Bill Graham

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Dieser Artikel behandelt den Konzertveranstalter Bill Graham. Für den Jazzmusiker siehe Bill Graham (Saxophonist); für den Baptistenpastor siehe Billy Graham. Für andere Personen siehe William Graham.
Bill Graham (um 1990)

Bill Graham (geboren als Wolodja Grajonca, genannt Wolfgang Grajonca; * 8. Januar 1931 in Berlin; † 25. Oktober 1991 bei Vallejo, Kalifornien) war ein seit den 1960ern einflussreicher Impresario. Während des Holocausts wurde er Vollwaise und von einer amerikanischen Familie adoptiert.

Kindheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Berlin (1931–1939)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfgang war der einzige Sohn einer jüdischen Familie, die in den 1920ern aus Russland emigrierte. Nach seinen Geschwistern Rita Rosen (* 1920), Evelyn Udry, (* 1924), Sonja Szobel (* 1925), Ester Chichinsky (* 1926) und Tanja „Tolla“ (* 1928, † 1940) war er das jüngste Kind von Frieda Sass und Jacob „Yankel“ Grajonca. Der Vater starb zwei Tage nach Wolfgangs Geburt an einer Blutvergiftung. Die Familie wohnte in der Lindenstraße in Kreuzberg und besuchte die dortige Synagoge.[1] Nach der „Kristallnacht“ von 1938 musste Ester Grajonca von der staatlichen Schule auf die Jüdische Mädchenschule in der Auguststraße wechseln. Die 18-jährige Schwester Rita emigrierte mit ihrem damaligen Lebenspartner Freddie nach Shanghai, die zweitälteste Schwester Evelyn floh mit ihrem jüdisch-ungarischen Lebensgefährten Juri Teichner in einem Schweinetransport nach Budapest und arbeitete dort unter dem Bühnennamen Evelyn Barnett als Tänzerin. Die Mutter konnte den kleinen Wolfgang und seine jüngste Schwester „Tolla“ in einem Berliner Waisenhaus unterbringen, das ihn und andere jüdische Kinder 1939 im Austausch gegen christliche Waisenkinder nach Frankreich schickte, ins Chateau de Chaumont südwestlich von Paris. Die Schwestern Sonja und Ester blieben anfangs bei der Mutter, die jedoch bald verhaftet wurde und auf dem Weg ins KZ Auschwitz umkam. Ester überlebte den Holocaust im Versteck in Berlin und Spandau.[2]

Kindheit auf der Flucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht wurde Wolfgang gemeinsam mit seiner Schwester „Tolla“ und anderen jüdischen Jugendlichen aus dem Land und in Sicherheit gebracht. Die Flucht, die die meisten nicht überlebten, darunter auch „Tolla“, die an Pneumonie litt und in Lyon zurückgelassen werden musste, führte die Kinder über Lyon, Marseilles, Toulouse, Barcelona, Madrid, Lissabon und mit der MS Serpa Pinto nach Casablanca, Dakar (Senegal), die Bermudas und schließlich nach New York, wo Wolfgang am 24. September 1941 eintraf. In New York wurde er von der Hebrew Shelter and Guardian Society of the New York Association for Jewish Children im Waisenhaus von Pleasantville untergebracht. Am 12. November 1941 wurde Wolfgang von seinem Großonkel Alfred Ehrenreich und dessen Ehefrau Pearl adoptiert. Von da an wohnte er in der Montgomery Avenue 1635 in der Bronx.[3]

Wirken als Promoter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Konzertveranstalter betrieb Bill Graham später das Fillmore West und das Winterland, beide in San Francisco, sowie das Fillmore East in New York. Zu seinen bekanntesten Veranstaltungen gehörte The Last Waltz, das Abschiedskonzert von The Band, das am 25. November 1976 im Winterland stattfand.

Daneben vermarktete er psychedelische Poster von Zeichnern wie Wes Wilson und Rick Griffin. Gelegentlich trat Graham als Schauspieler in Erscheinung, so im Film Apocalypse Now von Francis Ford Coppola.

Bill Graham starb 1991 bei einem Hubschrauberabsturz zusammen mit seinem Kompagnon Mellis Gold und dem Piloten nach der Rückkehr von einem „Huey Lewis & the News“-Konzert in Grahams Shoreline-Amphitheater in Concord (Kalifornien). Während eines Unwetters kollidierte der Hubschrauber mit einem Hochspannungsmast am Highway 37 in der Nähe von Vallejo in Kalifornien und stürzte ab.

Zu seinen Ehren wurde eine Woche später im Golden Gate Park ein Gedenkkonzert veranstaltet. Dort spielten u. a. die Grateful Dead und John Fogerty. 1992 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame (Nonperformers) aufgenommen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bill Graham, Robert Greenfield: Bill Graham presents. Ein Leben zwischen Rock & Roll, Frankfurt am Main: 1996, Zweitausendeins. ISBN 3861501562
  • Oliver Trager: The American Book of the Dead - The Definitive Grateful Dead Encyclopedia, New York: 1997, Fireside. ISBN 0-684-81402-1
  • Carlos Santana, mit Ashley Kahn und Hal Miller: Der Klang der Welt. Mein Leben, München: 2015, S. 144ff. ISBN 978-3868835618

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Familienfoto von 1936/37 auf FamilySearch.
  2. Bill Graham Presents: My Life Inside Rock And Out, Chapter 1: From War to War.
  3. New Life, New Family - Bill Graham in New York auf FamilySearch.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bill Graham – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien