Blücherdenkmal (Rostock)

Das Blücherdenkmal auf dem Universitätsplatz in Rostock erinnert an den deutschen Befreiungskämpfer Gebhard Leberecht von Blücher. Das klassizistische Standbild wurde 1819 nach einem Entwurf von Johann Gottfried Schadow errichtet. Es ist das älteste Blücherdenkmal Deutschlands.
Gestaltung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die überlebensgroße Statue zeigt Blücher ohne Kopfbedeckung, mit wallendem Mantel, auf der Brust ein Löwenfell mit Kopf. In der rechten Hand trägt der Feldmarschall den Marschallstab, in der Linken einen Pallasch der Husaren.
Die Bronzefigur des antinapoleonischen Befreiungskämpfers steht auf einem Sockel, dessen vier Seiten mit Bronzereliefs versehen sind. Diese zeigen auf der Vorderseite das Familienwappen Blüchers mit der Widmung Dem Fürsten / Blücher / von / Wahlstatt / die Seinigen, auf der rechten Seite eine allegorische Darstellung der Schlacht von Ligny, in der Blücher mit dem Pferd stürzte und von Napoleon besiegt wurde, auf der linken Seite eine allegorische Darstellung der Schlacht bei Belle-Alliance, die heute als Schlacht bei Waterloo bekannt ist und in der Blücher Napoleon besiegte, und auf der Rückseite ein Gedicht von Goethe: In Harren / Und Krieg / In Sturz / Und Sieg / Bewußt und groß / So riß er uns / Von Feinden los.
Das Denkmal zu Ehren von Rostocks erstem Ehrenbürger wurde am 26. August 1819 auf dem Hopfenmarkt, dem späteren Blücherplatz und heutigen Universitätsplatz, enthüllt.
- Reliefs
- Vorderseite: Widmung
- Rechte Seite: Schlacht bei Ligny
- Linke Seite: Schlacht bei Belle-Alliance
- Rückseite: Gedicht
Geschichte
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Am 22. Juli 1814 erschien in der Zeitung Der Hamburgische Unpartheyische Correspondent ein Artikel, in dem über den angeblichen Plan der Stadt Rostock berichtet wurde, Blücher in seiner Geburtsstadt ein Denkmal zu errichten. Auch von der großen Zustimmung in der Bevölkerung war die Rede und darüber, dass die Kaufleute der Stadt bereits 2500 Taler gesammelt hätten. Diese Meldung wurde von anderen Blättern übernommen und verbreitet. Blücher bedankte sich in einem Schreiben vom 19. August 1814 für diese Ehre. Er schrieb an die Stadtväter: Aus den öffentlichen Blättern ersehe ich, daß die von mir so innig geliebte Vaterstadt sich meiner erinnert. Ich finde nicht Worte, Ihnen, Hochverehrte Herrn, und den sämtlichen Einwohnern von Rostock meinen Danck so auszudrücken, wie ihn mein Herz fühlt.
In Rostock war von diesem Plan nichts bekannt, die Meldung der Zeitungen stellte sich als frei erfunden heraus. Durch den entstandenen öffentlichen Druck jedoch wandte sich der Rat an die Fürstenhäuser von Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz und an die Landesversammlung. Nach deren Zustimmung zum Bau und der Zusage der Finanzierung im Dezember 1814 wurde der Berliner Bildhauer Johann Gottfried Schadow mit dem Entwurf beauftragt. Die Leitung des Baus hatte der Kammerherr August Claus von Preen. Schadow zog zur Konzeption des Kunstwerks Johann Wolfgang von Goethe zu Rate, der auf Bitten des Rostocker Rates den Spruch auf dem rückseitigen Relief verfasste.
Blücher selbst stand dem Vorhaben, dass ihm ein Denkmal errichtet werden soll, eher zurückhaltend gegenüber. Am 8. Februar 1816 schrieb er: „So geehrt ich mich auch durch das in meiner Vaterstadt zu errichtende Denkmal in meiner Vaterstadt fühlen muß, so kann ich doch nicht umhin, mir die Bemerkung zu erlauben, daß man das Wenige, was ich zu leisten im Stande war, zu hoch in Anrechnung bringt, und die Entscheidung hierüber doch wohl eigentlich nur der Nachwelt gebührte.“
Der Granitsockel wurde in der ehemaligen Schleifmühle in Schwerin gefertigt, die Statue in der Berliner Werkstatt Schadows, in der damals neuen Monumentalerzgusstechnik. Der Kopf wurde nach einer Büste modelliert, die Christian Daniel Rauch nach dem lebenden Vorbild gestaltet hatte. Das Denkmal wurde in eine Grünanlage in der Mitte des damaligen Hopfenmarktes errichtet und von einem Ziergitter eingefasst.
Das Fest mit der feierlichen Enthüllung des Denkmals fand am 26. August 1819 statt, dem Jahrestag der Schlacht an der Katzbach. Der Einladung zur Einweihung konnte Blücher wegen einer Erkrankung nicht mehr folgen. Er starb bereits zwei Wochen später. Auch Schadow blieb der Veranstaltung wegen einer Erkrankung fern, er hielt sich zur Genesung in Warnemünde auf. Goethe erreichte die Einladung zu spät und Großherzog Friedrich Franz I. entschuldigte sich wegen zu vieler Geschäfte und wirklich vorhandener Unpäßlichkeit. Der Hopfenmarkt wurde kurz darauf in Blücherplatz umbenannt.
Im Jahr 1938 wurde das Denkmal um einige Meter versetzt und dabei gedreht: Ursprünglich stand es in der Platzmitte mit Blick Richtung Südosten, wo sich in der damaligen Blücherstraße 22 (heutigen Rungestraße 19) das Geburtshaus des Feldmarschalls befand. Seither steht es am Platzrand mit Blick Richtung Nordosten. Gleichzeitig wurde der Schutzzaun entfernt. Vor der seit 1940 für die Rüstung durchgeführten Metallspende des deutschen Volkes war das Blücherdenkmal als historisch und künstlerisch wertvoll durch Entscheid des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 5. Mai 1942 verschont. Im Spätherbst jenes Jahres wurde das Standbild abgenommen und als Schutz vor Bombenangriffen in der Marienkirche eingemauert.[1] Als die Rote Armee im April 1945 Rostock besetzte, sollte das Denkmal zerstört werden. Bruno Claußen, der Direktor der Universitätsbibliothek Rostock, ließ sich zum Kommandeur führen und erklärte ihm, dass Blücher in den Befreiungskriegen Verbündeter, „Kriegskamerad“ der Russen gewesen war. Das Denkmal blieb unberührt.[2] Der Blücherplatz wurde 1945 in Stalinplatz und 1961 schließlich in Universitätsplatz umbenannt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Reiner Mnich, Lutz Nöh: Rostock und Warnemünde – Bildende Kunst im Stadtbild. Hinstorff, Rostock 2000, ISBN 3-356-00850-1.
- Karsten Schröder (Hrsg.): In deinen Mauern herrsche Eintracht und allgemeines Wohlergehen. Koch, Rostock 2002, ISBN 3-929544-68-7.
- Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. Band 1: Die Amtsgerichtsbezirke Rostock, Ribnitz, Sülze-Marlow, Tessin, Laage, Gnoien, Dargun, Neukalen. Schwerin 1899, DNB 368136256.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Meckl. Landeshauptarchiv, Sign. 5.1-7/1 Nr. 6986
- ↑ Mitteilung Rainer Assmann nach Claußens Sohn Dr. Rolf Claußen (1932–2003), Arzt in Kassel.
Koordinaten: 54° 5′ 16,5″ N, 12° 8′ 2″ O