Birecik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Birecik
Wappen von Birecik
Birecik (Türkei)
Red pog.svg
Basisdaten
Provinz (il): Şanlıurfa
Koordinaten: 37° 2′ N, 37° 59′ OKoordinaten: 37° 1′ 30″ N, 37° 58′ 37″ O
Höhe: 450 m
Einwohner: 48.706[1] (2012)
Telefonvorwahl: (+90) 414
Postleitzahl: 63 xxx
Kfz-Kennzeichen: 63
Struktur und Verwaltung (Stand: 2019)
Bürgermeister: Mehmet Faruk Pınarbaşı (AKP)
Website:
Landkreis Birecik
Einwohner: 94.277[1] (2017)
Fläche: 790 km²
Bevölkerungsdichte: 119 Einwohner je km²
Kaymakam: Fatih Çelikkaya
Website (Kaymakam):
Vorlage:Infobox Ort in der Türkei/Wartung/Landkreis

Birecik, das alte Birtha (syrisch-aramäisch für Palast), ist ein Distrikt (İlçe), sowie Stadtbezirk der Provinz Şanlıurfa im Südosten der Türkei nahe der Grenze zu Syrien. Der kurdische Name ist Bêrecûg, der arabische al-Bīrā البيرا und der französische aus der Zeit der Grafschaft Edessa Bile. In der Antike hieß die Stadt Makedonopolis. Birecik liegt am Euphrat, über den hier die Schnellstraße D400 auf der 1956 erbauten zweitlängsten Flussbrücke der Türkei führt, sowie an der Otoyol 52, etwa auf halber Strecke zwischen Gaziantep und Şanlıurfa (Edessa).

Verwaltung und Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über Stadt und Euphrat-Brücke

Seit der Gebietsreform von 2012 ist die Stadt Şanlıurfa eine Büyükşehir Belediyesi, die flächen- und einwohnerbezogen identisch mit der Provinz (İl) ist. Als eine solche Großstadtkommune stellt sie die kommunale Verwaltungsebene der Provinzdistrikte dar. Im Zuge einer Verwaltungsreform der Provinz wurde 2014 der zentrale Landkreis (Merkez) in drei neue Distrikte aufgeteilt und die vormaligen Landkreise der Provinz somit in 13 Distrikte gegliedert. Sie stellen gleichzeitig Stadtbezirke dar, deren kommunale Verwaltung direkt dem Büyükşehir Belediye Başkanı (Oberbürgermeister) von Şanlıurfa unterstellt ist. Repräsentant der staatlichen Verwaltung ist weiterhin der Provinzgouverneur (Vali), dem der Kaymakam der İlçe berichtet. Der Verwaltungsbereich der İlçes entspricht territorial den ehemaligen Kommunen (Belediye), deren Bürgermeister vom Başkan auf den Rang eines Muhtars heruntergestuft wurden. Als Distrikt sind der ehemaligen Kreisstadt Birecik drei Gemeindestädte, 69 Dörfer und 84 Siedlungen angegliedert. Birecik selbst hatte 2012 48.706 Einwohner. Die Mehrheit der Bevölkerung ist muslimisch. Bis zum Ersten Weltkrieg waren etwa 20 % der Bevölkerung Christen, davon etwa ein Drittel Armenier. 1895 fand auch hier ein Pogrom gegen diese Volksgruppe statt.[2] Als Birtha war Birecik bis 1977 Titularbistum der römisch-katholischen Kirche. In Birecik lebte bis zur Emigrationswelle in den 1980er Jahren eine der größeren jesidischen Gemeinschaften der Türkei.[3]

Festung von Birecik am Ufer des Euphrat

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer die Weiße Festung von Birecik (arab.: Qal’at ul-Baydha, türk.: Beyaz Kale) auf einem Kalkfelsen am Ostufer des Euphrats an einer Furt errichtete, ist nicht bekannt. Sie wurde unter den Römern (30 v. Chr. bis 395 n. Chr.), den Kreuzzüglern (hier auch Franken genannt, 1098 n. Chr. bis 1150 n. Chr.) und den Mamluken (1277 n. Chr. bis 1484 n. Chr.) insgesamt drei Mal erweitert.[4] Die als uneinnehmbar geltende Festung wurde durch mehrere Erdbeben stark beschädigt. Laut einer historischen Inschrift soll sie Anfang des 13. Jahrhunderts von az-Zahir Ghazi, dem Herrscher von Aleppo, erstmals renoviert worden sein. Als al-Bira war Birecik einer der drei Bezirke der Euphrat-Region im syrischen Grenzschutzsystem al-thughūr wa-l-'awāṣim gegen die türkischen Reiche. 1405 wurde Birecik von den Truppen des Qara Yoluq Osman Bey geplündert.

Grabungsschnitt in Hacınebi

Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

9 km von Birecik entfernt liegt als Teil des Südostanatolien-Projektes der Birecik-Stausee. An dessen Ostufer wurde die antike Stadt Apameia am Euphrat geflutet, gegenüber am Westufer die römisch-antike Stadt Zeugma.[5] Einige gerettete Exponate aus Zeugma sind heute in Birecik ausgestellt, die bekannten Mosaike, darunter das des Flussgottes Acheloos, sind im Zeugma-Mosaik-Museum in Gaziantep zu besichtigen. Im 4 km nördlich gelegenen Hügel Hacınebi (Hacınebi Höyüğü), in historischer Zeit ein Kreuzungspunkt zweier großer Handelsrouten, werden bei Ausgrabungen seit 1992 Zeugnisse in Siedlungsschichten gefunden, die bis zur Kupfersteinzeit zurückreichen. Die Arbeiten werden vom Archäologischen Museum Şanlıurfa und der Northwestern University, USA durchgeführt. Am 3 km südlich gelegenen Siedlungshügel Fıstıklı Höyük werden seit 1989 Ausgrabungen durchgeführt. Ebenfalls Siedlungsspuren bis zum Chalkolithikum wurden im 4 km südlich gelegenen Mezraa-Teleilat gefunden. Mit seinem reichen baulichen Erbe ist Birecik Mitglied der 1999 gegründeten European Association of Historic Towns and Regions (EAHTR),[6] die ihren Sitz in Norwich hat.

Waldrapp-Population[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lange Zeit lebte in Birecik die letzte bekannte freie Population des Waldrapp (Geronticus eremita, türkisch: Kelaynak, regional auch Keçelaynak) im Ost-Mittelmeer-Raum, bis im Jahre 2002 eine weitere kleine Population in Syrien entdeckt wurde.[7] Heute wird für die unter Artenschutz gestellten Ibis-Vögel eine Aufzucht- und Schutzstation betrieben. Das Waldrapp-Schutzgebiet stand 1984–1996 auf der Tentativliste als Welterbekandidat. Der Waldrapp taucht in der biblischen Geschichte der Arche Noah auf, in der er Noah nach dem Ende der Sintflut vom Berg Ararat talwärts zum oberen Euphrat führte, wo Noah mit seiner Familie sesshaft wurde. Aus diesem Grund wurde der Waldrapp in der Gegend von Birecik als heiliges Tier geschützt und mit jährlichen Festen verehrt.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Birecik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Türkische Institut für Statistik (TUIK). Abgerufen am 12. Januar 2019.
  2. Birejik. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Band 3: Austria – Bisectrix. London 1910, S. 979 (englisch, Volltext [Wikisource]).
  3. Gernot Wießner: „… in das tötende Licht einer fremden Welt gewandert“. In: Robin Schneider (Hrsg.): Die kurdischen Yezidi. Ein Volk auf dem Weg in den Untergang. Pogrom 110. Gesellschaft für Bedrohte Völker, Göttingen 1984. ISBN 3-922197-14-0; S. 31–46 yeziden-colloquium.de (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive; PDF)
  4. Festung von BİRECİK. (Memento vom 23. März 2013 im Internet Archive) Sanliurfa Kultur und Tourismus
  5. Birecik-Damm. Dartmouth Flood Observatory
  6. historic-towns.org
  7. Die Waldrapp-Kolonie am oberen Euphrat. In: Journal of Ornithology. 2005 (springerlink.com PDF; 873 kB).