Binnenschiffswerft

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Binnenschiffswerften befinden sich an Flüssen oder Kanälen und haben einfache Hellinge für den Bau oder Slipanlagen für die Reparatur von Binnenschiffen und seltener kleinen Küstenschiffen.

Modell einer typischen Binnenschiffswerft an der Weser für den Bau von Holzschiffen um 1870
Handsägen, wichtige Werkzeuger der Holzschiffbauer

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem 12. Jahrhundert entstanden in Deutschland die meisten Boote oder Schiffe auf einfachen, an geeigneten Flussufern gelegenen Ablaufplätzen. Diese Schiffbauplätze wurden häufig von mehreren Schiffbauern genutzt, in vielen Orten bzw. Städten auch zum Laden und Löschen von Schiffen verwendet und als Lastadie bezeichnet. Erst mit fortschreitender Zeit, größer und teurer werdenden Schiffen, schlossen sich Schiffbauer zusammen und aus den einfachen Schiffbauplätzen entwickelten sich Werften mit festen Hellingen. Die Slipanlagen, die für Überholungen, Anstrich- und Reparaturarbeiten entstanden, wurden mit einer oder mehreren Winden ausgestattet. Die Winden wurden anfangs mit Menschen- oder Tierkraft, später mit Dampfkraft, Motorkraft und heute vorwiegend elektrisch betrieben.

Trockendocks wurden bei Binnenschiffswerften selten eingesetzt, sie waren bei den großen Werften in den Hafenstädten bei Reparaturen üblich. Auch Schwimmdocks waren bei Binnenschiffswerften selten zu finden.

Am Bau hölzerner Schiffe waren häufig nur ein bis zwei Berufe beteiligt. Neben den Schiffbauern arbeiteten manchmal auch Schmiede auf dem Schiffbauplatz. Überwiegend wurden die wenigen Eisenarbeiten aber an die örtliche Dorfschmiede vergeben, ebenso kamen die als laufendes Gut bezeichneten Seile und Taue von der nächsten Seilerei. Daraus wird ersichtlich, dass der Schiffbau dieser Zeit ein regionales Gewerbe mit Zuarbeit von den umliegenden Handwerkern war.

Das änderte sich beim Übergang vom Holz zum Stahl, und der Schiffbau wurde erheblich aufwendiger. In dieser Übergangszeit von ein bis zwei Schiffbauergenerationen gaben viele der Schiffbauer auf und der Großteil der Binnenschiffswerften hörten auf zu existieren, wurden übernommen oder schlossen sich mit anderen zusammen. Eine Ausnahme bildet die Neptunwerft, die als Seeschiffswerft anspruchsvolle Flußkreuzfahrtschiffe in großen Serien baut, und auch die Rümpfe weitgehend selbst fertigt.

Aktuelle Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahl der Werften und besonders der Binnenschiffswerften hat sich beim Übergang vom Holz zum Stahl stark verringert. Nicht nur, dass die Schiffe komplizierter wurden, sie wurden auch größer, stiegen erheblich im Wert und auch die Beschaffung des Baumaterials wurde aufwendiger. Das Schiffbaublech wurde von Stahlhütten oder Zwischenhändlern beschafft. Die Kessel und Dampfmaschinen, Dampfpumpen und -gebläse wurden nicht mehr handwerklich, sondern industriell hergestellt. Diese Umstände führten dazu, dass die verbleibenden Binnenschiffswerften wuchsen, um die fehlende Kapazität der geschlossenen Werften zu übernehmen. Andererseits sank der Eigenanteil, da immer mehr Material von Werftzulieferern zugekauft wurde.

Inzwischen wurde Deutschland zum Hochlohnland, und Neubauten sind daher vergleichsweise teuer. Heute verfügt Deutschland nur noch über wenige Binnenschiffswerften, die auch neue Schiffe bauen. Der Großteil der Werften beschäftigt sich mit Reparatur- und Umbauarbeiten. Die meisten der in Deutschland verbliebenen Neubauten werden hier entworfen und konstruiert und im Ausland als Rohbau gefertigt. Die als Kaskos bezeichneten schwimmfähigen Schiffsrümpfe werden anschließend zu den deutschen Werften geschleppt und hier ausgebaut, von den Klassifikationen abgenommen und an die Auftraggeber abgeliefert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. U. Detefsen: Vom Ewer zum Containerschiff. Koehler, Herford 1983, ISBN 3-7822-0321-6.
  • D. Strobel: Schiffbau zwischen Elbe und Oder. Koehler, Herford 1993, ISBN 3-7822-0565-0.
  • G. Meyer: Binnenschiffe zwischen Elbe und Oder. Elbe & Spree-Verlag, Hamburg 1994, ISBN 3-931129-01-2.