Bio Suisse

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Die Knospe der Vereinigung Schweizer Biolandbau-Organisationen (Bio Suisse).

Der Dachverband Bio Suisse ist ein Zusammenschluss von 32 Organisationen der ökologischen Landwirtschaft in der Schweiz. Er wurde am 1. September 1981 in Basel gegründet.

Mitglieder sind 6'423 Biobetriebe und somit etwa 90 Prozent aller Biobetriebe in der Schweiz (Stand 2017), die in 22 regionalen Mitgliedorganisationen organisiert sind.[1] Hinzu kommen zehn weitere Mitgliedorganisationen, darunter die fünf Gründungsorganisationen Bioterra, Biofarm, Progana, Demeter und FiBL (Forschungsinstitut für Biologischen Landbau). Die Delegiertenversammlung besteht aus 100 Delegierten der 32 Mitgliedorganisationen und ist das oberste Organ von Bio Suisse.[2] Weitere über 900 lizenzierte Verarbeitungs- und Handelsbetriebe stellten Knospe-Lebensmittel her oder handelten damit.[3]

Die Geschäftsstelle mit rund 56 Mitarbeitenden befindet sich in Basel. Zu den Aufgaben des Verbandes gehören die Weiterentwicklung der Richtlinien, die Markttransparenz [4] und Marktentwicklung, übergeordnete Aufgaben in der Qualitätssicherung, die Prüfung von Lizenzgesuchen und die Beratung der lizenzierten Verarbeiter und Händler sowie die Interessensvertretung ihrer Mitglieder am Markt, in der Politik und in der Öffentlichkeit.

Gütesiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bio Suisse ist Eigentümerin der eingetragenen Marke „Knospe“ (frz. „Bourgeon“, ital. „Gemma“, engl. „Bud“). Die Produkte der von Bio Suisse zertifizierten schweizerischen Produzenten können mit dem Gütesiegel Bio Suisse Knospe ausgezeichnet werden. Das Gütesiegel (in der Schweiz Label genannt) geniesst in der Schweiz eine hohe Glaubwürdigkeit. Rund 60 bis 70 % der Knospe-Produkte stammen aus Schweizer Produktion und werden in der Schweiz verarbeitet. Ausländische Produkte, die dieselben Kriterien erfüllen, werden mit Bio Knospe ausgezeichnet.[5]

Verarbeitungs- und Handelsbetriebe, die mit der Bio Suisse einen Lizenzvertrag abgeschlossen haben dürfen unter Einhaltung der Richtlinien die Marke Knospe nutzen.

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Label erzielte 2015 im Ranking der Stiftung Pusch, des WWF Schweiz, der Helvetas und der Stiftung für Konsumentenschutz SKS «in allen Bewertungsbereichen und Produktsortimenten überdurchschnittliche Resultate, weil es sowohl in den Bewertungskriterien der Umweltbereiche Wasser, Boden, Biodiversität und Klima als auch in den Bereichen Tierwohl und Soziales hohe bis sehr hohe Anforderungen stellt.» [6]

Bewertung Knospe Bio / Knospe Bio Suisse – 161 Punkte, Ausgezeichnet
Bio-ch-bio-eu-161-pt.png

Richtlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vereinseigenen Richtlinien sind strenger als die vom Schweizer Gesetzgeber vorgeschriebenen Mindestanforderungen für den biologischen Landbau. Bio Suisse hat auch umfangreiche Richtlinien zu Verarbeitung und Handel. Produkten, die dem Image der Knospe abträglich sind, kann die Zulassung verweigert werden.

Nur Produkte, deren Rohstoffe zu mindestens 90 % aus der Schweiz stammen, tragen die Bio-Knospe mit dem Vermerk Bio Suisse. Produkte, die mehr als 10 % im Ausland produzierte Rohstoffe enthalten, tragen die Knospe mit dem Vermerk Bio. Auch für im Ausland produzierte Waren müssen die Bio-Suisse-Richtlinien erfüllt sein.[5]

Importe sind eingeschränkt auf Produkte, die in der Schweiz nicht wachsen oder nicht in genügender Menge verfügbar sind. Aus Übersee dürfen nur Frischprodukte importiert werden, wenn sie in Europa nicht wachsen oder saisonal nicht verfügbar sind. Flugtransport ist generell verboten.

Importeure von Bioprodukten zur Vermarktung mit der Knospe benötigen einen Lizenzvertrag mit Bio Suisse mit Importbewilligung für die entsprechenden Produkte sowie Bio Suisse zertifizierte Lieferanten (über alle Handelsstufen vom Anbau bis zum Export). Zudem müssen die Vorgaben der Schweizer Bio-Verordnung in jedem Fall erfüllt sein. Die Zertifizierung der ausländischen Betriebe erfolgt durch die International Certification Bio Suisse (ICB AG, Tochterfirma der Bio Suisse [7]) oder die bio.inspecta AG.

Übersicht der Kriterien[3]

  • Ganzheitlichkeit – Bio für den gesamten Betrieb und für die ganze Produkteverarbeitung
  • Biodiversität – vielfältige Lebensräume für Pflanzen und Tiere
  • Tierwohl – artgerechtes Futter, tiergerechter Stall, viel Auslauf und Weide
  • Ressourcenschutz – Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Kunstdünger. Schutz von Boden, Wasser, Luft und Klima
  • Geschmack – schonende Verarbeitung, frei von Aroma und Farbstoffen, authentische Produkte
  • Vertrauen – strikte Kontrollen, Verzicht auf Gentechnik, strenge Vorschriften für Importe
  • Fairness – Richtlinien für soziale Anforderungen und faire Handelsbeziehungen

Markenvergabepolitik / Vergleich, Ranking der Labels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kassensturz berichtete 2010, dass «Bio Suisse [2009] entschieden hat, dass Discounter ihre Bio-Produkte nicht mit der Knospe auszeichnen dürfen.» Ein direkter Preisvergleich in Bio-Betrieben hergestellten Produkte sei durch diese Labelvergabepolitik und die Eigenlabel der Discounter erschwert.[8]

Die Markenvergabepolitik stellt sich 2017 folgendermassen dar:

Bio Suisse ist offen für die Zusammenarbeit mit allen Handelspartnern. Die Voraussetzung zur Verwendung der Knospe ist ein nachhaltiges Engagement in der biologischen Landwirtschaft. Dazu gehört, dass die Handelspartner Grundsätze, Ziele und Werte von Bio Suisse verfolgen, z. B.:

  • Repräsentatives, ganzjähriges Angebot von Schweizer Knospe-Produzenten
  • Klare, offene und unmissverständliche Produktpräsentation und Kommunikation
  • Langfristige und nicht von kurzfristigen Opportunitäten bestimmte Zusammenarbeit und Sortimentspolitik
  • Einsatz für faire wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen entlang der ganzen Wertschöpfungskette
  • Nachhaltige Entwicklung, Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts oder Ausfüllen des Bio Suisse Nachhaltigkeitschecks

Mit der Knospe gekennzeichnete, verpackte Produkte können in jedem Laden verkauft werden.

Ein Vergleich von verschiedenen Labeln wurde 2010[6] und 2015 von der Stiftung Pusch, des WWF Schweiz, der Helvetas und der Stiftung für Konsumentenschutz SKS unternommen. Einige der Bio-Label erzielten im Ranking 2015 gute bis überdurchschnittliche Resultate, ein paar davon landeten sogar vor Knospe Bio / Knospe Bio SuisseDelinat, Natura-Beef Bio, Naturaplan (Coop), KAGfreiland, Bio natur plus (Manor AG) und Bio Weide-Beef (Migros). Das Discounter-Label Bio Organic (Lidl Schweiz) erreichte sehr empfehlenswert, Nature Suisse (Aldi Suisse) empfehlenswert. Bedingt empfehlenswert die Discounter-Labels Natur Aktiv (Aldi Suisse) und Spar Natur Pur (Spar).

WWF Schweiz, SKS, STS, ACSI, FRC schreiben in ihrem Bericht Hintergrundbericht Labels für Lebensmittel im Oktober 2010: «Weil Aldi, Lidl, Globus und Spar auf der anderen Seite Bio-Eigenmarken auf den Markt brachten, ist die Anzahl der Labels, welche für biologische Produkte stehen, stark gewachsen. Diese Zunahme beurteilen wir kritisch, da sie die Orientierung der Konsumenten verschlechtert und durch die weniger strengen Richtlinien auch die Glaubwürdigkeit der Biolabels verschlechtert.»[6]

Zertifizierung und Kontrolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Einhaltung der Bio Suisse-Richtlinien auf Betrieben in der Schweiz wachen als Kontrollinstitutionen die Firmen bio.inspecta[9] und Bio Test Agro AG[10].

Die Firma bio.inspecta war früher mehrheitlich im Besitz von Bio Suisse. Dies hat zu Kritik geführt, nachdem sich die zweite Kontrollstelle im Bereich Landwirtschaft aus der Zertifizierung von Bio-Suisse-Produkten zurückziehen wollte, den Entscheid später aber revidierte.[11] Die Firma bio.inspecta befindet sich heute im Besitz von verschiedenen Organisationen und Einzelunternehmen aus der Biobranche – 2017 waren es:

im weiteren insgesamt:

  • 64,21 % – Produzenten/-innen, Lizenznehmer/-innen der beiden Bio-Labels Knospe und Demeter sowie Konsumenten/-innen, Mitarbeiter/-innen, Umwelt- und Bio-Organisationen.[12]

Im Kontrollverfahren werden Produktion, Verarbeitungsverfahren, Rezepturen, Transport und Lagerung der Waren geprüft.

Betriebe ausländischer Zulieferer werden auf Wunsch eines Lizenznehmers überprüft, wenn er die Produkte im Inland nicht oder nicht in genügender Menge findet. Diese Betriebe haben die Bio Suisse Organic-Richtlinien einzuhalten, welche gleichwertig mit den Bio Suisse Richtlinien für die Schweiz sind; ergänzt um einige Anforderungen wie zum Beispiel eine nachhaltige Wassernutzung in Gebieten mit knappen Wasserressourcen. Die jährlichen Kontrollen der Betriebe erfolgen durch akkreditierte Kontrollstellen vor Ort. Anhand dieser Kontrollberichte beurteilen die International Certification Bio Suisse (ICB AG) und bio.inspecta die Konformität der Prozesse und Praktiken der Betriebe mit den Anforderungen von Bio Suisse und erteilen bei Erfüllung ein Bio Suisse Organic-Zertifikat. Dieses ist die wichtigste Voraussetzung für den Import von Bio-Produkten in die Schweiz zwecks Verkauf mit dem «Knospe»-Label.[13]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Importe aus Übersee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Bio-Wein aus Argentinien mit der Knospe zu kennzeichnen, hatte Bio Suisse im August 2017 eine Lizenz an Coop vergeben. Dieses Vorgehen steht nicht Gegensatz zu den eigenen Grundprinzipien, denn Importe sind unter bestimmten Bedingungen möglich (siehe #Richtlinien). Bio Genève war damit nicht einverstanden[14] und stellte an der Delegiertenversammlung am 18. April 2018 einen Antrag für eine Richtlinienänderung zu Importen aus Übersee. Die Bewilligung für Importe von Wein aus Übersee war inzwischen vom Vorstand der Bio Suisse sistiert worden. Zudem beantragte der Vorstand eine breite Diskussion der erarbeiteten Import-Strategie an der Präsidentenkonferenz im Sommer 2018 und eine Verschiebung der Abstimmung über die Import-Richtlinien. Diesem Antrag stimmte die Delegiertenversammlung am 18. April 2018 zu.[15][16]

Schädliche Pestizide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den Kartoffelkäfer zu bekämpfen wurde 2018 u. a. das bienenschädliche Pestizid Spinosad, über eine längere Zeit zugelassen.[17]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bio Suisse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biolandwirtschaft und Biomarkt auf bio-suisse.ch, abgerufen am 6. August 2012.
  2. Portrait Bio Suisse. Abgerufen am 18. September 2017.
  3. a b Die Knospe, auf bio-suisse.ch, abgerufen am 27. August 2012.
  4. Markttransparenz. Abgerufen am 24. April 2018 (englisch).
  5. a b https://www.bio-suisse.ch/de/diemarke.php abgerufen am 18. September 2017
  6. a b c Hintergrundbericht Labels für Lebensmittel WWF, SKS, STS, ACSI, FRC, Oktober 2010
  7. International Certification Bio Suisse AG. Abgerufen am 24. April 2018.
  8. Magazinsendung Bio-Produkte: Wie Preise hochgehalten werden Kassensturz SRF, Sendung vom 16. Februar 2010.
  9. http://bio-inspecta.ch
  10. http://bio-test-agro.ch
  11. Artikel in Zürcher Bauer (Wochenzeitschrift des Zürcher Bauernverbands), Woche 37, 2006. Die Online-Version ist offenbar nicht mehr verfügbar:@1@2Vorlage:Toter Link/www.vzsb.ch(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: (PDF)) (abgefragt am 19. Februar 2010).
  12. Aktionariat von bio.inspecta, abgefragt am 15. Februar 2013 und 27. August 2017
  13. International Certification Bio Suisse AG. Abgerufen am 29. Mai 2018.
  14. Protest gegen Knospe-Wein aus Argentinien In: schweizerbauer.ch, 4. November 2017, abgerufen am 12. April 2018.
  15. Delegiertenversammlung vom 18. April 2018 In: biosuisse.ch, abgerufen am 12. April 2018.
  16. Delegiertenversammlung. Abgerufen am 8. Mai 2018 (englisch).
  17. Kartoffelkäfer: Neem und Spinosad ab sofort zugelassen In: bioaktuell.ch, 13. Juni 2018, abgerufen am 17. Juni 2018.