Biosub

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BioSUB war eine Unterwasserstation des australischen Meeresbiologen Lloyd Godson, in der er im April 2007 für 12 Tage unter der Wasseroberfläche eines Sees in der Nähe von Albury im südlichen New South Wales/Australien wohnte. Schwerpunkt des Projekts war das Erreichen eines höchstmöglichen Grades an Autarkie.

Das kleine Habitat bestand aus einem rechteckigen Container mit den Dimensionen von etwa 2 x 3 m und einem Volumen von 20 m³. Es war somit gerade groß genug, um ein Bett, einen kleinen Bioreaktor, einen Fahrrad-Heimtrainer und ein WC zu beherbergen. Es hatte ein Gewicht von 2 t und war mit 28 t Beton am Seeboden verankert. Der Zugang lag an der Unterseite.[1]

Lloyd Godson beabsichtigte mit dem Projekt, Schulkinder für Wissenschaft zu begeistern. Zu diesem Zwecke war eine Intercom-Leitung eingerichtet, durch die Besucher ihn live kontaktieren konnten.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lloyd Godson gewann 2005 mit dem Vorschlag, in seinem BioSUB-Habitat mindestens 10 Tage zu leben, den Wettbewerb Wildest Adventure Competition des Australian Geographic Magazine. Das Preisgeld von 50.000 $ (AU) nutzte er, um das Vorhaben 2007 in die Wirklichkeit umzusetzen.[2]

Bioreaktor Biocoil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lloyd Godson griff auf ein Projekt der Cascade Highschool in Idaho/USA zurück, die einen Bioreaktor namens Biocoil (englisch für Bio-Spule) zur Klärung von Abwässern gebaut hatten.[3] Dabei wird Luft durch eine Spule aus transparenten Kunststoffschläuchen gepumpt, in denen Chlorella-Algen kultiviert werden. Im Zentrum dieser Spule befinden sich Lampen, die das für das Wachstum der Algen notwendige Licht lieferten. Biocoil hatte folgende Funktionen:

  • Die Algen sollten das giftige Kohlendioxid aus der Luft filtern.
  • Durch die Umwandlung von Kohlendioxid in Sauerstoff war das System in der Lage, 10 % des notwendigen Sauerstoffs zu produzieren. Die weitere Zufuhr von Frischluft geschah über zwei Kompressoren an der Oberfläche bzw. am Ufer. [4]
  • Obwohl Chlorella-Algen verzehrbar sind und sie Lloyd Godson somit dazu gedient hätten, sich zumindest symbolisch seine eigene Lebensmittel zu produzieren, zog er es vor, sich Essen von der Oberfläche liefern zu lassen.[2]
  • Auch die Wiederverwendung von Urin, der dem Biocoil-System zugeleitet wurde, sollte erprobt werden.[5]

Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die notwendige Energie zum Betrieb des Bioreaktors und diverser Elektronik wie sein Laptop produzierte Lloyd Godson mithilfe eines Fahrrad-Heimtrainers. Unterstützend verfügte er allerdings über eine Photovoltaik-Anlage und Methan-Brennstoffzellen.

Dokumentierte Probleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Luftfeuchtigkeit innerhalb des Habitats betrug wie vorhergesehen 100 %, so dass bei einer konstanten Temperatur von 21,5° C Kleidung nicht trocknete und Wasser von Decke und Wänden tropfte.
  • Da das Biocoil-System nicht genügend Kohlendioxid aus der Luft filterte, stieg der Kohlendioxid-Spiegel im Habitat rapide an. Daraus resultierten lange Schlafperioden und ein erhöhter Blutdruck.[6]
  • Durch die strenge Isolation und widrige Umstände sank Godsons Stimmung stark bis er selbst den Sinn des Projekts in Frage stellte. Mit dem Erreichen des offiziellen Ziels von 10 Tagen besserte sich jedoch seine Stimmung.[4] Am elften Tag zeigten sich Anzeichen von psychologischem Stress wie Paranoia. Am zwölften Tag litt er zusätzlich zu hohem Blutdruck an Schwindelanfällen und beugte sich den Empfehlungen der Mediziner, das Projekt abzubrechen. Obwohl er selbst ein Ziel von dreizehn Tagen anvisierte, führte die Summe von physiologischen und psychologischen Problemen am zwölften Tag zur vorzeitigen Beendigung des Projekts. Es ist jedoch nicht klar, wodurch die Probleme entstanden. Mögliche Gründe sind die Zusammensetzung des Atemgases, die strikte Isolation oder allgemeiner Stress.[2]

Folgeprojekt im Legoland Günzburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Folgeprojekt im Legoland Günzburg dauerte 14 Tage zwischen dem 30. März und 13. April 2010. Das Habitat hatte diesmal eine Größe von 4 m² und befand sich in einem dortigen Aquariumbecken. Diesmal verfügte es nicht über den Bioreaktor, sondern bezog das Atemgas von der Wasseroberfläche.

Das Projekt wurde aufmerksam von Medizinern des Divers Alert Network (DAN) beobachtet, dabei insbesondere die mögliche Verdickung des Blutes durch die entfeuchtete Kompressorluft und deren physiologische Auswirkungen, sowie die erhöhte Produktion von Erythropoetin durch eventuelles Absinken des Sauerstoffspiegels im Habitat. Es kam während des Experiments jedoch zu keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung.[7]

Während des Projekts generierte Lloyd Godson wie auch schon im BioSUB-Projekt mit einem Fahrrad-Heimtrainer in 336 Stunden 2502 Wattstunden an Strom. Das entspricht einer Strecke von 625 km.[8] Diese Leistung brachte ihm einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ein.[9]

Der Kohlendioxid- und Sauerstoffspiegel im Habitat wurde durch einen Dräger X-am 7000 Multi-Gas-Detektor überwacht.[10]

Das Projekt fand in der Dokumentation Naked Science: City Under The Sea des National Geographic Channels Erwähnung und erhielt in der Kategorie PR-Activity die Silbermedaille der deutschen Econ Awards basierend auf folgenden Daten:

  • 100.000 Personen besuchten das Experiment direkt, sahen sich die Webcam-Übertragung an oder nahmen per sozialer Medien daran teil.
  • 101.766.976 Zuschauer per Printmedien, Radio, Internet oder Fernsehen[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fred Koschmann: Popular Science: The Aquanaut's Home Under the Sea. 13. August 2007, abgerufen am 1. November 2016 (englisch).
  2. a b c Kathy Riley: Australian Geographic: Underwater man lives his dream. 15. Juni 2009, abgerufen am 3. November 2016 (englisch).
  3. The Advanced Biology Class at Cascade High School: The Biocoil Project - 1996-97. Abgerufen am 1. November 2016 (englisch).
  4. a b Stephen Pincock: The Scientist: An Underwater Life. 1. Juli 2007, abgerufen am 1. November 2016 (englisch).
  5. Dialika Krahe: Der Aquanaut: Wie ein Forscher zum Unterwassermenschen wurde. Der Spiegel, 30. April 2007, abgerufen am 3. November 2016.
  6. Lloyd Godson: BioSUB. Abgerufen am 1. November 2016 (englisch).
  7. DAN Europe, Alert Diver, Digital Magazine (Hrsg.): DAN Europe underwater in LEGOLAND Deutschland. Nr. 1, 2010, S. 7.
  8. Chrissie Goldrick: Australian Geographic: Submarine man enters record books again. 23. April 2010, abgerufen am 3. November 2016 (englisch).
  9. Guinness World Records: Most electrical energy generated by pedalling underwater. Abgerufen am 3. November 2016 (englisch).
  10. Werner Bauer: Dräger Review: Fourteen Days Beneath the Surface. Hrsg.: Dräger. Nr. 101, November 2010, S. 20–21.
  11. Lloyd Godson: Press: LEGOLAND® ATLANTIS by SEA LIFE. Abgerufen am 3. November 2016 (englisch).