Bilster Berg

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Bilster Berg
Bilster Berg Drive Resort
Bilster Berg logo.jpg

Adresse:
Bilster Berg 1
33014 Bad Driburg

Bilster Berg (Deutschland)
Red pog.svg
DeutschlandDeutschland Bad Driburg, Deutschland
Streckenart: permanente Test- und Präsentationsstrecke
Eigentümer: Bilster Berg Drive Resort GmbH & Co. KG
Betreiber: wie Eigentümer
Architekt: Hermann Tilke
Baukosten: 34 Mio. Euro
Baubeginn: 27. September 2011
Eröffnung: 11. April 2013
Gesamtstrecke
Circuit Bilster Berg.svg
Streckendaten
Streckenlänge: 4,2 km (2,61 mi)
Kurven: 19 (9R/10L)
Kurvenüberhöhung: zw. 2,5 % u. 6 %
Westschleife
Streckendaten
Streckenlänge: 1,8 km (1,12 mi)
Ostschleife
Streckendaten
Streckenlänge: 2,4 km (1,49 mi)
http://www.bilster-berg.de/

Koordinaten: 51° 47′ 32″ N, 9° 4′ 0,8″ O

Der Bilster Berg ist eine am 11. April 2013 eröffnete Test- und Präsentationsstrecke in Pömbsen, einem Ortsteil der Stadt Bad Driburg im Kreis Höxter in Ostwestfalen-Lippe.[1] Die offizielle Eröffnung war am 1. Juni 2013.[2] Die Strecke ist Teil des Bilster Berg Drive Resort, einer Anlage für Automobiltests, Veranstaltungen der Automobilindustrie und Clubsportveranstaltungen. Die Strecke ist von dem Architekten Hermann Tilke entworfen worden, der sieben aktuelle Formel-1-Rennstrecken entworfen hat. Unterstützt wurde er dabei vom zweifachen Rallye-Weltmeister Walter Röhrl.[3]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bilster Berg Drive Resort befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots der Britischen Streitkräfte in Deutschland und liegt innerhalb eines größeren Waldgebietes im östlichen Vorland des Eggegebirges. Das Gebiet befindet sich im östlichen Teil Nordrhein-Westfalens im Kreis Höxter (Ostwestfalen-Lippe). Der Ortskern der Stadt Nieheim liegt 3 km östlich, der Stadtkern von Bad Driburg ist 10 km entfernt.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Konzept soll es neben der Strecke weitere Module wie eine Dynamikfläche und einen SUV-Bereich mit zwei Parcours geben. Aufgrund der Topografie des Geländes und der damit verbundenen Uneinsehbarkeit erwartet der Betreiber hauptsächlich Kunden aus der Industrie für Fahrzeug- und Komponententests. Durch die aufwändige Begrünung sollen auch Fahrzeugpräsentationen und Presse-Fahrvorstellungen möglich sein. Rennen wie Formel 1, DTM, WTCC oder ADAC GT Masters sind nicht vorgesehen und mangels Infrastruktur wie Parkplätze, Tribünen, dem Schallkontingent und sanitären Anlagen nicht möglich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Planung und Initiative für die Errichtung dieser Anlage geht auf Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstopff zurück.[4][5]

Bauvorbereitenden Maßnahmen haben im Februar 2011 begonnen, dabei wurde vor allem der spätere Streckenverlauf freigelegt, die offizielle Grundsteinlegung fand am 27. September 2011 statt.[5] Die Anlage sollte im Sommer 2012 eröffnet werden.[4] Es lagen sowohl ein genehmigter Flächennutzungsplan, wie auch ein genehmigter Bebauungsplan vor. Die Rechtmäßigkeit des Bebauungsplans wurde vom Oberverwaltungsgericht Münster im Frühjahr 2011 bestätigt.[6] Am 5. August 2011 gab die Betreibergesellschaft bekannt, dass das Genehmigungsverfahren nach Bundes-Immissionsschutzgesetz abgeschlossen und die Betriebsgenehmigung erteilt worden sei. Die Sonderbetriebstage, also die Tage an denen Veranstaltungen mit erhöhtem Lärmpegel durchgeführt werden, wurden von 18 auf 10 Tage reduziert.[7]

Durch den Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Münster vom 3. Mai 2012 wurde die Gültigkeit der Teilgenehmigung der Strecke bis zum Abschluss des Hauptverfahrens aufgehoben. In dem Beschluss wird die Strecke als Renn- und Präsentationsstrecke bezeichnet.

Am 31. Oktober 2012 wurde die Klage der Anwohner abgewiesen, nachdem deutliche Abstriche im Bereich der Sonderöffnungstage und Events vorgenommen und eine stärkere Kontrolle des Lärms garantiert wurden.[8]

Streckencharakteristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Länge der Gesamtstrecke beträgt 4,2 km. Sie kann in eine 1,8 km lange Westschleife und eine 2,4 km lange Ostschleife unterteilt werden. Die kürzere Westschleife ist dabei topografisch anspruchsvoll, die Ostschleife der schnellere Teil der Strecke. Die absolute Höhendifferenz auf der Gesamtlänge beträgt 72 m, das größte Gefälle beträgt 26 Prozent, die größte Steigung 20 Prozent. Insgesamt geht es über 44 Wannen und Kuppen über jeweils 102 m Höhenmeter hinauf und hinunter. Der Höhenunterschied je laufendem Kilometer beträgt auf dem Bilster Berg 17 m. Zum Vergleich: Auf der Nürburgring-Nordschleife sind es 14 m.[9] Die Strecke ist überwiegend 12 Meter breit. In der „Mausefalle“, einem sehr anspruchsvollen Streckenabschnitt mit einem Gefälle von 26 Prozent, weitet sich die Kurve auf 13 Meter aus. Direkt danach geht es in das Steilstück mit bis zu 21 Prozent Steigung. Durch die zahlreichen Wannen und Kuppen sind viele Kurven teils schwer oder komplett uneinsehbar zu fahren.[10]

Nebennutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Gelände des Bilster Berg Drive Resort wurden auf zusätzlich über 45 ha die vorgeschriebenen Ausgleichsflächen nach CEF (CEF-Maßnahme) errichtet und sog. Ersatzhabitate geschaffen. Im und am angrenzenden Wald leben aktuell fünf Galloway-Rinder,[11] die ebenfalls Bestandteil der ökologischen Ausgleichsmaßnahmen sind. Diese sehr robuste Rasse lebt das ganze Jahr im Freien und produziert hochwertiges Qualitäts-Biofleisch.

Kosten und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baukosten betrugen ca. 34 Millionen Euro, wobei diese Mittel ausschließlich privat zusammen mit 172 Investoren aufgebracht wurden.[12]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürger- und Umweltverbände hatten nahezu 200 Einwände gegen die Strecke eingereicht.[13] Die Strecke entstand in einem Waldgebiet in unmittelbarer Nähe zum geplanten Nationalpark Teutoburger Wald und Eggegebirge, einem Rückzugsraum für mehrere bedrohte Tierarten. Deswegen opponierten die Umweltverbände gegen den Bau.[14]

Westfalenring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon gut zehn Jahre vor dem Projekt Bilster Berg gab es am 8 km entfernten Stoppelberg bei Steinheim (Westfalen) ebenfalls ein Projekt zum Bau einer Teststrecke, die den Namen Westfalenring tragen sollte. Auch an diesem Projekt war der Rennstreckenarchitekt Hermann Tilke beteiligt. Allerdings wurde die Rennstrecke nicht verwirklicht.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Start frei am Bilster Berg. In: Westfalen-Blatt. 12. April 2013, archiviert vom Original am 29. April 2013; abgerufen am 5. Februar 2018.
  2. Bilster Berg erwartet Gäste. In: Westfalen-Blatt. 22. Mai 2013, archiviert vom Original am 19. Juni 2013; abgerufen am 5. Februar 2018.
  3. Frieder Schilling: html Formel-1-Strecken-Architekt Tilke: „Wichtig ist, dass Fehler leicht möglich sind“. Spiegel Online, 28. Oktober 2009, abgerufen am 10. Februar 2011.
  4. a b Martin Franz: Neue Rennstrecke im Teutoburger Wald geplant. Heise online, 28. Juni 2010, abgerufen am 10. Februar 2011.
  5. a b Roman Wittemeier: Grundsteinlegung Bilster Berg: Es geht voran! Motorsport-Total.com, 28. September 2011, abgerufen am 5. Februar 2018.
  6. Josef Köhne: Landwirt kann Rennstrecke nicht aufhalten. Neue Westfälische, 17. Februar 2011, abgerufen am 5. Februar 2018.
  7. Kreis Höxter genehmigt Errichtung und Betrieb des Bilster Berg Drive Resort. In: Bilster-berg.de. 5. August 2011, archiviert vom Original am 1. August 2014; abgerufen am 5. Februar 2018.
    Teststrecke Bilster Berg genehmigt. Die Glocke, 5. August 2011, abgerufen am 5. Februar 2018.
  8. Klage gegen Teststrecke Bilster Berg abgewiesen. Neue Westfälische, 31. Oktober 2010, abgerufen am 5. Februar 2018.
  9. Neue Teststrecke im Teutoburger Wald. Kölner Stadt-Anzeiger, 10. Mai 2010, abgerufen am 5. Februar 2018.
  10. Roman Wittemeier: Neue Strecke in Nordrhein-Westfalen geplant. In: motorsport-total.com. 4. Mai 2008, archiviert vom Original am 8. Mai 2008; abgerufen am 5. Februar 2018.
  11. Josef Köhne: Muhen neben der Teststrecke. Neue Westfälische, 16. Januar 2011, abgerufen am 5. Februar 2018.
  12. Bilster Berg in Zahlen. Bilster Berg Drive Resort, archiviert vom Original am 30. August 2014; abgerufen am 5. Februar 2018.
  13. Josef Köhne: Mit Zahlen gegen Zweifel. Neue Westfälische, 27. Januar 2011, abgerufen am 5. Februar 2018.
  14. Naturschutzverbände gegen Teststrecke Bilster Berg. Naturschutzbund Deutschland (NABU), 26. Januar 2011, abgerufen am 5. Februar 2018.
  15. Rennstrecke „Westfalenring“ völlig überflüssig. Naturschutzbund Deutschland (NABU), 21. September 2011, abgerufen am 5. Februar 2018.