Bildungspflicht

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Als Bildungspflicht wird eine ethische Selbstverpflichtung verstanden, sich intellektuell oder handwerklich individuell zu bilden. Als formale Bildungspflicht wird die Pflicht bezeichnet, Bildungs­nachweise zu erbringen, in der Regel durch Leistungsprüfungen. Eine Schulpflicht schreibt vor, dass genehmigte Schulen besucht werden, an denen gewährleistet ist, dass dort geforderte Leistungsnachweise erbracht werden können.

Eine Schulpflicht kann wie eine Bildungspflicht wirken. Allerdings gewährleistet ein Schulbesuch nicht zwingend die dort vorgesehene Bildung. In Deutschland besteht für Minderjährige eine gesetzliche Schulpflicht. Nach dem Ende der Altersgrenze für Schulpflichtige ist allerdings ein Schulabgang ohne Bildungsabschluss möglich, wenn die in der Schule geforderten Leistungsnachweise nicht erbracht wurden. Ausnahmen von der Schulpflicht wurden bisher nur in wenigen Einzelfällen genehmigt. Die Zahl der unbeschulten Kinder und Jugendlichen in Deutschland wird gegenwärtig auf etwa 500 bis 1000 geschätzt.

In Staaten ohne zwingende Schulpflicht kann diese ersatzweise außerhalb von anerkannten Schuleinrichtungen durch Hausunterricht (auch Heimunterricht, Domizilunterricht, Homeschooling) erfüllt werden. Leistungsnachweise werden in Form von Externisten-Prüfungen erbracht. In der Schweiz, in Österreich, in Frankreich, in Spanien, in den Benelux- und in den skandinavischen Ländern ist ein unbeschultes Lernen möglich.

Ziele und Gründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland setzt sich seit 2006 die Initiative Netzwerk Bildungsfreiheit für eine Bildungspflicht für Kinder und Jugendliche anstelle der Schulpflicht ein.[1] Diesem Netzwerk sind z. B. der Bundesverband Natürlich Lernen! e. V.[2], die Stiftung Netzwerk Hochbegabung, das Europäische Forum für Freiheit im Bildungswesen (effe), der Verein Schulbildung in Familieninitiative e. V., die Initiative Deutschhilfe für Ausländer und andere angeschlossen, sowie Universitätsprofessoren, Pädagogen, Ärzte, Juristen, Psychologen, Therapeuten sowie Eltern und Schüler aus dem religiösen bis alternativen Lager der Homeschooler.

Befürworter der Bildungspflicht berufen sich insbesondere auf den Artikel 26 (3) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, in dem festgeschrieben ist: „Eltern haben das vorrangige Recht, die Art der Bildung und Erziehung, die ihre Kinder erhalten sollen, zu wählen.“ Die Initiative hat im Februar 2006 dem UN-Bildungskommissar Vernor Muñoz auf seiner Reise durch Deutschland berichtet.

Ein weiterer Aspekt der Befürworter der Bildungspflicht ist die Auswahl des sozialen Umfelds für ihr Kind. Ohne diese Wahlmöglichkeit wäre eine Erziehung als aktives Verhalten der Eltern nicht möglich.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Bildung – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bildung

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dagmar Neubronner: Die Freilerner - Unser Leben ohne Schule. Genius Verlag, 2008, ISBN 978-3934719347
  • Ralph Fischer und Volker Ladenthin (Hg.): Homeschooling. Tradition und Perspektive. Ergon, Würzburg, 2006. ISBN 3-89913-482-6
  • Stefanie Mohsennia: Schulfrei: Lernen ohne Grenzen. Anahita-Verlag, 2004, ISBN 3-937797-03-3
  • Olivier Keller: Denn mein Leben ist lernen. Arbor-Verlag, 1999, ISBN 3-933020-06-9
  • Raimund Pousset: Schafft die Schulpflicht ab! VTR, Nürnberg, 2011 (2. überarbeitete und ergänzte Aufl.). ISBN 978-3-941750-47-0
  • Ulrich Klemm: Lernen ohne Schule. Argumente gegen Verschulung und Verstaatlichung von Bildung. SPAK-Bücher, München 2001, ISBN 3-930830-22-1
  • Johannes Heimrath: Tilman geht nicht zur Schule. Eine erfolgreiche Schulverweigerung. Drachen Verlag, Wolfratshausen 1991, ISBN 3-927369-02-0
  • Thomas Schirrmacher: Bildungspflicht statt Schulzwang – Staatsrecht und Elternrecht angesichts der Diskussion um den Hausunterricht. VKW, Bonn/VTR, Nürnberg, 2005, ISBN 3-937965-27-0

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Netzwerk Bildungsfreiheit - Dachverband der Homeschooler
  2. Bundesverband Natürlich Lernen! e. V.