Bildungsinländer

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Unter Bildungsinländern sind ausländische Studenten an deutschen Hochschulen zu verstehen, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland erworben haben. Hierzu zählen auch Eignungsprüfungen von Kunst- und Musikhochschulen und Abschlüsse an Studienkollegs. Nicht als deutsche Hochschulzugangsberechtigung gelten in der Hochschulstatistik dagegen Abschlüsse, die an einer deutschen Auslandsschule erworben wurden.[1]

Bei der Bewerbung um einen Studienplatz ist ein Bildungsinländer einem Studienbewerber mit deutscher Staatsangehörigkeit und deutschen Bildungsabschlüssen gleichgestellt[2][3], sofern der Bildungsinländer einen gesicherten Aufenthaltsstatus hat. Bildungsinländer können bei der Studienplatzvergabe besser gestellt sein als Bildungsausländer der gleichen Staatsangehörigkeit. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Chancen, über ein Ausländerquotensystem einen Studienplatz zu erhalten, geringer sind als im Fall einer Bewerbung mit einer deutschen Hochschulzugangsberechtigung. In Fächern mit einem scharfen Numerus clausus können allerdings Bildungsausländer bevorzugt sein, wenn es in diesen Fächern relativ großzügige Ausländerquoten gibt. In beiden Fällen handelt es sich um eine „positive Diskriminierung“ der jeweils Bevorzugten.

Die weitaus größte Gruppe unter den Bildungsinländern waren im Wintersemester 2006/07 die Türken (14.910 Studenten), gefolgt von den Kroaten (3.525 Studenten), den Griechen (3.196 Studenten) und den Italienern (3.145 Studenten). Im Wintersemester 2011/12 waren türkische Studierende mit 21.917 Studenten die größte Gruppe, gefolgt von Italienern (4.070 Studenten), Kroaten (3.561 Studenten), Griechen (3.429 Studenten) und Studierenden aus der Russischen Föderation (3.229 Studenten).[4]

Bei Untersuchungen zu Erfolg und Verbleib von Bildungsinländern wird häufig differenziert zwischen Bildungsinländern aus Anwerbestaaten und aus anderen Staaten. Anwerbestaaten sind Staaten, in denen vor allem in den 1960er und 1970er Jahren Arbeitnehmer (umgangssprachlich: Gastarbeiter) für die Bundesrepublik Deutschland geworben wurden. Zu diesen Staaten zählen: Griechenland, Italien, Jugoslawien, Portugal, Spanien und die Türkei.

Eine PISA-Sonderstudie stellte fest, dass die Bildungskompetenz von Migranten der zweiten Generation niedriger ist als die der ersten Generation. Der Beobachter der Menschenrechtskommission der UN, Vernor Muñoz sieht hier eine besondere Bildungsbenachteiligung in der Bundesrepublik Deutschland.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Schlüsselverzeichnisse für die Studenten- und Prüfungsstatistik, Abschnitt I.8.2 Signaturen 17,47,67 https://www.statistik.bayern.de/medien/statistik/erhebungen/hochschulstatistik/sg57_schluesselverzeichnis_ws_2013.pdf
  2. Technische Universität Dresden: Bildungsinländer http://tu-dresden.de/internationales/auslstud/application/studies_with_qualification/bildungsinlaender
  3. Ludwig-Maximilians-Universität: Bildungsinländer http://www.vwl.uni-muenchen.de/studpl_vergabe/efv_pruefg/bi_odvp/index.html
  4. Deutscher Akademischer Austausch Dienst (DAAD) / Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW): Tabelle Ausländische Studierende http://www.wissenschaft-weltoffen.de/daten/1/2/1

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]