Bisztynek

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Bisztynek
Wappen von Bisztynek
Bisztynek (Polen)
Bisztynek
Bisztynek
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Bartoszyce
Fläche: 2,16 km²
Geographische Lage: 54° 5′ N, 20° 54′ OKoordinaten: 54° 5′ 5″ N, 20° 54′ 7″ O
Einwohner: 2418
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 11-230
Telefonvorwahl: (+48) 89
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 203,55 km²
Einwohner: 6466
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 32 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2801043
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Jan Wójcik
Adresse: ul. Kościuszki 2
11-330 Bisztynek
Webpräsenz: bisztynek-ugim.bip-wm.pl



Bisztynek [bʲiʃˈtɨnɛk] (deutsch Bischofstein) ist eine Kleinstadt in der polnischen Wojewodschaft Ermland-Masuren.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im ehemaligen Ostpreußen am Übergang der Allensteiner Seenplatte zur Schippelbeiler Tiefebene, etwa 18 km westlich von Rössel (Reszel), 42 km nordöstlich von Allenstein (Olsztyn) und 72 km südöstlich von Königsberg (Kaliningrad).

Neun Kilometer südlich liegt der etwa 8 km² große Lauternsee (Jezioro Luterskie) zu Füßen des 220 m hohen Voigtsdorfer Berges. Rund um die Stadt erheben sich zahlreiche kleinere Berge, und der Südosten wird von Nadelwäldern bedeckt.

Die Entfernung zur Grenze der russischen Exklave Oblast Kaliningrad im Norden beträgt 38 km.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bischofstein in Ostpreußen, östlich von Heilsberg, nordöstlich von Allenstein und südöstlich von Königsberg, auf einer Landkarte von 1908
Stadtpanorama

Über viele Jahrhunderte bestimmte das Geschick des Fürstbistums Ermland auch die Entwicklung der Stadt.[2] Ihre Entstehung unterscheidet sich aber erheblich von der ihrer Nachbarstädte Heilsberg und Rastenburg, die eng mit der Gründung des Bistums zusammenhängen und daher älter sind. Während diese Städte ihren Ursprung in bischöflichen Burgen aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts haben, entwickelte sich Bischofstein aus einer dörflichen Siedlung, die der ermländische Vogt Bruno von Luter angelegt hatte und der er mit der Gründungsurkunde von 1346 den Namen Schönfließ verlieh. Da der Ort offenbar mehrheitlich von Prußen bewohnt war, setzte sich in der Folgezeit der prußische Name Strowangen durch. Ein Dorf war jedoch zu wenig für die Siedlungspläne des Bistums; denn es konnte den Raum zwischen den schon bestehenden Städten Heilsberg und Rößel nicht genügend ausfüllen. So veranlasste der ermländische Bischof Heinrich III. Sorbom die Gründung einer Stadt, die neben dem Dorf Strowangen errichtet werden sollte. Der in der Handfeste vom 30. April 1385 festgelegte Name Bischofstein nahm zum einen Bezug auf den Gründer und zum anderen auf einen in der Nähe befindlichen auffallend großen Findlingsstein, den so genannten „Griffstein“. Die Stadt erhielt zum Schutz eine feste Mauer mit drei Stadttoren; das Dorf Strowangen blieb zunächst außerhalb.

Im Jahr 1400 weihte Bischof Heinrich die aus Findlingen und Backsteinen errichtete Kirche dem Heiligen Matthias. Einer Legende zufolge floss dabei Blut aus einer Hostie, und dieses Ereignis wurde mit dem kurz darauf folgenden Tode des Bischofs in Verbindung gebracht und als Wunder ausgelegt. Bischofstein wurde daraufhin zum Wallfahrtsort. Der von 1424 bis 1457 residierende Bischof Franz Kuhschmalz war der Stadt besonders zugetan, denn mit seinem am 26. Dezember 1448 ausgestellten Privileg überließ er Bischofstein ein großes Waldgebiet zur Nutzung. Da Bischofstein nicht als Kammersitz vorgesehen war, blieb der Bau einer befestigten Burg aus und das Bistum ließ lediglich ein Amtshaus zur Stationierung seiner Beamten errichten, das erstmals 1429 als „Gerichtshof“ Erwähnung fand. Schon 1457 fiel das Gebäude einem Brand zum Opfer; das Bistum verzichtete jedoch auf den Wiederaufbau. Das Grundstück blieb aber über Jahrhunderte als „Richthof“ in der Erinnerung der Bewohner. Bischofstein blieb bis zur Preußenzeit dem Kammeramt Rößel unterstellt. Der Brand von 1457 hatte seine Ursache im dreizehn Jahre andauernden „Städtekrieg“, den der von Städten im Ordensstaat gegründete Preußische Bund von 1454 bis 1466 gegen den Deutschen Orden führte, um sich gegen die finanzielle Ausbeutung zu wehren. Der ermländische Bischof Paul von Legendorf hatte den Brand selbst befohlen, um die Stadt nicht in die Hände der Aufständischen fallen zu lassen. Der Wiederaufbau der Stadt dauerte über zwei Jahrzehnte und wurde am 5. März 1481 mit einer erneuerten Handfeste besiegelt.

Der Zweite Thorner Frieden von 1466, der den Städtekrieg beendete und die Niederlage des Ordens bestätigte, brachte Bischofstein zusammen mit dem Ermland unter polnische Herrschaft. Während des „Reiterkrieges“ von 1519 bis 1521 zwischen dem Deutschen Orden und Polen wurde Bischofstein von Söldner des Ordens erheblich zerstört. Ein weiteres Mal erlitt die Stadt großen Schaden, als am 9. Juni 1547 ein Feuer ausbrach. Im Jahr 1566 erhielt die Stadt das bischöfliche Privileg, wöchentlich einen Markt abzuhalten. Die Einwohner lebten im 16. und 17. Jahrhundert hauptsächlich vom Mühlen- und Gerbereigewerbe, das heimische Produkte verarbeitete. Am 12. April 1589 brach ein großes Feuer in der Stadt aus, vor dem nur die Kirche und das Pfarrhaus gerettet werden konnte. Im selben Jahr kam eine Pestepidemie über die Stadt, der viele Einwohner zum Opfer fielen. Während des ersten Schwedisch-Polnischen Krieges fielen 1626 schwedische Truppen in die Stadt ein und erzwangen die Abgabe von Lebensmitteln und Fuhrwerken. Von April bis November 1662 wütete erneut die Pest, an der diesmal über 700 Bewohner starben. Auch im dritten Schwedenkrieg (1700–1721) litt Bischofstein unter Truppendurchmärschen, und 1707 brannte die Stadt zum wiederholten Mal ab.

Mit der ersten polnischen Teilung von 1772 kam Bischofstein mit dem Ermland unter preußische Herrschaft. Nachdem das ermländische Siedlungsverbot für evangelische Christen aufgehoben worden war, bekannten sich in Bischofstein 20 Familien zum lutherischen Glauben. Sie erhielten bereits 1773 das Recht, ihre Gottesdienste im Rathaussaal abzuhalten und konnten sich 1803 mit finanzieller Hilfe des preußischen Königs eine eigene Kirche bauen. Nach dem Sieg Napoleons über Preußen besetzten französische Truppen am 8. Januar 1807 Bischofstein, und zwei Generäle nahmen dort Quartier. Die Stadt hatte Kontributionszahlung zu leisten, die insgesamt 13.363 Taler betrugen. Nach Napoleons Niederlage in Russland zogen 1812 noch einmal französische Soldaten durch Bischofstein, plünderten das städtische Vorratslager für Lebensmittel und entwendeten zahlreiche Transportmittel. Am 28. Mai 1812 bezog der preußische Thronfolger für einige Tage Quartier in der Stadt, während gleichzeitig der französische Marschall Ney das Pfarrhaus besetzt hielt. Als Ostpreußen 1813 für den Befreiungskrieg eine Landwehr aufstellte, schlossen sich ihr 217 Bürger von Bischofstein an.

Als nach Kriegsende Preußen 1815 seine Kreisverwaltung neu organisierte, wurde Bischofstein dem Kreis Rößel zugeordnet. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten in der Stadt etwa 760 Familien, die hauptsächlich von der Landwirtschaft lebten. Hinzu kamen zahlreiche Töpfer, die am nahen Ziegelberg Ton von guter Qualität vorfanden. Um 1850 war Bischofstein an die neu gebaute Chaussee Bartenstein – Bischofsburg angeschlossen worden. Da aber der Eisenbahnanschluss erst 1908 mit der Strecke Heilsberg – Rößel erfolgte, siedelte sich in Bischofstein kaum Industrie an. So veränderten sich auch die Einwohnerzahlen nur geringfügig. 1852 hatte die Stadt 2966 Einwohner, die zu 90 % katholisch waren. 1910 lag die Einwohnerzahl bei 3183. Als nach dem Ersten Weltkrieg neben anderen südlichen Kreisen Ostpreußens auch im Kreis Rößel eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit zu Ostpreußen oder Polen durchgeführt werden musste, stimmten etwa 90 % in Bischofstein für den Verbleib bei Ostpreußen. Auch im 20. Jahrhundert blieb die Stadt nicht von großen Stadtbränden verschont, so 1909 und zuletzt 1939.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Bischofstein Ende Januar 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende war die Stadt zu großen Teilen zerstört. Im Sommer 1945 wurde Bischofstein von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. Für Bischofstein wurde die polnische Ortsbezeichnung Bisztynek eingeführt. Es begann danach die Zuwanderung polnischer Zivilisten, die zum Teil aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. Nach der Übernahme durch die polnische Verwaltung wurden die nicht geflohenen Deutschen ausgewiesen und die Stadt mit Polen, vorwiegend aus den sowjetisch besetzten polnischen Ostgebieten, besiedelt.

Heute ist der Ort Zentrum der Gemeinde Bisztynek (Gmina Bisztynek) im Powiat Bartoszycki. Bedeutendstes Bauwerk der relativ gut erhaltenen Kleinstadt ist die Kirche St. Matthias (um 1400) mit ihrem markanten eingezogenen Barockturm.

Einwohnerentwicklung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 2141 [3]
1816 2120 [4]
1831 2514 [5]
1858 3138 davon 2746 Katholiken, 328 Evangelische und 64 Juden[6]
1864 3333 am 3. Dezember[7]
1871 3503 davon 330 Evangelische und 70 Juden[8]
1875 3472 [9]
1880 3471 [9]
1890 3232 davon 285 Evangelische und 58 Juden[9]
1900 3151 [10]
1933 3265 [9]
1939 3163 [9]

Gmina Bisztynek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gmina gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name
(seit 1945)
deutscher Name polnischer Name
(seit 1945)
deutscher Name polnischer Name
(seit 1945)
deutscher Name
Biegonity Begnitten Łędławki Linglack Sułowo Schulen
Bisztynek Bischofstein Mołdyty Molditten Swędrówka Zandersdorf
Bisztynek-Kolonia Niski Młyn Niedermühl Troksy Truchsen
Dąbrowa Damerau Nisko Niederhof Troszkowo Klackendorf
Grzęda Sturmhübel Nowa Wieś Reszelska Rosenschön Unikowo Glockstein
Janowiec Johannisruhe Paluzy Plausen Warmiany Schönwalde
Kokoszewo Gerthen Pleśnik Plössenhof Winiec Wienken
Krzewina Strauchmühl Pleśno Plössen Wojkowo Heinrichsdorf
Księżno Fürstenau Prosity Prossitten Wozławki Wuslack
Łabławki Lablack Sątopy Santoppen
Lądek Landau Sątopy-Samulewo Bischdorf

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Goerig (1825–1887), Arzt und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses
  • Paul Wegener (1874–1948), Theater- und Filmschauspieler, Filmregisseur, Produzent und Drehbuchautor

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist über die Landesstraße 57 an das Straßennetz angebunden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bisztynek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 231–232.
  3. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 22, Abschnitt VI., Ziffer 2.
  4. Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 1: A–F. Halle 1821, S. 120, Ziffer 2744.
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 511, Nr. 104.
  6. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 214–220.
  7. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Berlin 1966, 19. Kreis Roessel, S. 2.
  8. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 18, Ziffer 12.
  9. a b c d e Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. roessel.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 2, Leipzig/Wien 1905, S. 906.