Bismarckturm (Berg-Assenhausen)

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Bismarckturm am Starnberger See
Bismarckturm
Brunnenhaus am Bismarckturm von Georg Wrba, 1899

Der Bismarckturm bei Assenhausen am Starnberger See ist das einzige Bismarckdenkmal, dessen Planung und Bau schon zu Lebzeiten Bismarcks begonnen wurde und das einzige Bismarckdenkmal Oberbayerns. Er ist einer von dreizehn Bismarcktürmen in ganz Bayern.[1]

Die Baugenehmigung des Prinzregenten Luitpold erfolgte am 25. August 1896, die Fertigstellung im Juni 1899. Die Einweihung folgte am 1. Juli 1899 in Anwesenheit von Ministerpräsident und Staatsminister.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Turm besteht aus Kalk- und Tuffstein. Er ist etwa 30 m hoch und steht auf einem quadratischen Unterbau mit umlaufendem Arkadengang. Auf jeder Seite gibt es einen Treppenaufgang zu den Arkaden. Auf der Spitze steht ein bronzener Reichsadler, der nach Norden zeigt.

Unter der Spitze stehen auf den jeweils gegenüberliegenden Seiten die eingravierten allegorische Darstellungen und die Worte „Friede“ (Ostseite) und „Krieg“ (Westseite). In der Wandelhalle sind in die Wände die Wappen der Bundesstaaten und freien Städte eingemeißelt.

Beim nördlichen Aufgang erinnert ein in Stein gehauene Text Inschrift an die feierliche Einweihung des Denkmals am 1. Juli 1899. Eine weitere in Stein gehauene Inschrift im Arkadengang nach Süden erinnert an die am Bau Beteiligten.

Im Arkadengang nach Norden hängt eine bronzene Tafel, die besonders Otto von Bismarck ehrt.

Zur Bauzeit stand der Turm frei auf dem unbewaldeten Hügel, so dass aus der auf drei Meter Höhe[2] liegenden Arkadenhalle die Aussicht in alle Richtungen möglich war. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen außer zur Seeseite rundum Bäume hoch, so dass der Turm heute auf einer Lichtung steht und nur noch direkt zur Hangkante und zum Ufer des Starnberger Sees einen freien Blick erlaubt.

Bauplanung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Architekt war Theodor Fischer. Sein Vorschlag wurde 1896 mit 13 Stimmen bei 3 Gegenstimmen angenommen.

1890 wurde auf Anregung des Malers Franz von Lenbach die „Vereinigung zur Ehrung Seiner Durchlaucht des Fürsten Bismarck“ gegründet, unter dem Vorsitz von Johannes von Widenmayer, dem Bürgermeister von München. Diese Vereinigung stellte das erste Komitee von 24 Personen, das einen Entwurf für den Bismarckturm aussuchen sollte. Das Gremium konnte sich nicht einigen. Beim 2. Komitee wurden fünf Personen und acht Künstler, die teilweise selbst an dem Wettbewerb teilnahmen, ausgesucht, die sich dann auf den Vorschlag von Theodor Fischer, der selber Vorsitz war, einigten.

Fischer zeichnete zunächst Entwürfe für den Turm, die in Form eines „mächtigen“ Turms den „auftrumpfenden wilhelminischen Nationalismus“ ausdrücken sollten.[3] Dazu griff er auf die Proportionen der Igeler Säule zurück, einem römischen Grabmal an der Mosel nahe Trier. In monumentaler Vergrößerung konnte es auf „große geschichtliche Zusammenhänge auf deutschem Boden“[4] verweisen. In den späteren Entwurfsphasen entschied sich Fischer aber dazu, die ansonsten exakt nachgebildete Silhouette des römischen Vorbilds durch eine flach ausgestellte, umlaufende Arkadenhalle zu verfremden. Diesen auf dem ansonsten frei liegenden Hügel gedeckte Raum, beschrieb Fischer selbst als „schattig einladend“. Und die Wirkung der Bogenöffnungen war nach seinen Worten, dass mit ihnen „die schöne Landschaft zu immer neuen Bildern gerahmt, gefasst“ würden.[3] Die Wirkung war eine Verbindung mit der Landschaft, die über das antike Zitat hinausging und einen urwüchsigen Lokalbezug herstellte.[4] Fischers Schüler Peter Meyer nannte den Bismarckturm von Berg deshalb den „erträglichsten“ der Bismarcktürme.[3]

Die Turmseiten und in den Wänden des umlaufenden Arkadengangs sind von zahlreichen Bildhauerarbeiten geprägt. Diese stammen von Josef Flossmann (1862–1914) mit dem Theodor Fischer auch bei späteren Projekten zusammengearbeitet hat (Reiherbrunnen in der Au in München, Bismarck-Brunnen in München-Pasing, Bismarck-Denkmal in Nürnberg). Verewigt ist das auch in einer in Stein gehauenen Inschrift (siehe unten) im Wandelgang nach Süden.

Der Turm kostete 190.000 Mark und ist damit der zweitteuerste Bismarckturm nach dem Bismarckturm in Stettin.[1] 5.000 Mark für den Bau des Bismarckturms wurden vom Prinzregenten gespendet, der Rest von anderen Spendern.

Textinschrift zur Einweihung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steingedenktafel an den Einweihungstag 1. Juli 1899 angebracht am Treppenaufgang im Norden

Beim nördlichen Aufgang erinnert ein in Stein gehauene Text Inschrift an die feierliche Einweihung des Denkmals am 1. Juli 1899:

DIESES DENKMAL VON EINEM VEREINE PATRIOTISCHER MÄNNER ZUR IMMERWÄHRENDEN ERINNERUNG AN DEN ERSTEN KANZLER DES DEUTSCHEN REICHS FÜRST OTTO V. BISMARCK ERRICHTET IST AM 1. JULI 1899 IN EINEM FEIERLICHEN AKTE DER STADTGEMEINDE MÜNCHEN ZUR OBHUT UND ALS EIGENTUM ÜBERGEBEN WORDEN

Bronzetafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronzetafel im Arkadengang (Nordseite)

Auf der Nordseite der Arkadenhalle ist eine Bronzetafel angebracht, deren Text wie folgt lautet:

Nord und Sued auf ewig eins
Ausgeloescht die Grenze des Mains
Heilloser Zwiespalt fuer immer begraben
Bayern und Pfaelzer Franken u. Schwaben
Wie sie mit Preussen u. Hessen u. Sachsen
Alle aus einem Stamme gewachsen
Also mit Allen und Allen gleich
Machtvoll geeinigt zum Deutschen Reich
Wer hat dies gewaltig Werk vollbracht
Und alle Feinde zu Schanden gemacht
Wem hat unser HERRGOTT die Kraft geschenkt
Und die Weisheit die alles zum Ziele gelenkt
Otto von BISMARCK heisst der Mann
Der uns Deutschen das Reich gewann
Das deutsche Reich vom Fels zum Meer
Darum rage zu seiner Ehr
Auch an dieser Stelle das Mal
Kuende den Bergen u. kuende dem Thal
Was er geschaffen in grosser Zeit
Gott erhalt es in Ewigkeit.

In der Ornamentik der Umrahmung sind die Köpfe folgender Personen dargestellt: Otto der Große, Ludwig van Beethoven, Albrecht Dürer, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Barbarossa. Die Errichter der Tefel sahen diese Personen als Vorgänger der Reichsidee an, die Bismarck dann weiter verfolgte.

Textinschrift zur Erinnerung an die am Bau Beteiligten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inschrift an der Wand des Arkadengangs nach Süden zur Erinnerung an die am Bau Beteiligten

In einer in Stein gehauenen Inschrift im Wandelgang nach Süden werden die wichtigsten am Bau Beteiligten genannt:

VOM BISMARCK- VEREIN ERRICHTET DURCH • THEODOR FISCHER BEGONNEN 1896 VOLLENDET 1899 BILDWERKE • V • J • FLOSSMANN

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Schober: Landkreis Starnberg (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.21). 2. Auflage. München/Zürich 1991, S. 54.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b bismarcktuerme.de: 13 Bismarcktürme in Bayern
  2. Bismarckturm Assenhausen > Turmbeschreibung auf bismarcktuerme.de
  3. a b c Winfried Nerdinger: Theodor Fischer – Architekt und Städtebauer 1862–1938. Ausstellungskatalog der Architektursammlung des Technischen Universität München, Ernst & Sohn 1988, ISBN 3-433-02085-X, S. 11f.
  4. a b Winfried Nerdinger: Theodor Fischer – Architekt und Städtebauer 1862–1938. Ausstellungskatalog der Architektursammlung des Technischen Universität München, Ernst & Sohn 1988, ISBN 3-433-02085-X, S. 69.

Koordinaten: 47° 56′ 32,4″ N, 11° 20′ 35,1″ O