Bingelkräuter

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Bingelkräuter
Einjähriges Bingelkraut (Mercurialis annua), männliche Pflanze

Einjähriges Bingelkraut (Mercurialis annua), männliche Pflanze

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Unterfamilie: Acalyphoideae
Gattung: Bingelkräuter
Wissenschaftlicher Name
Mercurialis
L.

Die Bingelkräuter (Mercurialis) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Die acht bis zehn Arten sind in Eurasien, mit einem Schwerpunkt im Mittelmeerraum verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration des Wald-Bingelkrauts (Mercurialis perennis)
Junge Früchte des Wald-Bingelkrautes (Mercurialis perennis)
Einjähriges Bingelkraut (Mercurialis annua)
Eiblättriges Bingelkraut (Mercurialis ovata)

Bei Bingelkraut-Arten handelt sich um einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, seltener auch um verholzende Pflanzen, die keinen weißen Milchsaft enthalten. Die gegenständigen, oft gezähnten Laubblätter sind je nach Art breit eiförmig bis lanzettlich-eiförmig.

Die meisten Arten sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), selten sind sie einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Die männlichen Blüten stehen geknäuelt in blattachselständigen Ähren, die weiblichen Blüten stehen in Ähren oder in blattachselständigen Knäueln. Da die obersten Laubblätter oft etwas gedrängt stehen, überragen die Ähren sie allerdings meist weit, so dass der Eindruck von endständigen Ähren entsteht. Die Blüten sind unauffällig grün oder gelblichgrün, und haben nur einen drei- oder vierzähligen Blütenhüllblattkreis. Die männlichen Blüten besitzen meist 8 bis 15 (selten bis 20) Staubblätter. Die weiblichen Blüten enthalten außer dem zwei- bis dreiteiligen Fruchtknoten nur Staminodien.

Es werden Kapselfrüchte gebildet. Die Samen besitzen einen Arillus.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Mercurialis wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum aufgestellt.[1] Synonyme für Mercurialis L. sind Cynocrambe Hill, Discoplis Raf. Synema Dulac.[2][3] Der wissenschaftliche Gattungsname Mercurialis leitet sich vom römischen Gott Mercurius ab, der der Sage nach die Heilkräfte der Pflanze entdeckt haben soll.

Die Gattung Mercurialis gehört zur Subtribus Mercurialinae aus der Tribus Acalypheae in der Unterfamilie Acalyphoideae innerhalb der Familie Euphorbiaceae.[4]

Die meisten Arten kommen im westlichen Mittelmeergebiet vor, zwei bis drei Arten im gemäßigten Europa (Mercurialis annua, Mercurialis perennis und Mercurialis ovata), und eine Art (Mercurialis leiocarpa Siebold & Zucc.) ist in Süd- und Ostasien verbreitet.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Mercurialis enthält je nach Autor acht bis zehn Arten:[2][3]

  • Einjähriges Bingelkraut (Mercurialis annua L., Syn.: Synema annuum (L.) Dulac, Discoplis serrata Raf., Mercurialis ambigua L. f., Mercurialis ciliata C. Presl, Mercurialis ladanum Hartm., Mercurialis monoica (Moris) B.M.Durand, Mercurialis pinnatifida Sennen, Mercurialis tarraconensis Sennen, Mercurialis annua subsp. ambigua (L. f.) Arcang., Mercurialis annua var. ambigua (L. f.) Duby, Mercurialis annua var. angustifolia Gaudin, Mercurialis annua var. camberiensis Chabert, Mercurialis annua var. capillacea Guépin, Mercurialis annua var. dioica Moris, Mercurialis annua var. laciniata Müll. Arg., Mercurialis annua var. monoica Moris, Mercurialis annua var. transsylvanica Schur, Mercurialis annua var. variegata Löhr) Sie kommt in Makaronesien, Süd- und Mitteleuropa und im Mittelmeerraum bis zur Arabischen Halbinsel vor.
  • Mercurialis canariensis Obbard & S.A.Harris: Sie kommt nur auf den Kanarischen Inseln vor.
  • Mercurialis corsica Coss. & Kralik: Sie kommt auf Korsika und Sardinien vor.
  • Mercurialis elliptica Lam.: Sie kommt nur auf der südlichen Iberischen Halbinsel und in Marokko vor.
  • Mercurialis huetii Hanry (Syn.: Mercurialis annua var. huetii (Hanry) Müll.Arg., Mercurialis annua subsp. huetii (Hanry) Lange, Mercurialis ovata subsp. huetii (Hanry) Nyman, Mercurialis annua f. huetii (Hanry) Pax & K.Hoffm.): Sie kommt nur vom südöstlichen Frankreich bis nordöstlichen Spanien und in Marokko vor.
  • Mercurialis leiocarpa Sieb. & Zucc. (Syn.: Mercurialis transmorrisonensis Hayata, Mercurialis leiocarpa var. transmorrisonensis (Hayata) H.Keng, Mercurialis leiocarpa var. trichocarpa W.T.Wang): Sie ist in China, Bhutan, nordöstlichen Indien, Japan, Korea, Nepal, nördlichen Thailand verbreitet.
  • Eiblättriges Bingelkraut (Mercurialis ovata Sternb. & Hoppe, Syn.: Mercurialis perennis var. ovata (Sternb. & Hoppe) Müll.Arg.,Mercurialis perennis subsp. ovata (Sternb. & Hoppe) Celak., Mercurialis ovata f. genuina Pax & K.Hoffm., Mercurialis livida Port. ex Baumg., Mercurialis ovata var. livida (Port. ex Baumg.) Nyman, Mercurialis ovata f. croatica Degen): Sie kommt in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, in der Türkei, im westlichen Syrien sowie im Kaukasus vor.
  • Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis L., Syn.: Mercurialis perennis f. genuina Müll.Arg. nom. inval., Synema perenne (L.) Dulac, Mercurialis cynocrambe Scop., Mercurialis nemoralis Salisb., Mercurialis sylvatica Hoppe, Mercurialis longifolia Host nom. illeg., Mercurialis perennis var. brachyphylla Willk., Mercurialis alpina Schur, Mercurialis perennis var. subalpina Schur, Mercurialis perennis subvar. alpina (Schur) Nyman, Mercurialis perennis subvar. sylvatica (Hoppe) Nyman, Mercurialis perennis f. saxicola Beck, Mercurialis perennis f. glabra Beck, Mercurialis sylvestris Bubani, Mercurialis perennis f. robusta Gross, Mercurialis perennis f. sylvatica (Hoppe) Rouy & Foucaud, Mercurialis perennis f. ovatifolia Hausskn.) Sie kommt in Mitteleuropa und im Mittelmeerraum bis in den nördlichen Iran vor.
  • Mercurialis reverchonii Rouy (Syn.: Mercurialis annua var. serratifolia Ball, Mercurialis serratifolia (Ball) Pau, Mercurialis reverchonii var. riatarum Maire, Mercurialis reverchonii var. serratifolia (Ball) Maire): Sie kommt nur im südwestlichen Spanien und in Marokko vor.
  • Mercurialis tomentosa L. (Syn.: Mercurialis sericea Salisb.): Sie ist im südwestlichen Europa beheimatet.

Dazu kommen die Hybriden[3]:

Namensherkunft und weitere Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Trivialname "Bingelkraut" stammt vermutlich von Bunge=Knolle bzw. Bingel=Hoden, und bezieht sich auf die stachelig-haarigen Früchte, die oft paarweise stehen. Man findet es auch unter den Volksnamen Schuttbingel, Wintergrün, Hundskohl sowie Büngelkraut.

Heilwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bingelkräuter finden heute kaum noch als Heilpflanze Verwendung. Ihre abführende Wirkung ist belegt.[5][6]

Giftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzig dem Wald-Bingelkraut wird eine leichte Giftigkeit zugeschrieben. Der höchste Wirkstoffgehalt wird bei der Fruchtreife erreicht. Vergiftungen beim Menschen sind kaum möglich. Aufgrund dessen, dass Tiere größere Mengen mit Nahrung aufnehmen, reagieren Pferde, Schweine oder Wiederkäuer eher sensibel.[5]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Huaxing Qiu, Michael G. Gilbert: Mercurialis. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 11: Oxalidaceae through Aceraceae. Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2008, ISBN 978-1-930723-73-3, S. 247 (englisch, online [abgerufen am 25. Juli 2017]). (Abschnitte Beschreibung und Verbreitung)
  • Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 14. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen. Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-06-012539-2.
  • Urania Pflanzenreich. Band 3: Blütenpflanzen 1, 1. Ausgabe. Urania, Leipzig 1991, ISBN 3-332-00367-4.
  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Hayashi Yasaka: Nihon-no Yasou. Yama to Keikoku Sha. Tokyo 1983, ISBN 4-635-09016-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 1035 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D1035%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  2. a b World Checklist of Selected Plant Families, 2010, The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew, übernommen in Euro+Med.
  3. a b c R. Govaerts u. a.: World Checklist of Euphorbiaceae. Mercurialis. Royal Botanic Gardens, Kew 2014, Internet-Veröffentlichung, letzter Zugriff am 30. Juli 2014.
  4. Mercurialis im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 16. August 2013.
  5. a b Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Vorkommen, Wirkung, Therapie, allergische und phototoxische Reaktionen. Mit Sonderteil über Gifttiere. 5. erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86820-009-6. S. 495–496.
  6. Mannfried Pahlow: Das große Buch der Heilpflanzen. Gräfe & Unzer, München 1979, ISBN 3-7742-4211-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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