Bitch

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Dieser Artikel behandelt das englische Wort. Zur US-amerikanischen Metalband siehe Bitch (Band), für die französische Gemeinde siehe Bitche.

Bitch ist eine Tiermetapher, mit der eine Frau als „(räudige/läufige) Hündin“ (ursprüngliche Bedeutung des englischen Worts) entmenschlicht wird. Im Englischen ist der Begriff als Schimpfwort bzw. Dysphemismus bereits seit 1400 nachgewiesen und steht für die „Bezwingung, Herrschaft und Nutzung“ einer Frau (oder eines homosexuellen Mannes) – quasi als Nutztier – durch einen Mann.[1] Die im Christentum verpönte Beischlafstellung von hinten (a tergo) dürfte bei der Entwicklung der beleidigenden Bedeutungskomponente Pate gestanden haben. Auch in anderen Sprachen wird diese Metapher als sexuell erniedrigendes Pejorativ für Frauen verwendet, z.B. fr. chienne, it. cagna, sp. perra, ru. су́ка [súka], tü. orospu, ar. الكلبة [al-kulba].

Insbesondere wird auch die Wendung son of a bitch „Hundesohn, Hurensohn“ (fr. fils de chienne, it. figlio di una cagna, sp. hijo de perra ru. су́кин сын [súkin syn], tü. orospu çocuğu) zur Beleidigung eines männlichen Gegenüber benutzt.

Im Deutschen fehlt die Assoziation der animalischen Erniedrigung und der beleidigende Ausdruck bezeichnet vor allem eine Frau mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern bzw. eine Prostituierte, ist also bedeutungsähnlich etwa mit Flittchen, Schlampe, Nutte, Hure oder einfach nur beldeidigend Miststück. Auch im Japanischen folgt das Lehnwort ビッチ bitchi mit seinem Fokus auf einen promiskuitiven Lebenswandel[2] eher dem deutschen Begriffsfeld, als dem englischen. Der Ausdruck gewann vor allem seit den 1990er Jahren verstärkt Einfluss im Deutschen.

Im Englischen kann der Begriff auch allgemein für etwas unangenehmes verwendet werden, so z.B. in der Redewendung life is a bitch (dt. etwa: „das Leben ist kein Wunschkonzert“), ähnlich auch das Verb (to) bitch ‚rummeckern‘.[3] Die in den 1950ern aufgekommene adjektivischen Verwendung von bitchin’ hat dem Gegenüber eine positive Bedeutung wie in a bitchin’ car („ein cooles/tolles Auto“).[4]

Der Begriff in der deutschen Sprache

Im Zuge der zunehmenden Verbreitung von Anglizismen wird der Begriff im Deutschen immer häufiger verwendet.

Besonders große Verbreitung hat der Begriff in der Hip-Hop-Szene. Auch in deutschsprachigen Rap-Texten wird das Wort „inflationär gebraucht“ – laut einer Auswertung von 320 Texten aus den Jahren 2001 bis 2004. Dabei wird es teils als eine Bezeichnung für Frauen im Allgemeinen oder auch als Schimpfwort für einen Mann benutzt. Insbesondere wird es benutzt von Rappern für andere Rapper, denen man vorwirft, aus kommerziellen Interessen Szene-Werte zu verraten (auch sell-out genannt). In diesem Fall wird „Bitch“ mit „Prostituierte“ gleichgesetzt.[5]

Teilweise wird „Bitch“ auch von Frauen offensiv als Selbstbezeichnung verwendet, um den Begriff positiv umzudeuten – vergleichbar mit der Umdeutung von Begriffen wie Nigger, schwul und queer – etwa in der Riot-grrrl-Bewegung der 1990er Jahre[6] oder von Rapperinnen.[7] Ein bekanntes Beispiel dafür ist Missy Elliott, deren Ausspruch „Eine bitch ist ein selbstbewusstes Mädchen für mich“ als „legendär“ gilt.[8] Auch ist der Begriff im Sinne der aufmüpfigen Frau und nicht der Prostituierten gemeint. Auch Lady Bitch Ray legt in ihrem Lied „Ich bin 'ne Bitch!“ Bitch als Kompliment und als Trend aus.

Einzelnachweise

  1. Karrin Vasby Anderson, Kristina Horn Sheeler: Governing Codes: Gender, Metaphor and Political Identity. New York 2005, S. 28f.
  2. 女同士の悪口英語!ダークなガールズトークで女子が使うけなし表現13選!. In: 英トピ. 4. April 2016, abgerufen am 19. März 2017 (japanisch).
  3. bitch. In: Merriam-Webster. Abgerufen am 19. März 2017 (englisch).
  4. bitchin'. In: Merriam-Webster. Abgerufen am 19. März 2017 (japanisch).
  5. Natalie Philippe: Kunst und Gewalt: Battles im HipHop. Eine diskursanalytische Untersuchung der Sprechakte „boasten“ und „dissen“ in deutschsprachigen Rap-Texten der Jahre 2001 bis 2004 (PDF-Datei; 879 kB). Diplomarbeit im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Justus Liebig-Universität, Gießen 2005. S. 104.
  6. gendertrouble_queer_pop Reader zu einem Gender-Studies-Seminar im Wintersemester 2004/2005 an der TU Hamburg-Harburg. S. 21, S. 25.
  7. Natalie Philippe: Kunst und Gewalt: Battles im HipHop. Eine diskursanalytische Untersuchung der Sprechakte „boasten“ und „dissen“ in deutschsprachigen Rap-Texten der Jahre 2001 bis 2004 (PDF-Datei; 879 kB). Diplomarbeit im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Justus Liebig-Universität, Gießen 2005. S. 17.
  8. Institut für Jugendkulturforschung/Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz: Trend: Weibliche „Role-Models“ im Pop. Wien 2004.

Weblinks

 Wiktionary: bitch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen