Birsig

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Birsig
Beginn der Eindolung des Birsig in der Nähe des Zoologischen Gartens

Beginn der Eindolung des Birsig in der Nähe des Zoologischen Gartens

Daten
Gewässerkennzahl FRA01-0200, CH: 444
Lage Frankreich

Schweiz

Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Quelle Quellbach aus Burg auf dem Gemeindegebiet von Burg im Leimental und in Frankreich in Wolschwiller
47° 26′ 57″ N, 7° 25′ 44″ O
Quellhöhe 614 m[1]
Mündung in Basel bei der Schifflände
in den RheinKoordinaten: 47° 33′ 37″ N, 7° 35′ 17″ O; CH1903: 611252 / 267735
47° 33′ 37″ N, 7° 35′ 17″ O
Mündungshöhe 245 m[1]
Höhenunterschied 369 m
Sohlgefälle 17 ‰
Länge 22 km[1]
Einzugsgebiet 84 km²[2]
Abfluss am Pegel Binningen[3]
AEo: 74,5 km²
NNQ (1987)
MNQ 1979–2018
MQ 1979–2018
Mq 1979–2018
MHQ 1979–2018
HHQ (1999)
2 l/s
410 l/s
830 l/s
11,1 l/(s km²)
1,37 m³/s
39,2 m³/s

Der Birsig (französisch la Birsig) ist ein etwa 20 km langer linker Nebenfluss des Rheins, in den er mitten in der Stadt Basel mündet. Sein Einzugsgebiet ist etwas über 80 km² gross. Der Oberlauf des Birsigs fliesst abwechselnd auf französischem und auf schweizerischem Gebiet. Sein Tal heißt zunächst Leimental. Birsigtal wird es erst im Unterlauf genannt. Es gehört grossteils zum Sundgauischen Hügelland.

Die Bezeichnung Birsig ist vordeutsch; man geht aus von einem keltischen Bersikos. Der Flussname Birsig steht in Zusammenhang mit dem Namen der nahen Birs. Dieser gilt als alteuropäisch mit der Bedeutung die Schnelle. Birsig kann man verstehen als Nebenfluss der Birs oder kleine Birs.

Flussverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Oberlauf des Birsigs hat eine toponomastisch komplizierte Geschichte, es waren (z. T. untereinander) wechselnde Bezeichnungen geläufig. Deshalb wird heute aus historischen Gründen von zwei Quellbächen gesprochen, die beide demselben Höhenzug (dem Remel) entspringen. Aus hydrologischer Sicht ist – nach heutiger Namensgebung – der Birsig der höher entspringende, längere und wasserreichere Zufluss des Boersegrabens. Zweiterer ist hingegen aufgrund seines Wasserlaufs als Hauptfluss anzusehen, was auch die Namensgebung vor 1800 widerspiegelt hatte. Vergleichbare Verhältnisse bestehen in grösseren Dimensionen etwa bei der Mündung der wasserreicheren Nebenflüsse Aare resp. Inn in den Rhein resp. Donau.

Westlicher Quellbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein westlicher Quellbach entspringt nordwestlich des Remels bei Wolschwiller (deutsch Wolschweiler) im französischen Elsass. Seine Quelle auf dem Gebiet Gruenaecker im Oberfeld südlich des Dorfs auf 470 m Höhe wurde schon früh eingefasst und ist in Güterverzeichnissen aus dem 15. und 16. Jahrhundert als Birsigbrunnen überliefert. Noch früher ist der Name Birsig für diesen Bacharm bezeugt (erstmals 1386).

Von der Quelle fliesst das Flüsslein ausserhalb des Dorfs durch das Landgebiet der Gemeinde Biederthal, u. a. durch eine Boersenmatt genannte Flur. Frühere Bezeichnungen dieses Gebiets lauteten Birsimatt oder Bersimatt, die Nutzung des Bachs als Wassergraben führte wohl zur Namensvariante Birsiggraben und später – vermutlich durch die französisch gefärbte Aussprache der lokalen Bevölkerung (e als /ə/ in "Bersegraben") – zur 1876 erstmals belegten Variante Boersegraben.

Die französische Neuprägung hatte sich vermutlich bereits um 1800 verbreitet; sie ist heute die amtliche Bezeichnung des gesamten Oberlaufs bis zur Schweizer Grenze.

Östlicher Quellbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zweite Bacharm entspringt am Nordhang des Remels am Fuss des Galgenfels in der Gemeinde Burg (Kanton Basel-Landschaft) auf 650 m Höhe. Er durchfliesst die Burgtaler Klus und wechselt nördlich des Dorfs die Grenze nach Frankreich. Dort nimmt er den Fichtenraingraben aus der Biederthaler Schlucht auf, fliesst durch Biederthal und zweigt am Dorfausgang westwärts zum Boersegraben ab.

Der Burgtaler Bacharm wurde seit jeher einfach Bach genannt. Erst Ende des 18. Jahrhunderts finden sich erste Nachweise des Namens Birsig, womöglich parallel zur Verballhornung des elsässischen Bacharms.[4] Da im 18. und 19. Jahrhundert auf offiziellen Plänen jegliche Bezeichnung fehlt, ist die heutige amtliche Benennung in beiden Ländern erst spätestens im 20. Jahrhundert erfolgt.

Mittel- und Unterlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Quellbäche vereinigen sich an der Landesgrenze zwischen dem französischen Biederthal und dem schweizerischen Rodersdorf bei Punkt 375. Es steht fest, dass von da an die Bezeichnung Birsig gilt; so steht es auch auf den schweizerischen und französischen Landkarten. Die weiteren späteren Zuflüsse sind der Strängenbach am Dorfausgang von Rodersdorf, der Liebenswillerbach (von Liebenswiller), der Binnbach (von Flüh) und der Marchbach (von Witterswil). Seit einer 1677 gebauten Umleitung mündet der Dorenbach (vom Allschwiler Wald) als letzter Zufluss in den Birsig.

Schliesslich mündet der Birsig in der Stadt Basel bei der Schifflände auf 244 m Höhe in den Rhein. Er ist der oberste Nebenfluss des Oberrheins, welcher kurz davor bei der Mittleren Brücke beginnt, und neben der Wiese einer von zwei Oberrhein-Nebenflüsse auf Schweizer Gebiet.

Geschichte und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Birsig unterirdisch verlegt
Beginn der ersten eingedolten Sektion beim Binninger Schloss
Noch offener Birsig um 1870 mit Pfluggassbrücke. Eingedolt ab 1899 wurde er zur Falknerstrasse

In den stadtnahen Gemeinden Oberwil, Bottmingen und Binningen fliesst der Birsig offen, jedoch begradigt und verbaut. Im Gebiet der Stadt Basel fliesst er zuerst durch den Zoologischen Garten und durch das Nachtigallenwäldchen. In der Innenstadt und Altstadt ist er heute überdeckt. Weitere überdeckte Abschnitte befinden sich beim Zoo und in der Gemeinde Binningen.

Früher waren die Häuserzeilen direkt an den Flusslauf gebaut und zahlreiche Brücken und Gewölbe überspannten ihn. Er nahm die Abwässer und Fäkalien der Abtritte der anstossenden Häuser sowie Einleitungen aus den umliegenden Quartieren auf. Diverse Schlachtereien entsorgten ebenfalls ihre Schlachtabfälle über den Birsig. Die im 19. Jahrhundert auch in Basel wütenden Cholera- und Typhusepidemien wurden nicht durch die unsauberen Gewässer ausgelöst, sie begünstigten jedoch deren Verbreitung.

Seit dem Mittelalter bildet der Rümelinbach als künstlich angelegter Gewerbekanal einen Seitenarm des Birsig. Heute speist sein Wasser die Bächlein und Teiche im Zoologischen Garten.

Für die Weiherschlösser in Benken (nicht mehr existent)[5], Bottmingen und Binningen wurde das Weiherwasser aus dem Birsig abgeleitet.

Brücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch Liste von Brückenbauten in Basel

Über den Birsig verlaufen im französischen Mündungsgebiet mehrere kleine Stege; die oberste so genannte „Birsigbrücke“ befindet sich in Rodersdorf auf 360 m entlang der Oltingerstrasse, weiter unten folgen in Biel-Benken, Oberwil, Bottmingen und Binningen weitere Strassenbrücken und Stege. Die bedeutendsten drei Brücken stehen im Stadtgebiet von Basel: das Dorenbachviadukt, das Birsigviadukt und das Heuwaage-Viadukt. Zahlreiche weitere Stege und Brücken in der Innenstadt wurden bereits im Mittelalter abgebrochen oder spätestens bei der Eindolung im 20. Jahrhundert in die Bausubstanz des unterirdischen Flusstunnels integriert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eduard Golder: Der Birsig und seine Nebengewässer. Baudepartement Basel 1995.
  • Paul Koelner: Der Birsig in Basels Geschichte und Stadtbild. Basel 1930.
  • Eugen A. Meier: Basel einst und jetzt (S. 46/47). Basel 1993.
  • Baselbieter Heimatblätter: 2018 Nr. 1 (betr. Birsig S. 28–31)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Birsig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung (Hinweise)
  2. Einzugsgebiet. In: Topographische Einzugsgebiete der Schweizer Gewässer: Teileinzugsgebiete 2km2. Abgerufen am 30. Mai 2019.
  3. Birsig. (PDF) Stelle 4311: monatliche Stichproben. In: Kanton Basel-Landschaft Tiefbauamt, Geschäftsbereich Wasserbau. Abgerufen am 30. Mai 2019.
  4. Rudolf Samuel Henzi: Promenade pittoresque dans l'évêché de Bâle aux bords de la Birs, de la Sorne et de la Suze. T. B. Groebe, Amsterdam 1798.
  5. Anita Springer: Weiherhaus und Mühle – Das verschwundene Schloss von Benken. Archäologie Baselland, 8. Juni 2013, abgerufen am 19. Oktober 2021.