Biokerosin

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Biokerosin ist ein Luftfahrtkraftstoff, der auf Basis hydrierter Pflanzenöle wie Raps-, Palm- oder Jatrophaöl oder aus Algen hergestellt wird. Der regenerative Biokraftstoff soll dazu beitragen, das herkömmliche Kerosin auf Erdölbasis zu ersetzen, um den Verbrauch von Erdöl und den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, um Energiewende im Verkehr und Klimaschutz zu forcieren.

Entwicklung und Initiativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Umweltauswirkungen des Luftverkehrs gehören klimaschädliche Treibhausgasemissionen. Im Jahr 2005 verursachte der Luftverkehr 733 Mt CO2. Damit verursachte der Luftverkehr ähnliche Mengen an Treibhausgasemissionen wie Südkorea oder Kanada. Berücksichtigt man weitere Klimaeffekte, zum Beispiel durch Ozonbildung, Kondensstreifen oder einen Einfluss auf Zirruswolken, war der Luftverkehr bis 2005 für 2 % – 14 % des Strahlungsantriebs verantwortlich, der den gegenwärtigen Klimawandel bewirkt.[1]

Die International Air Transport Association (IATA), der Verband der Fluggesellschaften, hat sich 2007 das Ziel gesetzt, innerhalb von zehn Jahren etwa zehn Prozent seines Kraftstoffbedarfs durch Biokerosin zu decken. Die IATA repräsentiert über 230 Fluggesellschaften an, deren Flüge über 90 % des weltweiten Flugaufkommens ausmachen. 2009 erweiterte die IATA ihre Ziele. Demnach sollen bis 2050 die CO2-Emissionen in der Luftfahrt um 50 % im Vergleich zu 2005 reduziert werden. Zusätzlich soll es ab 2020 eine industrieweite Obergrenze für CO2-Emissionen in der Luftfahrt geben. Der europäische Luftverkehr ist außerdem seit 2012 in den EU-Emissionshandel einbezogen, der Anreize zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen setzt.[2]

Mehrere Fluglinienbetreiber sowie Forschungsgesellschaften engagieren sich in der Erforschung und Erprobung von Biokerosin.[3] Nach Auswertung von Testflügen kann Biokerosin nach dem Stand der Technik mindestens gleichwertig mit herkömmlichem Kerosin im Flugverkehr eingesetzt werden, so das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.[4]

Ein erster Testflug mit Biodiesel auf der Grundlage von hydriertem Pflanzenöl (HVO) in der zivilen Luftfahrt fand im Januar 2009 durch die Air New Zealand statt. Die Fluggesellschaften Lufthansa und KLM setzen ab Mitte 2011 auf einigen Flügen im kommerziellen Passagierflug eine 50%ige Bio-Kerosinmischung ein.[5][6][7] Im September 2014 führte die Lufthansa den ersten europäischen Linienflug mit Biokerosin auf Zuckerbasis durch.[8]

British Airways will im so genannten "Green Sky Project" ab 2017 aus Londoner Abfall jährlich 50.000 (metrische) Tonnen Kerosin herstellen.[9] Bei dem Verfahren des US-Unternehmens Solena Fuels wird Müll auf 3500 Grad erhitzt, um Synthesegas und anschließend Kerosin zu produzieren.[10]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biokraftstoffe werden in den nächsten Jahren eine untergeordnete Rolle im internationalen Luftverkehr spielen, da sie momentan doppelt so teuer wie der traditionelle Treibstoff sind. Wettbewerbsfähig könnten Biokraftstoffe frühestens ab Anfang der 2020er Jahre sein, wenn dann deren Produktion günstiger und das bisher verwendete Kerosin deutlich teurer sein würde. Unter diesen Voraussetzungen könnten Biokraftstoffe 2050 einen Anteil von zehn Prozent am Treibstoffverbrauch des globalen Luftverkehrs haben. Das entspricht etwa der Menge der 2010 weltweit im Straßenverkehr verbrauchten Biokraftstoffe. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Imperial Colleges London, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) im Auftrag der Internationalen Energieagentur IEA.[11]

Biokerosin kann erheblich zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen beitragen, wie Untersuchungen des Deutschen Biomasse-Forschungszentrums ergeben.[12] Würde Biokerosin auf Basis von Eukalyptusholz genutzt, könnten 76 % der Emissionen gegenüber dem fossilen Kerosin eingespart werden, so das Ergebnis des nun vorgelegten Abschlussberichtes. Biokerosin auf Basis von Jatropha kann zwischen 28 und 33 Prozent einsparen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umweltorganisationen wie Rettet den Regenwald weisen darauf hin, dass Biokerosin weder zwangsläufig klimafreundlich noch sozialverträglich ist, wenn zum Anbau gerodete Regenwaldflächen verwendet werden oder der Anbau von Lebensmitteln verdrängt wird.[13][14] Der Branchenverband AIREG erklärt demgegenüber, nur Kraftstoffe auf Basis von Pflanzenresten, Abfällen oder aus Nüssen von auf kargen Böden wachsenden Pflanzen wie Jatropha verwenden zu wollen, um Flächenkonkurrenz zu vermeiden.[15] Der WWF und andere internationale zivilgesellschaftliche Organisationen wie der "Natural Resources Defence Council" unterstützen die nachhaltige Produktion von Biotreibstoffen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klimawirksamkeit des Flugverkehrs: Aktueller wissenschaftlicher Kenntnisstand über die Effekte des Flugverkehrs. Umweltbundesamt, April 2012, abgerufen am 3. Januar 2017 (PDF).
  2. Der Europäische Emissionshandel. Bundesumweltamt, 15. November 2016, abgerufen am 3. Januar 2017 (Abschnitt Luftverkehr im Emissionshandel.).
  3. Aviation Initiative for Renewable Energies in Germany.
  4. Biokerosin bewährt sich im Flugbetrieb, 9. März 2012.
  5. KLM setzt Biotreibstoff ein. Verstärkte Nutzung ab September
  6. Bild.de: Lufthansa fliegt jetzt mit Öko-Plörre, 12. Juli 2011.
  7. Lufthansa: Lufthansa setzt erstmals Biokraftstoff im Linienflugverkehr ein. Pressemitteilung, 15. Juli 2011.
  8. Lufthansa führt den ersten europäischen Linienflug mit Biotreibstoff auf Zuckerbasis durch (Memento des Originals vom 28. September 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lufthansagroup.com Lufthansa, 15. September 2014.
  9. Making jet fuel out of garbage, 25. April 2014
  10. Youtube-Video.
  11. Biokraftstoffe kurzfristig ohne Bedeutung im Luftverkehr, Pressemitteilung, 29. Oktober 2012
  12. DBFZ: DBFZ ermittelt erhebliches CO2-Einsparpotenzial von Biokerosin. Pressemitteilung, 15. September 2014
  13. Pressemitteilung von Rettet den Regenwald e.V.: Lufthansa auf dem Irrflug - Agrosprit bedeutet Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen
  14. Reuters: Climate impact threatens biodiesel future in EU, 8. Juli 2011.
  15. Nachhaltigkeitsrat: Bio-Kerosin: Greenwashing oder Klimaschutz? (Memento des Originals vom 10. August 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nachhaltigkeitsrat.de