Birgit Minichmayr

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Birgit Minichmayr beim Photocall zum Österreichischen Filmpreis 2019

Birgit Minichmayr (* 3. April 1977 in Linz) ist eine österreichische Schauspielerin und Musikerin. Seit 2000 wirkte sie in über 40 Film- und Fernsehproduktionen mit. Ihren Durchbruch als Filmschauspielerin hatte sie 2009 neben Lars Eidinger in Maren Ades Beziehungsdrama Alle anderen.[1][2] Neben diversen Filmengagements ist sie derzeit Mitglied des Ensembles des Wiener Burgtheaters.

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Minichmayr wuchs in Pasching bei Linz (Oberösterreich) mit zwei Brüdern auf einem Bauernhof auf. Ihr Vater hatte den Betrieb von den Großeltern übernommen und führte ihn bis zur Verpachtung im Jahr 1995 als Nebenerwerbsbetrieb. Er war seither primär im Versicherungsgeschäft tätig, während Minichmayrs Mutter als Homöopathin praktizierte.[3]

Birgit Minichmayr lebt in Wien. Sie ist mit einem Südtiroler Unternehmer verheiratet und wurde im Januar 2018 Mutter von Zwillingsmädchen.[4]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre und Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gespräch bei Bayern1[5]

Ursprüngliche Pläne, Operngesang zu studieren, gab Minichmayr aufgrund stimmlicher Probleme auf. Die Beschäftigung mit Gustaf Gründgens’ Darstellung von Goethes Faust im Deutschunterricht ließen in ihr den Plan reifen, Schauspielerin zu werden.[6]

Nach ihrer Matura wurde sie in Wien am Max-Reinhardt-Seminar zur Schauspielerin ausgebildet, unter anderem von Inge Konradi, Artak Grigorjan und Klaus Maria Brandauer[7], mit dem sie immer wieder zusammenarbeitet. Die Ausbildung im Seminar brach sie mit dem dritten Studienjahr ab, als sie an das Burgtheater in Wien engagiert wurde.[8] Dort debütierte sie 1999 als Dirne in Schnitzlers Drama Der Reigen. 2004 spielte Minichmayr als Gast bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen die Hauptrolle in Frank Castorfs Inszenierung Gier nach Gold, die in einer Koproduktion mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin entstand. Nach dieser Zusammenarbeit mit Castorf entschloss sie sich, nach Berlin an die Volksbühne zu gehen. Ab 2004 war sie dort Ensemblemitglied, bis sie 2007 ans Burgtheater zurückkehrte, wo ihre erste Rolle der Narr in König Lear war.[9] 2008 verkörperte sie an der Burg u. a. den Weibsteufel und Lady Macbeth. Von 2010 bis 2012 spielte sie bei den Salzburger Festspielen die Rolle der Buhlschaft an der Seite von Nicholas Ofczarek als Jedermann. Von Oktober 2011 bis 2016 war sie Ensemblemitglied des Residenztheaters in München, das Martin Kušej als Intendant leitete. Anschließend arbeitete sie freischaffend an den wichtigsten Theatern im deutschen Sprachraum. Mit der Übernahme der Intendanz durch Martin Kušej zur Spielzeit 2019/20 kehrte sie als festes Ensemblemitglied an das Wiener Burgtheater zurück.

Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Birgit Minichmayr bei Dreharbeiten zu Eine Liebe für den Frieden – Bertha von Suttner und Alfred Nobel mit Sebastian Koch 2014 in Wien

Birgit Minichmayr gab 2000 ihr Filmdebüt als Schauspielerin Barbara Brecht-Schall unter der Regie von Jan Schütte in dem biografischen Spielfilm Abschied. Brechts letzter Sommer. Im Juli 2001 war sie an der Seite von Harald Krassnitzer als Moritz Eisner im österreichischen Tatort Böses Blut in der Rolle der Barbara Mühlbacher in einer Episodenhauptrolle zu sehen. Bei der Berlinale 2001 wurde Minichmayr als einer der „Shooting Stars“ des europäischen Films präsentiert. In Hendrik Handloegtens Literaturverfilmung liegen lernen übernahm sie 2003 die Rolle der Tina. 2005 spielte sie in Tom Tykwers Film Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders, der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Patrick Süskind, die Mutter der Hauptfigur. 2008 übernahm sie an der Seite von Hannelore Elsner die Rolle ihrer Filmtochter Karolin Angermeier in Doris Dörries Filmdrama Kirschblüten – Hanami. 2009 gelang ihr der Durchbruch als Filmschauspielerin. Gemeinsam mit Lars Eidinger war sie in Maren Ades Film Alle anderen als ungleiches Liebespaar zu sehen, Minichmayr erhielt dafür den Darstellerpreis der 59. Berlinale.[10] Im gleichen Jahr spielte sie die Figur der Frieda in dem vielfach preisgekrönten Drama Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte von Michael Haneke.

Bei der Berlinale 2012 war sie Jurymitglied des Amnesty-International-Filmpreises[11] und war neben Jürgen Vogel in der Hauptrolle von Matthias Glasners Wettbewerbsfilm Gnade zu sehen.

In Das Labyrinth, dem vorletzten Film der Fernsehreihe Bloch, übernahm Minichmayr 2013 die Rolle der Andrea Bickert, die dem Psychotherapeuten Dr. Maximilian Bloch (Dieter Pfaff) eine Vergewaltigung unterstellt.[12] 2014 verkörperte sie in Urs Eggers Eine Liebe für den Frieden – Bertha von Suttner und Alfred Nobel die österreichische Pazifistin, Friedensforscherin und Schriftstellerin Bertha von Suttner.

Seit 2015 gehört Minichmayr neben Ronald Zehrfeld als Kommissarin Olga Illiescu zum Hauptcast der ZDF-Krimireihe Dengler. Ebenfalls 2015 wurde sie vom Zurich Film Festival in die Jury für die Wettbewerbskategorie Fokus Schweiz, Deutschland, Österreich berufen. Beim Locarno Festival 2017 war sie Mitglied der von Olivier Assayas geleiteten Jury für die Vergabe des Goldenen Leoparden. Am 7. März 2019 startete Kirschblüten & Dämonen, die Fortsetzung des Filmdramas Kirschblüten – Hanami aus dem Jahre 2008, in welchem sie erneut die Rolle der Karolin Angermeier spielte.

2021 wurde Minichmayr mit dem Hannelore-Elsner-Preis des Fünf Seen Filmfestivals ausgezeichnet.[13] Darüber hinaus erhielt sie Minichmayr für die Nebenrolle als Anna Bartok in dem Spielfilm Schachnovelle, der auf der gleichnamigen Novelle des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig basiert, eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis 2021 zuerkannt.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Minichmayr nahm 2008 mit Campino ein Duett auf. Der Titel Auflösen erschien im November 2008 auf dem Album In aller Stille der Toten Hosen. Unter der Regie von Wim Wenders entstand 2009 ein gemeinsames Musikvideo zum Song.[14] Zusammen mit Campino schrieb sie den Text des Liedes Tage wie diese, das die erste Singleauskoppelung aus dem Album Ballast der Republik war. 2021 legte sie mit As an Unperfect Actor ein Album mit Vertonungen von Shakespeare-Sonetten vor, die gemeinsam mit den Musikern von Quadro Nuevo und Bernd Lhotzky entstanden und von BR-Klassik als Jazzalbum des Monats ausgezeichnet wurde;[15] das Album wurde auch in der Rubrik „Grenzgänger“ in die Vierteljahresliste des Preis der deutschen Schallplattenkritik aufgenommen.[16] Es platzierte sie auf Platz 50 der österreichischen Albumcharts.[17]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinofilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehserien und -reihen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgtheater, Wien

Volksbühne, Berlin

Admiralspalast, Berlin

Deutsches Theater, Berlin

  • Das Pulverfass von Dejan Dukowski, 2008, Regie: Dimiter Gotscheff, Koproduktion mit der Spielzeit Europa

Theater Neumarkt, Zürich

Salzburger Festspiele

Residenztheater, München

Deutsches Schauspielhaus, Hamburg

Ruhrtriennale, Duisburg

Hörspiele und Feature[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[19]
As an Unperfect Actor
  AT 50 11.06.2021 (2 Wo.)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Birgit Minichmayr mit den beiden Auszeichnungen des Nestroy-Theaterpreises 2009

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Birgit Minichmayr – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ZEIT ONLINE | Birgit Minichmayr: Ich habe einen Traum - "Die erste Muttermilch noch einmal schmecken". 29. Juli 2009, abgerufen am 29. Juli 2009.
  2. Interview mit Birgit Minichmayr: „Wie ein Bild von M.C. Escher“. In: Frankfurter Neue Presse. 13. November 2017, abgerufen am 13. November 2017.
  3. Birgit Minichmayr im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar), abgerufen am 23. Oktober 2020.
  4. Birgit Minichmayr: "Die Testosteron-Männer werden aussterben", abgerufen am 24. Februar 2021.
  5. Gabi Fischer: Blaue Couch – Birgit Minichmayr, Schauspielerin. In: br.de. 25. März 2019, abgerufen am 9. Dezember 2019.
  6. Die Blau Couch beim Bayerischen Rundfunk, abgerufen am 23. Oktober 2020.
  7. Max-Reinhardt-Seminar: AbsolventInnen 1999 (Memento vom 8. Januar 2014 im Internet Archive)
  8. Wiener Zeitung: Birgit Minichmayr: „Ich bin nicht besessen vom Beruf“, 27. September 2013
  9. theaterkanal.de (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)
  10. Auszeichnungen der Berlinale 2009, abgerufen am 29. April 2017
  11. Berlinale: Amnesty-Filmpreis für Just the Wind. Amnesty.de vom 18. Februar 2012, abgerufen am 12. September 2013.
  12. Katharina Riehl: Traurig, trotzdem optimistisch. In: Süddeutsche Zeitung. 13. März 2013, abgerufen am 13. März 2013.
  13. a b Hannelore-Elsner-Preis geht an Birgit Minichmayr. In: ORF.at. 23. Juli 2021, abgerufen am 23. Juli 2021.
  14. Die Toten Hosen – Auflösen (Musikvideo 2009) auf crew united.
  15. Beate Sampson: Jazzalbum des Monats Juni: "As an unperfect actor". BR, 8. Juni 2021, abgerufen am 2. August 2021.
  16. Vierteljahresliste 3/2021 beim Preis der deutschen Schallplattenkritik
  17. Birgit Minichmayr in den österreichischen Charts
  18. wien.orf.at
  19. Birgit Minichmayr in den österreichischen Charts
  20. orf.at: Gerti Drassl erhält Wiener Schauspielerring. Artikel vom 30. Oktober 2018, abgerufen am 30. Oktober 2018.
  21. Marlies Matejka als Österreicherin des Jahres 2015 ausgezeichnet. Artikel vom 24. Oktober 2015, abgerufen am 24. Oktober 2015.
  22. Birgit Minichmayr: Ehrung für die Lust am Exzess. Artikel vom 4. April 2018, abgerufen am 8. März 2020.
  23. orf.at: Diagonale: Schauspielpreis für Birgit Minichmayr. Artikel vom 13. Februar 2019, abgerufen am 13. Februar 2019.