Billy Bragg

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Billy Bragg (2010)
Billy Bragg (2003)

Billy Bragg (* 20. Dezember 1957 in Barking (Essex), heute zu London, England; eigentlich Stephen William Bragg) ist ein britischer Singer-Songwriter. Seine Themen reichen von Liebesballaden über traditionelle Arbeiterlieder bis zu Protestliedern zu aktuellen politischen Ereignissen. In seiner Musik verbindet er Elemente von Pop, Folk, Rock und Punk.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1977 gründete Bragg – inspiriert durch ein Konzert von The Clash – die Punkband Riff Raff, die sich aber 1981 nach ausbleibenden Erfolgen auflöste.[1] Im Mai 1981 trat Bragg in die British Army ein. Er kündigte aber bereits nach wenigen Monaten und gegen die Zahlung von 175 Pfund wurde er wieder entlassen (nach eigenen Worten „die klügste 175-Pfund-Zahlung meines Lebens“[2]).

Bragg tingelte anschließend mit einer elektrischen Gitarre als Straßenmusiker und im Vorprogramm anderer Künstler durch London, bis es ihm gelang, den A&R-Manager Peter Jenner vom Label Charisma Records auf sich aufmerksam zu machen. Der sich aus diesem Kontakt ergebende Plattenvertrag führte 1983 zum Debütalbum Life’s a Riot with Spy Vs Spy, das in den englischen Charts Platz 30 erreichte. Eine erste US-Tournee schloss sich noch 1983 dem Erfolg an.

Im selben Jahr wurde Bragg der Öffentlichkeit auch durch politische Aktivitäten bekannt: zusammen mit anderen Aktivisten wurde er bei einem Anti-Apartheid-Sit-In vor dem Londoner South Africa House verhaftet.[2] In der neoliberalen Thatcher-Ära (1979–1990) war der politisch links engagierte Singer-Songwriter zudem Gründer der Bewegung Red Wedge. Ziel dieses Zusammenschlusses von Musikern war es, junge Wähler für die Labour-Partei zu begeistern. Mit Erlösen aus dem Verkauf seiner EP Between the Wars, die ab Februar 1985 in den britischen Charts stand, unterstützte Bragg den britischen Bergarbeiterstreik 1984/1985.

Ende 1986 wurde Bragg erneut verhaftet, diesmal im Zusammenhang mit der Zerstörung eines Zauns an einem Luftwaffenstützpunkt in Norfolk im Verlauf einer Anti-Atom-Demonstration.[2]
Auf das Cover seines 1988 erschienenen Albums Workers Playtime ließ er in Anlehnung an die Kampagne der britischen Musikindustrie Home Taping Is Killing Music den Slogan „Capitalism Is Killing Music“ drucken. Im Mai 1988 gelang ihm mit einer Coverversion des Beatles-Songs She’s Leaving Home ein Sprung auf den ersten Platz der UK-Charts.

1998 tat Billy Bragg sich mit der Alternative-Country-Gruppe Wilco und der Sängerin Natalie Merchant zusammen, um dem gemeinsamen Idol Woody Guthrie mit der Aufnahme eines Albums Tribut zu zollen. Bragg war bereits 1992 und 1996 in den USA als Interpret von Guthrie-Songs aufgetreten. Auf Initiative von Woody Guthries Tochter Nora wurden musikalisch noch nicht bearbeitete Songtexte aus dem Nachlass ihres Vaters vertont und unter dem Titel Mermaid Avenue veröffentlicht.[3] In der Mermaid Avenue auf Coney Island hatte Familie Guthrie in den 1940er Jahren gewohnt[4] und Woody hatte ein Stück Mermaid’s Avenue verfasst.[5] Im Jahr 2000 fand die Vertonung von Woody-Guthrie-Texten eine Fortsetzung mit Mermaid Avenue, Vol. 2. Anschließend tourte Bragg mit der Band The Blokes, mit der auch das Album England, Half English (2002) entstand.

Braggs politisches Engagement äußerte sich auch weiterhin in einer Reihe von Statements zu aktuellen politischen Themen: Im Jubiläumsjahr 2002 griff er die britische Monarchie scharf an. Den amerikanischen Präsidenten George W. Bush kritisierte er vehement wegen dessen Irakkrieg, unter anderem im Song The Price of Oil. In der Auseinandersetzung mit Neonazis forderte er, der Rechten den Begriff Patriotismus nicht zu überlassen. Eine antifaschistische „Hope-Not-Hate“-Tour fand im Mai 2006 statt.[1] Ausgewählte Titel seiner Themen bot Bragg dabei stets auf seiner Homepage zum kostenlosen Download an.

2003 veröffentlichte Bragg mit Must I Paint You a Picture? The Essential Billy Bragg eine Retrospektive seines bisherigen Schaffens. 2006 erschienen mit Billy Bragg – Volume 1 und Billy Bragg – Volume 2 zwei weitere Zusammenstellungen, die aus insgesamt 15 CDs und 3 DVDs bestehen.

A New England[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein auch durch Coverversionen anderer Künstler bekannter Titel Braggs ist A New England. Mit einer Fassung des Liedes, die zwei zusätzliche Verse enthält, erreichte Kirsty MacColl 1985 Platz 7 in den britischen Singlecharts. Weitere Versionen gab es etwa von der Hamburger Punkband Rantanplan, den Beatsteaks und von Jamie T. Der Refrain des Liedes lautet:

I don’t want to change the world
I’m not looking for a new England
I’m just looking for another girl. [6]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[7][8] Anmerkungen
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US
1984 Life’s a Riot with Spy Vs Spy 30
(30 Wo.)
Erstveröffentlichung: Mai 1983
UK: Gold, Produzent: Oliver Hitch
1984 Brewing Up with Billy Bragg 16
(21 Wo.)
Erstveröffentlichung: November 1984
UK: Silber, Produzent: Edward de Bono
1986 Talking with the Taxman About Poetry 8
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: September 1986
UK: Silber, Produzenten: John Porter, Kenny Jones
1988 Workers Playtime 17
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 20. September 1988
Produzenten: Joe Boyd, Wiggy
1990 The Internationale 34
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: Mai 1990
Produzenten: Grant Showbiz, Wiggy
1991 Don’t Try This at Home 8
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 17. September 1991
UK: Gold, Produzenten: Grant Showbiz, Johnny Marr
1996 William Bloke 72
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 10. September 1996
Produzent: Grant Showbiz
1998 Mermaid Avenue 34
(4 Wo.)
90
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 23. Juni 1998
mit Wilco
Produzenten: Nora Guthrie, Billy Bragg, Grant Showbiz, Wilco
2000 Mermaid Avenue Vol. II 61
(1 Wo.)
88
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 30. Mai 2000
mit Wilco
Produzenten: Nora Guthrie, Billy Bragg, Grant Showbiz, Wilco
2002 England, Half-English 51
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 5. März 2002
mit The Blokes; Produzent: Grant Showbiz
2008 Mr. Love & Justice 33
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 3. März 2008
Produzent: Grant Showbiz
2013 Tooth & Nail 13
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. März 2013
Produzent: Joe Henry

weitere Studioalben

  • 1987: The Peel Sessions
  • 1991: The Peel Session Album
  • 1997: Bloke on Bloke
  • 2013: Mermaid Avenue Vol. III (mit Wilco)

Livealben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Charts[7][8] Anmerkungen
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK
2014 Live at the Union Chapel London 61
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 14. April 2014

weitere Livealben

  • 1992: Accident Waiting to Happen (Red Star Version) / Red Star Live CD (2 CDs; 1 Studio- und 1 Livealbum)
  • 1995: Live Bootleg / No Pop, No Style, Strictly Roots (mit The Red Stars)
  • 1999: Mermaid Avenue Tour / You Can Call Me Cupcake
  • 2002: Bill’s Bargains / Going to a Party Way Down South
  • 2005: Live at the Barbican (2 CDs)

Kompilationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Charts[7][8] Anmerkungen
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK
1987 Back to Basics 37
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 7. Juli 1987
1999 Reaching to the Converted 41
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: August 1999
2003 Must I Paint You a Picture?
The Essential Billy Bragg
49
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 28. Oktober 2003
UK: Silber

weitere Kompilationen

  • 1993: Victim of Geography
  • 1996: Still Looking for a New England (2 CDs, US-Promo)
  • 2006: Volume 1 (Box mit 7 CDs + 2 DVDs)
  • 2006: Volume 2 (Box mit 8 CDs + DVD)
  • 2006: The Progressive Patriot – Complimentary Music
  • 2011: Fight Songs – A Decade of Downloads
  • 2012: Mermaid Avenue – The Complete Sessions (mit Wilco; Box mit 3 CDs + DVD)

EPs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Charts[7][8] Anmerkungen
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK
1985 Between the Wars 15
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: Februar 1985
1986 Levi Stubbs Tears 29
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juni 1986
1992 Accident Waiting to Happen 33
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: Februar 1992

weitere EPs

  • 1986: Greetings to the New Brunette
  • 1987: Help Save the Youth of America (Live)
  • 1998: She Came Along to Me (mit Wilco)
  • 1998: Mermaid Avenue Bonus EP (mit Wilco)
  • 1999: Man in the Sand (mit Wilco; VHS + CD)

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel
Album
Charts[7][8] Anmerkungen
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK
1985 Days Like These 43
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: Dezember 1985
1986 Greetings to the New Brunette
Talking with the Taxman About Poetry
58
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: Oktober 1986
1988 She’s Leaving Home
Sgt. Pepper Knew My Father
1
(11 Wo.)
Erstveröffentlichung: 2. Mai 1988
mit Cara Tivey
Splitsingle mit Wet Wet WetWith a Little Help from My Friends
1988 Waiting for the Great Leap Forward 52
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: August 1988
1991 Sexuality
Don’t Try This at Home
27
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juni 1991
1991 You Woke Up My Neighbourhood
Don’t Try This at Home
54
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: August 1991
1996 Upfield
William Bloke
46
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: August 1996
1997 The Boy Done Good / Sugar Daddy
Bloke on Bloke
55
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: Mai 1997
1998 Way Over Yonder in the Minor Key
Mermaid Avenue
89
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: November 1998
mit Wilco
2002 England, Half English
England, Half English
98
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: Februar 2002
mit The Blokes
2002 Take Down the Union Jack
England, Half English
22
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: Mai 2002
mit The Blokes
2005 We Laughed 11
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 31. Oktober 2005
Rosetta Life feat. Billy Bragg

weitere Singles

  • 1984: A New England
  • 1985: Back to Basics Audio Aid (Flexi)
  • 1986: Ideology
  • 1987: Ballad of a Spycatcher (Leon Rosselson mit Billy Bragg und The Oyster Band)
  • 1988: She’s Got a New Spell
  • 1989: New England
  • 2008: I Keep Faith
  • 2008: The Beach Is Free / I Almost Killed You
  • 2013: No One Knows Nothing Anymore
  • 2013: Handyman Blues
  • 2013: Folk Goes Ska

Literarische Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • billybragg.co.uk: Billy Bragg. Biografie (PDF, englisch)
  • Collins, Andrew: Still Suitable for Miners – Billy Bragg: The Official Biography. London: Virgin Books, 2002; ISBN 0-7535-0691-2
  • Graf, Christian und Burghard Rausch: Rockmusiklexikon Europa, Bd. 1. Frankfurt am Main: Fischer, 1996; ISBN 3-596-12387-9 – Stichwort Billy Bragg, S. 187ff.
  • Schmidt-Joos, Siegfried und Wolf Kampmann: Pop-Lexikon. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 5. Aufl. 2002; ISBN 3-499-61114-7 – Stichwort Bragg, Billy, S. 84f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Billy Bragg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Billy Bragg. Biografie (PDF, englisch), abgerufen 16. Oktober 2007
  2. a b c Graf/Rausch: Rockmusiklexikon Europa, S. 188
  3. Schmidt-Joos/Kampmann: Pop-Lexikon, S. 84
  4. lt. woodyguthrie.org, abgerufen 29. Oktober 2007, ab 1946
  5. Zu Woodie Guthries Text Mermaid’s Avenue siehe woodyguthrie.org, abgerufen 16. Oktober 2007
  6. A New England., Text auf billybragg.co.uk, abgerufen 16. Oktober 2007
  7. a b c d e Chartquellen: UK US1 US2
  8. a b c d e Gold-/Platin-Datenbank UK