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Bildnis Elisabeth Lederer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Bildnis Elisabeth Lederer (Gustav Klimt)
Bildnis Elisabeth Lederer
Gustav Klimt, 1914–1916
Öl auf Leinwand
180 × 128 cm
Privatbesitz

Das Bildnis Elisabeth Lederer ist ein Gemälde aus dem Spätwerk des österreichischen Malers Gustav Klimt. Es entstand in den Jahren 1914 bis 1916. Im November 2025 wurde das Gemälde für 236,4 Millionen US-Dollar (inkl. Gebühren, umgerechnet circa 204 Millionen Euro) versteigert. Damit handelt es sich um den zweithöchsten Preis, der bis dahin bei der Versteigerung eines Kunstwerks erzielt wurde – nach Salvator mundi von Leonardo da Vinci.

Dargestellte Person

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Elisabeth Lederer (1894–1944) war die einzige Tochter von Serena Lederer geb. Pulitzer (1867–1943), welche seit 1892 mit dem Industriellen August Lederer (1857–1936) verheiratet war. Elisabeth Lederer hatte zwei jüngere Brüder, Erich (1896–1985) und Friedrich (1899–1972). Die Vaterschaft von Elisabeth Lederer ist nicht geklärt, sie wird entweder August Lederer oder Gustav Klimt zugeschrieben.

Die Familie Lederer – sie galt nach den Rothschilds als reichste Familie von Wien – residierte in Győr, in der Bartensteingasse 8 in Wien sowie im Ledererschlössel in Weidlingau. Die Lederer zählten zu den wichtigsten Förderern Klimts. Der Maler ging in deren Haus ein und aus. Mehrere Familienmitglieder wurden von Klimt gemalt.

Elisabeth Lederers künstlerisches Talent wurde früh erkannt, sie wurde schließlich Bildhauerin. 1914 beauftragte Serena Lederer Gustav Klimt, ein Portrait ihrer damals 20 Jahre alten Tochter zu fertigen. 1921 konvertierte Elisabeth vom Judentum zum evangelischen Bekenntnis, um Wolfgang Bachofen-Echt, den Besitzer der Nußdorfer Bierbrauerei, zu heiraten. 1934 wurde der gemeinsame Sohn August geboren, der jedoch bereits 1938 verstarb. Im selben Jahr erfolgte die Scheidung des Ehepaares, die geschiedene Frau kehrte zum Judentum zurück.

Nach dem Anschluss Österreichs erreichte Elisabeth Bachofen-Echt, geb. Lederer, mithilfe ihrer Mutter, die eine eidesstattliche Erklärung abgab, einen „Abstammungsbescheid“, mit welchem die außereheliche Vaterschaft des „arischen“ Gustav Klimt amtlich bestätigt wurde. Wien Geschichte Wiki konstatiert: „Wie weit die Freundschaft zwischen Klimt und seiner Mäzenin tatsächlich gegangen ist, ist nicht bekannt.“[1] Nach Überprüfung durch die Reichsstelle für Sippenforschung konnte Elisabeth Bachofen-Echt geb. Lederer als nunmehrige „Halbjüdin“ und Trägerin eines prominenten Namens in Wien bleiben.

Elisabeth Bachofen-Echt geb. Lederer starb 1944 an einem Hirntumor. Sie wurde auf dem Hietzinger Friedhof bestattet.[2]

Entstehungsgeschichte

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Während der langen Vorbereitungszeit soll der „Onkel“, wie Klimt von Elisabeth Lederer genannt wurde, mehrfach geflucht haben. „Wiederholt warf er den Bleistift weg“ und „moniert[e], dass man nie Menschen malen solle, die einem nahestünden“. Das geht aus Notizen der jungen Frau hervor. Nachdem sich die Fertigstellung mehrfach verzögerte, soll Serena Lederer ungeduldig ins Atelier des Künstlers gefahren und das Gemälde kurzerhand eingepackt und mitgenommen haben.[3] Während der dreijährigen Entstehungszeit soll Klimt immer wieder und wieder sein Konzept geändert haben. Das hätte sich wiederholt, hätte die Mutter das Bild nicht eines Tages „mit Gewalt aufs Auto geladen und entführt“.[4]

Bildbeschreibung

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Schwärmerisch beschreibt der Kunsthistoriker Tobias G. Natter das Werk: „Die Qualität des Gemäldes ist einzigartig. In dem Bildnis verbinden sich Schönheit, Harmonie und Jugend. War es in den Porträts des reifen Stils das Auratische des Goldes, so ist es hier der Zauber exotischer Fremdartigkeit, der zur Überhöhung des Porträts beiträgt.“[2]

Serena Lederer vor dem Gemälde, 1930er Jahre

Das Gemälde befand sich bis 1936 im Besitz von August und Serena Lederer, danach bis zumindest 1938 im Alleinbesitz von Serena Lederer. Eine Fotografie von Martin Gerlach zeigt sie in ihrer Wiener Wohnung vor dem Gemälde.[5] 1917 wurde es im Rahmen der Österreichischen Kunstausstellung in Stockholm gezeigt. Das Werk wurde der Familie von den NS-Machthabern geraubt und nach dem Zweiten Weltkrieg restituiert. Von 1948 bis 1983 befand es sich im Besitz des Bruders der Dargestellten, Erich Lederer. Dieser verkaufte das Gemälde an den New Yorker Kunsthändler Serge Sabarsky.[3] Nächster Besitzer war der Geschäftsmann und Kunstsammler Leonard Lauder, der das Gemälde im Jahre 1985 erwarb. Das Gemälde war drei Jahre lang als Leihgabe in der National Gallery of Canada zu sehen.[6] Lauder verstarb im Sommer 2025, woraufhin das Gemälde mit weiteren Kunstwerken aus dem Nachlass beim Auktionshaus Sotheby’s versteigert wurde.[7]

Am Abend des 18. November 2025 wurde das Gemälde – gemeinsam mit vier weiteren Werken Klimts sowie mit Arbeiten von Matisse, Munch, Picasso und Van Gogh – bei Sotheby’s in New York versteigert. Die letzte Schätzung seines Werts belief sich auf 150 Millionen US-Dollar.[2] Bei der Auktion des Bildnis Elisabeth Lederer obsiegte nach zwanzig Minuten ein unbekannter Telefonbieter mit 236,4 Millionen US-$ (inkl. Gebühren, umgerechnet circa 204 Millionen Euro),[7] dem bis dahin zweithöchsten Preis, der je bei der Versteigerung eines Kunstwerks erzielt wurde, und dem höchsten Preis für ein Werk der modernen Kunst.[8] Bei der Auktion wurde u. a. auch zwei Landschaftsgemälde Klimts versteigert − Blumenwiese für 86 Millionen US-Dollar (inkl. Aufgeld) und Waldabhang in Unterach am Attersee für 70,76 Millionen US-Dollar (inkl. Aufgeld).[9]

Den Auktionsrekord für ein Klimt-Gemälde hielt davor seit Juni 2023 Dame mit Fächer (1917), das bei Sotheby’s in London für umgerechnet 108,74 Millionen Dollar (inkl. Aufgeld) versteigert wurde. Höher lagen einige wenige Privatverkäufe, beispielsweise:

Commons: Bildnis Elisabeth Lederer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Serena Lederer im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
  2. a b c d Weltrekord möglich: Klimts "Bildnis Elisabeth Lederer" zu haben. In: derstandard.at. Abgerufen am 16. November 2025.
  3. a b c Klimts "Bildnis Elisabeth Lederer" wird Weltrekord knacken. In: derstandard.at. Abgerufen am 18. November 2025.
  4. Neuer Weltrekord für Gustav Klimt ante portas. In: derstandard.at. Abgerufen am 18. November 2025.
  5. Fotografie in Bildarchiv und Grafiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (465.841-D). Abgerufen am 19. November 2025.
  6. Stephen Dale: Tragedy beyond the canvas: Gustav Klimt’s Elisabeth Lederer. In: gallery.ca. 10. Juli 2018, abgerufen am 19. November 2025.
  7. a b aar/dpa: Auktion in New York: Versteigerung von Klimt-Gemälde »Bildnis Elisabeth Lederer« bricht gleich mehrere Rekorde. In: Spiegel Online. 19. November 2025, abgerufen am 19. November 2025.
  8. Jacqui Palumbo: Rare Klimt painting ‘Portrait of Elisabeth Lederer’ smashes auction records at $236.4 million. In: edition.cnn.com. 19. November 2025, abgerufen am 19. November 2025 (englisch).
  9. Daniel Cassady: Klimt’s Blumenwiese Achieves $86 M. at Sotheby’s. In: artnews.com. 19. November 2025, abgerufen am 19. November 2025 (englisch).