Bio Suisse

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Die Knospe der Vereinigung Schweizer Biolandbau-Organisationen (Bio Suisse).

Der Dachverband Bio Suisse ist ein Zusammenschluss von 33 kantonalen und regionalen Organisationen der ökologischen Landwirtschaft in der Schweiz, der am 1. September 1981 in Basel gegründet wurde. Im Jahr 2011 haben 5'618 Landwirtschafts-Betriebe nach den Regeln von Bio Suisse gearbeitet.[1] 2017 arbeiteten über 6'140 Schweizer Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe nach den Richtlinien von Bio Suisse, weitere über 885 lizenzierte Verarbeitungs- und Handelsbetriebe stellten Knospe-Lebensmittel her oder handelten damit.[2]

Die Mehrheit der Schweizer Biobauern ist Mitglied der Bio Suisse.

Gütesiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knospe Bio und Knospe Bio Suisse

Die Produkte der von Bio Suisse zertifizierten schweizerischen Produzenten können mit dem Gütesiegel Knospe Bio Suisse ausgezeichnet werden. Das Gütesiegel (in der Schweiz Label genannt) geniesst in der Schweiz eine hohe Glaubwürdigkeit.[3] Mehr als 80 % der Knospe-Produkte stammen aus Schweizer Produktion und werden in der Schweiz verarbeitet. Ausländische Produkte, die dieselben Kriterien erfüllen, werden mit Knospe Bio ausgezeichnet.[4]

Die Knospe von Bio Suisse kennzeichnet nach den Richtlinien von Bio Suisse hergestellte Bioprodukte. Für in- und ausländische Produkte gelten die gleichen Richtlinien, welche deutlich über die gesetzlichen Anforderungen hinaus gehen. Inländische Produkte sind durch das Schweizer Kreuz im Label Knospe Bio Suisse hervorgehoben.

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Label erzielte 2015 im Ranking der Stiftung Pusch, des WWF Schweiz, der Helvetas und der Stiftung für Konsumentenschutz SKS «in allen Bewertungsbereichen und Produktsortimenten überdurchschnittliche Resultate, weil es sowohl in den Bewertungskriterien der Umweltbereiche Wasser, Boden, Biodiversität und Klima als auch in den Bereichen Tierwohl und Soziales hohe bis sehr hohe Anforderungen stellt.» [4]

Bewertung Knospe Bio / Knospe Bio Suisse – 161 Punkte, Ausgezeichnet
Bio-ch-bio-eu-161-pt.png

Richtlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vereinseigenen Richtlinien sind strenger als die vom Schweizer Gesetzgeber vorgeschriebenen Mindestanforderungen für den biologischen Landbau. Produkten, die dem Image der Knospe abträglich sind, kann der Lizenzvertrag verweigert werden. Kriterien für die Lizenzierung sind Ökologie, Transportdistanz, Verpackung, Verkaufspreis[5][4] und Konsumentenerwartung. So ist zum Beispiel der Import per Luftfracht ausdrücklich untersagt.

Nur Produkte, deren Rohstoffe zu mindestens 90 % aus der Schweiz stammen, tragen die Bio-Knospe mit dem Vermerk Bio Suisse. Produkte, die mehr als 10 % im Ausland produzierte Rohstoffe enthalten, tragen die Knospe mit dem Vermerk Bio. Auch für im Ausland produzierte Waren müssen die Bio-Suisse-Richtlinien erfüllt sein.

Übersicht der Kriterien [2]

  • Ganzheitlichkeit – Bio für den gesamten Betrieb und für die ganze Produkteverarbeitung
  • Biodiversität – vielfältige Lebensräume für Pflanzen und Tiere
  • Tierwohl – artgerechtes Futter, tiergerechter Stall, viel Auslauf und Weide
  • Ressourcenschutz – Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Kunstdünger. Schutz von Boden, Wasser, Luft und Klima
  • Geschmack – schonende Verarbeitung, frei von Aroma und Farbstoffen, authentische Produkte
  • Vertrauen – strikte Kontrollen, Verzicht auf Gentechnik, strenge Vorschriften für Importe
  • Fairness – Richtlinien für soziale Anforderungen und faire Handelsbeziehungen

Kritik an der Labelvergabepolitik / Vergleich, Ranking der Labels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kassensturz berichtete 2010, dass «Bio Suisse [2009] entschieden hat, dass Discounter ihre Bio-Produkte nicht mit der Knospe auszeichnen dürfen.» Im Gegensatz zu Detailhändlern wie Coop bleibt dies ihnen untersagt, auch wenn deren Produkte von Bio Suisse zertifizierten Lieferanten stammen und somit die Bio Suisse Richtlinien erfüllen würden. Markenrechtlich geschützte Produkte dürfen, auch wenn diese in Discountern verkauft werden, das Knospenlabel tragen. Ein direkter Preisvergleich in Bio-Betrieben hergestellten Produkte sei durch diese Labelvergabepolitik und die Eigenlabel der Discounter erschwert.[5]

Doch eben dies – ein direkter Vergleich – wurde zuletzt 2010[6] und 2015 von der Stiftung Pusch, des WWF Schweiz, der Helvetas und der Stiftung für Konsumentenschutz SKS unternommen. Einige der Bio-Label erzielten im Ranking 2015 gute bis überdurchschnittliche Resultate, ein paar davon landeten sogar vor Knospe Bio / Knospe Bio SuisseDelinat, Natura-Beef Bio, Naturaplan (Coop), KAGfreiland, Bio natur plus (Manor) und Bio Weide-Beef (Migros). Das Discounter-Label Bio Organic (Lidl (Schweiz)) erreichte sehr empfehlenswert, Nature Suisse (Aldi (Schweiz)) empfehlenswert. Bedingt empfehlenswert die Discounter-Labels Natur Aktiv (Aldi (Schweiz)) und Spar Natur Pur (Spar).[4]

WWF Schweiz, SKS, STS, ACSI, FRC schreiben in ihrem Bericht Hintergrundbericht Labels für Lebensmittel im Oktober 2010: «Weil Aldi, Lidl, Globus und Spar auf der anderen Seite Bio-Eigenmarken auf den Markt brachten, ist die Anzahl der Labels, welche für biologische Produkte stehen, stark gewachsen. Diese Zunahme beurteilen wir kritisch, da sie die Orientierung der Konsumenten verschlechtert und durch die weniger strengen Richtlinien auch die Glaubwürdigkeit der Biolabels verschlechtert.»[6]

Zertifizierung und Kontrolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Einhaltung der Bio Suisse-Richtlinien wachen als Kontrollinstitutionen, neben anderen, die Firmen bio.inspecta[7] und Bio Test Agro AG[8].

Die Firma bio.inspecta war früher mehrheitlich im Besitz von Bio Suisse. Dies hat zu Kritik geführt, nachdem sich die zweite Kontrollstelle im Bereich Landwirtschaft aus der Zertifizierung von Bio-Suisse-Produkten zurückziehen wollte, den Entscheid später aber revidierte.[9] Die Firma bio.inspecta befindet sich heute im Besitz von verschiedenen Organisationen und Einzelunternehmen aus der Biobranche – 2017 waren es:

im weiteren insgesamt:

  • 64,21 % – Produzenten/-innen, Lizenznehmer/-innen der beiden Bio-Labels Knospe und Demeter sowie Konsumenten/-innen, Mitarbeiter/-innen, Umwelt- und Bio-Organisationen.[10]

Im Kontrollverfahren werden Produktion, Verarbeitungsverfahren, Rezepturen, Transport und Lagerung der Waren geprüft.

Betriebe ausländischer Zulieferer werden auf speziellen Wunsch eines Lizenznehmers überprüft, wenn er die Produkte im Inland nicht oder nicht in genügender Menge findet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bio Suisse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biolandwirtschaft und Biomarkt auf bio-suisse.ch, abgerufen am 6. August 2012.
  2. a b Die Knospe, auf bio-suisse.ch, abgerufen am 27. August 2012
  3. Emotionen gehen hoch (PDF) (Memento vom 24. Oktober 2007 im Internet Archive) Artikel in der Bauernzeitung vom 18. August 2006.
  4. a b c d Lebensmittellabels, Ranking 2015 der Bio-Labels in der Schweiz (darunter auch EU-Labels) – Stiftung Pusch, WWF Schweiz, Helvetas und Stiftung für Konsumentenschutz SKS, auf wwf.ch
  5. a b Magazinsendung Bio-Produkte: Wie Preise hochgehalten werden Kassensturz SRF, Sendung vom 16. Februar 2010.
  6. a b Hintergrundbericht Labels für Lebensmittel WWF, SKS, STS, ACSI, FRC, Oktober 2010
  7. http://bio-inspecta.ch
  8. http://bio-test-agro.ch
  9. Artikel in Zürcher Bauer (Wochenzeitschrift des Zürcher Bauernverbands), Woche 37, 2006. Die Online-Version ist offenbar nicht mehr verfügbar:@1@2Vorlage:Toter Link/www.vzsb.ch Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: (PDF) (abgefragt am 19. Februar 2010).
  10. Aktionariat von bio.inspecta, abgefragt am 15. Februar 2013 und 27. August 2017