Blähton

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Blähtonkugeln
Leca pellets.jpg

Blähton ist ein Bau- und Werkstoff mit verschiedenen Einsatzmöglichkeiten. Blähton ist kein Schaumbeton.

Herstellung[Bearbeiten]

Als Rohstoff wird kalkarmer Ton mit fein verteilten organischen Bestandteilen verwendet. Dieser wird gemahlen, granuliert und ohne jegliche künstliche oder chemische Zusätze bei rund 1200 Grad Celsius im Drehrohrofen gebrannt. Dabei verbrennen die organischen Zuschlagsstoffe und das Material bläht sich durch das bei der Verbrennung entstehende Kohlendioxid kugelförmig auf. Blähton erreicht dabei das Vier- bis Fünffache des Ausgangsvolumens. Der Kern ist geschlossenporig, die Oberfläche gesintert.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Versuche zur Herstellung von Blähton wurden im Jahr 1917 in einer Ziegelei in Birmingham/USA angestellt. Als Erfinder gilt S.J. Hayde, weshalb das Material in den USA auch heute noch als Haydite bezeichnet wird. Das Verfahren wurde in Dänemark aufgegriffen und weiterentwickelt. Als Abkürzung für „lightweight expanded clay aggregates“ (leichter, geblähter Zuschlag aus Ton) wurde hier der Markenname Leca eingeführt. Es folgten die Niederlande, Großbritannien, Schweden (Sillit) und die UdSSR (Keramsit). In Deutschland wurde das erste Blähtonwerk 1955 in Hennstedt (Dithmarschen) in Betrieb genommen. In Deutschland ist der Blähton u. a. unter dem Markennamen Liapor bekannt, der von der Fa. Lias in Putzfeld hergestellt und vertrieben wird. Nur naturreiner und besonders hochwertiger Ton ist für Liapor geeignet. Der bis zu 180 Millionen Jahre alte Ton im Zeitalter des Lias entstanden, eignet sich nicht nur besonders gut zur Herstellung eines hervorragenden Produktes, sondern gab ihm auch seinen Namen: Liapor. Das natürliche Rohmaterial wird dabei landschaftsschonend und flächensparend abgebaut.

Verwendung[Bearbeiten]

Wegen der nahezu idealen Kugelform mit einem Durchmesser bis 40 Millimeter ist Blähton als Zuschlag in Mörtel, Beton und Lehm geeignet. Er wird deshalb bei der Herstellung von gefügedichtem und haufwerksporigem Leichtbeton eingesetzt. Auch im Bereich massiver Systemrohbau kommt Liapor aufgrund der guten Eigenschaften immer mehr zum Einsatz. Hier werden aus dem speziellen Leichtbeton ganze Wände im Werk vorproduziert und in kürzester Zeit auf der Baustelle zusammengesetzt. Körnungen mit einem Durchmesser bis vier Millimeter werden in Mauer-, Putz- und Estrichmörtel verwendet. Dabei werden insbesondere das geringe Gewicht wie auch die gut wärmedämmenden Eigenschaften des Blähtons ausgenutzt. Ohne weitere Bearbeitung oder Behandlung kann Blähton als wärmedämmende und raumstabile Schüttung eingebaut werden.

Im Garten- und Landschaftsbau wird Blähton zur Bodenverbesserung, zur Dachbegrünung und bei der Hydrokultur eingesetzt. Blähton ist ein inerter Substratersatz, der in der Hydrokultur breite Anwendung findet. Da Blähton keine Nährstoffe binden kann, lässt sich hier der Nährstoffgehalt ausschließlich über das Wasser (Nährlösung) steuern.

Spezialanwendungen[Bearbeiten]

Neben diesen Standardanwendungen gibt es weitere Einsatzgebiete für Blähton:

Verwechslungen[Bearbeiten]

Blähton ist nicht identisch mit dem vereinzelt als Blähbeton bezeichneten Porenbeton.

Literatur[Bearbeiten]

Zur frühen geschichtlichen Entwicklung:

  • Reinsdorf, S.: Leichtbeton, Bd. I: Leichtbeton aus porigen Zuschlagstoffen. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1961.

Zu bautechnischen Eigenschaften des Zuschlags:

  • Wesche, K.: Baustoffe für tragende Bauteile, Bd. 2: Beton, Mauerwerk. Bauverlag, Wiesbaden und Berlin, 3. Aufl. 1993; ISBN 3-7625-2681-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Blähton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Blähton – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen