Bill Belichick

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bill Belichick
Bill Belichick 2012 Shankbone.JPG
Bill Belichick (2012)
Position(en):
Head Coach
':
geboren am 16. April 1952 in Nashville, Tennessee
Karriereinformationen
Aktiv: 1975heute
College: Wesleyan
Teams

als Assistenztrainer

als Head Coach

Karrierestatistiken
Spiele als Head Coach     336
G/V (Regular Season)     223:113 (66,4 %)
G/V (Play-offs)     23:10 (69,7 %)
Coaching stats bei pro-football-reference.com
Karrierehöhepunkte und Auszeichnungen

Assistenztrainer

Head Coach

William Stephen „Bill“ Belichick (* 16. April 1952 in Nashville, Tennessee) ist ein US-amerikanischer Trainer im American Football. Er ist seit der Saison 2000 Head Coach der New England Patriots, mit denen er fünfmal den Super Bowl gewann und ist damit der erfolgreichste Head Coach in der Geschichte der National Football League (NFL). Als Assistenzcoach gewann er zwei weitere Super Bowls.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde am 16. April 1952 in Nashville, Tennessee als William Stephen Belichick geboren. Seine Eltern waren Jeannette Munn aus einer mittelständischen Familie aus Chagrin Falls in der Nähe von Cleveland und Steve Belichick, dessen Eltern 1897 bzw. 1898 aus Karlovac (Kroatien) in die Vereinigten Staaten ausgewandert waren. Der Familienname Belichick wurde in der kroatischen Heimat Biličić geschrieben, erst im Jahre 1912 änderte Großvater Ivan Bilicic den Familiennamen in Belichick, um die Aussprache des Namens in den USA zu erleichtern.[1] Belichick wuchs in Annapolis im US-Bundesstaat Maryland auf, wo sein Vater, ein ehemaliger Spieler der Detroit Lions, als Trainer an der United States Naval Academy tätig war. Nach dem Besuch der High School in Annapolis studierte Belichick an der Phillips Academy und der Wesleyan University, wo er nicht nur als Footballspieler, sondern auch in Squash und Lacrosse aktiv war. 1975 beendete er seine Studien mit einem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften.

Belichick ist seit 2006 geschieden; mit seiner ehemaligen Ehefrau hat er drei gemeinsame Kinder. In seiner Freizeit ist er ein begeisterter Fischer, und sein Fischerboot heißt „VI Rings“ (6 Ringe), ein Verweis auf die Anzahl seiner Super-Bowl-Siegesringe. Das Boot hieß beim Neuerwerb 2002 einst „II Rings“ (2 Ringe), so dass Belichick nach jedem neuen Titelgewinn sein Boot umlackieren bzw. umtaufen ließ.[2]

Trainerkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Stationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Alter von 23 wurde Belichick 1975 Mitglied des Trainerstabs der Baltimore Colts, wo er Head Coach Ted Marchibroda assistierte. Ein Jahr später wechselte er zu den Detroit Lions, wo er zunächst als Assistent die Special Teams betreute und später auch für Tight Ends und Wide Receiver verantwortlich war. 1978 war er in ähnlicher Position für die Denver Broncos tätig.

New York Giants[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1979 begann Belichick seine insgesamt zwölf Jahre andauernde Karriere als Assistenztrainer bei den New York Giants. Zunächst war er unter Ray Perkins als Verantwortlicher für die Special Teams tätig, ehe er zwischen 1980 und 1984 zusätzlich Trainer der Linebacker wurde. Head Coach Bill Parcells, der Perkins zur Saison 1983 ersetzt hatte und für Belichick als Mentor fungierte, machte Belichick 1985 zum Verantwortlichen für die Defense der Giants.

In dieser Zeit konnte Belichick seine ersten großen Erfolge als Trainer feiern, als die New York Giants zweimal den Super Bowl gewinnen konnten. In der Saison 1986 wurden die Denver Broncos mit 39:20 besiegt (Super Bowl XXI), vier Jahre später konnte New York die Buffalo Bills mit 20:19 schlagen (Super Bowl XXV). Ein wichtiger Faktor war die innovative Defensivtaktik, die Belichick für dieses Spiel entworfen hatte: hierbei ließ er die Defensive Backs weit zurückweichen, um Bills-Quarterback Jim Kelly keine tiefen Würfe anzubieten, und ließ kurze Würfe mit harten Tacklings bestrafen. Das Büchlein, in dem Belichick seine Defensivstrategie festhielt, ist in der Pro Football Hall of Fame ausgestellt.[3]

Cleveland Browns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 wurde Belichick erstmals Head Coach in der National Football League (NFL). Bei den Cleveland Browns erwartete Belichick eine schwere Aufgabe; die Browns waren zwar eines der Traditionsteams der Liga, feierten ihre großen Erfolge jedoch zwischen 1946 und 1964 und hatten seitdem nie wieder ein Endspiel um die Meisterschaft der NFL erreicht. Nachdem die Mannschaft die Saison 1990 mit einer Bilanz von drei Siegen bei 13 Niederlagen beendet hatte, wurde Belichick als Nachfolger von Bud Carson installiert. Unter Belichick konnte sich das Team sukzessive verbessern und erreichte nach der 6:10-Saison 1991 und zwei 7:9-Spielzeiten in den folgenden Jahren 1994 die Play-offs: Nach elf Siegen und nur fünf Niederlagen gelang den Browns in den Wild-Card-Spielen zunächst ein 20:13-Erfolg gegen die New England Patriots, ehe der Erzrivale Pittsburgh Steelers gegen die Browns mit 29:9 gewann und so deren Hoffnungen auf eine Teilnahme im Super Bowl zunichte machte.

Die Saison 1995 wurde die letzte für Belichick in Cleveland. Die Entscheidung von Art Modell, dem Besitzer der Browns, mit dem Team zur kommenden Saison nach Baltimore umzuziehen, löste nach der Bekanntgabe im November 1995 sowohl innerhalb der Mannschaft als auch im Umfeld eine große Unruhe aus. Die Browns beendeten die Spielzeit mit 5:11, und Belichick kündigte an, nicht mit dem Team umzusiedeln.

New England Patriots/New York Jets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende seiner Amtszeit in Cleveland wurde Belichick erneut Assistenzcoach unter Bill Parcells. 1996 war er gemeinsam mit ihm bei den New England Patriots tätig, mit denen ebenfalls der Einzug in den Super Bowl gelang. Nach der 21:35-Niederlage gegen die Green Bay Packers wechselte Belichick gemeinsam mit Parcells und größeren Teilen des Trainerstabs zu den New York Jets. Die erfolgreichste Spielzeit in New York war 1998, als die Jets die Regular Season mit zwölf Siegen und vier Niederlagen beendeten, im AFC Championship Game jedoch den Denver Broncos unterlagen.

New England Patriots[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bill Belichick (Mitte) 2009

Nach Parcells' Rücktritt als Head Coach der Jets wurde Belichick zunächst als dessen Nachfolger vorgestellt, ehe dieser am folgenden Tag selbst seinen Rücktritt erklärte und ein Angebot der New England Patriots annahm. Dort begann er zur Saison 2000 mit seiner Tätigkeit als Head Coach.

Zwar endete seine erste Spielzeit als Trainer der Patriots mit einer mäßigen 5:11-Bilanz, bereits im zweiten Jahr gelang den Patriots jedoch ein völlig überraschender Sieg im Super Bowl. Von zentraler Bedeutung für den späteren Erfolg der Mannschaft war die Verletzung von Quarterback Drew Bledsoe, der bereits 1996 unter Belichick trainiert hatte. Bledsoe wurde durch den jungen Tom Brady ersetzt, der 2000 nur als 199. Spieler im NFL Draft ausgewählt worden war und sich in der Saison durch gute Trainingsleistungen zu Bledsoes Ersatzmann entwickelte. Unter Brady beendeten die Patriots die Saison mit 11:5 und erreichten als Meister der AFC East die Play-offs. Nach Siegen über die Oakland Raiders und die Pittsburgh Steelers besiegte New England als Außenseiter die St. Louis Rams im Super Bowl XXXVI. Beim 20:17 sorgte erst ein später Drive, der mit einem Field Goal von Kicker Adam Vinatieri beendet wurde, für die Entscheidung.

Nachdem die Patriots ein Jahr später (9:7) die Play-offs nicht erreichten, endete die Spielzeit 2003 mit Belichicks zweitem Erfolg im Super Bowl XXXVIII. Nach einem schwachen Start (2:2) konnten die Patriots sämtliche folgenden Spiele gewinnen, einschließlich des 32:29 im Super Bowl gegen die Carolina Panthers. Erneut entschied ein spätes Field Goal von Vinatieri die Partie. Auch die folgende Saison wurde mit einer 14:2-Bilanz beendet; nach Siegen über Indianapolis und Pittsburgh erreichten die Patriots ihren dritten Super Bowl in vier Jahren. Das 24:21 gegen die Philadelphia Eagles machte New England zu einem der wenigen Teams, das seine Meisterschaft in der NFL verteidigen konnte. In den Jahren 2005 und 2006 erreichten die Patriots unter Belichick zwar jeweils die Play-offs, unterlagen jedoch früh gegen die Denver Broncos bzw. Indianapolis Colts.

In der Saison 2007 gelang Belichicks Mannschaft die Einstellung mehrerer Rekorde der National Football League. Indem sie die Saison mit 16:0 beendete, wurde sie erst die vierte Mannschaft, der eine Regular Season ohne Niederlage gelang. Zudem stellten Quarterback Tom Brady mit 50 Touchdownpässen und Wide Receiver Randy Moss mit 23 erzielten Touchdowns neue Rekorde auf. Überschattet wurde die Spielzeit jedoch durch einen Skandal um illegale Filmaufnahmen (Spygate), die ein Mitglied des Trainerstabs der Patriots im Spiel gegen die New York Jets geschossen hatte. Belichick wurde zu einer Strafe von insgesamt 500.000 US-Dollar verurteilt, später dennoch zum Trainer des Jahres 2007 gekürt. Belichick unterlag mit seinen Patriots im Super Bowl seinem ehemaligen Arbeitgeber, den New York Giants, überraschend mit 14:17.

2008 verpasste Belichick mit den Patriots erstmals seit 2002 die Play-offs. Trotz einer ordentlichen Bilanz von 11:5 wurde seine Mannschaft nur Zweiter in der AFC East hinter den Miami Dolphins und konnte sich auch nicht als eines der Wild-Card-Teams für die Endrunde qualifizieren. Hauptgrund für das schwache Abschneiden waren Verletzungen, insbesondere jene von Quarterback Brady. In den Folgejahren kamen die Patriots immer in die Play-offs, der große Wurf blieb ihnen aber lange verwehrt. 2011 kamen sie in den Super Bowl XLVI, verloren aber wieder gegen die Giants mit 17:21. 2014 gewann Belichick mit den Patriots seinen vierten Super Bowl, indem die Seattle Seahawks mit 28:24 bezwungen wurden. Hiermit egalisierte Belichick den Rekord von Chuck Noll, der ebenfalls vier Super Bowls als Head Coach gewonnen hatte. Nachdem die Patriots 2015 im AFC Championship Game an den Denver Broncos scheiterten, holte Belichick 2016 nach einem 34:28-Sieg gegen die Atlanta Falcons seinen fünften Super-Bowl-Sieg und ist seitdem alleiniger Rekordhalter für Head Coaches.

Spielphilosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belichick gilt als ausgesprochener Perfektionist und drillt seinen Spielern eine selbstkritische Einstellung, eine akribische Vorbereitung und eine hohe Vielseitigkeit ein.[4] [5] [6] [7] Diese Einstellung lebt er selbst durch intensive Detailarbeit vor, die auch seinen Assistenzcoaches viel abverlangt. Belichicks Bewerbungsgespräche sind für ihre Härte berüchtigt.[8]

Belichick verfügt sowohl in der Offense als auch in der Defense über einen Ruf als Taktiker. Bei den Patriots perfektionierte er die Erhardt-Perkins Offense, die einst von Ron Erhardt und Ray Perkins unter Patriots-Head-Coach Chuck Fairbanks in den 1970ern entwickelt worden war. Sie betont ein solides Laufspiel und ein auf kurze, präzise Würfe angelegtes Passspiel (Motto: „You throw to score and run to win.“ − Werfen, um zu punkten, und laufen, um zu siegen), was im kalten Winterwetter von Neuengland die Fehlerquote minimiert. Die Erhardt-Perkins Offense gibt Offensivformation und Laufwege getrennt aus, so dass ein Quarterback ausgehend von der eigenen Offensivformation (z.b. dem Pro set) und der gegnerischen Verteidigungsformation schnell entscheiden kann, welche Laufwege durchzuführen sind. Hiermit kann u.a. eine wirkungsvolle Hurry-up offense gefahren werden, da die eigene Offense der gegnerischen Defense ein hohes Spielzugtempo aufzwingen kann.[9] In der Defensive trug er als Defensive Coordinator dazu bei, dass die New York Giants der 1980er-Jahre beständig eine der besten Abwehrreihen aufboten. Sein Playbook, mit dem er die historisch schnelle Offensive der Buffalo Bills im Super Bowl XXV auf nur 19 Punkte und 19 Spielminuten Ballbesitz begrenzte, ist in der Pro Football Hall of Fame ausgestellt.[3] Bei den Patriots fährt er meistens die sog. Fairbanks-Bullough-Verteidigung. Falls sich in der Line nur drei Spieler befinden, verwendet er oft schwere Nose Tackles wie Vince Wilfork, Ted Washington oder Keith Traylor, die allesamt 150 Kilogramm und mehr auf die Waage brachten.

Belichick ist ebenfalls dafür bekannt, viel Wert auf die Special Teams zu legen. Bei den Patriots spielten auf der Position des Kicker mit Adam Vinatieri und Stephen Gostkowski zwei mehrfache Pro-Bowl-Spieler, und dasselbe galt auf der Position des „Gunners“ mit Larry Izzo und Matthew Slater. Belichick verfügt auf der Position des Punters eine Vorliebe für Linksfüßer (Josh Miller, Zoltan Mesko, Ryan Allen), und verfügt über ein Faible für beschränkte, aber vertrauenswürdige Special Teamer wie Ross Ventrone, den er seit 2010 30-mal entweder verpflichtete, entließ, oder vom Practice Squad in den 53-Mann-Kader beförderte. Schließlich draftete er 2015 mit Joe Cardona einen reinen Long Snapper, der erst der vierte reine Long Snapper wurde, der in einem NFL-Draft gezogen wurde.

Belichick gilt aufgrund seiner exzellenten Regular Season- und Play-off-Bilanzen als einer der erfolgreichsten NFL-Coaches aller Zeiten. Er gilt als einer der besten Drafter und Free-Agent-Verpflichter der Liga. Verdiente Spieler, die Belichick außerhalb der Top 20 eines Drafts zog, umfassen u.a. Vince Wilfork an 21. Stelle, Ty Law an 25. Stelle, Rob Gronkowski an 42. Stelle, Aaron Hernandez an 112. Stelle, Matthew Slater an 153. Stelle, Tom Brady an 199. Stelle oder Julian Edelman an 232. Stelle. Zudem gab er niedrige Draftpicks ab, um Free Agents wie Rodney Harrison, Corey Dillon, Randy Moss oder LeGarrette Blount zu ziehen, die in New England ihren zweiten Frühling erlebten.[10] Für den Teamerfolg nimmt Belichick in Kauf, verdiente Spieler ohne Rücksicht abzugeben, wenn sie seine Erwartungen nicht mehr erfüllen. Hierzu gehören u.a. die Pro-Bowl-Spieler Lawyer Milloy, Troy Brown, Asante Samuel, Ty Law, Richard Seymour, Willie McGinest, Adam Vinatieri, Randy Moss, Dan Koppen, Wes Welker, Logan Mankins oder Vince Wilfork. Die Aussage ist, dass kein Spieler größer als das Team ist.[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2002 widmete die Rockband Bon Jovi Belichick nach dem Gewinn des Super Bowls nach Jahren voller Rückschläge den Song Bounce vom gleichnamigen Album.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bill Belichick – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NFL Super Bowl XLIX- Battle of the Croatian Coaches. In: croatiaweek.com. Croatia Week, 29. Januar 2015, abgerufen am 1. Februar 2015 (englisch): „His paternal grandparents Ivan Biličić and Marija Barković emigrated from Karlovac in Croatia in 1897 and left for the USA, where they settled near Pittsburgh.“
  2. Six Rings, CBS Sports
  3. a b Bill Belichick’s Super Bowl XXV Game Plan, Sports Illustrated
  4. Boston.com Humble pie always on menu (englisch). Zugriff am 19. Oktober 2009.
  5. USAToday.com Patriots, alles über die Ringe (englisch). Zugriff am 19. Oktober 2009.
  6. SignOnSanDiego.com Der vielfältige Vrabel und die Super Bowl-Weisheit (englisch). Zugriff am 19. Oktober 2009.
  7. ESPN.com Die Patriots benutzten den Spielplan um St. Louis matt zu setzen (englisch). Zugriff am 19. Oktober 2009.
  8. Matt Patricia, Belichick’s Rocket Scientist, Sports Illustrated.
  9. Speak My Language, grantland.com
  10. Method to the Madness: How Belichick Rules the Draft. grantland.com
  11. Lawyer Milloy On Felger & Mazz: Took A While To Get Over Release From Patriots, CBS
  12. MTV News: Bon Jovi Put Post-9/11 Faith, Hope, Energy Into Bounce, 12. September 2007, Zugriff am 4. Juli 2010