Biotronik

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Biotronik SE & Co. KG
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Rechtsform SE & Co. KG
Gründung 1963
Sitz Berlin-Neukölln

Leitung

  • Lothar Krings
  • Joachim Langer
  • Ralf Lieb
Mitarbeiter 5.600 weltweit, 2.257 in Deutschland [1]
Umsatz 533,2 Mio. Euro, davon 50 % in Europa[2]
Branche Medizintechnik
Website www.biotronik.de
Stand: 31. Dezember 2013 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2013

Die Biotronik SE & Co. KG ist ein Hersteller von medizintechnischen Produkten und Anbieter von Dienstleistungen zur Elektrotherapie des Herzens und Gefäße. Das Privatunternehmen hat seinen Hauptsitz in Berlin. Das Unternehmen unterhält Forschungsstätten in Europa, Nordamerika und Singapur.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge von Biotronik begründen sich in der Entwicklung des ersten deutschen implantierbaren Herzschrittmachers (Biotronik IP-03) im Jahr 1963 an der Technischen Universität Berlin durch den Physiker Max Gustav Julius Schaldach (1936–2001), der zugleich Professor für biomedizinische Technik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) war, und den Elektroingenieur Otto Franke. In den Anfangsjahren befasste sich das Unternehmen mit der Feststellung der Kapazitäten und der Betriebsdauer von Batterien für Herzschrittmacher und den Verbindungsoptionen zwischen Elektrode und Schrittmacher sowie zwischen den Elektroden und dem Herzen.

1976 wurde die Zentrale am Sieversufer 8 in Berlin-Neukölln eingeweiht. 1979 wurde eine Produktionsstätte in Lake Oswego im US-Bundesstaat Oregon errichtet. Diese Tochtergesellschaft resultierte aus der Übernahme des US-amerikanischen Schrittmacherherstellers Stimulation Technology, Inc. Zugleich wurde mit der Entwicklung und Herstellung von Hybridschaltungen und Baugruppen für die medizintechnische Industrie, darunter auch Schaltkreisen für Herzschrittmacher begonnen. In den 1980er Jahren wurde die Zweikammer-Stimulationsmethode (DDD) entwickelt, und es konnten Herzschrittmacher hergestellt werden, die spontanen Herzkontraktionen den Vorrang ließen und besser auf den eigentlichen Bedarf reagierten. Biotronik entwickelte hierfür den Diplos 03, einen multiprogrammierbaren DDD-Schrittmacher mit bidirektionaler Telemetrie.

1987 erfolgte der Umzug der Zentrale in die Woermannkehre 1. Ab 1993 gehörten die ersten deutschen implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) zur Produktpalette, darunter der Phylax 06. In den 1990er Jahren wurde zudem die Closed-Loop-Stimulation (CLS) (Frequenzanpassung) entwickelt, bei der der Herzschrittmacher in das körpereigene Regelungssystem integriert wird und dadurch auf die wechselnden körperlichen und psychischen Belastungen des Patienten reagiert. Ebenfalls 1993 entwickelte Biotronik die fraktale Beschichtung implantierbarer Elektroden. Diese Beschichtung optimiert die elektrisch aktive Oberfläche der Elektroden und verbessert damit ihre elektrische Wahrnehmungs- und Stimulationseigenschaften. Biotronik ist bis heute der einzige Hersteller fraktal beschichteter Elektroden.

Seit 1994 wird ein breites Produktspektrum für die Elektrophysiologie angeboten und seit 1995 das Produktspektrum durch die Vaskuläre Intervention ergänzt. In diesem Geschäftsbereich entwickelt und produziert Biotronik Ballonkatheter und Stents zur Behandlung von Erkrankungen der Herzkranzgefäße und Gefäße der äußeren Extremitäten. Ab 2000 wurde mit Philos eine komplette Schrittmacherfamilie mit Telematik angeboten und es erfolgte die CE-Zulassung und Erstimplantation eines Schrittmachers mit Home Monitoring (Datenfernübertragung). 2005 entwickelte Biotronik mit dem Lumos den weltweit ersten implantierbaren Kardioverter-Defibrillator, der IEGMs (intrakardiale Elektrogramme) automatisch per Mobilfunk überträgt.

2010 entwickelte das Unternehmen mit dem Lumax 540 VR-T DX ein Einkammer-Defibrillator-System mit umfassender Vorhof-Diagnostik. Außerdem ging das Unternehmen mit dem schweizerischen Medizintechnikunternehmen Endosense eine internationale Distributionspartnerschaft für den Endosense-Ablationskatheter TactiCath mit optischem Kraftsensor ein. Im folgenden Jahr gab Biotronik die Markteinführung von Orsiro bekannt—dem weltweit ersten hybriden Medikamenten-freisetzenden Stent mit einer bioresorbierbaren Beschichtung. Dieses Produkt fügt zu der Auswahl von innovativen Behandlungsarten von Verengungen bei Herzkranzgefäßen ein.

2012 erwarb das Unternehmen das ehemalige Postfuhramt, ein Backsteingebäude an der Oranienburger Straße im Berliner Bezirk Mitte. In dem Postfuhramt will Biotronik in Zukunft Vorträge, Schulungen und Ausstellungen abhalten. [3] Außerdem brachte Biotronik seinen BioMonitor auf den Markt – ein implantierbarer Herzmonitor, der den Herzrhythmus lückenlos aufzeichnen und abspeichern kann. Darüber hinaus entwickelte das Unternehmen die weltweit erste Serie von implantierbaren Herzschrittmachern, Defibrillatoren und Therapien, die Patienten den Zugang zu Magnetresonanztomographie-Untersuchungen ermöglichen. Biotroniks ProMRI ® Technologie beinhaltet daher Systeme, die für 1.5-T- und 3.0-T-MRT-Untersuchungen zugelassen sind. Bislang sind weltweit mehr als eine Million ProMRI-Geräte und -Einführsysteme implantiert worden. Um sich in diesem umfangreichen Produktportfolio gut zurechtzufinden, entwickelte das Unternehmen 2016 und 2017 zwei Online-Tools—den ProMRI® Systemcheck sowie den ProMRI® Configurator.

Zum Schutz von interventionellen Kardiologen vertreibt Biotronik das Zero-Gravity Strahlenschutzsystem, das aus einen beweglichen, hängenden Körperschild und einem Kopfschutz besteht. Das deutlich höhere Schutzniveau im Vergleich zu konventioneller Schutzkleidung ist dabei den Bleibestandteilen der Ausrüstung zu verdanken, womit die Strahlenbelastung um 87-100 Prozent reduziert worden kann.

Um periphere Arterienerkrankungen in den unteren Gliedmaßen zu behandeln, entwickelte Biotronik mit dem Passeo-18 Lux den ersten Medikamenten-freisetzenden Ballonkatheter. Im darauffolgenden Jahr brachte das Unternehmen den CardioMessenger Smart, ein neues Patientengerät für Home Monitoring sowie den BioMonitor 2, einen insertierbaren Herzmonitor zweiter Generation, auf den Markt.

Februar 2016 eröffnete BIOTRONIK Inc. ein Bildungszentrum in New York City [4].

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 erhielt Biotronik den EuroPCR 2007 Novelty Award der European Association of Percutaneous Cardiovascular Interventions (EAPCI) für seine Technologie des Absorbierbareren Metallstents (AMS). Im Jahr 2009 war Biotronik mit dem Home-Monitoring-System für den Deutschen Zukunftspreis nominiert.[5] 2010 stiftete das Unternehmen den Technikwissenschaftlichen Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften[6]. Im Jahr 2016 erhielt Biotronik den CARDIOSTIM Innovation Award für Verbesserung des Praxisalltags durch MRI AutoDetect[7].

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biotronik steht in Kooperation mit der EPIC Alliance, einem globalen Netzwerk für Elektrophysiologinnen, das sich dafür einsetzt, die Zusammenarbeit von Frauen im Feld der Elektrophysiologie zu verstärken.

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herzrhythmus-Management: Herzschrittmacher, implantierbare Defibrillatoren, Elektroden, Herzmonitore, externe Monitoring- und Programmiergeräte,
  • Elektrophysiologie: Produkte für elektrophysiologische Untersuchungen und Therapien, darunter Ablationskatheter und Diagnostikkatheter,
  • Vaskuläre Intervention: Produkte für koronare und periphere Anwendungen, darunter Stentsysteme, Ballonkatheter und Führungsdrähte.

Niederlassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederlassung in Prag-Nusle in Tschechien

Produkte und Therapien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bradykardietherapie: Herzschrittmacher (Edora, Evity, Enitra, Enticos, Eluna, Epyra, Etrinsa, Evia, Entovis), Elektroden (Solia, Safio S, Siello, Setrox, Selox)
  • Tachyarrhythmietherapie: Defibrillatoren (Ilivia, Inventra, Iperia, Idova, Ilesto), Elektroden (Linox smart, Protego, Plexa)
  • Elektrophysiologie: Ablationskatheter (AlCath Flux eXtra Gold, AlCath Flutter, AlCath), steuerbare Diagnostikkatheter (GuidIQ, ViaCath), externe Geräte (Qubic RF, Qubic Stim, Qiona)
  • Kardiale Resynchronisation: CRT-Implanatete (Ilivia, Inventra, Iperia, Idova, Ilesto, Edora, Evity, Enitra, Enticos, Eluna, Epyra, Etrinsa, Entovis, Evia), Elektroden (Corox OTW, Sentus OTW BP, Sentus OTW QP, Sentus OTW QP xx/49'), Einführsysteme und Zubehör (Selectra, ScoutPro, ScoutPro IC)
  • Koronare Vaskuläre Intervention: bioresorbierbares Gefäßgerust Magmaris, koronares Drogen-Freisetzendes Stentsystem Orsiro, Ballon-Expandierbare Kobalt-Chrom-Koronarstentsysteme PRO-Kinetic Energy, koronarer Drogen-freisetzender Ballonkatheter Pantera Lux, koronare Ballonkatheter (Pantera, Pantera LEO, AngioSculpt), koronare Führungsdrähte (Streamer, Cruiser, Galeo Pro), Zubehör Produkte (3Flow, Neptune Pad)
  • Periphere Vaskuläre Intervention: Periphere Ballon-Expandierbare Stentsysteme (Dynamic, Dynamic Renal, PRO-Kinetic Energy Explorer), periphere Selbst-Expandierende Stentsysteme (Astron, Astron Pulsar, Pulsar-18), periphere Ballonkatheter (Passeo-14, Passeo-18), periphere Führungsdrähte (Cruiser, Cruiser-18), Einführschleuse (Fortress)
  • Insertierbarer Herzmonitor zur kontinuierlichen Patientenfernüberwachung bei Vorhofflimmern oder unerklärtem Kreislaufkollaps (BioMonitor)
  • Externe Geräte: ICS 3000, Reliaty, Renamic, Reocor
  • Patientengeräte: Cardio Messenger, Remote Assistant

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Biotronik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresabschluss zum 31. Dezember 2013
  2. Jahresabschluss zum 31. Dezember 2013
  3. Neuer Eigentümer Biotronik beginnt mit Sanierung" Berliner Woche vom 9. Januar 2014
  4. BIOTRONIK Opens State-of-the-Art Education and Innovation Center in New York City. Business Wire, abgerufen am 11. Mai 2017 (englisch).
  5. Team 2. In: Deutscher Zukunftspreis. Abgerufen am 22. April 2016.
  6. Erstmalige Verleihung des Technikwissenschaftlichen Preises der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Pressemeldung in Informationsdienst Wissenschaft vom 18. Februar 2010, abgerufen am 22. Februar 2010
  7. Exhibits. Abgerufen am 24. März 2017 (gb).