Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

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Lage des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin
Logo des Biosphärenreservats
Laubwaldlichtung im Plagefenn
Moor in der Nähe des Plagefenn
Totalreservat Plagefenn
Überflutete Weide im Biosphärenreservat
Trockengelegtes Moor nördlich von Liepe

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin wurde im Zuge des Nationalparkprogramms der DDR 1990 im Land Brandenburg gegründet.[1] Es ist 1291 km² groß und liegt in den Landkreisen Uckermark, Barnim, Märkisch-Oderland und Oberhavel. Im Biosphärenreservat liegt als besonderes Naturschutzgebiet das Totalreservat Plagefenn. Seit 2011 steht ein Teil des Reservats, der Grumsiner Forst, in der UNESCO-Weltnaturerbeliste.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zisterzienser-Kloster Chorin bewirtschaftete maßgeblich die Ländereien der Gegend vom frühen Mittelalter bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. In der Schorfheide, nördlich der Ortschaft Groß Schönebeck, befand sich bis 1945 einer der Wohnsitze von Hermann Göring (Carinhall). Die waldreiche Landschaft diente als Jagdrevier, welches nur den Mächtigen des Staates zur Verfügung stand. Dieser Geschichte ist es zu verdanken, dass die Vegetation in weiten Teilen und vor allem in seiner Kernzone seit Jahrzehnten von tief greifenden menschlichen Störungen verschont wurde.

UNESCO-Welterbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011 wurden zahlreiche Europäische Buchenurwälder in die Welterbeliste aufgenommen. Neben anderen ist auch der Buchenwald im Naturschutzgebiet Grumsiner Forst im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin Teil dieses Weltnaturerbes. Hier befinden sich ausgeprägte Flattergras-Buchenwälder, die als Reste der großflächigen Buchenbestände gelten, die es früher in Mitteleuropa gegeben hat, und die heute ein Rückzugsgebiet seltener Tierarten wie Schreiadler oder Schwarzstorch sind.

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Gebiet des Biosphärenreservats gehören im Einzelnen die Choriner Endmoränenlandschaft mit dem Parsteiner See und dem Grumsiner Forst, der Niederoderbruch und die Neuenhagener Oderinsel, die Britzer Platte, die Werbellin-Joachimsthaler Moränenlandschaft, die Schorfheide, die Poratzer Grund- und Endmoränenlandschaft, die Grund- und Endmoränenlandschaft um Melzow und Greiffenberg, die Ackerlandschaft Gerswalde-Stegelitz und das Templiner Seengebiet.[1]

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist eine gewässerreiche Kulturlandschaft. Genau durch das Biosphärenreservat verläuft die Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee.

Größter See im Reservat ist mit 1.003 Hektar der Parsteiner See, ein Zungenbeckensee nördlich des Choriner Endmoränenbogens.

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Bedeutung für den Naturschutz haben die alten Waldbereiche, die oft in Form von Eichen-Hutewäldern bestehen. Einige Areale bestehen aus mehreren hunderten Eichen, die alle älter als 250 Jahre sind. Gut 10 Prozent der Reservatsfläche werden von teilweise renaturierten, teilweise ursprünglichen Niedermooren bedeckt. Vereinzelt findet man hier verschiedene Sonnentau-Arten.

Der zum Biosphärenreservat gehörende Grumsiner Forst wurde am 25. Juni 2011 in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen.[2]

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Biosphärenreservat kommen neben dem typischen Großwild (Rothirsch, Wildschwein, Reh) auch der Biber und Fischotter noch häufig vor. Des Weiteren bestehen dort noch Bestände der stark bedrohten Europäischen Sumpfschildkröte und der Rotbauchunke. Auch See-, Fisch- und Schreiadler brüten in den Wäldern. Besonderes Augenmerk im Rahmen der Besucherlenkung gilt dem Kranich als Rast- und Brutvogel.

Moore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gehört auch das Kleine – und das Große Fischerbruch, beides Kesselmoore. Das Große Fischerbruch ist in seiner weitesten Ausdehnung ca. 250 m lang, an seiner breitesten Stelle bis zu ca. 60 m breit. Es hat eine Gesamtgröße von ca. 1,5 ha. Die Moore zwischen Liepe und Plagefenn hatten Ausdehnungen von mehreren hundert Metern.

Management[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Management des Biosphärenreservates liegt beim Landesamt für Umwelt des Landes Brandenburg. Leiter des Biosphärenreservarts ist Dr. Martin Flade.[3] Im Kuratorium des Biosphärenreservates sind Vertreter unterschiedlicher Interessensgruppen zusammengeschlossen.

Um die Ausgestaltung des Biosphärenreservates und die Interessensabwägung aller Nutzer (Landwirte, Milchwirtschaft, Waldbesitzer, Anwohner, Naturschutzverbände, Tourismus etc.) gibt es immer wieder Streit.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verordnung vom 12. September 1990
  2. SPIEGEL online
  3. Unser Team - Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Abgerufen am 28. April 2021.
  4. Thorsten Metzner: Auf dem Holzweg. In: Tagesspiegel, 30. Dezember 2007. Abgerufen am 24. Dezember 2015. 

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Flade (Hrsg.): Naturschutz in der Agrarlandschaft. Ergebnisse des Schorfheide-Chorin-Projekts. Herausgegeben im Auftrag der Landesanstalt für Großschutzgebiete des Landes Brandenburg. Quelle und Meyer, Wiebelsheim 2003. ISBN 3-494-01307-1
  • Andreas Meyer-Aurich: Entwicklung von umwelt- und naturschutzgerechten Verfahren der landwirtschaftlichen Landnutzung für das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Agrarökologie. Bd. 41. Dissertation. vaö – Verlag Agrarökologie, Bern/Hannover 2001. ISBN 3-909192-21-1
  • Alexandra Schmidt: Beitrag der historischen Landschaftsanalyse zu aktuellen Fragen des Naturschutzes. Eine Untersuchung durchgeführt am Beispiel des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin. Forschen und Wissen – Landschaftsgestaltung. Dissertation. GCA-Verlag, Herdecke 1999. ISBN 3-934389-37-6
  • Frank Dreger: Geo- und bioökologische Analyse und Bewertung von Söllen in der Agrarlandschaft Nordostdeutschlands am Beispiel des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin. Dissertation. dissertation.de, Berlin 2002. ISBN 3-89825-476-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]