Bingum

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53.2222222222227.41444444444441Koordinaten: 53° 13′ 20″ N, 7° 24′ 52″ O

Bingum
Höhe: 1 m ü. NN
Fläche: 8,88 km²
Einwohner: 1503 (2005)
Bevölkerungsdichte: 169 Einwohner je km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 26789
Vorwahl: 0491
Leer (Kernstadt) Bingum Heisfelde Hohegaste Leerort Loga Logabirum Nettelburg NüttermoorKarte
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Lage von Bingum im Leeraner Stadtgebiet

Bingum ist der einzige westlich der Ems und damit im Rheiderland gelegene Stadtteil von Leer (Ostfriesland). Der Ort wird durch die Jann-Berghaus-Brücke mit der Leeraner Kernstadt und dem Leeraner Stadtteil Leerort verbunden. Bingum grenzt an die Gemeinden Weener und Jemgum.

Turm der lutherischen Matthäikirche

Zum Stadtteil Bingum gehören neben dem eigentlichen Dorf Bingum auch die beiden Dörfer Bingumgaste und Coldam. Daneben gibt und gab es auch noch einige kleinere Wohnplätze: Einhaus ist ein Überrest des nach Westen gewanderten Ortes Weenermoor. Auf dem Gebiet der Stadt Weener finden sich analog dazu die Wohnplätze Tweehusen und Dreehusen, deren Namen nicht eingedeutscht wurden. Neubingum nennt sich die seit 1925 entstandene Neubausiedlung nördlich des alten Dorfs. Die Gehöfte Nortmerfähr und Uthörn existieren heute nicht mehr.

In Bingum gibt es eine Grundschule, weiterführende Schulen werden von den hier ansässigen Schülern in Leer (Ubbo-Emmius-Gymnasium, Teletta-Groß-Gymnasium, Fachgymnasien) oder in Jemgum (Haupt- und Realschule Carl-Goerdeler-Schule) besucht. Im Bingumer Ortskern steht mit der Matthäikirche eine der im Rheiderland seltenen lutherischen Kirchen, die sich mit der im benachbarten Jemgumer Ortsteil Holtgaste gelegenen Kirchengemeinde eine Pfarrstelle teilt. Weiterhin ist in Bingum ein Sportverein, der BSV Bingum, ansässig. Bingum hat zudem einen kleinen Emshafen, der hauptsächlich von Sportbooten genutzt wird. Er wird von der kleinen Insel Bingumer Sand vor Wind und Wellen geschützt.

Das Wappen Bingums ziert eine historische Ziegelei, wie sie früher zahlreich an der Ems zu finden waren.

Geschichte[Bearbeiten]

Um das Jahr 900 wurde die Siedlung erstmals urkundlich als Binninghem erwähnt, eine Gründung wird aber schon für das 7. oder 8. Jahrhundert vermutet. In der Folgezeit hatte der Ort häufig mit den Fluten der Ems zu kämpfen. Die Dorfhäuptlinge stellte lange Zeit eine Familie mit dem Namen Crumminga. Später war es die Familie Sluiter und die Freiherren von Rheden. Später standen gewählte Schüttmeister dem Ort vor. Zu leiden hatte der Ort unter verschiedenen Kriegen, etwa der Geldrischen Fehde, dem Dreißigjährigen und dem Siebenjährigen Krieg.

Die Nazis ließen in Bingum Zwangssterilisationen durchführen: noch kurz vor der Machtergreifung hatte hier mehr als die Hälfte der Bevölkerung KPD oder SPD gewählt. Während des Zweiten Weltkriegs gab es in Bingum ein Kriegsgefangenenlager mit 25 Inhaftierten, die Zwangsarbeit zu leisten hatten. Nach dem Krieg siedelten sich nur relativ wenige Flüchtlinge in Bingum an.

Bis zur Gebietsreform in Niedersachsen war das Dorf an der Ems eine selbstständige Gemeinde im Landkreis Leer. Seit der Eingemeindung am 1. Januar 1973[1] hat Bingum durch zahlreiche Neubaugebiete viele neue Einwohner hinzugewonnen, sodass die Einwohnerzahl nun bei etwa 2000 liegt.

Bingumgaste[Bearbeiten]

Luftbild von Bingumgaste

Bingumgaste gehört zum Ortsteil Bingum und ist damit Teil der Stadt Leer/Ostfriesland. Es findet sich zum ersten Mal auf einer Karte von 1589 als „Binningergast“ eingezeichnet. Es handelt sich dabei um zu Bingum gehörende Getreideäcker, die auf einer erhöhten Geestinsel westlich der Ortschaft Bingum liegen. 1823 gab es hier 27 Feuerstellen mit 151 Einwohnern. 1848 waren es bei gleicher Einwohnerzahl 21 Wohngebäude. Ende 2008 lebten 53 Einwohner in Bingumgaste in 23 Wohngebäuden.

Einhaus wird 1823 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und 1824 auch als „Eenhus“ bezeichnet. Es liegt am Weg von Bingumgaste durch den Hammrich nach Weener und bedeutet „einzelnes Haus“ wohl in Abgrenzung zu den beiden anderen Wohnplätzen an diesem Weg, die „Dreehusen“ und „Tweehusen“ heißen und zur Stadt Weener gehören. 1823 gab es hier sechs Einwohner, 1848 waren es vier.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wilhelm Lange: Die Familien der Kirchengemeinde Bingum (1760–1900). Upstalsboom-Gesellschaft, Aurich 1994, ISBN 3-925365-80-X (Ostfrieslands Ortssippenbücher, Bd. 33; Deutsche Ortssippenbücher, Bd. A 192).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 262.