Biotopbaum

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Kennzeichnung eines Biotopbaums bei Pfullendorf
Besondere Wuchsformen bilden Kleinbiotope für zahlreiche Lebewesen

Als Biotop- oder Habitatbaum werden Bäume bezeichnet, die besondere Lebensräume (Biotope, Habitate) für andere Lebewesen anbieten. Hierbei handelt es sich oft um sehr alte, zum Teil auch bereits absterbende oder tote Bäume. Insbesondere Bäume mit Spechthöhlen oder mit Horsten baumbrütender Vogelarten, sogenannte Horstbäume, zählen dazu. Aber auch Bäume mit besonderen Wuchsformen, mit größeren Stamm- oder Rindenverletzungen oder mit hohem Totholzanteil bieten vielen Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen einen Lebensraum.[1][2][3]

Häufig handelt es sich hierbei um Bäume, die auf Grund ihrer Schäden oder Wuchsdeformationen wirtschaftlich nicht interessant sind. Außerdem werden Bäume in der Regel gefällt und verwertet, bevor sie absterben. Damit entfällt die in Urwäldern auftretende natürliche Alters- und Zerfallsphase. Aus diesem Grund sind ausgeprägte Biotopbäume in Wirtschaftswäldern deutlich seltener als in Naturwäldern zu finden. Aus Sicht des Naturschutzes muss dem Mangel an Biotopbäumen entgegengewirkt werden. Da die Belassung und der Schutz solcher Bäume den Wirtschaftsbetrieb belasten[4], werden insbesondere von Waldbesitzern der öffentlichen Hand Programme gestartet, um den Anteil der Biotopbäume im Wald zu erhöhen. Diese Bäume werden sich selbst überlassen und nicht gefällt.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dritte Bundeswaldinventur (2012) hat in den deutschen Wäldern im Mittel 9 Biotopbäume je Hektar gefunden. Das sind im gesamten deutschen Wald 93 Mio. Biotopbäume. 60 Prozent davon sind Laubbäume.[5]

Die „Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald“ aus dem Jahre 2010 zum Beispiel nennt Vorgaben für über 100-jährige Laubholzbestände. Hier sollen drei Habitatbäume pro Hektar erhalten werden.[6]

Die Niedersächsischen Landesforsten haben sich einen Erhalt von fünf Habitatbäumen je Hektar als Ziel gesetzt.[7] Das Biotopbaum- und Totholzkonzept des Kommunalwaldes Rheinland-Pfalz verlangt zehn Bäume je Hektar.[8]

Die Landesforst Rheinland-Pfalz hingegen setzen auf Biotopbaumgruppen. Die Ausweisung erfolgt im Regelfall in Beständen der Reifephase. Je drei Hektar sollte eine Gruppe von etwa 15 Bäumen belassen werden.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Biotopbaum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Biotopbäume“ auf nabu.de (pdf) S.5, aufgerufen am 2. September 2014
  2. „Biotopbäume – wertvoller Lebensraum im Wald“ auf waldwissen.net, aufgerufen am 2. September 2014
  3. „Alte Bäume mit Habitatstrukturen (Habitatbäume)“ auf totholz.ch, aufgerufen am 2. September 2014
  4. „Habitatbäume im Wirtschaftswald: Welche Anzahl zu welchen Kosten?“ auf waldwissen.net, aufgerufen am 2. September 2014
  5. BMEL (Hrsg.): Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur, S. 27.
  6. „Habitatbäume im Hessischen Staatswald“, Naturschutz-Akademie Hessen (Memento des Originals vom 10. Juni 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.na-hessen.de, aufgerufen am 2. September 2014
  7. Habitatbaumkonzept der Niedersächsischen Landesforsten, aufgerufen am 2. September 2014
  8. Merkblatt Biotopbaum- und Totholzkonzept im Kommunalwald Rheinland-Pfalz, aufgerufen am 2. September 2014
  9. BAT-KONZEPT Landesforsten Rheinland-Pfalz, aufgerufen am 2. September 2014