Biosphärenreservat Rhön

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Lage des Biosphärenreservats Rhön
Logo des Biosphärenreservats

Das Biosphärenreservat Rhön umfasst den gesamten Kernbereich der Rhön, eines Mittelgebirges in Hessen, Bayern und Thüringen.

Im Jahr 1991 wurde die Rhön länderübergreifend von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt. Der thüringische Teil wurde im Rahmen des Nationalparkprogramms der DDR vorab zum 1. Oktober 1990 ausgewiesen. Im Juni 2014 unterzog sich das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön erfolgreich einer Überprüfung seiner bisherigen Arbeit durch den Internationalen Koordinierungsrat, daraufhin wurde der UNESCO-Status für weitere 10 Jahre bestätigt. Gleichzeitig wurde der bayerische Teil des UNESCO-Biosphärenreservats um 58.000 Hektar erweitert.[1] Das Biosphärenreservat umfasst eine Gesamtfläche von 243.323 ha,[2] davon 129.585 ha in Bayern, 64.828 ha in Hessen und 48.910 ha in Thüringen.

Ziel dieses Biosphärenreservates ist, unter Einbeziehung von ortsansässiger Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus und Gewerbe die Vielfalt und die Qualität des Gesamtlebensraumes Rhön zu sichern. Dabei sollen langfristige und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Landwirtschaft und Gewerbe geschaffen werden, die im Einklang mit dem Schutz und der Pflege der heimischen Landschaft und Natur stehen. Mensch und Lebensraum sind im Biosphärenreservat Rhön untrennbar miteinander verbunden. Ziel ist eine nachhaltige Entwicklung, welche ökonomische, ökologische und soziale Belange bestmöglich miteinander vereint.

Lage und Grenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön umfasst naturräumlich die drei Haupteinheiten Hohe Rhön, Vorder- und Kuppenrhön und Südrhön sowie Teile des fränkischen Saaletals. Geologisch umfasst die Rhön eine Vielfalt an Gesteinen auf einem sehr kleinräumigen Gebiet, wie etwa Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper und tertiäre Vulkangesteine, weshalb eine exakte physische Abgrenzung insbesondere nach Süden hin schwer möglich ist.

Die Rhön im engeren Sinne endet nach Süden an Dreistelzberg (Kuppenrhön; 660,4 m) und Platzer Kuppe (Hohe Rhön; 736,8 m), während in der sich südlich anschließenden Südrhön nur noch vereinzelt Basaltkegel von dann geringerer Höhe auftauchen und der Spessart-Bundsandstein dominiert. Andererseits ist auch der 481,3 m Meter hohe Sodenberg knapp jenseits der Fränkischen Saale und damit außerhalb der Grenzen des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön noch ein rhöntypischer Basaltkegel. Das Erweiterungsgebiet von 2014 orientiert sich meistens an den Grenzen des Naturparks Bayerische Rhön. Auf eigenen Wunsch kamen in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld 22 Gemeinden zum Biosphärenreservat dazu.

Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im bayerischen Teil des Biosphärenreservats: die Hexenbuchen auf dem Himmeldunkberg, rechts im Hintergrund Kreuzberg und Arnsberg

In Bayern liegen angrenzend an die Hohe Rhön Teile der Naturräume Südrhön, Mellrichstädter Gäu, Fladunger Mulde und Östliches Rhönvorland im Biosphärenreservat. Mit Stockheim erfasst das Reservat auf der bayerischen Seite einen Ort, der nicht Teil des Naturparks Bayerische Rhön ist. Die Abgrenzung nach Südosten folgt zunächst bis Unsleben dem Streutal und wechselt bei Bad Neustadt ins Tal der fränkischen Saale. Die beiden Kreisstädte Bad Neustadt und Bad Kissingen sind seit der Erweiterung zum großen Teil ebenfalls innerhalb der Gebietskulisse.  

Neben den besiedelten Gemeindegebieten liegen auch einige gemeindefreie Gebiete innerhalb der Reservatsgrenzen.

Folgende Gemeindegebiete umfasst das Reservat in Bayern:[3][4]

Das mit Fördermitteln neu erbaute Rhön-Info-Zentrum auf der Wasserkuppe

Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden folgen die innerhessischen Grenzen des Reservates in etwa den physischen Grenzen der Rhön im engeren Sinne. Der hessische Nordwestteil der Brückenauer Kuppenrhön im Süden liegt indes, vom Westhang der Mottener Haube abgesehen, gänzlich außerhalb des Reservates. Der Süden dieser Teillandschaft liegt per Zugehörigkeit zum Main-Kinzig-Kreis sogar im Naturpark Hessischer Spessart.

Folgende Gemeinde- und Siedlungsgebiete umfasst das Reservat in Hessen:[3][4]

Thüringen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die innerthüringischen Grenzen des Reservates folgen, immer entlang Verkehrswegen, weitgehend naturräumlichen Grenzen der Rhön im engeren Sinne, wie sie in Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands nebst Blatt 126 Fulda (Bundesanstalt für Landeskunde) und Die Naturräume Thüringens (TLUG) verzeichnet sind.

Die Zuordnungen der nachfolgend genannten, signifikanteren Berge weichen je von einem der beiden naturräumlichen Systeme ab:

  • Der Pleß (645 m) liegt außerhalb des Reservates. TLUG sieht ihn innerhalb, Blatt 126 außerhalb der Rhön.
  • Die Stoffelskuppe (620 m) liegt randständig innerhalb des Reservates. Auch sie liegt laut TLUG innerhalb und laut 126 außerhalb der Rhön.
  • Neuberg (Rhönblick) und Hutsberg (beide 639 m) liegen innerhalb des Reservates. TLUG sieht sie außerhalb, Blatt 126 innerhalb der Rhön.

Folgende Gemeinde- und Siedlungsgebiete umfasst das Reservat in Thüringen:[3][4]

Zonierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Biosphärenreservat umfasst zurzeit (Stand: Juni 2017) eine Gesamtfläche von 243.323 ha[2], davon 129.585 ha in Bayern, 64.828 ha in Hessen und 48.910 ha in Thüringen. Von 1991 bis 1995 wurde gemeinsam mit Landkreisen, Kommunen, Fachbehörden und Verbänden ein „Rahmenkonzept zu Schutz, Pflege und Entwicklung“ mit Zielen und Maßnahmen für die Rhön erarbeitet. Mit der Erweiterung 2014 begann gleichzeitig auch die Überarbeitung des Rahmenkonzepts durch die drei Verwaltungsstellen des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön.

Entsprechend der von der UNESCO vorgegebenen Zonierung wurden in der Rhön 7.438 ha (3,06 %) als Kernzonen durch Rechtsverordnung ausgewiesen, die von jeglicher direkter Nutzung (z. B. Land- und Forstwirtschaft) ausgeschlossen sind. Weitere 53.897 ha (22,15 %) wurden als Pflegezonen benannt. Hier soll nur eine schonende, naturnahe Landnutzung stattfinden. Der übrige Anteil von 181.988 ha (74,79 %) ist Entwicklungszone, in welcher die Dörfer und Städte der Rhön liegen.[5] Hier gelten keine besonderen Auflagen zur Landnutzung, die über die deutschlandweit geltenden gesetzlichen Bestimmungen hinausgehen.

Ein Teil der Kernzonen ist bereits seit mehreren Jahrzehnten als Naturwaldreservat ausgewiesen, zum Beispiel der Lösershag oder der Gangolfsberg. Einer besonderen Form menschlicher Nutzung als militärisches Sperrgebiet unterlagen die Waldgebiete im Bereich des Truppenübungsplatzes Wildflecken, bevor sie als Kernzone ausgewiesen wurden. Andere Kernzonen wurden bis zur Ausweisung 2014 forstwirtschaftlich genutzt. In einer zehnjährigen Übergangszeit sind hier noch Hiebmaßnahmen standortfremder Nadelhölzer vorgesehen. Weitere Kernzonen sind unter anderem  der Dreienberg, der Stallberg im Hessischen Kegelspiel, der Schafstein, der Steinkopf und der Westhang des Stirnberges.

Das rhöntypische offene, strukturreiche Grünland mit hoher Biotopwertigkeit fällt größtenteils in die Pflegezone. Kernzonen und die wichtigsten Bereiche der Pflegezone sind als Naturschutzgebiete rechtlich gesichert. Insgesamt sind dies knapp 10 % der Fläche des Biosphärenreservates.

Ziele und Konzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Land der offenen Fernen“, wie die Rhön auch genannt wird, soll als Lebensraum für Mensch und Natur erhalten werden. Landkreise, Kommunen, Vereine, Verbände, Fachbehörden, die Privatwirtschaft und die Verbraucher sollen hierzu ihren bestmöglichen Beitrag leisten. Die Idee des Biosphärenreservates umzusetzen, basiert auf Kooperation, Konsens und Innovation. Als Initiative der Regionalvermarktung arbeitet die Dachmarke Rhön[6] konkret an der Umsetzung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Bedürfnissen mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung. Sie unterstützt Rhöner Betriebe bei der Vermarktung von nachhaltig hergestellten und zugleich qualitativ hochwertigen Produkten nach dem Motto „Schutz durch Nutzung“. Produkte, die in der Region erzeugt und verarbeitet wurden und die Qualitätskriterien der Dachmarke Rhön erfüllen, dürfen das Dachmarke-Qualitätssiegel tragen. „Schutz durch Nutzung“ gilt in besonderer Weise für das Rhönschaf, einer ehemals fast ausgestorbenen Schafrasse. Auf Initiative des Bund Naturschutzes Bayern und engagierter Rhöner Schäfer wurde die Rasse erhalten und zum Sympathieträger für die Region.

Die Rhöner Apfelinitiative[7] setzt sich für den Erhalt der landschaftsprägenden Streuobstwiesen ein. Das Netzwerk von Streuobstwiesenbesitzern und verarbeitenden Betrieben organisiert Veranstaltungen rund um den Apfel, organisiert die Bio-Zertifizierung der Flächen und unterstützt die Entwicklung neuer Apfel-Ideen. In Hausen wurde ein Streuobst-Lehrpfad und ein Sortengarten zum Erhalt alter und seltener Obstsorten aufgebaut.

Länderübergreifende zoologische und botanische Artenschutzkonzepte dienen als Grundlage für die zukünftige Naturschutzarbeit, zur Information der Bevölkerung und für die konkrete Biotoppflege. Neben den drei staatlichen Verwaltungsstellen des Biosphärenreservates gibt es für jedes Bundesland einen privaten Trägerverein. Es wurde eine hauptamtliche und ehrenamtliche Naturwacht eingerichtet, deren Ziel es ist, Besucher der Rhön aufzuklären und insbesondere in den empfindlichen Naturschutzgebieten der Rhön maßvoll zu lenken.Naturschutzgroßprojekte, wie das Projekt „Thüringer Rhönhutungen[8]“, das LIFE-Projekt „Berggrünland Hessische Rhön[9]“ oder Artenhilfsprojekte zu Wildkatze oder Rotmilan leisten ihren Beitrag, die Vielfalt an Flora und Fauna in der Rhön zu erhalten.

Die Rhön wurde  am 7. August 2014 von der International Dark Sky Association[10] als Sternenpark anerkannt, da sich hier noch Gebiete mit einer fast unbeeinträchtigten, dunklen Nachtlandschaft befinden. Im Projekt „Sternenpark Rhön“ werden Führungen und Bildungsveranstaltungen zu astronomischen und kulturhistorischen Themen angeboten. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Kampf gegen die Lichtverschmutzung, die negative Effekte auf nachtaktive Lebewesen, aber auch auf die menschliche Gesundheit hat.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl-Friedrich Abe: Das Biosphärenreservat Rhön. In: Michael Succow, Hans Dieter Knapp, Lebrecht Jeschke (Hrsg.): Naturschutz in Deutschland. Rückblicke – Einblicke – Ausblicke. Links, Berlin 2012, ISBN 978-3861536864, S. 169–174.
  • Biosphärenreservat Rhön. In: Rolf Fischer: Deutschlands Naturparadiese. Alle Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks im Porträt. Komet, Köln 2016, ISBN 978-3869416359, S. 112–116.
  • Joseph Dehler,‎ Gerd Michelsen (Hrsg.): Biosphärenreservat Rhön. Im Einklang zwischen Naturschutz und Regionalentwicklung. (= Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung, Band 23). VAS, Frankfurt am Main 1991, ISBN 978-3888641237.
  • Reinhard Grebe,‎ Guido Bauernschmitt (Hrsg.): Biosphärenreservat Rhön. Rahmenkonzept für Schutz, Pflege und Entwicklung. Neumann Verlag, Radebeul 1998, ISBN 978-3740201623.
  • Wolfgang Helfer: Urwälder von morgen. Bayerische Naturwaldreservate im Unesco-Biosphärenreservat Rhön. (= Naturwaldreservate in Bayern. Band 5). IHW-Verlag, Eching 2000, ISBN 978-3930167463.
  • Eckhard Jedicke: Die Rhön als Hotspot der Biodiversitat - zwischen Anspruch und Wirklichkeit. In: Thomas Heiler, Udo Lange, Gregor K. Stasch, Frank Verse (Hrsg.): Die Rhön – Geschichte einer Landschaft. Tagungsband. (= Publikation zur Fachtagung "Rhön 2015 - Geschichte einer Landschaft" in Fulda 2014). Michael Imhof Verlag, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0256-0, S. 37–60.
  • Herwig Klemp: Und geh zur Rhön hinauf. Streifzüge durch ein Biosphärenreservat. Klemp, Sandkrug 1998, ISBN 978-3931323059.
  • Marion Lahner: Regional Governance in Biosphärenreservaten. Eine Analyse am Beispiel der Regionen Rhön und Schaalsee unter Einbeziehung von Place-Making. ibidem, Stuttgart 2009, ISBN 978-3838200309.
  • Ute Lange: Die Rhön. Ein Biosphärenreservat. Druckerei R. Mack, Mellrichstadt 2017, ISBN 978-3942112277.
  • Cornelius Merlin: Tourismus und nachhaltige Regionalentwicklung in deutschen Biosphärenreservaten. Regionalwirtschaftliche Effekte touristischer Nachfrage und Handlungsspielräume der Destinationsentwicklung durch Biosphärenreservats-Verwaltungen untersucht in sechs Biosphärenreservaten. (= Würzburger Geographische Arbeiten, Band 118). Würzburg University Press, Würzburg 2017, ISBN 978-3958260504.
  • Torsten Raab: Nachhaltige Entwicklung der (Kultur-) Landschaft im UNESCO-Biospharenreservat Rhön. In: Thomas Heiler, Udo Lange, Gregor K. Stasch, Frank Verse (Hrsg.): Die Rhön – Geschichte einer Landschaft. Tagungsband. (= Publikation zur Fachtagung "Rhön 2015 - Geschichte einer Landschaft" in Fulda 2014). Michael Imhof Verlag, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0256-0, S. 307–320.
  • Gerold Rahmann, Ezzat Tawfik (Hrsg.): Landschaftserhaltung mit Nutztieren im sozio-ökonomischen Kontext. Dargestellt am Beispiel ausgewählter Dörfer im Biosphärenreservat Rhön. (= Schriftenreihe Agrarwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 20). Kovac, Hamburg 2001, ISBN 978-3830003250.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Biosphärenreservat Rhön – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Von der Anerkennung 1991 bis zur Erweiterung 2014. In: Biosphaerenreservat-Rhoen.de. Abgerufen am 3. Februar 2018.
  2. a b Biosphärenreservate in Deutschland (PDF). In: bfn.de. Juni 2017, abgerufen am 3. Februar 2018.
  3. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  4. a b c Karte und Gemeindeaufstellung (Memento vom 26. Oktober 2014 im Internet Archive) Biosphärenreservat Rhön
  5. Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen | Biosphärenreservat Rhön. Abgerufen am 17. März 2018.
  6. Dachmarke Rhön - Qualität des Biosphärenreservats | Dachmarke Rhön. Abgerufen am 25. Januar 2018.
  7. Rhoenapfel.de. Abgerufen am 25. Januar 2018.
  8. Naturschutzgroßprojekt `Thüringer Rhönhutungen`. Abgerufen am 25. Januar 2018 (englisch).
  9. | Leitprojekte. Abgerufen am 25. Januar 2018.
  10. International Dark-Sky Association | IDA | Light Pollution. Abgerufen am 25. Januar 2018 (amerikanisches Englisch).
  11. Wildes Deutschland – Die Rhön. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 27. Februar 2018.