Black Athena

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Black Athena: The Afroasiatic Roots of Classical Civilization (deutsch: Schwarze Athene. Die afroasiatischen Wurzeln der griechischen Antike) ist ein dreibändiges Werk von Martin Bernal aus den Jahren 1987, 1991 und 2006. In Black Athena stellt er die umstrittene Hypothese auf, dass sich die Kultur des antiken Griechenlands von den Kulturen der Phönizier und Ägypter ableitet. Damit würde der Ursprung der westlichen Zivilisation im vorderasiatischen und nordafrikanischen Raum liegen und nicht wie bisher angenommen in Europa.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Bernals (1937–2013) eigentliches Fachgebiet war nicht das klassische Altertum, da er Professor für Sinologie an Universität Cambridge und an der Cornell University war, bis er sich 2001 emeritieren ließ. Sein Forschungsschwerpunkt lag auf der Entwicklung der chinesischen Sprache. Bei der Schwarzen Athene versucht er, kulturelle Einflüsse auf der sprachlichen Ebene nachzuweisen, während er archäologische Beweise und historische Berichte bis zu einem gewissen Grad verwirft.

Bernal zufolge gibt es zwei Haupttheorien über den Ursprung der griechischen Zivilisation: das „arische Modell“ und das „phönizische Modell“. Laut dem arischen Modell wurde Griechenland von Nordwesten aus besiedelt, die Einwanderer stammten also aus dem zentralen Europa. Dieses Modell unterteilt Bernal in zwei Fassungen, die „starke“ und die „schwache“ Version. Die starke Version besagt, dass Griechenland vor der Einwanderung durch die Arier unbesiedelt war, die schwache Version geht davon aus, dass es eine einheimische Bevölkerung gab.

Bernal weist das arische Modell wegen fehlender Beweise zurück. Er zitiert griechische Historiker, um zu belegen, dass die Zeitgenossen von Sokrates, Platon und Aristoteles der Meinung waren, dass die Phönizier Griechenland kolonisierten. Darauf aufbauend stellt er die Hypothese auf, dass die Einwanderer aus dem Norden auf eine phönizische Kolonie trafen, mit der sie sich vermischten. Zusätzlich bemüht er sich zu belegen, dass die Ägypter und Phönizier hauptsächlich afrikanischen und nicht mediterranen Ursprungs waren.

Forschungskontext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den Ariern sind hier die frühen Indogermanen gemeint. Der Begriff „Arya-“ ist nur im indo-iranischen Bereich als Selbstbezeichnung belegt; die weitere Verwendung beruht auf nicht mehr akzeptierten etymologischen Deutungen und wird daher unter Fachleuten mittlerweile vermieden. Ebenfalls veraltet ist die Meinung, die Ursprünge der Indogermanen seien in Mitteleuropa zu suchen; sie werden heute weiter östlich vermutet. Zur griechischen Ethnogenese: Heutzutage ist die gängigste Annahme diejenige, dass es eine einheimische Bevölkerung auf der Balkanhalbinsel gab, und Spuren vorindogermanischer Substratsprachen im antiken Griechenland fortdauern. Die minoische Kultur gilt heutzutage meistens als vorindogermanisch, die frühkykladische und frühhelladische Kultur sowie Zypern vor der Spätbronzezeit werden ebenfalls mehrheitlich als vorindogermanisch angesehen. Die vorherrschende Meinung ist diejenige, dass die Griechen als Resultat der Vermischung einer einheimischen Bevölkerungsschicht mit indogermanischen Einwanderern (deren Sprache sich unter dem Einfluss der einheimischen Substratsprachen allmählich zur griechischen entwickelte) wohl im Laufe des 2. vorchristlichen Jahrtausends entstanden sind, und dann erst phönizische Einflüsse wirksam wurden.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englisch
Band 1:
  • Black Athena. The Afroasiatic Roots of Classical Civilization Rutgers University Press (1987) ISBN 0-8135-1277-8)
  • Black Athena. Afro-Asiatic Roots of Classical Civilization. The Fabrication of Ancient Greece, 1785-1985 Vol 1 (Paperback) Vintage; New Ed edition (21 Nov 1991) ISBN 978-0099887805
  • Black Athena. Afro-Asiatic Roots of Classical Civilization. The Fabrication of Ancient Greece, 1785-1985 Vol 1 (Paperback) Free Association Books (29 Nov 2004) ISBN 978-0946960569
Band 2:
  • Black Athena. Afro-Asiatic Roots of Classical Civilization. The Archaeological and Documentary Evidence Vol 2 (Paperback) Publisher: Free Association Books (1 Jan 1991) ISBN 978-1853430541
  • Black Athena. The Afroasiatic Roots of Classical Civilization Vol 2 (Hardcover) Rutgers University Press (Jul 1991) ISBN 978-0813515847
Band 3:
  • Black Athena. The Afroasiatic Roots of Classical Civilization, Volume III: The Linguistic Evidence Vol 3 (Hardcover) Rutgers University Press (25 Nov 2006) ISBN 978-0813536552
  • Black Athena. The Afroasiatic Roots of Classical Civilization, Volume III: The Linguistic Evidence Free Association Books (1 Feb 2006) ISBN 978-1853437991
Deutsch
  • Übersetzung von Joachim Rehork: Schwarze Athene. Die afroasiatischen Wurzeln der griechischen Antike. Wie das klassische Griechenland „erfunden“ wurde. Verlag List, München 1992, ISBN 3-471-77170-0

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mary Lefkowitz: Not out of Africa. How Afrocentrism Became an Excuse to Teach Myth as History. Erste Ausgabe: Basic Books, New York 1996. 2, Überarbeitete Ausgabe: Basic Books, New York 1997. ISBN 046509838X
  • Mary Lefkowitz, Guy MacLean Rogers (Hrsg.): Black Athena Revisited. The University of North Carolina Press, Chapel Hill 1996. ISBN 0807845558
  • David Chioni Moore (Hrsg.), Martin Bernal: Black Athena Writes Back. Martin Bernal Responds to His Critics. Duke University Press, Durham 2001. ISBN 978-0822327066.
  • Thomas A. Schmitz: Ex Africa Lux? Black Athena and the Debate about Afrocentrism in the US. In: Göttinger Forum für Altertumswissenschaft 2, 1999, 17–76, online (PDF)
  • Wim van Binsbergen (Hrsg.): Black Athena Comes of Age. Berlin 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]