Birngrün

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Birngrün
Birngrün (Orthilia secunda)

Birngrün (Orthilia secunda)

Systematik
Asteriden
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Heidekrautgewächse (Ericaceae)
Unterfamilie: Monotropoideae
Gattung: Birngrün (Orthilia)
Art: Birngrün
Wissenschaftlicher Name
Orthilia secunda
(L.) House

Das Birngrün (Orthilia secunda), auch Nickendes Wintergrün oder Einseitswendiges Wintergrün genannt, ist die einzige Art der monotypischen Pflanzengattung Orthilia in der Unterfamilie der Wintergrün- und Fichtenspargelgewächse (Monotropoideae) innerhalb der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Sie ist auf der Nordhalbkugel weitverbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration
Habitus, Laubblätter und Blütenstand
Blütenstand mit gestielten Blüten im Detail
Fruchtstand kurz nach der Anthese

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Birngrün ist eine immergrüne, ausdauernde, verholzte Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 7 bis 15, selten bis zu 25 Zentimetern. Die bildet durch ein verzweigtes Rhizom meist einen klonal-truppweise wachsenden Bestand aus.

Die Laubblätter sind unten nicht - wie bei den Pyrola-Arten - rosettig angeordnet, sondern entfernt stehend. Die einfachen Blattspreiten sind lanzettlich bis eiförmig mit zugespitztem oberen Ende, schwach gesägtem Blattrand und heller grün. Damit erinnern sie etwas an die Laubblätter von Birnbäumen, daher der deutschsprachige Trivialname Birngrün.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Viele zunächst nickende Blüten stehen in einem einseitswendigen, traubigen Blütenstand zusammen. Die zwittrigen, glockenförmigen bis halbkugeligen Blüten sind grünlich-weiß. Die Griffel sind länger als die Fruchtknoten und ragen deutlich aus den Blütenkronen hervor.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 38.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie alle Wintergrüngewächse lebt Orthilia secunda in Symbiose mit einem Wurzelpilz (Mykorrhiza). Dieser umgibt die Wurzeln mit einem dichten Mycelmantel und versorgt die Pflanze mit Wasser und Mineralsalzen, während der Pilz Kohlenhydrate erhält. Auch für die Keimlingsentwicklung scheint die Mykorrhiza von entscheidender Bedeutung zu sein.

Bei Birngrün erfolgt Insektenbestäubung.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orthilia secunda ist auf der Nordhalbkugel weitverbreitet, und ihr Verbreitungsgebiet reicht bis Mexiko sowie Guatemala. Sie ist ein nordisch-eurasisch-kontinentales Florenelement.

Für Europa verläuft die Westgrenze ihres Areals in Deutschland. Birngrün fehlt weitgehend im nordwestdeutschen Tiefland; das nordostdeutsche Tiefland wird sporadisch besiedelt. Im Süden Mitteleuropas konzentrieren sich die Vorkommen mehr auf Gebirgsregionen (in Österreich bis in Höhenlagen von 2300 m). Durch anthropogene Landschaftsveränderungen, vor allem wohl durch die flächenhafte Eutrophierung über den Luftweg, aber auch durch forstwirtschaftliche Maßnahmen, sind die Bestände des Birngrüns stark zurückgegangen. Der übermäßige Nährstoffeintrag bewirkt eine Sukzession der Pflanzengesellschaften. Die für Orthilia und andere Wintergrüngewächse besonders typischen Flechten- und Hagermoos-Kiefernwälder wandeln sich dabei in Drahtschmielen-Kiefernwälder um. Von der sich ausbreitenden Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa), einem Waldgras, werden die Pyrolaceen offenbar allmählich verdrängt. Später stellen sich weitere nährstoffzeigende Arten ein. In den Allgäuer Alpen steigt das Birngrün nur am Südhang der Schlicke im Tiroler Teil bis zu einer Höhenlage von 1950 Meter auf[2].

Das Birngrün wächst in Mitteleuropa in moos- und flechtenreichen Fichten-, Tannen- und Kiefernforsten, in Hainsimsen-Buchenwäldern und in Buchen-Eichenwäldern, in Lehmgruben und in Steinbrüchen. Es gedeiht am besten auf mäßig trockenen bis frischen, nährstoffarmen, bodensauren bis basenreichen, modrig-humosen Sand- und Lehmböden und schattigen Standorten. Eine Vergesellschaftung mit anderen, allerdings teilweise noch selteneren Wintergrüngewächsen, beispielsweise dem Grünblütigen Wintergrün (Pyrola chlorantha), dem Moosauge (Moneses uniflora), dem Dolden-Winterlieb (Chimaphila umbellata) oder auch mit dem Fichtenspargel (Monotropa hypopitys), kann beobachtet werden. Das Birngrün kommt in Mitteleuropa vor allem im Pyrolo-Pinetum und in Piceieon-Pflanzengesellschaften vor.[1]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Pyrola secunda L. durch Carl von Linné. Die Neukombination zu Orthilia secunda (L.) House wurde 1921 durch Homer Doliver House veröffentlicht. Ein weiteres Synonyme für Orthilia secunda (L.) House ist Ramischia secunda (L.) Garcke

Orthilia secunda ist die einzige Art der monotypischen Pflanzengattung Orthilia in der Unterfamilie der Wintergrün- und Fichtenspargelgewächse (Monotropoideae) innerhalb der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Ellenberg: Zeigerwerte der Gefäßpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Goltze, Göttingen 1979, ISBN 3-88452-518-2 (Scripta Geobotanica 9)
  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Werner Rothmaler (Begr.), Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel: Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD, Band 2. Gefäßpflanzen. 12. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1984.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 726.
  2. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004, ISBN 3-930167-61-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Birngrün (Orthilia secunda) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien