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Bismarck (Schiff, 1939)

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Bismarck
Bundesarchiv Bild 193-04-1-26, Schlachtschiff Bismarck.jpg
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Schiffstyp Schlachtschiff
Klasse Bismarck-Klasse
Bauwerft Blohm & Voss, Hamburg
Baunummer 509
Baukosten 196,8 Mio. ℛℳ
Kiellegung 1. Juli 1936
Stapellauf 14. Februar 1939
Verbleib Am 27. Mai 1941 gesunkenKoordinaten: 48° 10′ 0″ N, 16° 12′ 0″ W
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
250,5 m (Lüa)
241,5 m (KWL)
Breite 36,0 m
Tiefgang max. 9,9 m
Verdrängung Standard: 41.700 tn.l.
Konstruktion: 45.950 t
maximal: 53.500 t
 
Besatzung 2.092 Mann Stamm
128 Mann Flottenstab
Maschinenanlage
Maschine 12 Dampfkessel
3 Satz Dampfturbinen
Maschinen-
leistung
150.170 PS (110.450 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
30,6 kn (57 km/h)
Bewaffnung
Panzerung
  • Gürtel: 170–320 mm
  • Zitadelle: 120–145 mm
  • Panzerdeck: 80–120 mm
  • Oberdeck: 50–80 mm
  • Panzerquerschotte: 45–220 mm
  • Torpedoschotte: 45 mm
  • schwere Artillerie:
    Türme: 360 mm
    Barbetten: 220–340 mm
  • Mittelartillerie:
    Türme: 100 mm
    Barbetten: 100 mm
  • vorderer Kommandoturm: 350 mm
  • achterer Kommandoturm: 150 mm

Die Bismarck war ein Schlachtschiff der deutschen Kriegsmarine und bildete mit ihrem Schwesterschiff Tirpitz die Bismarck-Klasse. Bei der Indienststellung im August 1940 unter dem Kommando von Kapitän zur See Ernst Lindemann galt sie als das weltweit größte und kampfstärkste Schlachtschiff.

Im Mai 1941 wurde die Bismarck zusammen mit dem Schweren Kreuzer Prinz Eugen in den Nordatlantik geschickt, um dort Handelskrieg zu führen. Bald nach dem Beginn dieser Mission gelang ihr in der Dänemarkstraße die Versenkung des britischen Schlachtkreuzers Hood. Drei Tage darauf sank sie selbst nach einem schweren Gefecht gegen Einheiten der britischen Royal Navy mit dem Großteil ihrer Besatzung im Nordatlantik.

Die Bismarck zählt heute zu den bekanntesten Schiffen der deutschen Kriegsmarine und ist daher Objekt zahlreicher literarischer Werke, fachwissenschaftlicher und technischer Untersuchungen sowie Modelldarstellungen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Versailler Vertrag gestattete dem Deutschen Reich nur Kriegsschiffneubauten von maximal 10.000 Tonnen. Erst mit der Aufkündigung des Vertrages durch die Nationalsozialisten am 16. März 1935 und der nachträglichen Legitimation mit dem deutsch-britischen Flottenabkommens vom 18. Juni 1935 war es Deutschland offiziell erlaubt, Schlachtschiffe mit einer Standardverdrängung von über 10.000 tn.l. (long ton zu 1.016 kg) zu bauen. Zu diesem Zeitpunkt galt Frankreich als der wahrscheinlichste Gegner in einem Seekrieg. Der Entwurf orientierte sich daher am damals modernsten französischen Schlachtschiff Dunkerque. Insbesondere Geschwindigkeit und Panzerschutz waren von großer Bedeutung.

Zeichnungen der Bismarck
360°-Ansicht

Die Bismarck (Auf Anordnung von Kapitän Ernst Lindemann war an Bord des Bismarck stets der männliche Artikel zu verwenden.[1] Diese Schreibweise ist heute unüblich, in diesem Artikel wird die weibliche Form verwendet.) war für den Einsatz im Nordatlantik, dessen wechselnde Sichtweiten oft nur mittlere Gefechtsentfernungen erlaubten, besonders geeignet. Wegen des relativ breiten Schiffskörpers und präziser Entfernungsmesser erreichte seine schwere Artillerie auch bei schlechtem Wetter schnell eine hohe Zielgenauigkeit. Es wurde angestrebt, bereits mit der ersten Salve zu treffen. Der Panzerschutz konzentrierte sich auf die Hauptgeschütztürme, den Kommandoturm und die Seiten des Schiffs im Bereich der Wasserlinie. Der Horizontalschutz gegen Steilfeuer von oben und Fliegerbomben war dagegen eine erhebliche Schwachstelle.[2] Zudem war die Flugabwehr unzureichend. Bei der schweren 10,5-cm-Flak gab es zwei unterschiedliche Doppellafetten, C 31 vorn und C 37 achtern. Das Koordinationssystem der C-37-Lafette war bei der Planung der Feuerleitgeräte vergessen worden. Das führte dazu, dass die vordere schwere Flak auf Lafette C 31 zielgenau war, während die hintere schwere Flak auf Lafette C 37 am Ziel vorbeischoss. Die Flakleitstände waren ungenügend, sehr schwer und neigten schon bei kleinen Treffern zum Totalausfall. Feuergeschwindigkeit und Richtgeschwindigkeit der mittleren Artillerie waren gegen Zerstörer geeignet, aber gegen Flugzeuge zu langsam.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau und Erprobung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stapellauf bei Blohm & Voss in Hamburg am 14. Februar 1939

Am 1. Juli 1936 wurde die Bismarck auf der heute nicht mehr existierenden Helling 9 bei Blohm & Voss in Hamburg auf Kiel gelegt. In den folgenden 31 Monaten wuchs der vollständige Rohbau des Rumpfes heran, sodass am 14. Februar 1939 termingerecht der Stapellauf erfolgen konnte. Bei den Stapellaufsfeierlichkeiten mit 60.000 anwesenden Zuschauern war der deutsche Diktator Adolf Hitler Ehrengast. Das haushaltsrechtlich als „Schlachtschiff F“ bezeichnete Schiff wurde von Dorothea von Loewenfeld, der Frau des Vizeadmirals Wilfried von Loewenfeld und Enkelin des früheren deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck, auf den Namen Bismarck getauft.

Nach dem Ende der Feierlichkeiten wurde die Bismarck zu einem Ausrüstungspier der Werft verholt. In den folgenden Monaten wurde das Schiff weiter fertiggestellt. Der gerade Vordersteven wurde durch einen Atlantikbug ersetzt und die Innenausstattung des Schiffes eingebaut. Die auf achtzehn Monate festgesetzte Ausrüstungsphase konnte trotz des deutschen Überfalls auf Polen und des damit begonnenen Zweiten Weltkriegs eingehalten werden. Im April 1940 trafen die ersten Besatzungsmitglieder bei der Bismarck ein und im Juni wurde das Schiff in ein Schwimmdock gebracht, um die Schiffsschrauben zu montieren. Zudem wurde das Schiff mit einem magnetischen Eigenschutz versehen.[4]

Während der Indienststellungszeremonie am 24. August 1940 kollidierte das gerade vom Stapel laufende Passagierschiff Vaterland mit der Bismarck, allerdings ohne relevante Schäden zu verursachen. Am 15. September legte die Bismarck in Hamburg ab. In Brunsbüttel beteiligte sie sich erfolglos an der Abwehr eines britischen Luftangriffes und verlegte anschließend durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach Kiel, wo sie am 17. September festmachte. Zehn Tage später legte sie Richtung Gotenhafen zu ihrer Seeerprobung in der Ostsee ab.

Am 9. Dezember machte die Bismarck wieder in Hamburg fest, wo die Werftarbeiter von Blohm & Voss einige Restarbeiten durchführten.[1] Am 24. Januar 1941 wurde die Bismarck für einsatzbereit erklärt. Damit hatte die Kriegsmarine ihr erstes wirklich vollwertiges Schlachtschiff erhalten. Da der Kaiser-Wilhelm-Kanal aber durch einen versenkten Erzfrachter vorübergehend blockiert war, war die Bismarck aber nicht in der Lage auszulaufen.[4]

Parallel entstanden auf dem Gelände von Blohm & Voss noch weitere Schiffe, darunter U 556. Der Kommandant dieses U-Bootes, Herbert Wohlfarth, bat Ernst Lindemann darum, dass die Bordkapelle der Bismarck für die Indienststellung seines U-Bootes spielen solle. Als Gegenleistung vereinbarte Wohlfarth mit Lindemann eine Patenschaft zwischen ihren Schiffen und erklärte vor „Neptun“, der Bismarck in jeder Lage beizustehen. Ironie des Schicksals ist, dass dieses U-Boot am Vorabend des letzten Gefechtes der Bismarck den Flugzeugträger HMS Ark Royal erblickte, von dem kurz die Torpedobomber gestartet waren, die das Ruder der Bismarck beschädigen sollten. Aufgrund von Torpedomangel war das U-Boot aber nicht in der Lage anzugreifen.[4] Zudem war es dieses U-Boot, das den Befehl erhielt, das Kriegstagebuch der Bismarck abzuholen, nachdem das Ausfliegen gescheitert war. Dieser Befehl erreichte das U-Boot aber erst nach dem Untergang des Schlachtschiffes.[1]

Am 6. März legte das Schlachtschiff zum letzten Mal in Hamburg ab und verlegte erneut nach Gotenhafen, um weiter Übungen durchzuführen.[4]

Unternehmen Rheinübung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Bismarck einsatzbereit war, entschied Großadmiral Erich Raeder, sie in den Atlantik zu entsenden. Sie sollte dort im Verband mit dem Schweren Kreuzer Prinz Eugen auch stark gesicherte Geleitzüge angreifen können.[4]

Als die Prinz Eugen in Gotenhafen eintraf, konnte Operation Rheinübung beginnen. Nach der Reparatur eines Bordkranes der Bismarck legten die Bismarck und die Prinz Eugen am 18. Mai um 11:30 Uhr in Gotenhafen Richtung Bergen ab. Am Kap Arkona trafen sich beide Schiffe mit den Zerstörern Z 16 und Z 23. Im Fehmarnbelt kam noch die Z 10 hinzu.[4]

Luftaufklärungsbild der Bismarck im Grimstadfjord in Norwegen

Während der Fahrt zum Skagerrak wurde der Verband von zahlreichen Schiffen gesichtet, darunter die Gotland, die die Anwesenheit in das schwedische Hauptquartier weiterleiteten, wodurch letztlich auch die britische Admiralität davon erfuhr.[4]

Während die Prinz Eugen und die Bismarck im Grimstadfjord ankerten, wo sich die Zerstörer wieder von ihnen trennten und Admiral Lütjens entschied, den Durchbruch in den Atlantik durch die Dänemarkstraße zu wagen, wurden sie von einer britischen Spitfire fotografiert – eine Aufnahme, die später weltbekannt wurde. Der britische Vizeadmiral Tovey ließ daraufhin den britischen Schlachtkreuzer Hood und das Schlachtschiff Prince of Wales auslaufen.[4]

Gefecht in der Dänemarkstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bismarck während des Gefechts in der Dänemarkstraße, von der Prinz Eugen aus aufgenommen

Am Abend des 23. Mai 1941 wurden die beiden deutschen Kriegsschiffe von der HMS Suffolk und der HMS Norfolk gesichtet, letztere wurde dabei von der Bismarck unter Feuer genommen. Der Kreuzer drehte ab und versteckte sich in einer Nebelbank, auf der Bismarck hatte die Druckwelle der eigenen Geschütze das vordere Radar beschädigt, weshalb anschließend die Prinz Eugen die Verbandsführung übernahm. Am nächsten Morgen wurden gegen 5:29 Uhr die Hood und die Prince of Wales von der Bismarck gesichtet, acht Minuten später sichteten die britischen Schiffe den deutschen Verband. Um 5:52 Uhr eröffnete die Hood das Feuer auf das Führungsschiff, von dem man annahm, es sei die Bismarck. Die Prince of Wales nahm das zweite Schiff unter Feuer. Um 5:55 Uhr begannen die deutschen Schiffe zurückzuschießen. Die fünfte Salve der Bismarck traf eine Munitionskammer der Hood und verursachte eine verheerende Explosion, drei Minuten später war das Schiff – der Stolz der britischen Flotte – gesunken. Nur drei Mann der insgesamt 1.419 Besatzungsmitglieder überlebten.[4] Die Prince of Wales erhielt ebenfalls mehrere schwere Treffer und drehte ab.

Die Prinz Eugen hatte keinen, Bismarck drei, Hood vier und die Prince of Wales sieben Treffer erhalten.[5]

Die Verfolgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Bismarck unterbrach ein nicht detonierter Durchschuss durch das schwach gepanzerte Vorschiff die Zuleitungen für etwa 1.000 Tonnen Heizöl von den vorderen Ölbunkern zu den Kesseln. Zudem drangen in das Vorschiff 3.000 bis 4.000 Tonnen Meerwasser ein und es entstand eine Schlagseite von 9°. Die daraus resultierende Treibstoffknappheit und die entstehende Ölspur zwangen das Schlachtschiff, den geplanten Handelskrieg abzubrechen und möglichst direkt einen Hafen anzulaufen. Die Prinz Eugen wurde in den Atlantik entlassen und die Bismarck steuerte den Hafen Saint-Nazaire an der französischen Atlantikküste an, eine Fahrt, die etwa 70 Stunden dauern sollte. Die Kreuzer Suffolk und Norfolk sowie die POW verfolgten dabei die Bismarck in einem Abstand von etwa 15 Seemeilen mithilfe ihrer Radargeräte.

Um 23:33 Uhr desselben Tages wurde die Bismarck von Fairey-Swordfish-Torpedobombern des Flugzeugträgers HMS Victorious angegriffen. Der Angriff war erfolglos, forderte an Bord der Bismarck aber ein Todesopfer und sechs Verletzte. Wenige Stunden später, gegen 3:00 Uhr des nächsten Tages, gelang es Admiral Lütjens durch ein geschicktes Manöver die Verfolger vollständig abzuschütteln. Erst durch einen langen Funkspruch, den Lütjens am 25. Mai gegen 9:30 Uhr absetzte, gelang es den Briten, wieder die ungefähre Position der Bismarck zu lokalisieren; sie setzten im Laufe der nächsten Tage praktisch alle verfügbaren Einheiten im Atlantik auf die Bismarck an.

Am 26. Mai wurde die Bismarck gegen 10:52 Uhr von einem Catalina-Flugboot gesichtet. Der Flugzeugträger Ark Royal der in Gibraltar stationierten Force H ließ mehrere Fairey-Swordfish-Torpedobomber aufsteigen, welche die Bismarck gegen 20:47 Uhr angriffen. Einem der Flugzeuge gelang dabei ein Treffer am Heck der Bismarck, der das Ruder lahmlegte und in einer 15°-Stellung nach Backbord verklemmte. Die Bismarck war manövrierunfähig und nur noch imstande, Kreise zu drehen.[4]

Das Nachtgefecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der folgenden Nacht kam es zu einem Gefecht zwischen dem beschädigten Schlachtschiff und der 4ten britischen Zerstörerflottille unter Captain Philip Vian. Die fünf Zerstörer Cossack, Maori, Sikh, Zulu und die polnische Piorun attackierten die Bismarck mit Torpedos, konnten aber wegen der Dunkelheit, widriger Wetterbedingungen und des heftigen Abwehrfeuers keine Treffer erzielen.

Die beschädigte Ruderanlage konnte wegen des hohen Seegangs und des gefluteten Ruderraumes nicht repariert werden. Vielfältige Versuche, das Schiff gegen den Winddruck durch unterschiedliche Propellerdrehzahlen zu steuern, waren nicht erfolgreich. Deshalb fuhr das Schiff letztlich mit langsamer Fahrt seinen Verfolgern entgegen. Der Besatzung der Bismarck wurde klar, dass das Schiff nicht zu retten war. Am Morgen des 27. Mai 1941 wurde versucht, mit einem Flugzeug das Kriegstagebuch in Sicherheit zu bringen. Dieser Versuch schlug jedoch fehl, da beide Katapulte beschädigt waren. Wegen der von der aufgetankten Maschine ausgehenden Brandgefahr wurde sie von ihrem Personal über Bord gekippt.[6]

Das letzte Gefecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen des 27. Mai 1941 wurde die Bismarck um 7:53 Uhr von der HMS Norfolk wiederentdeckt. Der Kampfverband von Vizeadmiral Tovey an Bord der HMS King George V sichtete die Bismarck gegen 8:45 Uhr. Um 8:47 Uhr eröffnete die HMS Rodney das Feuer auf die Bismarck. Eine Minute später begann die Bismarck zurückzuschießen. Die KGV eröffnete das Feuer um 8:48 Uhr, die Norfolk erst gegen 8:54 Uhr. Einer der ersten Treffer der Rodney setzte den Hauptartillerieleitstand außer Gefecht. Um 9:02 Uhr fiel der Gefechtsturm „Bruno“ durch eine Granate der Rodney aus. Die Bismarck schoss derweil mit den Türmen „Caesar“ und „Dora“ auf die britischen Schiffe und es gelang ihr, die Rodney leicht zu beschädigen.[7] Um 9:15 Uhr setzte ein Treffer der KGV den letzten noch funktionierenden Leitstand außer Gefecht, das Feuer der Bismarck konnte dadurch nicht mehr zentral koordiniert werden. Um 9:21 Uhr kam es in Turm „Dora“ zu einem Rohrkrepierer, der den Geschützturm dauerhaft lahmlegte. Turm „Anton“ fiel um 9:30 Uhr aus unbekannter Ursache aus.[4] Um 9:40 Uhr eröffnete die HMS Dorsetshire das Feuer auf das Schiff. Die Bismarck stand zu diesem Zeitpunkt bereits vollkommen in Flammen, der Rumpf war aber noch nahezu unbeschädigt.

Um 10:15 Uhr befahl Admiral Tovey seinen Schiffen den Abbruch der Kämpfe, da die Schlachtschiffe aufgrund von Treibstoffmangel dringend nach England zurückkehren mussten. Stattdessen sollte die Dorsetshire der Bismarck den Todesstoß versetzen. Etwa zu diesem Zeitpunkt gab der erste Offizier der Bismarck, Fregattenkapitän Oels, den Befehl, die Bismarck selbstzuversenken. Die Besatzung machte mehrere Sprengsätze klar, die ungefähr zu dem Zeitpunkt detonierten, an denen die Torpedos der Dorsetshire das Schiff trafen. Aus diesem Grund ist bis heute strittig, ob die Bismarck von der Dorsetshire oder von ihrer eigenen Besatzung versenkt worden war.[4]

Überlebende werden von der Dorsetshire gerettet

Um 10:40 Uhr versank die Bismarck etwa 550 Seemeilen (etwa 1.000 Kilometer) westlich von Brest bei den Koordinaten 48° 10′ Nord, 16° 12′ West in den Fluten. Sie hinterließ ein Trümmerfeld sowie mehrere hundert Überlebende. Die Dorsetshire und der Zerstörer HMS Maori begannen umgehend mit den Rettungsmaßnahmen und zogen zusammen 111 Männer aus dem Wasser. Die Rettungsarbeiten wurden abgebrochen, nachdem der Ausguck der Dorsetshire ein U-Boot gemeldet hatte; eine Meldung, die sich später als falsch erweisen sollte. Die Dorsetshire hatte 86 Männer gerettet, von denen einer später seinen Verletzungen erlag und die Maori 25.[4] Das deutsche U-Boot U 74 rettete drei weitere Männer und das deutsche Wetterbeobachtungsschiff Sachsenwald nahm noch zwei Männer auf.

Insgesamt kamen von der über 2.200 Mann zählenden Besatzung 2.104 Mann beim Untergang ums Leben.[8] Während des Gefechtes hatten die Briten insgesamt 2.876 Granaten auf das Schiff abgefeuert.

Entdeckung des Wracks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. Juni 1989 wurde das Wrack der Bismarck vom US-amerikanischen Tiefseeforscher Robert Ballard in 4.800 Metern Tiefe entdeckt.[9][10]Die exakte Position des Wracks, das sich heute im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland befindet,[11] wird geheim gehalten, um das Kriegsgrab vor Grabräubern zu schützen.

Das Wrack der Bismarck liegt aufrecht auf einer Flanke eines erloschenen Unterwasservulkans in den Resten einer Schlammlawine, die vom Untergang selbst ausgelöst worden war. Der Rumpf befindet sich in einem außerordentlich guten Zustand und ist weitgehend intakt. Lediglich das Heck ist durch einen Strukturschaden während des Sinkvorganges abgebrochen. Die vier nur durch die Schwerkraft an ihrem Platz gehaltenen Geschütztürme sind noch an der Oberfläche während des Kenterns aus den Barbetten gerutscht und sanken nahezu senkrecht zu Boden. Im Trümmerfeld wurde nur ein einziger Turm entdeckt, der Rest wurde möglicherweise von der Schlammlawine verschüttet. Im Umfeld des Wracks fanden sich zudem der Kommandoturm (der kopfüber auf dem Artillerieleitstand liegend zur Ruhe kam) und unter anderen Trümmern ein Areal mit hunderten Seestiefeln, vermutlich etwa unterhalb der Stelle, an der die Überlebenden im Meer trieben.

Die Untersuchungen von Robert Ballard ergaben, dass das Wrack vermutlich mit dem Heck zuerst auf dem Grund aufgeschlagen war. Der gute Zustand des Schiffes ist ein Hinweis darauf, dass das Innere des Rumpfes bereits geflutet war, bevor das Schiff die Zerstörungstiefe (die Tiefe, in welcher der Rumpf dem Wasserdruck nicht mehr standhält und implodiert) erreichte.

Eine Expedition im Juni 2001 entdeckte bei einer Untersuchung des Rumpfes mehrere horizontale Risse oder Schlitze, die als Schäden interpretiert wurden, die beim Hinabrutschen des Hanges des Unterwasservulkans entstanden. Granattreffer im Unterwasserbereich des Schiffes wurden nicht gefunden und auch die Anzahl der Treffer im Überwasserbereich des Rumpfes war unverhältnismäßig gering im Vergleich zu den Schäden, welche die Aufbauten durch den Beschuss davongetragen hatten. Infolge der gesammelten Daten wurde geschlussfolgert, dass die Bismarck durch die Selbstversenkung unterging.

Eine britische Expedition vom Juli 2001 unter Leitung von David Mearns kam hingegen zu dem Ergebnis, dass die Bismarck durch Torpedos versenkt worden war. Means hielt die bereits zuvor entdeckten Schlitze für Torpedoschäden, die durch die Bewegung im Meeresboden vergrößert worden waren. Bei der Expedition wurde bereits mit Unterwasserrobotern gearbeitet, die jedoch nicht in das Schiffsinnere eindrangen, um dort eventuelle kritische Beschädigungen durch Torpedos zu dokumentieren und so diese These zu bestätigen.

Eine Expedition des Regisseurs James Cameron im Jahre 2002, die für Aufnahmen eines Dokumentarfilms (Expedition Bismarck) durchgeführt wurde, lieferte dieses Material. Die Tiefseetauch-U-Boote Mir I und II erkundeten die Risse und bei der Untersuchung der Torpedoschotts mit Kamerarobotern konnte keine relevante Beschädigung des Schiffes nachgewiesen werden. Es wurde zwar ein Torpedotreffer entdeckt, der aber außer einem Loch in der Außenhaut und der dadurch gefluteten wasserdichten Abteilung keine kritischen Beschädigungen des Rumpfes hervorgerufen hatte. Dies stützt die These, die Bismarck sei durch Selbstversenkungsmaßnahmen der Besatzung gesunken.

Die Expedition zählte außerdem nur vier Durchschüsse von Artilleriegranaten durch den Gürtelpanzer und fand eines der Ruder abgeknickt und mit dem Mittelpropeller verkeilt vor. Möglicherweise war dies der Schaden, der zur Manövrierunfähigkeit der Bismarck vor ihrem letzten Gefecht geführt hatte. Der Schaden könnte allerdings auch durch das Auftreffen des Rumpfes auf den Ozeanboden und das anschließende Herunterrutschen verursacht worden sein.

Aus taktischer Sicht ist die Frage, ob das Schiff durch britische Torpedos oder durch Selbstversenkung unterging, nebensächlich, da es zum fraglichen Zeitpunkt bereits zum Wrack geschossen und als kampffähige Einheit ausgeschaltet worden war.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Ruder, drei Schrauben

Das 251 Meter lange Schlachtschiff mit drei Schrauben konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 30,1 Knoten erreichen (bei einer Geschwindigkeitsmessfahrt wurden sogar 30,8 Knoten gemessen). Die Marschgeschwindigkeit (Reisegeschwindigkeit) wurde jedoch, um den Treibstoffverbrauch in Grenzen zu halten, mit 19 Knoten gewählt.

Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeits- und Scheinwerferplattform von achtern gesehen

Ursprünglich war für die Bismarck ein turboelektrischer Antrieb vorgesehen, aus Gewichtsgründen wurde jedoch eine herkömmliche Dampfturbinenanlage eingebaut. Die Maschinenleistung betrug 150.170 PS oder umgerechnet 110.450 kW. Es gab zwölf Wagner-Hochdruck-Heißdampfkessel, die einen Druck von 70 kg/cm² bei einer Temperatur von 480° C erzeugten und auf insgesamt sechs Kesselräume sowie einen Hilfskesselraum verteilt waren. Sie waren mit Saacke-Brennern, natürlichem Umlauf, Speisewasservorwärmer, Rauchgasvorwärmer und Sattdampfüberhitzer ausgestattet.

Die einzelnen Curtis-Turbinensätze waren um die jeweiligen Getriebe herum gruppiert. Jeder Turbinensatz bestand aus Hoch-, Mittel- und Niederdruckteil (zuzüglich Hoch- und Niederdruckteil für die Rückwärtsturbinen) und trieben jeweils eine Schiffsschraube an. Eine Marschturbine gab es nicht. Die Turbinen konnten 46.000 Wellen-PS erzeugen, waren aber auf 38.000 Wellen-PS begrenzt, um die Lebensdauer zu erhöhen. Die Schiffsschrauben erreichten maximal 278 Umdrehungen pro Minute und verliehen der Bismarck eine Maximalgeschwindigkeit von über 30 Knoten.

Für die elektrische Energieversorgung standen insgesamt vier E-Werke zur Verfügung; zwei vor den Kesselräumen gelegen und zwei neben der Mittelmaschine. Jedes hatte zwei Dieselgeneratoren zu je 500 kW und drei dieser E-Werke noch zusätzlich zwei Turbogeneratoren. Von den Turbogeneratoren hatten fünf eine Leistung von je 690 kW und einer von 460 kW. Dieser war mit einem angehängten 400-kVA-Wechselstromgenerator gekoppelt. Außerdem gab es noch einen Wechselstrom-Dieselgenerator mit 550 kVA Leistung. Insgesamt leistete die E-Anlage somit 7.910 kW. Die Bordnetzspannung betrug 220 Volt.[12]

Bei den Erprobungen in der Ostsee zeigte sich, dass das Schiff ohne seine Ruderanlage über die divergierenden, eng nebeneinander liegenden Antriebswellen mittels unterschiedlicher Propellerdrehzahlen Backbord/Steuerbord kaum steuerbar war.[1]

Bewaffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artillerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turm Anton, der vorderste Turm der schweren Artillerie

Die schwere Artillerie (SA) der Bismarck bestand aus acht 38-cm-Geschützen (SK C/34) in je zwei Doppeltürmen vorn und achtern. Die Türme waren von vorn nach achtern alphabetisch (nach dem deutschen Sprechfunkalphabet) bezeichnet als „Anton“, „Bruno“, „Caesar“ und „Dora“. Dabei waren die Türme „Bruno“ und „Caesar“ überhöht angeordnet, so dass sie über den davor bzw. dahinter angeordneten Turm hinweg feuern konnten. Das Kaliber betrug 38 cm. Bei ihrer letzten Mission hatte die Bismarck 1.004 Granaten an Bord, die gleichmäßig auf alle vier Geschütztürme verteilt waren. Es waren zu 80 % Spreng- oder Panzersprenggranaten mit Bodenzünder, der Rest waren Sprenggranaten mit Kopfzünder. Während des Einsatzes verbrauchte die Bismarck knapp über 30 % dieses Vorrats.[13]

Die mittlere Artillerie (MA) der Bismarck umfasste zwölf 15-cm-Geschütze (SK C/28) in sechs Zwillingstürmen (drei an jeder Seite). Insgesamt waren für die mittlere Artillerie 1.560 Granaten an Bord, diese setzen sich aus Sprenggranaten mit Bodenzünder (622 Stück), Sprenggranaten mit Kopfzünder (666 Stück) sowie Leuchtgeschossen (272 Stück) zusammen.[14]

Flak[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schwere Flak bestand aus 16 Geschützen vom Typ 10,5-cm-Flak 38, die in acht Doppellafetten zusammengefasst waren. Die vier vorderen Flakgeschütze waren vom Modell C/33na in Doppellafette C/31, die achteren in Doppellafette C/37. Das war eine provisorische Installation, um das Schiff möglichst schnell einsatzklar zu bekommen. Nach der Rückkehr vom Unternehmen Rheinübung sollten auch die vorderen Lafetten gegen den Typ C/37 ausgetauscht werden, konnte aufgrund des Untergangs des Schiffes jedoch nicht mehr durchgeführt werden. Für die Geschütze waren insgesamt 6.800 Granaten an Bord.[15]

Die mittlere Flak bestand aus 16 3,7-cm-FlaK 30 in acht Doppellafetten. Diese Geschütze wurden vollständig von Hand bedient. Es waren insgesamt 32.000 Schuss an Bord.[16]

Die leichte Flak bestand aus 18 2-cm-Flak 38 zwei Vierlings- und zehn Einzellafetten. Für diese Geschütze waren 36.000 Schuss an Bord.[16]

Gegen die unterhalb des Feuerbereichs der schweren Flak anfliegenden veralteten britischen Torpedobomber vom Typ Fairey Swordfish erwies sich die leichtere Flak der Bismarck als wenig wirksam. Dies lag an der viel zu geringen Schussfrequenz der 3,7-cm-Flak, vor allem aber an der mangelnden Ausbildung der Besatzung. Wie sich aus dem Bericht des Artillerieversuchskommandos Schiffe ergibt, wurde das Schießen auf bewegliche Ziele so gut wie überhaupt nicht trainiert. Zudem konnten die meisten der 52 Flak-Geschütze zur Abwehr nicht tief genug geschwenkt werden. Kein einziges Flugzeug wurde abgeschossen, obwohl ein Großteil der Flak-Munition verbraucht wurde.

Feuerleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flakleitstand A. Blick von unten auf den Einstieg in die Kalotte

Die primäre Feuerleitung der Bismarck erfolgte über die drei Feuerleitstände, die alle über ein eigenes Funkmessgerät vom Typ FuMo-23 verfügten. Diese übermittelten die Daten an die Feuerleitrechenzentrale, die über einen mechanischen Computer verfügte und notwendigen Zielinformationen an die Geschütze weiterleitete.

Bei der Indienststellung hatte jeder Geschützturm zwar ein eigenes Zielgerät (das Zielgerät von Turm Anton wurde im Dezember 1940 wieder ausgebaut, da es aufgrund von Spritzwasseranfälligkeit unbrauchbar war), die zentrale Feuerleitung war aber wesentlich präziser. Dies ist einer der Gründe, warum die Bismarck in ihrem letzten Gefecht nach dem Ausfall aller Feuerleitstände keine Treffer mehr auf den gegnerischen Schiffen erzielte.[17]

Für die Feuerleitung der Flak besaß die Bismarck vier Flak-Feuerleitstände (sog. „Wackeltöpfe“). Zudem hatte sie auch Feuerleitausrüstung für Nachtgefechte.[17]

Panzerschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panzerungsschema der Bismarck

Standfestigkeit und Sinksicherheit deutscher Großkampfschiffe waren schon im Ersten Weltkrieg wichtiger gewesen als Feuerkraft. Die geringen Totalverluste der deutschen Marine in der Skagerrakschlacht belegen dies.

Auf der Bismarck wurde diese Sinksicherheit durch die konsequente Unterteilung des gesamten Schiffsinneren in wasserdicht voneinander abgeschottete Abteilungen noch übertroffen. Die Durchschlagfestigkeit der Panzerung wurde durch die Verwendung neuartiger, hochwertiger Materialien und weniger durch deren Dicke erreicht. Diese „Wotan hart“ (Wh) und „Wotan weich“ (Ww) genannten Panzerstähle waren schweißbar und mussten nicht mehr auf das Schiff aufgenietet werden. Auf diese Weise ersetzte die Panzerung sogar teilweise die Außenhaut des Schiffes, was eine Gewichtsersparnis bedeutete. In Kombination mit dem gestaffelten System aus hintereinander angeordneten Panzerlagen wurde ein effektiver Schutz erreicht. Allerdings erwies sich auch im Fall der beiden Treffer, welche die Prince of Wales auf der Bismarck erzielt hatte, dass ein Großkampfschiff im Kreuzerkrieg schon durch leichte Gefechtsschäden gezwungen werden konnte, die Unternehmung abzubrechen. Derartige Treffer, die nicht die See- und Fahrtüchtigkeit einschränkten, konnten das Schiff dennoch an der Rückkehr in die Heimatgewässer hindern. Das gleiche Schicksal hatte zuvor die Admiral Graf Spee erlitten.

Bordflugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bismarck war mit vier Wasserflugzeugen vom Typ Arado Ar 196 zur Feindaufklärung und luftgestützten Seeüberwachung ausgestattet. Die Maschinen gehörten zur 1. Staffel der Bordfliegergruppe 196. Die Piloten und Techniker der Bordfliegergruppen kamen aus politischen Gründen von der Luftwaffe, die ebenfalls zur Besatzung einer Arado gehörenden Beobachter waren jedoch Angehörige der Kriegsmarine. Die Flugzeuge verliehen der Bismarck einen theoretischen Aufklärungsradius von etwa 830 km.

Die Ar 196 besaß klappbare Tragflächen und schwere Bewaffnung. Jede Maschine war in der Lage, eine 50-kg-Bombe mitzuführen, von denen 104 Stück unterschiedlicher Art (Mehrzweckbomben, Halbpanzersprenggranaten, Leuchtgranaten) auf der Bismarck mitgeführt wurden. Zwei startklare Maschinen standen in den beiden Bereitschaftshangars seitlich des Schornsteins, während die beiden anderen in dem Werkstatthangar unter dem achteren Aufbau gewartet werden konnten. Mit den gegenläufig verbundenen Katapulten (Doppelkatapult), die sich in der Mitte des Schiffes befanden und von 32 Metern über die Bordwand auf 48 Meter ausgefahren werden konnten, konnten die Flugzeuge je nach Windverhältnissen über die Backbord- oder die Steuerbordseite gestartet werden. Landen mussten sie allerdings auf dem Wasser; anschließend wurden sie von einem der beiden 12-Tonnen-Kräne an den Seiten der Bismarck an Bord gehoben.[18]

Beiboote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deckswand zwischen Turm „Cäsar“ und 15-cm-Turm Stb III, Blick auf das „Otter-Gerät

Die Bismarck verfügte über eine umfangreiche Ausstattung an Beibooten. Diese umfasste drei Admirals- oder Kommandantenboote („Chefboote“), eine Motorbarkasse, zwei Motorpinassen, vier Verkehrsboote (kurz: V-Boote), zwei Rettungs-Kutter für Mann-über-Bord-Manöver, zwei Jollen und zwei Dingis.

Die Pinassen und Verkehrsboote sowie die Barkasse dienten bei Liegezeiten auf Reede vornehmlich dem Personentransport zwischen dem Schiff und einer Anlegestelle.

Offiziere und Besatzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besatzungsstärke der Bismarck betrug 2.065 Mann, darunter 103 Offiziere, das Durchschnittsalter der Besatzung betrug 21 Jahre. Kommandant des Schiffes war Kapitän zur See (Kpt.z.S.) Ernst Lindemann, Erster Offizier (I.O): Fregattenkapitän (FKpt.) Hans Oels. Weitere wichtige Besatzungsmitglieder:

Während der Unternehmung Rheinübung kam noch Flottenchef Admiral Günther Lütjens mit seinem 75 Mann umfassenden Stab[19] sowie ein Prisenkommando mit einem Offizier und 80 Mann hinzu, außerdem Beobachter, Journalisten und Kameramänner des Propagandaministeriums. Von letzteren überlebte niemand. Während des Unternehmens Rheinübung hatte Lütjens die operative Leitung des Schiffes, Kapitän Lindemann besaß als Kommandant der Bismarck jedoch die taktische Befehlsgewalt. Die alltäglichen Aufgaben an Bord wurden von I.O Oels übernommen.

Die Schiffsbesatzung bestand aus zwölf Kompanien, von denen jede 150 bis 200 Mann umfasste. Jede Kompanie hatte einen speziellen Fachbereich und war in mindestens zwei Unterkompanien unterteilt, die wiederum aus Korporalschaften von zehn bis zwölf Mann bestanden.[20]

Die Quartiere für die Besatzung befanden sich unterhalb des Hauptdecks, die Mannschaftsquartiere im vorderen Bereich, während die Offiziere im Achterschiff untergebracht waren. Die Unteroffizierskabinen waren entsprechend den Tätigkeitsbereichen über Bug und Heck verteilt. Die Offiziersmesse befand sich unterhalb des Großmastes. Die Räumlichkeiten für Admiral Lütjens befanden sich im vorderen und hinteren Teil der Aufbauten. Unterhalb dieser befanden sich Waschküchen, eine Krankenstation, eine Apotheke, eine Bäckerei, eine Schusterei und weitere Räume für Tätigkeiten des alltäglichen Lebens. Die Bismarck besaß sogar einen Raum, der der Vorbereitung von Kartoffeln zugedacht war. Ganz vorne, an der Spitze des Buges befand sich ein Lagerraum für Sportgeräte.[20]

Die Bismarck hatte mehrere Küchen, davon zwei Hauptbordküchen die für den Großteil der Besatzung das Essen zubereiteten. Hochrangige Offiziere hatten in ihren Messen Tischbedienung, während in den Unteroffiziers- und Mannschaftsmessen mehrere sogenannte Messmänner von einem Koch einen großen Topf mit Essen empfingen und an ihre Kameraden weiterverteilten. Die Messmänner waren auch für den Abwasch zuständig. Die Lebensmittellager hatten genug Platz um Nahrungsmittel für 250.000 Manntage an Bord zu nehmen. Damit konnten die knapp 2200 Mann Besatzung ungefähr vier Monate versorgt werden. Die Kühlaggregate der Kühlräume wurden mit Kohlendioxid betrieben.[20]

Auf dem Batteriedeck der Bismarck gab es zwei Kantinen mit sechs bis acht Personen Personal. Darin wurden Konsumgüter wie Zigaretten, Bier, Süßigkeiten und Schreibwaren verkauft. Die Bismarck konnte zwischen 500 und 1.000 50-Liter-Fässer Bier mit sich führen.[20]

Auf See waren die Besatzungsmitglieder in mehrere Wachen eingeteilt, die sich im Schichtbetrieb abwechselten. Unabhängig von der Wache musste jedes Besatzungsmitglied von 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr Dienst verrichten. Im Gefecht war jedes Besatzungsmitglied auf der ihm zugeteilten Gefechtsstation. Bei diesen Gefechtsstationen handelte es sich nicht nur um die Waffensysteme des Schiffes, sondern auch um Lecksicherungs- und Verwundetenversorgungstrupps. Im Hafen wurde die Besatzung bereits um 6:00 Uhr geweckt, dort konnten sich Besatzungsmitglieder, die keinen Wachdienst hatte, Frei nehmen und an Land gehen.[20]

Vor dem Untergang waren 2.349 Personen an Bord des Schiffes. 95 % aller Menschen an Bord kamen ums Leben. Die 110 Mann, die von den Briten geborgen worden waren, wurden nach übereinstimmender Aussage an Bord der Schiffe gut behandelt. So erhielt Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg, Ranghöchster Überlebender, erst einen Whiskey, bevor er gegenüber dem Kapitän der Dorsetshire gegen den Abbruch der Rettungsarbeiten protestierte. Sie wurden nach England gebracht und verhört, bevor man sie in ein Kriegsgefangenenlager in Knightsbridge brachte. Im Frühjahr 1942 wurden alle Überlebenden in ein Kriegsgefangenenlager nach Kanada verschifft, 1946 wurden alle repatriiert.[20] Das letzte überlebende Besatzungsmitglied, Bernhard Heuer, verstarb am 7. März 2018.[21]

Der Mythos der Bismarck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sofort nach dem Untergang der Bismarck betrieb die NS-Propaganda eine Umdeutung des katastrophalen Unternehmens. Das letzte Gefecht wurde und wird heutzutage noch zum heroischen Opfergang stilisiert und die behauptete Selbstversenkung mit dem Pathos des im Kampf unüberwundenen Schiffes aufgeladen. Die Bismarck wurde gleichsam zum Symbol des sich der Übermacht trotzig entgegenstellenden, aber letztlich nur durch eigene Hand fallenden mythischen Helden aufgebaut. Der schnelle Erfolg gegen die damals bereits veraltete Hood diente dabei als Beleg der technischen Überlegenheit Deutschlands.

In der ersten Hälfte des Krieges verfügte die Royal Navy über nur wenige vergleichbar kampfstarke Kriegsschiffe. Mit Ausnahme der unter Beachtung der engen Begrenzungen des Washingtoner Vertrages gebauten King-George-V-Klasse und der Nelson-Klasse stammten alle britischen Schlachtschiffe noch aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Bewaffnung, Feuerleitausrüstung und vor allem Panzerung waren derjenigen der Bismarck weit unterlegen. Dies erklärt den schnellen Untergang der Hood, die als Schlachtkreuzer mit generell schwächerer Panzerung konzeptionell nicht für den Kampf gegen Schlachtschiffe ausgelegt und technisch unterlegen war. Trotzdem war der Verlust der Hood für die Briten ein harter moralischer Schlag, da der Schlachtkreuzer als der Stolz der britischen Marine galt. Dies wird als einer der Gründe genannt, warum die britische Marine so schnell reagierte und die Bismarck direkt verfolgen ließ.

Obwohl im Endkampf die britischen Schiffe auf kürzeste Distanz die bereits kampfunfähige Bismarck beschossen, konnten ihre großkalibrigen Granaten den Hauptpanzer noch immer nicht durchschlagen. Dies lag daran, dass die Granaten durch die flache Flugbahn horizontal gegen die starke seitliche Panzerung trafen. Mit einer größeren Kampfentfernung wären die britischen Granaten steiler von oben eingekommen und hätten den schwächeren Deckspanzer oder dessen Böschung durchschlagen können.

Das Ende der Bismarck kündigte darüber hinaus das Ende der Schlachtschiff-Ära an. Immer größere und schlagkräftigere Schlachtschiffe zu bauen, erwies sich spätestens mit dem Ende der japanischen Yamato 1945 als Sackgasse. Auch Pearl Harbor hatte schon 1941 gezeigt, dass Schlachtschiffe gegen eine große Zahl angreifender Flugzeuge nur geringe Überlebenschancen hatten. Das Schlachtschiff ist damit dem Flugzeugträger grundsätzlich unterlegen. Letzterer hat eine größere Reichweite und zielgenauere Waffen. So zeigte sich im „Unternehmen Rheinübung“ in Zeitrafferform der prinzipielle Wandel der Seestreitkräfte: Am 24. Mai zeigte die Bismarck durch die Versenkung der Hood, dass die Zeit für die schwach gepanzerten Schlachtkreuzer lange abgelaufen war. Am 26. und 27. Mai deutete sich an, dass der Flugzeugträger der Nachfolger des Schlachtschiffs werden würde.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Schiff existieren zahlreiche künstlerische Darstellungen, unter anderem durch die Marinemaler Claus Bergen[22], Günther Todt, Walter Zeeden und Viktor Gernhard. Des Weiteren ist die Bismarck Gegenstand des britischen Spielfilms Die letzte Fahrt der Bismarck. (OT: Sink the Bismarck!) aus dem Jahr 1960, der auf Cecil Scott Foresters Sachbuch „Die letzte Fahrt der Bismarck“ (Originaltitel: The Last Nine Days of the Bismarck oder Hunting the Bismarck) basierte.

Musikalisch wurde die Geschichte um die Bismarck unter anderem 1960 von Johnny Horton in „Sink The Bismarck“ und 2019 von der schwedischen Power-Metal-Band Sabaton mit „Bismarck“[23] aufgegriffen.

In der Serie Saber Rider und die Starsheriffs wird das Schlachtschiff der Star Sheriffs ebenfalls Bismarck genannt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmdokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Expedition Bismarck. Dokumentarfilm, USA 2002, 92 Min., Regie: James Cameron und Gary Johnstone, Produktion: arte France
  • Versenkt die Bismarck! Dokumentarfilm, Deutschland 2002, 45 Min., Buch und Regie: Jörg Müllner und Friedrich Scherer, Produktion: ZDF, Erstsendung: 8. Februar 2002
  • Versenkt die „Bismarck“! Dokumentarfilm, Deutschland/Großbritannien 2004, 45 Min., Buch und Regie: Gary Johnstone, Produktion: NDR, Erstsendung: 22. Dezember 2004
  • Return to the Bismarck. Dokumentarfilm, Deutschland 2006, 52 Min., Julia Knobloch und David Ash, Produktion: Context TV/ZDF, Erstsendung: 2006.
  • Wettlauf mit dem Tod. Der Untergang der „Bismarck“. (= ZDF-History). Dokumentarfilm, Deutschland 2009, 25 Min., Beitrag von Mario Sporn, Friedrich Scherer und Jörg Müllner, Erstsendung: 29. November 2009
  • Der Untergang der Bismarck. (= Sekunden vor dem Unglück; Staffel 5, Folge 2). Dokumentarfilm, USA 2012, 60 Min., Produktion: National Geographic Channel, Deutsche Erstausstrahlung: 25. Mai 2012
  • Schlachtschiff Bismarck. Dokumentationsreihe (2 Folgen) – Teil 1: Von Hamburg nach Gotenhafen & Teil 2: Unternehmen Rheinübung. Deutschland 2014, 180 Min., History Films, DVD Veröffentlichung, Erscheinungstermin: Juni 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bismarck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Burkhard Freiherr von Müllenheim-Rechberg: Schlachtschiff Bismarck - Ein Überlebender berichtet vom Glanz und dem Untergang der Bismarck am 27. Mai 1941. Flechsig, 1987; ISBN 978-3-88189-591-0
  2. Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Die Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse. Bernard & Graefe, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5890-9 (Die BISMARCK-Klasse: Die Panzerung Seite 16–17, Schlußbetrachtung Seite 64–65).
  3. Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Die Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse. Bernard & Graefe, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5890-9 (Schlußbetrachtung Seite 66–67).
  4. a b c d e f g h i j k l m Kostam: Schlachtschiff Bismarck – Die Geschichte des legendären deutschen Schiffes. 2017.
  5. Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Die Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse. Bernard & Graefe, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5890-9 (Das Schlachtschiff Bismarck, Seite 33, Abbildung „Das Island-Gefecht am 24. Mai 1941“).
  6. Die Bordflugzeuge vom Typ Arado 196 (Memento vom 22. Dezember 2004 im Internet Archive)
  7. Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg: Battleship Bismarck, a survivor’s story. (Zweite Auflage, 1990), S. 246–276.
  8. William H. Garzke, Robert O. Dulin: Battleships: Axis and Neutral Battleships in World War II. Naval Institute Press, Annapolis 1985, S. 246. Nach A. Beevor: Der Zweite Weltkrieg. München 2014, S. 217: 115 Mann gerettet, 2200 tot.
  9. Robert D. Ballard: The discovery of the Bismarck. 1990.
  10. Alexander Schwabe: Tiefsee-Expedition: Tauchfahrt zum Grab der „Bismarck“. In: Spiegel Online. 11. Juli 2002, abgerufen am 9. Juni 2018.
  11. Reinhard Müller: Wem gehört das Wrack? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 30. Juli 2016, abgerufen am 26. Juni 2019.
  12. Kostam: Schlachtschiff Bismarck – Die Geschichte des legendären deutschen Schiffes. 2017, S. 100–101.
  13. Kostam: Schlachtschiff Bismarck – Die Geschichte des legendären deutschen Schiffes. 2017, S. 105.
  14. Kostam: Schlachtschiff Bismarck – Die Geschichte des legendären deutschen Schiffes. 2017, S. 107.
  15. Kostam: Schlachtschiff Bismarck – Die Geschichte des legendären deutschen Schiffes. 2017, S. 106.
  16. a b Kostam: Schlachtschiff Bismarck – Die Geschichte des legendären deutschen Schiffes. 2017, S. 108–109.
  17. a b Kostam: Schlachtschiff Bismarck – Die Geschichte des legendären deutschen Schiffes. 2017, S. 110, 112.
  18. Kostam: Schlachtschiff Bismarck – Die Geschichte des legendären deutschen Schiffes. 2017, S. 112, 114.
  19. Besatzung der Bismarck; abgerufen am 14. November 2009.
  20. a b c d e f Kostam: Schlachtschiff Bismarck – Die Geschichte des legendären deutschen Schiffes. 2017, S. 121–133.
  21. http://www.vdm-marine.de/die-vdm/ehrenmitglieder-des-vdm/unser-ehrenmitglied-bernhard-heuer/index.php
  22. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Fotostrecke – Bild 11 – Claus Bergen: Marine-Maler im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Abgerufen am 3. Mai 2019.
  23. Sabaton: SABATON – Bismarck (Official Music Video). 22. April 2019, abgerufen am 23. April 2019.
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