.[163]

** Computer Bild Spiele wurde im August 2019 eingestellt. Die Redaktion wurde mit der Computer Bild zusammengelegt.[164]

*** Ursprünglich erschien Auto Bild Motorsport als eigenständiges Magazin. Seit Mai 2009 wird es als „Heft im Heft“ der Auto Bild beigeheftet, erscheint mit 35 Ausgaben pro Jahr, insbesondere während der deutschen Motorsportsaison (April bis Oktober).

**** Die Gesundheits Bild wurde 2007 eingestellt. Sie soll nur noch viermal im Jahr als Tiefdruck-Beilage zur Bild am Sonntag erscheinen.[165]

***** Tier Bild und Reise Bild wurden 2006, Fußball-Bild zum Jahresende 2018 wegen Erfolglosigkeit eingestellt.[166][167]

****** Bild Politik wurde für einige Monate in Hamburg und dessen Umland sowie Lüneburg und Lübeck wöchentlich freitags mit einer Auflage von 20.000 vertrieben. Nach Ablauf des Testzeitraums wurde die Einstellung des Magazins entschieden.[168][169][170][171]

Außerdem gibt es die Bild-Bestseller-Bibliothek (2004–2005), die Bild-Comic-Bibliothek[172] (2005) und die Bild-Natur-Bibliothek. Es handelt sich dabei um gemeinsame Projekte mit dem Weltbild-Verlag, in dem Belletristik-Bestseller, eine Bibel, bekannte Comic-Reihen wie Asterix oder Donald Duck neu verlegt wurden. Seit 2006 gibt es die Bild-Erotik-Bibliothek, ein gemeinsames Projekt der Axel Springer AG mit der Verlagsgruppe Random House. Mit der Geschichte der O wurde hierbei ein Einzelwerk verlegt, das bereits seit Jahrzehnten indiziert war.

Des Weiteren betreibt die Bild seit August 2016 eine Sportwetten-Seite.

2020 wurde BildBet gegründet. Es ist ein Unternehmen, das Online-Sportwetten in Deutschland anbietet und mit einer deutschen Sportwetten-Konzession des Regierungspräsidiums Darmstadt sowie einer Glücksspiellizenz der Malta Gaming Authority ausgestattet ist. Der Sportwettenanbieter mit Sitz auf Malta ist seit Dezember 2020 am deutschen Markt vertreten. Es werden Wetten für rund 20 Sportarten angeboten, mit Schwerpunkt auf Fußballwetten. Nach eigenen Angaben nimmt der Schutz der Spieler bei BildBet eine zentrale Rolle ein. Das Unternehmen hat eine Reihe von Maßnahmen implementiert, die den Zielen des Glücksspielstaatsvertrags entsprechen mit Prävention von Geldwäsche und Jugend- und Spielerschutz. Über die Risiken von Sportwetten informiert ein eigens angelegtes Glücksspielportal. BildBet verfügt über eine von 15 deutschen Sportwetten-Lizenzen, die am 8. Oktober 2020 vergeben wurde.

In anderen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2003 gibt das Tochterunternehmen Axel Springer Polska die polnische Boulevardzeitung Fakt heraus.

Online[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Besucherzahlen[173]
UniqueVisits Bild.de.png Das Nachrichtenportal Bild.de startete als Zeitungspräsenz und entwickelte sich zum reichweitenstärksten redaktionellen Online-Angebot aus Deutschland.[174] Die Zahl der Seitenbesuche ist seit Beginn der Datenerfassung kontinuierlich gestiegen. Im Januar 2021 wurden 548 Mio. Besuche der Internetseite gezählt, bei denen im Mittel 3,32 Seiten abgerufen wurden[175].

Im Web war Bild zunächst im Jahr 1996 unter der Marke Bild online vertreten. Axel Springer brachte die Bild-online-Inhalte in Partnerschaften mit AOL und im Jahr 1997 mit der WAZ-Gruppe unter der Marke „Go On“[176] ein. Unter Udo Röbel startete im Jahr 1999 die Arbeit am Neustart im „Projekt Z.“[177][178] Dabei entstand die neue Marke „Bild.de“. Im Jahr 2001 ging Bild mit der Online-Adresse „Bild.T-Online.de“ ein Joint Venture mit der Deutschen Telekom ein[179] – nach anfänglichen Bedenken des Bundeskartellamts.[180] Vorher war bereits das ZDF eine ähnliche Partnerschaft mit T-online.de eingegangen. Die Website wird seit dem Rückkauf der Telekom-Anteile (37 %) durch die Axel Springer SE im Jahr 2008 als „BILD.de“ vermarktet.[174] Im Juni 2013 wurde ein Bezahlmodell eingeführt, so dass einige Inhalte nur nach Abschluss eines Abo zugänglich sind.[181]

Anfang 2020 startete Bild die Online-Talkshow „Hier spricht das Volk“. Während laut Chefredakteur Julian Reichelt die Zuschauer in anderen Formaten „weitestgehend Staffage“ oder „reine Stichwortgeber“ seien, kämen hier, so Reichelt, „ganz normale Menschen als die eigentlichen Talk-Gäste zu Wort“. Sie stünden „mit ihren Meinungen für den Querschnitt der Gesellschaft“. Nach Ansicht des Medienexperten Jörn Kruse hingegen versuche Reichelt „den Eindruck zu erwecken, dass die Bild der einzige Ort ist, wo man noch seine Meinung sagen darf“.[117]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ekkehart Mittelberg: Wortschatz und Syntax der Bild-Zeitung. Elwert, Marburg 1967, DNB 457610107 (zugleich Dissertation an der Universität Marburg, Phil. F., 6. Juli 1966).
  • Jürgen Alberts: Massenpresse als Ideologiefabrik. Am Beispiel „Bild“. Athenäum-Fischer-Taschenbuch 4059, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-8072-4059-4 (Zugleich Dissertation an der Universität Bremen, Fachbereich Kommunikation und Ästhetik, Studienbereich 5, 1973).
  • Jörg Huffschmid: Politische Ökonomie des Springer-Konzerns, Soziologisches Institut der Universität München 1980, DNB 948959851
  • Barbara Sandig: Bildzeitungstexte – Zur sprachlichen Gestaltung. In: Annamaria Rucktäschel (Hrsg.): Sprache und Gesellschaft. München 1987, ISBN 3-7705-0639-1.
  • Hartmut Büscher: Emotionalität in Schlagzeilen der Boulevardpresse. Theoretische und empirische Studien zum emotionalen Wirkungspotential von Schlagzeilen der Bild-Zeitung im Assoziationsbereich „Tod“. Lang, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-631-50039-4.
  • Martina Minzberg: Bild-Zeitung und Persönlichkeitsschutz. Nomos Verlag, Baden-Baden 1999, ISBN 3-7890-5949-8.
  • Gudrun Kruip: Das „Welt“-„Bild“ des Axel Springer Verlags: Journalismus zwischen westlichen Werten und deutschen Denktraditionen. Oldenbourg Verlag, München 1999, ISBN 3486563432.
  • Tina Heppenstiel: Textgestaltung in der „Bild“-Zeitung. Textaufbau, Wortschatz, Satzbau und Darstellungsformen. Akademikerverlag AV, Saarbrücken 2012, ISBN 978-3-639-40494-4.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Berger, Peter Nied, S.-M. Veit (Hrsg.): Wenn Bild lügt – kämpft dagegen. Neue Untersuchungen, Fallbeispiele und Gegenaktionen (Vorwort von Günter Wallraff). 3. Auflage. Klartext, Essen 1984, ISBN 3-88474-401-1.
  • Heinrich Böll: Bild – Bonn – Boenisch. Lamuv, Bornheim-Merten 1984, ISBN 3-88977-008-8.
  • Gerhard Henschel: Gossenreport – Betriebsgeheimnisse der Bild-Zeitung. Edition Tiamat, Berlin 2006, ISBN 3-89320-101-7.
  • Urs Jaeggi: Macht und Herrschaft in der BRD, Neufassung unter Kapital und Arbeit in der Bundesrepublik. Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-436-01685-3.
  • Bernd Jansen, Arno Klönne: Imperium Springer. Macht und Manipulation. Pahl-Rugenstein, Köln 1968, DNB 457055065
  • Marie-Luise Klein, Gertrud Pfister: Goldmädel, Rennmiezen, Turnkücken. Die Darstellung der Frau in der Sportberichterstattung der BILD-Zeitung. Bartels und Wernitz, Berlin 1985 ISBN 9783870390747
  • Erich Küchenhoff: Bild-Verfälschungen. Analyse der Berichterstattung der Bild-Zeitung über Arbeitskämpfe, Gewerkschaftspolitik, Mieten, Sozialpolitik. Teil 1: Analyse, Teil 2: Belege. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main, 1972 ISBN 3434001816 (Teil 1) ISBN 3434001824 (Teil 2)
  • Mats Schönauer, Moritz Tschermak: Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021, ISBN 978-3-462-05354-8.[182][183][184]
  • Hans Schulte-Willekes: Schlagzeile – Ein «Bild»-Reporter berichtet. Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 1977, ISBN 3-499-20146-1.
  • Günter Wallraff: Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1977, ISBN 3-462-02663-1.
  • Günter Wallraff: Zeugen der Anklage: Die „Bild“-beschreibung wird fortgesetzt. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1977, 1982, ISBN 3-462-01540-0.
  • Günter Wallraff: Das BILD-Handbuch bis zum Bildausfall. Konkret Literatur Verlag, Hamburg 1981, DNB 820711101. Neuauflage: Bild-Störung. Das Bild-Handbuch bis zum Bildausfall. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1985, ISBN 3-462-01676-8.
  • Günter Wallraff: Enthüllungen. Steidl, Göttingen 2004, ISBN 3-88243-219-5.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Preis der Wahrheit. Ein Reporter im Kampf gegen die Medienmafia. Basierend auf einem Buch von Günter Wallraff. Buch und Regie Bobby Roth. 1989. Die amerikanisch-französische Koproduktion lief im Kino unter dem Titel The Man Inside – Tödliche Nachrichten mit Jürgen Prochnow in der Hauptrolle als Günter Wallraff und Peter Coyote als Henry Tobel.
  • Günter Wallraff – Der Mann, der bei „Bild“ Hans Esser war. Film von Jörg Gfröner, Atlas-Film, Duisburg 1982.
  • Bild.Macht.Deutschland? – siebenteilige Dokumentation über die Bild-Redaktion, Amazon Prime, 2020

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bild (Zeitung) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gert Hagelweide: Zeitungs- und Zeitschriftentitel-Register; Register der Drucke und Verleger; Verzeichnis der Druck-, Verlags- und Vertriebsorte; Gesamtverzeichnis. Walter de Gruyter, 2011, ISBN 978-3-11-092364-3, S. 43 f. (google.de [abgerufen am 25. Juli 2021]).
  2. a b BILD Zeitung - Reichweite bis 2020. Abgerufen am 19. April 2021.
  3. laut IVW (Details auf ivw.eu)
  4. Werben & Verkaufen: Paid Content läuft bei Bild und Welt | W&V. Abgerufen am 13. Dezember 2018.
  5. 22 Bild Redaktionen (Stand März 2020)
  6. Umstellung der Regio-Titel: Springer erweitert Bild Hamburg, legt Frankfurt und Mainz-Wiesbaden zusammen Auf: www.meedia.de, 2. Januar 2019. (online)
  7. „Die Springer’sche Machtballung ist zu einem zentralen Problem der Republik geworden“, befand der Historiker Golo Mann. Rudolf Augstein schrieb im Spiegel: „Kein einzelner Mann in Deutschland hat vor Hitler und nach Hitler soviel Macht kumuliert, Bismarck und die beiden Kanzler ausgenommen.“ Zitiert aus: Claus Jacobi: Springer wird 50. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Springer-Internetpräsenz. Archiviert vom Original am 2. Februar 2007; abgerufen im Jahr 2002.
  8. Florian Kain: Das Privatfernsehen, der Axel-Springer-Verlag und die deutsche Presse: die medienpolitische Debatte in den sechziger Jahren. Münster / Hamburg 2003.
  9. Melchert Florian: Meinungsfreiheit in Gefahr? Die medienpolitische Debatte in der Bundesrepublik vom Fernsehstreit bis zur Anti-Springer-Kampagne (1961–1969). Bochum, Univ., Diss., 2003.
  10. „Die Pressefreiheit ist bedroht“. In: Die Zeit, Nr. 22/1968, 31. Mai 1968, abgerufen am 17. Januar 2012.
  11. Weißer Wal. In: Der Spiegel. Nr. 22, 1968 (online).
  12. Spiegel-Interview mit dem Vorsitzenden der Bonner Presse-Kommission Dr. Eberhard Günther. In: Der Spiegel. Nr. 27, 1968 (online).
  13. Fünfzig Jahre „Bild“-Zeitung. (Memento vom 7. Juni 2008 im Internet Archive) Museumsmagazin, 2002.
  14. So hatte beispielsweise die SPD anlässlich des 55. Geburtstages des Verlegers in einem öffentlichen Telegramm in der Welt seine „verlegerische Arbeit“ gewürdigt und ihm gedankt, dass er „Initiativen zur Förderung des Ansehens und der Interessen des deutschen Volkes im In- und Ausland“ entwickelt habe. Im Juni 1967 wurde Axel Springer von Bundespräsident Heinrich Lübke im Beisein des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Albertz für ‚besondere Verdienste um Staat und Volk‘ mit dem ‚Großen Verdienstkreuz mit Stern‘ ausgezeichnet. Aus: Bernd Jansen, Arno Klönne (Hrsg.): Imperium Springer: Macht und Manipulation. Pahl-Rugenstein, Köln 1968.
  15. Dr. Sigrid Baringhorst, Enteignet – Springer – Kampagne (PDF; 4,7 MB) 2006.
  16. Arbeitspapiere der Universität Siegen (PDF; 4,7 MB)
  17. Kai Herrmann: Die Polizeischlacht von Berlin. In: Die Zeit, Nr. 23/1967
  18. Axel-Springer-Verlag: Unternehmensgrundsätze. In: Springer-Internetpräsenz. Archiviert vom Original am 15. September 2011; abgerufen am 17. Januar 2012.
  19. In der Erklärung heißt es: „Zum zweitenmal innerhalb eines Jahres hat blutige Gewalt die Studenten getroffen. (…) Das Bündnis von bedenkenlosem Konsumjournalismus und wiederauflebender nationalistischer Ideologie, das die demokratisch engagierten Studenten und Intellektuellen seit Jahren als ‚Linksmob‘, ‚Eiterbeule‘, ‚Akademische Gammler‘, ‚Pöbel‘, ‚geistige Halbstarke‘, ‚Neurotiker‘, ‚Schreier‘ und ‚Schwätzer‘ verunglimpft, droht das Selbstverständnis der Deutschen in einer Welt der friedlichen Verständigung (…) zu zerstören. (…) Die Unterzeichneten fordern darum, endlich in die öffentliche Diskussion über den Springer-Konzern, seine politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen und seine Praktiken der publizistischen Manipulation einzutreten.“ Zitiert nach Heinz Grossmann, Oskar Negt: Die Auferstehung der Gewalt. Springerblockade und politische Reaktion in der Bundesrepublik. Frankfurt 1968, S. 30 f.
  20. a b Claus Jacobi: Springer wird 50. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Springer-Internetpräsenz. Archiviert vom Original am 2. Februar 2007; abgerufen im Jahr 2002.
  21. Das Logo mit Slogan wurde am 8. September 1971 als Warenzeichen Nr. 899 441 eingetragen. GRUR. Verlag Chemie, 1975, S. 72 (google.de [abgerufen am 26. Juli 2021]).
  22. Horst Holzer: Politik in Massenmedien. Zum Antagonismus von Presse- und Gewerbefreiheit. In: R. Zoll (Hrsg.): Manipulation der Meinungsbildung; Opladen: Verlag Opladen, 1974³, S. 92 ff.
  23. a b WDR hebt Sperre für Wallraff-Film auf. In: Spiegel Online. 7. August 2010
    Wallraff undercover bei BILD (Memento vom 14. August 2010 im Internet Archive), Zapp (NDR) am 11. August 2010
    Die Günter Wallraff Nacht: Informationen aus dem Hinterland: BILD (Teil 1) (YouTube)
  24. Vorbild für die Medienselbstkontrolle in Europa. (Memento vom 4. März 2012 im Internet Archive) (PDF; 107 kB) Der Deutsche Presserat, 2006.
  25. Urteil vom 20. Januar 1981 (Memento vom 7. Mai 2005 im Internet Archive) archive.org
  26. Grundsatzurteil vom 25. Januar 1984 (Memento vom 22. Juli 2006 im Internet Archive)
  27. Christian Plöger: Von Ribbentrop zu Springer. Zu Leben und Wirken von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell. Marburg 2009 (zugl.: Münster, Univ. Diss. 2009), S. 467.
  28. „Bild“ schreibt Rechtschreibung wieder ohne Schl. Unter: Bildblog.de, abgerufen am 29. Mai 2008.
  29. Auflagenentwicklung von „Bild“ 1998–2007. Unter: Bildblog.de (2007)
  30. World’s 100 Largest Newspapers (Memento vom 20. Juli 2006 im Internet Archive)
  31. Auszug aus dem Urteil des Landgerichts Berlin zum Penis-Prozess. In: taz, 18. Januar 2003.
  32. Penis-Prozess nicht verlängert. In: taz, 3. Mai 2003.
  33. So schön lebt Sozialhilfe-Empfänger Rolf J. in Florida. (Memento vom 19. August 2003 im Internet Archive)
  34. Albrecht Brühl: Florida-Rolf, Viagra-Kalle und Yacht-Hans. 2004
  35. Projekt „1414“ schwemmt hunderttausende Fotos an. Bild: 2,3 Millionen Euro für Leserreporter,. meedia.de, 19. Juli 2010.
  36. Rudolf Stumberger: Die neue Zerhackstückelung der Welt. Telepolis, 3. Januar 2007.
  37. Vorsicht, Paparazzi! In: Der Tagesspiegel
  38. Elmar Jung: Das reporternde Rasen. Ein Jahr „Bild“-Leserreporter. In: Süddeutsche Zeitung. 10. August 2007, archiviert vom Original am 1. März 2010; abgerufen am 17. Januar 2012.
  39. ig.cs.tu-berlin.de (Memento vom 31. Januar 2012 im Internet Archive) (PDF; 0 kB)
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    dito: Diekmanns Irrfahrten. „Bild“ und Presserat. In: Süddeutsche Zeitung. 30. November 2007, abgerufen am 20. Januar 2013.
    siehe auch: Dieckmanns Irrfahrten. Suchergebnis (mit Ausriss). In: Süddeutsche Zeitung. Archiviert vom Original am 10. April 2014; abgerufen am 17. Januar 2012.
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  131. Gericht: „Springer verhöhnt Bild-Opfer“. Unter: Bildblog.de
  132. Presserat missbilligt „Bild“-Berichte. Unter: Bildblog.de (Juni 2008)
  133. Spiegel-Bericht über den Gerichtsprozeß von O. Fischer gegen Bild-Reporter. 27. August 2012, abgerufen am 7. August 2012.
  134. Gwendolyn Stilling: Hartz IV-Missbrauch sinkt: Paritätischer Wohlfahrtsverband wirft BILD-Zeitung unverantwortliche Stimmungsmache vor. Pressemitteilung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Berlin 11. April 2012 (online (Memento vom 31. Januar 2016 im Internet Archive)).
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  136. taz – „Journalistische Ethik und Katastrophen – Es ist furchtbar“. Abgerufen am 30. März 2015.
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