Biologisch-dynamische Landwirtschaft

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Hühnerhaltung im Ökodorf Brodowin bei Chorin

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft ist eine Landbau, Viehzucht, Saatgutproduktion und Landschaftspflege umfassende Wirtschaftsweise, die auf den Weltanschauungen Rudolf Steiners beruht, die er 1924 in einem Landwirtschaftlichen Kurs in mehreren Vorträgen im schlesischen Koberwitz dargestellt hat. Seit den 1930er Jahren werden die Erzeugnisse von der Demeter-Verwertungsgenossenschaft unter dem Gütesiegel Demeter vertrieben.

Geschichte der anthroposophischen Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 1924 verhalf Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, während einer Tagungswoche im schlesischen Koberwitz nahe Breslau der anthroposophischen Landwirtschaft zu einer institutionellen Form. Die Tagung war der weltanschauliche Gründungsakt und zugleich Steiners Schlusswort, bevor er im Oktober 1924 sein Krankenlager bezog, das er nicht mehr lebend verließ. Aus diesem Impuls entstand eine der nachhaltigsten gesellschaftlichen Engagements der Anthroposophie, für das sich erst nach Steiners Tod in den Jahren 1925/1926 der Begriff der „biologisch-dynamischen Landwirtschaft“ etabliert hat.[1]

Vorlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1921 wurde Steiner von einem Anthroposophen und Landwirt auf dem Klostergut Marienstein bei Göttingen, Ernst Stegemann, nach der Entwicklung neuer Kulturpflanzen gefragt, worauf Steiner Hinweise gegeben haben soll, wie sich aus Gräsern neue Getreidesorten ziehen lassen, weil „mit Ablauf des Kaliyuga alle unsere Kulturpflanzen sich erschöpfen würden“. Gleichartige Fragen zur „Degeneration der Saatgüter“ beschäftigten offenbar auch andere anthroposophische Bauern in dieser Zeit. Stegemann stellte seinen Hof 1922 anthroposophisch um und soll unmittelbar mit entsprechenden Zuchtversuchen begonnen haben. In den Sommern 1921 und 1922 wurden in Dornach landwirtschaftliche Versuche zur Pflanzenzucht, unter anderem mit Dünger aus Kuhhörnern durchgeführt. Im Januar 1922 besuchte Steiner zum ersten Mal Koberwitz. 1923 und im Frühjahr 1924 stellten Guenther Wachsmuth, Mitglied des Vorstandes der Anthroposophischen Gesellschaft und Pfeiffer unter Steiners Aufsicht Horndungpräparate her.[2]

In Wissenschaft und Praxis waren damals wenig Ambitionen zur Erhaltung der Nahrungsmittelqualität und der Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Krankheiten und Schädlinge zu verzeichnen, und so erhoffte sich ein zunächst kleiner Kreis von Menschen aus der Anthroposophie neue Impulse für den Landbau.

Die Tagung in Koberwitz im Juni 1924[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 1922 wurde Steiner von zwei auf dem Koberwitzer Gut arbeitenden Anthroposophen, Erhard Bartsch und Immanuel Voegele, gebeten, einen Kurs zu halten. Spätestens im November 1923 wurde Steiner von einigen Landwirten um Karl Graf von Keyserlingk zu einem Vortragszyklus überredet. Vor Kursbeginn wurden ihm dazu konkrete Fragen vorgelegt. Zudem wurde Steiner „eine Garantiesumme von 20.000 Mark zugesichert, damit Reisespesen und Honorare für die Künstler bezahlt werden konnten“,[3] da ihn eine Künstlergruppe, die Eurythmievorstellungen gab, begleiten sollte.[4]

In der Pfingstwoche 1924 trafen sich auf dem schlesischen Gut Koberwitz, nahe Breslau, des Großgrundbesitzers Carl Graf von Keyserlingk etwa 100 Anthroposophen, nicht alle waren Landwirte, und der gesundheitlich bereits schwer angeschlagene Steiner präsentierte in Kursen seine spontan erfundene „geisteswissenschaftliche Landwirtschaft“.[5][6] Der Landwirtschaftliche Kursus, der mit Vorträgen, Fragenbeantwortungen und einem Rückblick, den Steiner einige Tage nach der Koberwitzer Tagung in Dornach hielt, nahezu die gesamte Materialgrundlage seiner landwirtschaftlichen Vorstellungen bildet (heute GA 327), fand vom 7. bis zum 16. Juni statt. Das Publikum wurde rigide an der Tür kontrolliert, Almar von Wistinghausen fungierte im Rahmen einer Schutztruppe als Steiners „Leibwächter“ und von Keyserlingk, – „die Hand in der Hosentasche auf der Pistole“ – geleitete Steiner zu den Vorträgen. Mit diesen Sicherheitsvorkehrungen wollte man Angriffen rechter Störer auf Steiner vorbeugen, wie sie sich zuvor in München zugetragen hatten. Neben diesen landwirtschaftlichen Vorträgen hielt Steiner im Rahmen der Pfingsttagung der Anthroposophischen Gesellschaft in Breslau einen Zyklus von neun Ansprachen, sowie einige Einzelvorträge, darunter mehrere in Veranstaltungen für die esoterische Klasse. Ein für den 2. September 1924 bereits fest terminierter zweiter Besuch Steiners in Koberwitz fand wegen seiner schweren Erkrankung nicht mehr statt. Steiner verstarb 1925.[7]

In Steiners Vorträgen nahm das Thema Pflanzenproduktion den größten Raum ein, wobei er am häufigsten über die Düngung, insbesondere über Düngeraufbereitung in Kuhhörnern zu „geistigem Mist“, sprach und Kompost und Tierdung empfahl. Kritisch bewertet, jedoch auch verwendbar seien Stickstoff, Phosphorsäure, Kalk, Kali, Chlor und Eisen. Zudem empfahl Steiner hochtoxische Stoffe in homöopathischer Dosierung: Kieselsäure, Blei, Arsen, Quecksilber und Natron. Lediglich im letzten, dem achten Vortrag, widmete er sich auch der Tierzucht, jedoch nur dem Aspekt der Fütterung. Für diverse landwirtschaftliche Fragen hinterließ er viele Ratschläge und Anweisungen, etwa zur Schädlingsbekämpfung. Insekten könne man z.B. bekämpfen, indem man sie verbrennt, wenn die Sonne im Zeichen des Stieres steht.[8]

Geheimhaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landwirtschaftliche Kurs durfte bis in die 1930er Jahre nur nach Unterzeichnung einer Verpflichtungserklärung zur Geheimhaltung lediglich leihweise ausgegeben werden. Nur die Zeitschrift Demeter erschien 1930 bis 1941 öffentlich.[9]

Weltanschaulicher Überbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der landwirtschaftlichen Konzeption liegen Steiners sich vom „Materialismus“ abgrenzenden Vorstellungen zugrunde, die er hellseherisch legitimierte, und die auch die anderen Betätigungsfelder der von ihm begründeten Anthroposophie prägen: Das agrarische Wirtschaften wollte er als Teil „geistiger“ und „kosmischer“ Wechselwirkungen verstanden wissen. Damit wollte er sich von der als „materialistisch“ verstandenen, sich auf biochemische Funktionsweisen gründenden „Agrarwirtschaft“, abgrenzen. In Steiners Denken spielten auch kosmische Interpretationen eine Rolle: Er deutete die Reproduktion von Pflanzen nicht als das Sprossen von Samen; vielmehr seien Pflanzen Abbilder des gesamten umliegenden Weltalls, bzw. kosmischer Konstellationen, wobei Kräfte der geistigen Welt am Werke seien, die in den Ergebnissen der anthroposophischen Landwirtschaft spürbar zum Tragen kämen. Steiners Landwirtschaft war, wie die anderen Gebiete der Anthroposophie, als „übersinnliche“ Geisteswissenschaft angelegt und die Landwirte wurden angehalten, beim Meditieren „allmählich herein in ein Erleben des Stickstoffs rings um sie herum“ zu wachsen, der sich ihnen dann offenbaren würde. Daneben wurde die Landwirtschaft als Organismus angesehen, wobei der Erdboden ein mit dem menschlichen Zwerchfell vergleichbares Organ sei, während die Atmosphäre „demjenigen, was im Menschen Unterleibsorgan ist“ entspreche. Mineralstoffe hätten wie „lebende Wesen“ eine „Sehnsucht“ zu kristallisieren. Die alten Bauernregeln hielt Steiner für eine seriöse Quelle.[10]

Erprobung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft ab 1928[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der enge Weggefährte Steiners, Erhard Bartsch, erprobte die biologisch-dynamische Landwirtschaft ab 1928 auf dem Brandenburger Hof Marienhöhe, der sich zu einem Musterhof und Zentrum der Demeter entwickelte.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise konnte sich in der Zeit des Nationalsozialismus längere Zeit behaupten und zunächst einem Verbot entgehen, was einerseits durch Zugeständnisse von Seiten der Vertreter der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise, andererseits durch das Interesse einzelner Personen des nationalsozialistischen Regimes möglich war. Dieses Interesse an der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise schloss jedoch durchgehend die Anthroposophie aus und beschränkte sich auf die Zielsetzung einer nachhaltigen Landbauweise.[11]

Trotz des Verbots der Anthroposophischen Gesellschaft im November 1935 und der Ablehnung der Anthroposophie durch das NS-Regime konnten einzelne Organisationen, die sich nur mit angewandter Anthroposophie beschäftigten, bestehen bleiben. So entging der Reichsverband für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise zunächst einem Verbot. Der Versuchsring anthroposophischer Landwirte nannte sich 1936 in Versuchsring für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise um. Zu den Zugeständnissen an das Regime gehörte die weniger häufige Erwähnung des anthroposophischen Hintergrundes. Einige Jahre verhinderte die Fürsprache von Rudolf Heß ein vollständiges Verbot der biologisch-dynamischen Organisationen. Heß drängte auch auf vergleichende Versuche, um das Leistungspotential der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise feststellen zu können. Auf seine Initiative ging ein Betriebsvergleich durch die Landwirtschaftliche Betriebsprüfungsstelle zurück. Allerdings war sein Engagement in der NS-Führung umstritten und rief heftigen Widerspruch hervor. Sein Stellvertreter Martin Bormann lehnte die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise ebenso ab wie Hermann Göring und Reinhard Heydrich. Ab der Jahreswende 1939/1940 erfuhr die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise trotz Ablehnung des anthroposophischen Hintergrundes vorübergehend Unterstützung durch Walther Darré, der sich vom ökologischen Landbau die Schonung der Bodenfruchtbarkeit erhoffte. Darré gefiel die Betonung einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Bodens, die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel. Er lehnte auch Mineraldünger und Pestizide ab. Sein Ziel war die Entwicklung eines ökologischen Landbausystems, einer lebensgesetzlichen Landbauweise, das naturwissenschaftlich fundiert sein sollte und auf die anthroposophischen Grundlagen verzichtet. Darré hatte jedoch zuvor im Laufe der 1930er Jahre kein Interesse für ökologische Landwirtschaft gezeigt und trat erst nach seiner faktischen Entmachtung als Minister 1939 im Juni 1940 erstmals öffentlich für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise ein.[11]

Endgültig verboten wurden der Reichsverband für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise im Zuge der Aktion gegen Geheimlehren und sogenannte Geheimwissenschaften im Juni 1941, zudem wurde anthroposophische Literatur beschlagnahmt und einzelne Mitglieder des Reichsverbands zeitweise inhaftiert. Heinrich Himmler, der wie Darré die chemisch-technische Intensivierung der Landwirtschaft skeptisch sah, ordnete ebenfalls im Juni 1941 an, Düngeversuche auch mit einer biologisch-dynamischen Variante durchzuführen. Die Versuche wurden auf landwirtschaftlichen Gütern der Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung durchgeführt, die der SS zugeordnet und 1939 gegründet worden war. Zur Versuchsanstalt gehörte auch die Heilkräuterplantage des Konzentrationslagers Dachau.[11]

1945 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1946 wurde der Forschungsring für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise neu gegründet, aus dem das 1950 in Darmstadt von Josef Blockhuys, Kurt Eisele, Hans Heinze, Ernst Meyer, Nicolaus Remer, Immanuel Voegele, Kurt Willmann und Brunhild-Erika Windeck gegründete Institut für biologisch-dynamische Forschung hervorging. Erste Schritte wurden unternommen, um die Vermarktung – hauptsächlich über Reformhäuser – aufzubauen. 1954 wurden die Warenzeichenrechte an den Demeter-Bund übertragen und 1956 Richtlinien erarbeitet und erlassen. Bis 1988 war der Demeterverband der mitgliederstärkste Bio-Anbauverband.

Demeter Verbandslogo

In den 1980er Jahren beschloss der Demeter-Bund, die Produkte mit seinem Markenzeichen auch über Naturkostläden zu vertreiben. Die Positionierung ihrer Waren als „Premium-Produkte“ wurde offenkundig, als der Demeter-Bund gemeinsam mit einem weiteren Anbauverband (Bioland) aus der Arbeitsgemeinschaft für Ökologische Landwirtschaft (AGÖL) austrat. Im Jahr 2015 gab es in Deutschland 1476 Demeter-Betriebe, die auf einer Fläche von 72.588 ha wirtschaften. Die Fläche nahm gegenüber 2014 um 4,7 % zu.[12]

Unterscheidung vom ökologischen Landbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundlage des biologisch-dynamischen Landbaus ist die Anthroposophie. Der landwirtschaftliche Betrieb wird als Organismus und Individualität angesehen, der seine eigene Charakteristik hat. Daher unterliegt die Verwendung aller Rohstoffe und Hilfsmittel, die nicht ebenfalls aus biologisch-dynamischen Betrieben stammen, starken Einschränkungen.

Organisch ist als Forderung zu verstehen, dass möglichst viele Tier- und Pflanzenarten auf dem Hof leben sollen. Die Haltung von Wiederkäuern, in der Regel Rindern, ist verpflichtend. Der Mist dieser Tiere wird als Dünger verwendet. Außerdem ist die Enthornung der Rinder verboten, weil die Hörner mit dem Stoffwechsel der Wiederkäuer zusammenhängen würden. [13]

Bayerische Kühe mit Hörnern

Je vielfältiger und abwechslungsreicher ein Betrieb produziert, umso stabiler soll dadurch die Umwelt sein. Der Naturschutz (Artenvielfalt, Biotope) findet dabei sozusagen nebenbei Anwendung, indem z. B. Hecken gepflanzt und Ackerrandstreifen angelegt werden und auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel verzichtet wird.

Im Unterschied zum ökologischen Landbau werden bestimmte Präparate (siehe unten) verwendet, wobei die „kosmischen Rhythmen“ des Mondes und der Planeten berücksichtigt werden. Im Pflanzenbau werden Pflegemaßnahmen (Unkrautkontrolle) sowie Aussaat/Pflanzung und Ernte auf Mondphase und Planetenpositionen abgestimmt (sofern der Bodenzustand das zulässt) und es werden Empfehlungen für bestimmte Tages- und Jahreszeiten gegeben (z. B. sollen manche Anwendungen nur frühmorgens unmittelbar nach Sonnenaufgang erfolgen).

Im Bereich der Pflanzenzüchtung wird das Ziel verfolgt, die Pflanze „wesengemäß“ zu züchten. Das heißt z. B., dass eine Weizenpflanze besonders weizentypisch sein und nicht Einschläge von Dinkel aufweisen soll. Daher rührt auch die konsequente Ablehnung der landwirtschaftlichen, sogenannten Grünen Gentechnik.

Die biologisch-dynamischen Präparate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als speziell biologisch-dynamische Maßnahmen ist die Herstellung und Anwendung bestimmter Präparate gebräuchlich, die entweder den Wirtschaftsdüngern (Stallmist, Gülle, Jauche) zugesetzt werden oder in Wasser gerührt und dann auf Boden und Pflanzen gespritzt werden, um die Wirkung der irdischen Wachstumsfaktoren (zum Beispiel Nährstoffe) und der kosmischen Wachstumsfaktoren (Licht, Wärme und „Rhythmen“) sowie die Wirkungen der Anbaumaßnahmen zu verbessern.

Es gibt verschiedene Gruppen von Präparaten, jeweils für bestimmte Anwendungsgebiete: Feld- oder Spritzpräparate (Hornkiesel und Hornmist), Düngerzusatzpräparate (Schafgarben-, Kamillen-, Brennnessel-, Eichenrinde-, Löwenzahn- und Baldrianpräparat), Spezialpräparate wie Schachtelhalm-Kochung und die sogenannten Aschenpräparate zur Beikraut- und Schädlingsbekämpfung.

Die Präparate bilden ein Hauptmerkmal der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise. Sie sind damit ein wesentliches Hilfsmittel, um Produkte in sogenannter Demeter-Qualität zu erzeugen. In den Demeter-Richtlinien sind sie verbindlich vorgeschrieben. Allerdings folgen hier nicht alle Demeter-Landwirte gleich konsequent den Steinerschen Ideen – ein Teil von ihnen steht der Anthroposophie weniger nahe. Es ist auch möglich, die Präparate fertig zu kaufen, statt sie selbst herzustellen. Auch das Ausbringen kann sowohl zu Fuß und mit der Hand als auch über eine automatische Dosiereinrichtung am Traktor – zum Teil während ohnehin notwendiger Feldbearbeitung – erfolgen.

Die Präparate sollen ausgleichend wirken. Beispielsweise seien in einem sehr guten Jahr die Erträge geringer als vergleichbare Erträge aus ökologischer Wirtschaftsweise, wohingegen in einem schwierigen Jahr die Erträge höher ausfallen sollen. Das Ziel der Anwendung der Präparate ist also nicht die Maximierung, sondern die Verstetigung der Erträge. Im biologisch-dynamischen Sprachgebrauch wird das „Harmonisieren“ genannt.

Der anthroposophische Apotheker und Sänger Hugo Erbe entwickelte zusätzliche biologisch-dynamische Präparate, die innerhalb der biologisch-dynamischen Bewegung allerdings umstritten sind.

Wissenschaftliche Einschätzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untersuchungen zur Effektivität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschungsarbeiten des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FIBL) über mehr als 20 Jahre geben an, dass bei Anwendung biologisch-dynamischer ebenso wie organisch-biologischer Landwirtschaft die Fruchtbarkeit des Bodens signifikant höher war als in der Vergleichsgruppe mit konventioneller Landwirtschaft. Allerdings fielen Erträge im Durchschnitt auch um 20 % ab.[14] Bei den wesentlichen Parametern wie Biomasse der Regenwürmer, Anzahl der Beikräuterarten oder Anzahl der Laufkäferarten lagen die biologisch-dynamisch gepflegten Versuchsflächen meistens vor den organisch-biologisch und konventionell bewirtschafteten. Diese Auswertung ist als DOK-Versuch (dynamisch, organisch, konventionell) bekannt.[15] In Untersuchungen des der Anthroposophie nahestehenden Darmstädter Instituts für Biologisch-Dynamische Forschung stiegen die Artenvielfalt, die Menge von Mikroorganismen und der Humusgehalt von bisher konventionell bewirtschafteten Böden schon nach einigen Jahren biologisch-dynamischen Anbaus signifikant an.[16]

Vorteile der biologisch-dynamischen Landwirtschaft gegenüber anderen Methoden des ökologischen Landbaus konnte keine wissenschaftliche Untersuchung feststellen. 2004 wies Linda Chalker-Scott, Garten- und Landschaftsarchitektin an der Washington State University, in einem Aufsatz zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft darauf hin, dass in vielen Forschungsartikeln, in denen die biologisch-dynamische mit der konventionellen Landwirtschaft verglichen wird, nicht zwischen Praktiken bzw. Präparaten der biologisch-dynamischen und der ökologischen Landwirtschaft unterschieden werde. „Biodynamic“ (biologisch-dynamisch) solle nicht synonym mit „organic“ (also ökologisch i. S. v. ökologische Landwirtschaft) gebraucht werden. Chalker-Scotts Fazit lautet: „Die wissenschaftliche Überprüfung biologisch-dynamischer Präparate ist nur begrenzt möglich. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Zusetzung dieser Präparate die Pflanzen- oder Bodenqualität in ökologisch bebauten Gebieten verbessert.“[17]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft wurde des Öfteren als nicht wissenschaftlich, mit einer Nähe zu magischem Denken bezeichnet.[18][19][20][21] In einer Untersuchung aus dem Jahr 1994 kam Holger Kirchmann zu dem Schluss, dass Steiners Anweisungen okkult und dogmatisch und überdies ungeeignet seien, zur Entwicklung einer alternativen und nachhaltigen Landwirtschaft beizutragen. Viele von Steiners Aussagen seien unbeweisbar, da sich aus seinen Beschreibungen keinerlei wissenschaftlich klare Hypothesen ableiten ließen: so könne man beispielsweise nur schwerlich beweisen, dass man in den so erzeugten Nahrungsmitteln „kosmische Kräfte“ nutzbar gemacht habe. Kirchmann machte geltend, dass eine wissenschaftliche Überprüfung der Methoden der biologisch-dynamischen Landwirtschaft nicht zu überzeugenden Ergebnissen geführt habe.[22]

In einem Artikel in der FAZ charakterisierte Peter Treue[23] die ökologisch-dynamische Landwirtschaft als Teil einer okkulten Bewegung und die ihr zugrundeliegenden „Denkweisen und Praktiken [als] nicht wissenschaftlich, sondern magisch“.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Kirchmann: Biological Dynamic Farming - an Occult Form of Alternative Agriculture? In: Journal of Agricultural and Environmental Ethics (1994) 7: 173-187.
  • Forschungsring/ Universität Kassel- Witzenhausen (Hrsg.): Biologisch-dynamische Landwirtschaft in der Forschung, Verlag Lebendige Erde 2001, ISBN 3-921536-62-6
  • Herbert H. Koepf, Wolfgang Schaumann und M. Haccius: Biologisch-Dynamische Landwirtschaft, Verlag Eugen Ulmer 1996, ISBN 3-8001-3075-0
  • Herbert H. Koepf: Biologisch-Dynamische Forschung. Methoden und Ergebnisse, Freies Geistesleben 1997, ISBN 3-7725-1664-5
  • Herbert H. Koepf und Bodo von Plato: Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise im 20. Jahrhundert. Die Entwicklungsgeschichte der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Verlag am Goetheanun, Dornach 2001 ISBN 3-7235-1122-8
  • F. Leiber, N. Fuchs und H. Spiess: Biodynamic dynamic agriculture today In: Kristiansen, Taji, Reganold: Organic Farming: a global Perspective, CSIRO Publishing, 2006. ISBN 0-8014-4524-8
  • Hugo Erbe: Präparate zur Förderung des elementarischen Lebens im biologisch-dynamischen Land- und Gartenbau. Lohengrin-Verlag, Tellingstedt 2003.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Links aus dem Umfeld des biologisch-dynamischen Landbaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007. S. 1579.
  2. Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007. S. 1581f.
  3. Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007. S. 1582
  4. Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet. DVA, München 2011. S. 334f.
  5. Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet. DVA, München 2011. S. 334f.
  6. Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007. S. 1582ff.
  7. Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007. S. 1579 und S. 1585f.
  8. Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007. S. 1588f.
  9. Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007. S. 1599.
  10. Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007. S. 1586f.
  11. a b c Gunter Vogt: Entstehung und Entwicklung des ökologischen Landbaus im deutschsprachigen Raum. Bad Dürkheim 2000, S. 133–145.
  12. Die Bio-Branche 2015, Seite 1. Abgerufen am 14. Juni 2016.
  13. Rinder, Hörner und Enthornung in Lebendige Erde. Abgerufen am 10. Juni 2016.
  14. Paul Mäder, Fliessbach A., Dubois D., Gunst L., Fried P., Niggli U. (2002) Soil Fertility and Biodiversity in Organic Farming. Science 296, 1694-1697
  15. Paul Mäder, Diana Hahn, David Dubois, Lucie Gunst, Thomas Alföldi, Hans Bergmann, Michael Oehme, Renato Amadò, Hanna Schneider, Ursula Graf, Alberta Velimirov, Andreas Fließbach, Urs Niggli: Wheat quality in organic and conventional farming: results of a 21 year field experiment. In: Journal of the Science of Food and Agriculture, 2007; 87: S. 1826-1835
  16. Gunter Vogt: Entstehung und Entwicklung des ökologischen Landbaus im deutschsprachigen Raum. Bad Dürkheim 2000, S. 133 ff.
  17. Linda Chalker-Scott, "The Myth of Biodynamic Agriculture" (PDF; 30 kB), Master Gardener Magazine (2004).
  18. Jamie Goode: The science of wine: from vine to glass. University of California Press, 1. März 2006, ISBN 978-0-520-24800-7.
  19. Linda Chalker-Scott: The Myth of Biodynamic Agriculture. In: Master Gardener Magazine. 2004.
  20. D. Smith: On Fertile Ground? Objections to Biodynamics. In: The World of Fine Wine. Nr. 12, 2006, S. 108–113.
  21. Holger Kirchmann: Biological dynamic farming--an occult form of alternative agriculture?. In: J. Agric. Environ. Ethics. 7, Nr. 2, 1994, S. 173–187. doi:10.1007/BF02349036.
  22. Holger Kirchmann, "Biological dynamic farming--an occult form of alternative agriculture?" J. Agric. Environ. Ethics. 7(2):173-187
  23. Wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Christian-Albrechts-Universität Kiel [1]
  24. Peter Treue, "Blut und Bohnen. Der Paradigmenwechsel im Künast-Ministerium ersetzt Wissenschaft durch Okkultismus." FAZ, Die Gegenwart 13. März 2002, Nr. 61, S. 12.