Blaise Cendrars

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Blaise Cendrars, 1916
Blaise Cenrdars (Unterschrift).jpg
Büste von Blaise Cendrars (ca. 1911) von August Suter

Blaise Cendrars (* 1. September 1887 in La Chaux-de-Fonds, Kanton Neuenburg; † 21. Januar 1961 in Paris; eigentlicher Name Frédéric-Louis Sauser) war ein französischsprachiger Schweizer Schriftsteller und Abenteurer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cendrars kam 1887 als Sohn des Kaufmanns Georges Frédéric Sauser und der Marie-Louise Sauser, geborene Dorner,[1] in der von der Uhrenindustrie beherrschten Stadt La-Chaux-de-Fonds zur Welt. Er war ein jüngerer Bruder des späteren Juristen Georges Sauser (1884–1966).

Nach einer wechselhaften Schullaufbahn im italienischen Neapel[1] und in der Schweiz, die ihn im Jahr 1902 an der „Unteren Realschule“ in Basel mit seinem lebenslangen Freund August Suter zusammenführte, lief er von zu Hause weg. Seine Reisen führten ihn mehrfach um die Erde; so lebte er in den Jahren 1905–1907 als Handelskorrespondent[1] eines Schweizer Juweliers in St. Petersburg, wohin er, nach einem abgebrochenen Studium an der Universität Bern, im Juni 1911 kurz zurückkehrte,[1] und bereiste die Mandschurei und die Republik China. Als junger Mann führte er das Leben eines Abenteurers und versuchte sich in verschiedenen Berufen – unter anderem als Imker, als Fremdenlegionär und als Schausteller.

Im Jahr 1910 kam er erstmals nach Paris, doch bereits im November 1911 reiste nach New York, wo er sein erstes langes Gedicht Les Pâques à New York („Ostern in New York“) verfasste, das er erstmals unter seinem Künstlernamen veröffentlichte. Im Sommer des Jahres 1912 kehrte er nach Paris zurück, wo er beispielsweise mit Guillaume Apollinaire, Marc Chagall, Robert und Sonia Delaunay, Fernand Léger, Henry Miller, Amedeo Modigliani freundschaftlich verbunden war. Gleich bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 meldete sich Blaise Cendrars als Freiwilliger bei der französischen Fremdenlegion. Während eines Angriffs in der Champagne verlor er im Jahr 1915 seinen rechten Arm, doch als Schweizer mit Wohnsitz in Paris fühlte sich der junge Avantgarde-Dichter verpflichtet, seine Wahlheimat gegen die Deutschen zu verteidigen. Gegen Ende des 1. Weltkriegs arbeitete er mit dem Filmregisseur Abel Gance bei dessen Projekt J’accuse („Ich klage an“) zusammen. Spätere Reisen führten den Schriftsteller u. a. nach Rom (1921), Brasilien (1924–1928) und Spanien (1931).

In die Wand geborte Streetart des Portugiesen Telmo Guerra in La Chaux-de-Fonds: Le Corbusier, Monique Saint-Hélier und Blaise Cendrars, die drei bekanntesten Künstler der Uhrmachermetropole.[2]

Blaise Cendrars war zwei Mal verheiratet; mit Félicie Poznanska,[1] und später mit der Schauspielerin Raymone Duchâteau.[1] Ab 1950 lebte Cendrars in Paris, wo er im Jahr 1961 starb. Er ist auf dem Friedhof von Le Tremblay-sur-Mauldre begraben. Seine Geburtsstadt La Chaux-de-Fonds hat das Gymnasium Lycée Blaise Cendrars nach ihm benannt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein schriftstellerisches Gesamtwerk umfasst etwa 40 Bände. Die deutschsprachigen Ausgaben wurden – abgesehen von Gold, seinem Roman über Johann August Sutter – zuerst vom Verlag Karl Rauch, vom Arche Verlag und später vom Lenos Verlag herausgegeben. Sein Nachlass befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.

Gedichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Poesie. Rauch, Düsseldorf 1962.
  • Gedichte I–III. Französisch-Deutsch. 3 Bände, Arche, Zürich 1976/77/78
  • Die Prosa von der Transsibirischen Eisenbahn und der kleinen Jehanne von Frankreich. Lenos, Basel 1998, ISBN 3-85787-273-X.
  • Ich bin der Andere. Gesammelte Gedichte. Lenos, Basel 2004, ISBN 3-85787-347-7.

Prosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gold. Die fabelhafte Geschichte des Generals Johann August Suter (L’or, 1925). Deutsch von Ivan Goll. Rhein, Basel 1925 & Arche, Zürich 1998, ISBN 3-7160-2053-2.
  • Wind der Welt (À l’aventure, 1958). Vorwort Henry Miller. Karl Rauch, Düsseldorf 1960 & Suhrkamp, Frankfurt 1990
  • Kleine Negermärchen. Rauch, Düsseldorf 1961.
  • Moloch. Das Leben des Moravagine. Rauch, Düsseldorf 1961, Arche, Zürich 1987 & als Moravagine. Monsterroman: Die Andere Bibliothek, Berlin 2014, ISBN 978-3-8477-0352-5.
  • Madame Thérèse. Roman. Rauch, Düsseldorf 1962.
  • Dan Yack. Rauch, Düsseldorf 1963; Arche, Zürich 1988, ISBN 3-7160-2056-7.
  • Der alte Hafen. Autobiographische Erzählungen. Rauch, Düsseldorf 1964; Arche, Zürich 1975.
  • Weihnacht an allen Enden der Welt (Noëls aux quatre coins du monde, 1953). Arche, Zürich 1975.
  • Gleitflug. Erzählungen. Arche, Zürich 1976.
  • Rum. Roman. Arche, Zürich 1977 und 1988, ISBN 3-7160-2078-8.
  • Abhauen. Erzählung (Partir, 1952). Lenos, Basel 1987; als Taschenbuch 1998, ISBN 3-85787-646-8.
  • Im Hinterland des Himmels. Zu den Antipoden der Einheit. (L’eubage, 1926). Lenos, Basel 1987, als Taschenbuch 1999, ISBN 3-85787-650-6.
  • Brasilien. Eine Begegnung (Le Brésil, 1952). Lenos, Basel 1988, als Taschenbuch 2001, ISBN 3-85787-665-4.
  • John Paul Jones. Die Geschichte seiner Jugend. Romanfragment. Lenos, Basel 1990, ISBN 3-85787-194-6.
  • Auf allen Meeren. (Bourlinguer, 1948) Lenos, Basel 1998, ISBN 3-85787-274-8, als Taschenbuch 2008, ISBN 978-3-85787-714-8.
  • Am Mikrofon. Gespräche mit Michel Manoll. (Blaise Cendrars vous parle... 1952) Lenos, Basel 1999, ISBN 3-85787-283-7.
  • Die Signatur des Feuers. (L’homme foudroyé, 1945) Lenos, Basel 2000, ISBN 3-85787-300-0.
    • Teilausgabe als: Zigeuner-Rhapsodien. Karl Rauch, Düsseldorf 1963
      • Auszug daraus: Die Mutter. Dialog. Vendetta. Goldmann, München 1965[3] S. 176–196.
  • Reisen im Rückwärtsgang. Zwei Dichter unterwegs mit der Transsibirischen Eisenbahn (mit Kurt Drawert). Arche, Zürich 2001, ISBN 3-7160-2282-9.
  • Die rote Lilie (La main coupée, 1946). Lenos, Basel 2002, ISBN 3-85787-327-2.
  • Rhapsodie der Nacht (Le lotissement du ciel, 1949). Lenos, Basel 2008, ISBN 978-3-85787-383-6.
    • Auswahl in: Der neue Schutzpatron der Flieger. Bericht und Lobpreisung. Arche, Zürich 1980.
    • Teilausgabe als: Sternbild Eiffelturm. Arche, Zürich 1982
  • Abhauen Erzählung. Illustrationen von Harald Häuser. Molokoprint Verlag, 2017, ISBN 978-3-943603-23-1.

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hörspiele. Filme ohne Bilder. Rauch, Düsseldorf 1965.

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ballett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Blaise Cendrars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Jean-Carlo Flückiger: Blaise Cendrars. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 5. Juli 2005, abgerufen am 20. Oktober 2020.
  2. La Chaux-de-Fonds et Neuchâtel ornent leurs murs de fresques. In: SWI swissinfo.ch. 28. September 2017, abgerufen am 21. September 2020.
  3. Gesamttitel: Adalbert Keil (Hrsg.): Die Prophezeiung. Zigeunergeschichten. (= Goldmanns Gelbe TB #1622). München 1965. (Anthologie, zuerst bei Kurt Desch, ebd. 1964)