Bismarck-Archipel

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Bismarck-Archipel
Karte des Bismarck-Archipels
Karte des Bismarck-Archipels
Gewässer Pazifischer Ozean
Geographische Lage 4° 0′ S, 149° 45′ OKoordinaten: 4° 0′ S, 149° 45′ O
Bismarck-Archipel (Papua-Neuguinea)
Bismarck-Archipel
Anzahl der Inseln 200
Hauptinsel Neubritannien
Gesamte Landfläche 49.658 km²
Einwohner 472.163

Der Bismarck-Archipel (bis 1884: Neubritannien-Archipel oder New Britain Archipelago) liegt im westlichen Pazifik und gehört heute zum Staat Papua-Neuguinea.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Archipel besteht aus mehr als 200 Inseln, die kulturell Melanesien zugeordnet sind. Die Gesamtfläche beträgt 49.658 km².[1] Die wichtigsten Inseln des Archipels sind:

Papua new guinea east new britain province.png Flag of East New Britain.svg East New Britain Province 15.320 km²
Neubritannien (zwischen 1885 und 1918: Neu-Pommern), Hauptinsel mit der nordöstlich angrenzenden Gazelle-Halbinsel
Duke-of-York-Inseln (zwischen 1885 und 1918: Neu-Lauenburg)
Papua new guinea manus province.png Flag of Manus.svg Manus Province 2.102 km²
Manus, Hauptinsel
Admiralitäts-Inseln mit Baluan, Purdy-Inseln, Rambutyo
Region Westliche Inseln: u. a. Eremiteninseln, Wuvulu
Papua new guinea new ireland province.png Flag of New Ireland.svg New Ireland Province 9.600 km²
Neuirland (zwischen 1885 und 1918: Neu-Mecklenburg), Hauptinsel
Lavongai (früher auch Neu-Hannover oder New Hanover)
Feni-Inseln
Lihir-Inseln
St.-Matthias-Inseln
Tabar-Inseln
Tanga-Inseln
Papua new guinea west new britain province.png Flag of West New Britain.svg West New Britain Province 20.487 km²
Vitu-Inseln

Topografie und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Archipel erstreckt sich zwischen 2° und 6°30′ südlicher Breite und 148° und 155° östlicher Länge. Er umfasst eine Gesamtfläche von ca. 49.500 km². Die Landmassen sind teils vulkanischen, teils korallogenen Ursprungs und weisen Erhebungen bis zu 1200 Metern auf. Die Hauptinseln liegen halbkreisförmig im Nordosten Neuguineas, von dem sie durch die etwa 90 Kilometer breite Dampierstraße abgetrennt sind. Zwischen Neubritannien und Neuirland verläuft von Südost nach Nordwest der St.-Georgs-Kanal, an dessen Ausgang westlich die Bismarcksee grenzt.

Die Fauna ist mit derjenigen Neuguineas verwandt. Zusätzlich kommen die Bismarck-Ringpython (Bothrochilus boa) und die Finsch-Fruchttaube vor, die ausschließlich im Bismarck-Archipel beheimatet sind.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Europäische Entdeckung und frühe Kontakte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte aus dem Deutschen Koloniallexikon von 1920: die deutschen Besitzungen (1885–1918) im Stillen Ozean
Hochseetüchtiges Schiff aus Luf, um 1890 (Ethnologisches Museum, Berlin-Dahlem)
Tatanua-Maske aus Neuirland

Von europäischer Seite wurden Inseln des Archipels bereits im Jahr 1616 von den niederländischen Seefahrern Jakob Le Maire und Willem Schouten gesichtet. Die heutigen Namen „Neubritannien“, „Neuirland“, „Neu-Hannover“ und „Duke-of-York-Inseln“ gehen auf einen späteren Besuch des englischen Freibeuters und Entdeckers William Dampier mit HMS Roebuck um 1700 zurück.

Zur Jahresmitte 1791 fuhr der britische Kapitän John Hunter mit der niederländischen Waaksamheyd die Duke-of-York-Gruppe an. Er vermaß den Naturhafen im äußersten Norden. Im folgenden Jahrzehnt wurde der so benannte „Hunterhafen“ häufiger von Walfangschiffen aus den Vereinigten Staaten und Hawaii besucht. Zur Verproviantierung trieb man hier Tauschhandel mit den Einheimischen. Ab 1830 fanden solche Geschäfte auch vor anderen Küsten entlang des St. Georgskanals statt.[2] Spätestens um 1870 gab es im Hunterhafen einen ersten niedergelassenen Europäer, der die indigene Oberschicht bei den Tauschgeschäften vertrat.[3] Vorangetrieben wurden solche Entwicklungen auch durch eine Gruppe Deserteure aus Sydney (Strafgefangenenkolonie Neusüdwales, Australien), die um 1840 an der Südwestspitze Neuirlands siedelte und ebenfalls Naturprodukte an vorbeikommende Schiffe verkaufte.[4]

In der zweiten Jahreshälfte 1875 gründete der englische Reverend George Brown eine erste Missionsstation auf der Duke-of-York-Insel. Er und eine Gruppe Missionslehrer von Fidschi und Tonga leiteten von dort aus die Christianisierung der Gazelle-Halbinsel ein.[5] Etwa gleichzeitig errichtete der spätere Hamburger Kaufmann Eduard Hernsheim eine Niederlassung im Hunterhafen. Hernsheims Agent J. T. Blohm eröffnete anschließend das ambulante Tauschgeschäft an den Nordstränden der Gazelle-Halbinsel und in der südöstlich gelegenen Blanchebucht.[6] Bereits im April 1873 hatte das Handelshaus Joh. Ces. Godeffroy & Sohn versucht, in beiden Gegenden stationäre Handelsbeziehungen zu den Einheimischen anzuknüpfen, was aber fehlgeschlagen war.[7]

In den frühen 1880er Jahren etablierten sich als wichtigste Vertreter des europäischen Handels die Firma Hernsheim & Co mit Hauptniederlassungen in der Blanchebucht (Matupi) und auf Neuirland (Nusa und Kapsu), sowie als Nachfolgerin von Joh. Ces. Godeffroy & Sohn die Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft der Südsee-Inseln zu Hamburg (DHPG) auf der Duke-of-York-Gruppe („Mioko-Agentur“) und der nördlichen Gazelle-Halbinsel (Station Weberhafen). Ab 1882/83 nutzte die DHPG den Archipel auch zur Zwangsrekrutierung von Arbeitskräften für ihre Plantagen auf Samoa.[8] Ferner vertreten war das australisch-neuseeländische Unternehmen Farrell & Co (ab 1888/89 E.E. Forsayth), das seit November 1882 im Bezirk Birara (Gazelle-Halbinsel) systematisch Plantagenbau betrieb.

Deutsches Schutzgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer „Erwerbung“ der Häfen von Mioko und Makada (Duke-of-York-Inseln) durch Korvettenkapitän Bartholomäus von Werner im Dezember 1878 bildete der Neubritannienarchipel den Ausgangspunkt für die Besitzergreifung des späteren Kaiser-Wilhelms-Lands durch das Deutsche Reich. Mit Flaggenhissungen auf Matupi und Mioko am 3. und 4. November 1884 wurde der Archipel zum deutschen Schutzgebiet erklärt. Auf Anregung Kommissar Gustav von Oertzens erfolgte im September 1885 eine Umbenennung in „Bismarck-Archipel“. Verwaltungstechnisch bildete der Archipel zunächst den „östlichen Jurisdiktionsbezirk“ des Schutzgebiets der Neuguinea-Kompagnie, welcher die Hoheitsrechte und die Verwaltungsaufgaben übertragen worden waren. Wegen der problematischen Entwicklung des Schutzgebiets wurde zwischen Mai 1889 und September 1892 die Verwaltung probeweise von Reichsbeamten versehen, während die Hoheitsrechte bei der Neuguinea-Kompagnie verblieben. Im April 1895 gingen Verwaltung und Hoheitsrechte permanent an das Deutsche Reich über.[9] Administrativer Hauptsitz seit der Besitzergreifung waren, teilweise gleichzeitig, die Inseln Kerawara (1886–1890) und Matupi (1886–87, 1888–89).[10] 1890 wurde Herbertshöhe endgültiger Verwaltungssitz, dies auch über die Eingliederung des Bismarckarchipels in das kaiserliche Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea im Jahr 1899 hinaus.

Erster Weltkrieg und jüngste Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Im Ersten Weltkrieg leisteten die wenigen Deutschen im Bismarck-Archipel nur kurzzeitigen Widerstand. Im Gegensatz zu den größeren afrikanischen Kolonien Deutschlands bestand in der Südsee keine Schutztruppe, sondern lediglich eine einheimische melanesische Polizei. Höhepunkt der Kämpfe war die Besetzung der Funkstation Bita Paka bei Rabaul durch australische Einheiten im September 1914.[11][12] Die deutsche Besatzung kapitulierte am 17. September 1914 vor einer australisch-französischen Flotte. Am 21. September 1914 erfolgte die Übergabe von Herbertshöhe.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Im Jahr 1899 wurde die melanesische Bevölkerung des Archipels auf 180.000–200.000 Einwohner geschätzt. Heute leben im Gebiet etwa 470.000 Menschen.[13]

Handel und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die landesübliche Währung war um 1900 noch Diwarra, das Muschelgeld. Man führte die Naturprodukte Kopra, Baumwolle, Trepang, Perlmutter und Schildpatt aus. Der Wert betrug 1896/97 etwa 700.000 Mark.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • George Brown: Pioneer-Missionary and Explorer: a narrative of forty-eight years’ residence and travel in Samoa, New Britain, New Ireland, New Guinea, and the Solomon Islands. London: Hodder & Stoughton, 1908.
  • Kleiner Deutscher Kolonialatlas, in 3. Auflage hrsg. von der Deutschen Kolonialgesellschaft im Verlag Dietrich Reimer (Ernst Vohsen), Berlin 1899, mit Bemerkungen zu den Karten (Beschreibung der Kolonialgebiete). Ausgabe 2002 der Verlagsgruppe Weltbild GmbH in Augsburg, ISBN 3-8289-0526-9.
  • Richard Parkinson: Dreißig Jahre in der Südsee: Land und Leute, Sitten und Gebräuche im Bismarckarchipel und auf den deutschen Salomoninseln. Strecker & Schröder, Stuttgart 1907.
  • derselbe: Im Bismarck-Archipel: Erlebnisse und Beobachtungen auf der Insel Neu-Pommern (Neu-Britannien). Brockhaus, Leipzig 1887.
  • Wilfred Powell: Wanderings in a Wild Country; or, three years amongst the cannibals of New Britain. Low, Marston, Searle & Rivington, London 1883.
  • Carl Ribbe: Unter dem südlichen Kreuz: Reisebilder aus Melanesien. Deutsche Buchwerkstätten, Dresden 1924.

Sekundärwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld: Biographie in zwei Bänden. MV-Wissenschaft, Münster 2012.
  • Stewart Firth: German Recruitment and Employment of Labourers in the Western Pacific before the First World War. [Mikrofilm.] University of Sydney [1973].
  • Deutsches Kolonial-Lexikon. Band 1. 1920, S. 213 ff.
  • Karlheinz Graudenz, Hanns-Michael Schindler: Die deutschen Kolonien. Weltbildverlag, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-701-9.
  • Alastair C. Gray: „Trading Contacts in the Bismarck Archipelago during the Whaling Era, 1799–1884“. Journal of Pacific History, Bd. 34 (1999), S. 23–43.
  • Liane Werner: Geschichte des deutschen Kolonialgebietes in Melanesien. (Diplomarbeit, verfilmt und veröffentlicht vom Pacific Manuscripts Bureau, Canberra, PMB 514). [Humboldt-Universität, Berlin 1965.]
  • Arthur Wichmann: Nova Guinea: Vol. II. Entdeckungsgeschichte von Neu-Guinea 1828–1885. Buchhandlung und Druckerei E. J. Brill, Leiden 1910.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bismarck Archipelago. In: Microsoft Encarta online.
  2. Vgl. die Auswertung noch erhaltener Logbücher amerikanischer Walfänger in Alastair C. Gray: „Trading Contacts in the Bismarck Archipelago during the Whaling Era, 1799–1884“. In: Journal of Pacific History, Bd. 34 (1999), S. 23–43.
  3. George Brown: Pioneer-Missionary and Explorer: a narrative of forty-eight years’ residence and travel in Samoa, New Britain, New Ireland, New Guinea, and the Solomon Islands. London: Hodder & Stoughton, 1908, S. 97.
  4. Clive Moore: New Guinea: Crossing Boundaries and History. University of Hawaii Press, Honolulu 2003, S. 160 (passim).
  5. Siehe George Brown: Pioneer-Missionary and Explorer: a narrative of forty-eight years’ residence and travel in Samoa, New Britain, New Ireland, New Guinea, and the Solomon Islands. London: Hodder & Stoughton, 1908, das dazu einen autobiographischen Bericht liefert.
  6. Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld: Biographie in zwei Bänden. MV-Wissenschaft, Münster 2012, Bd. 1, S. 144–46.
  7. Vgl. Richard Parkinson: Dreißig Jahre in der Südsee: Land und Leute, Sitten und Gebräuche im Bismarckarchipel und auf den deutschen Salomoninseln. Strecker & Schröder, Stuttgart 1907, S. 850, und Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld: Biographie in zwei Bänden. MV-Wissenschaft, Münster 2012, Bd. 1, S. 135 f.
  8. Vgl. Stewart Firth: German Recruitment and Employment of Labourers in the Western Pacific before the First World War. [Mikrofilm.] University of Sydney, Sydney [1973], S. 24 ff.
  9. Horst Gründer: Geschichte der deutschen Kolonien (6., überarbeitete und erweiterte Auflage), Schöningh, Paderborn 2012, S. 102.
  10. Matupi war in den angegebenen Zeiträumen Wohn- und Dienstsitz des Richters für den Bismarckarchipel, vgl. Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld: Biographie in zwei Bänden. MV-Wissenschaft, Münster 2012, Bd. 2, S. 348, 353, 355 und S. 549, Anm. Nr. 172.
  11. Reinhard Klein-Arendt: „Kamina ruft Nauen!“ – Die Funktstellen in den deutschen Kolonien 1904–1918. Köln: Wilhelm Herbst Verlag, 1995, ISBN 3-923925-58-1.
  12. Battle of Bita Paka (engl.)
  13. Population of Bismarck Archipelago. Wolfram Alpha