Biosphärenreservat Rhön

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Lage des Biosphärenreservats Rhön
Logo des Biosphärenreservats

Das Biosphärenreservat Rhön umfasst den gesamten Kernbereich der Rhön, eines Mittelgebirges in Hessen, Bayern und Thüringen.

Im Jahr 1991 wurde die Rhön länderübergreifend von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt. Der thüringische Teil wurde im Rahmen des Nationalparkprogramms der DDR vorab zum 1. Oktober 1990 ausgewiesen. Ziel dieses Biosphärenreservates ist, unter Einbeziehung von ortsansässiger Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus und Gewerbe die Vielfalt und die Qualität des Gesamtlebensraumes Rhön zu sichern. Dabei sollen langfristige und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Landwirtschaft und Gewerbe geschaffen werden, die im Einklang mit dem Schutz und der Pflege der heimischen Landschaft und Natur stehen. Der Mensch steht im Biosphärenreservat Rhön im Mittelpunkt. Ziel ist eine nachhaltige Entwicklung, welche wirtschaftliche und soziale Belange bestmöglich mit Umweltbelangen in Einklang bringt.

Lage und Grenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grenzen des Biosphärenreservates sind in Bayern, zum Teil auch in Hessen, an Verwaltungsgrenzen ausgerichtet und entsprechen daher nicht exakten physischen Grenzen des Mittelgebirges Rhön. In Thüringen gehen demgegenüber die an Verkehrswegen ausgerichteten Grenzen quer durch Siedlungen und sind eng an Naturraumgrenzen ausgerichtet.

Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Oberthulba abgesehen verlaufen die bayerischen Biosphärenreservatsgrenzen immer exakt entlang von Gemeindegrenzen. Dadurch bedingt weichen sie von den Grenzen der Rhön im engeren Sinne ab. Insbesondere liegen Teile der Naturräume Südrhön, Mellrichstädter Gäu, Fladunger Mulde und Östliches Rhönvorland im Reservat. Andererseits liegen einige Berge der Brückenauer Kuppenrhön und damit eines der Kerngebiete der Rhön, nämlich Mettermich, Lindenstumpf und Burg Schildeck, nicht im Reservat, da sie auf Schondraer Gemarkung liegen. Mit Stockheim erfasst das Reservat auf der bayerischen Seite einen Ort, der nicht Teil des Naturparks Bayerische Rhön ist.

Neben den besiedelten Gemeindegebieten liegen auch einige gemeindefreie Gebiete innerhalb der Reservatsgrenzen.

Folgende Gemeindegebiete umfasst das Reservat in Bayern:[1][2]

Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden folgen die innerhessischen Grenzen des Reservates in etwa den physischen Grenzen der Rhön im engeren Sinne. Der hessische Nordwestteil der Brückenauer Kuppenrhön im Süden liegt indes, vom Westhang der Mottener Haube abgesehen, gänzlich außerhalb des Reservates. Der Süden dieser Teillandschaft liegt per Zugehörigkeit zum Main-Kinzig-Kreis sogar im Naturpark Hessischer Spessart.

Folgende Gemeinde- und Siedlungsgebiete umfasst das Reservat in Hessen:[1][2]

Thüringen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die innerthüringischen Grenzen des Reservates folgen, immer entlang Verkehrswegen, weitgehend naturräumlichen Grenzen der Rhön im engeren Sinne, wie sie in Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands nebst Blatt 126 Fulda (Bundesanstalt für Landeskunde) und Die Naturräume Thüringens (TLUG) verzeichnet sind.

Die Zuordnungen der nachfolgend genannten, signifikanteren Berge weichen je von einem der beiden naturräumlichen Systeme ab:

  • Der Pleß (645 m) liegt außerhalb des Reservates. TLUG sieht ihn innerhalb, Blatt 126 außerhalb der Rhön.
  • Die Stoffelskuppe (620 m) liegt randständig innerhalb des Reservates. Auch sie liegt laut TLUG innerhalb und laut 126 außerhalb der Rhön.
  • Neuberg (Rhönblick) und Hutsberg (beide 639 m) liegen innerhalb des Reservates. TLUG sieht sie außerhalb, Blatt 126 innerhalb der Rhön.

Folgende Gemeinde- und Siedlungsgebiete umfasst das Reservat in Thüringen:[1][2]

Zonierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Biosphärenreservat umfasst zurzeit (Stand 1. September 2014) eine Gesamtfläche von 243.323 Hektar, davon 129.585 ha in Bayern, 64.828 ha in Hessen und 48.910 ha in Thüringen. Von 1991 bis 1995 wurde gemeinsam mit Landkreisen, Kommunen, Fachbehörden und Verbänden ein „Rahmenkonzept zu Schutz, Pflege und Entwicklung“ mit Zielen und Maßnahmen für die Rhön erarbeitet. Entsprechend der von der UNESCO vorgegebenen Zonierung wurden in der Rhön 7.438 ha (3,06 %) als Kernzonen benannt, die von jeglicher direkter Nutzung (z. B. Land- und Forstwirtschaft) ausgeschlossen sind. Weitere 53.897 ha (22,15 %) wurden als Pflegezonen benannt. Hier soll nur eine schonende, naturnahe Landnutzung stattfinden. Der übrige Anteil 181.988 ha (74,79 %) ist Entwicklungszone, in welcher die Dörfer und Städte der Rhön liegen.[4]

Da die Kernzonen auf – zumeist bestehende – Naturwaldreservate beschränkt sind, haben die Pflegezonen und Entwicklungszonen das höchste Konfliktpotential, da hier die teilweise widersprüchlichen Interessen von Naturschutz und Landwirtschaft, Wirtschaft und Tourismus aufeinandertreffen. Durch das Rahmenkonzept des Biosphärenreservates wurde hier ein Konsens erzielt. Das „Land der offenen Fernen“, wie die Rhön auch genannt wird, soll als Lebensraum für Mensch und Natur erhalten werden. Landkreise, Kommunen, Vereine, Verbände, Fachbehörden, die Privatwirtschaft und die Verbraucher sollen hierzu ihren bestmöglichen Beitrag leisten. Die Idee des Biosphärenreservates umzusetzen, basiert auf Kooperation, Konsens und Innovation.

Das rhöntypische offene, strukturreiche Grünland mit hoher Biotopwertigkeit fällt größtenteils in die Pflegezone. Kernzonen und die wichtigsten Bereiche der Pflegezone sind als Naturschutzgebiete rechtlich gesichert. Insgesamt sind dies knapp 10 % der Fläche des Biosphärenreservates.

Einige Kernzonen sind unter anderem der Dreienberg, der Stallberg im Hessischen Kegelspiel, der Schafstein, der Steinkopf und der Westhang des Stirnberges.

Ziele und Konzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Biosphärenreservat Rhön wird versucht, die ohnehin schon starke regionale Identifikation der Bevölkerung gezielt für ein Regionalmarketing zu nutzen und regionaltypische Nutzungsformen und Produkte zu fördern. So wurde beispielsweise das Rhönschaf, eine ehemals fast ausgestorbene Schafrasse, zu einem neuen Sympathieträger für die Region – und überdies zu einem hervorragenden Landschaftspfleger. Dies betrifft in gleicher Weise den Rhöner Weideochsen, der auch als Rhöner Biosphärenrind bezeichnet wird. Auch die regionaltypischen Streuobstwiesen werden nun wieder effizient und werbewirksam (Pilotprojekt: Streuobstlehrpfad Hausen) zur Produktion von ökologisch wertvollen Nahrungsmitteln genutzt, und schonende, ökologisch verträgliche Energiekonzepte sollen die Qualität des Lebensraumes Rhön sichern und ausbauen. „Schutz durch Nutzung“ lautet das Motto, unter dem die vom Menschen geprägte Kulturlandschaft der Rhön erhalten werden soll.

Länderübergreifende zoologische und botanische Artenschutzkonzepte dienen als Grundlage für die zukünftige Naturschutzarbeit, zur Information der Bevölkerung und für die konkrete Biotoppflege. Eine länderübergreifende Arbeitsgruppe, in der hauptamtliche und ehrenamtliche Naturschützer vertreten sind, dient dazu, Strategien und Maßnahmen über die Bundesländergrenzen hinweg abzustimmen. Neben den drei staatlichen Verwaltungsstellen des Biosphärenreservates gibt es für jedes Bundesland einen privaten Trägerverein. Es wurde eine hauptamtliche und ehrenamtliche Naturwacht eingerichtet, deren Ziel es ist, Besucher der Rhön aufzuklären und insbesondere in den empfindlichen Naturschutzgebieten der Rhön maßvoll zu lenken.

Zudem gibt es in der Region eine Initiative, Teile des Biosphärenreservats als Sternenlicht-Reservat respektive Sternenpark zum Schutz der Nacht und vor Lichtverschmutzung auszuweisen.[5] Obwohl es immer noch Gegner gibt, wurde das Lichtschutzgebiet am 7. August 2014 anerkannt.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Biosphärenreservat Rhön (Hrsg.): 10 Jahre Biosphärenreservat Rhön. Zwischenbilanz einer Erfolgsgeschichte. Landschaftsinformationszentrum Rasdorf 1999, S. 30.
  • Norman Zellmer: Ursprünge des Biosphärenreservats Rhön in Hessen und der DDR, in: Fuldaer Zeitung vom 27. Juli 2011 (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Biosphärenreservat Rhön – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. a b c Karte und Gemeindeaufstellung (Memento vom 26. Oktober 2014 im Internet Archive) Biosphärenreservat Rhön
  3. Oberthulba ist auf der Website des Reservates ohne Stern aufgeführt, jedoch sind laut BfN nur die aufgeführten, kleinen Teile des Ortes vertreten.
  4. Mitten in Deutschland – im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen
  5. Norman Zellmer: Licht aus: Biosphärenreservat könnte Dark Sky Park werden In: Fuldaer Zeitung vom 4. Juni 2011.
  6. Rhön als internationaler Sternenpark anerkannt@hessenmagazin.de (abgerufen 8. August 2014)