Blanco (Oberderdingen)

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BLANCO Gruppe
Logo von Blanco
Rechtsform GmbH + Co KG
Gründung 1925
Sitz Oberderdingen, Baden-Württemberg

Leitung

  • Achim Schreiber (Vors. der Geschäftsführung),
  • Rüdiger Böhle (kaufm. Geschäftsführung)
  • Wolfgang Schneider (Geschäftsführung Technik)
Mitarbeiter 1420 weltweit (2016)[1]
Umsatz 361 Mio. EUR (2016)[2]
Branche Küche
Website www.blanco-germany.com

Die Blanco Gruppe (Eigenschreibweise: BLANCO) ist ein deutsches Familienunternehmen mit Sitz in Oberderdingen (Baden-Württemberg) und Hersteller von Haushaltsspülen. Das Unternehmen wurde 1925 gegründet. Seit den 1930er Jahren besteht eine Kooperation mit der ebenfalls in Oberderdingen ansäßigen E.G.O.-Firmengruppe, die nach der Ölkrise 1973 große Teile von Blanco übernahm. Die Herstellung von Großkücheneinrichtungen und Klinikmöbeln wurde 2007 in die selbstständige BLANCO Professional Gruppe ausgelagert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1925 in Oberderdingen als Blanc + Co von Heinrich Blanc und August Treffinger gegründet. Als Firmensitz dienten zunächst zwei Holzbaracken, die Blanc gebraucht von der Chemischen Fabrik in Durlach erworben hatte. Die ersten Produkte des Unternehmens waren Wasserschiffe für Kohleherde. Blanc hatte während der seiner Ausbildung beim Herdproduzenten Lämmle in Bretten einen Bedarf für solche Produkte erkannt. Lämmle zählte daher auch zu den ersten Kunden des Unternehmens. 1928 bezog Blanco eine erste massive Werkhalle. Wärmflaschen und Großküchengeräte erweiterten in den folgenden Jahren das Produktprogramm. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 überstand das Unternehmen ohne Probleme. Nach dem Ausstieg von Teilhaber Treffinger 1930 kooperierte Blanc ab 1931 mit dem Unternehmer Karl Fischer und dessen Unternehmen E.G.O., das aus Oberweiler nach Oberderdingen übersiedelte und Elektroherde produzierte. Künftig wurde bei Blanco vor allem Zubehör für Elektroherde hergestellt. 1937 wurde die Produktpalette auf Reinaluminium umgestellt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen der Kriegswirtschaft unterstellt. In der 1942 errichteten großen Pressenhalle entstanden sowohl Torpedoköpfe wie auch Gulaschkanonen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte Blanco vor der Währungsreform Geräte für die Milchwirtschaft und Metzgereiartikel. Nach der Währungsreform konnte ein zusätzliches Werk in Sulzfeld errichtet werden. Die erste Werksbaracke dort brannte 1950 nieder, darauf entstand nach Plänen des Stuttgarter Architekten Decker eine massive Werkhalle. Anfang der 1950er-Jahre wurde Edelstahl zum wichtigsten Werkstoff des Unternehmens, aus dem vor allem Küchenspülen gefertigt wurden. 1959 wurden jährlich über 100.000 Edelstahlspülen gefertigt.

Nach dem Tod von Gründer Heinrich Blanc 1960 trat dessen Sohn Heinz Blanc die Nachfolge an. Unter seiner Leitung entstanden neue Werke in Michelfeld (1961) und Kronau (1962), außerdem wurden die Anlagen in Sulzfeld und Kronau 1968/69 baulich erweitert. In mehreren deutschen Großstädten wurden Auslieferungslager und Verkaufsbüros eingerichtet, 1965 wurde außerdem eine niederländische Tochtergesellschaft gegründet, 1967 eine eigene Lehrwerkstatt in Kürnbach eingerichtet.

1969 hatte das Unternehmen über 1700 Mitarbeiter und fertigte die 4-millionste Spüle, die feierlich dem Jugenddorf in Stuttgart-Feuerbach übergeben wurde.

Anfang der 1970er Jahre expandierte das Unternehmen ungemein. Die Werke in Oberderdingen und Kronau wurden 1971/72 baulich erweitert, gleichzeitig wurden neue Tochtergesellschaften in Belgien, Österreich, Frankreich und der Schweiz gegründet. 1972 eröffnete Blanco ein eigenes Rechenzentrum in Sternenfels, in dem mit der IBM 360/25 die erste dialogfähige Debitorenbuchhaltung in Deutschland in Betrieb ging.

Nach der Ölkrise 1973 geriet Blanco in wirtschaftliche Schieflage. Das Werk in Michelfeld und mehrere Verkaufsbüros wurden geschlossen, die Belegschaft von über 2000 auf unter 1000 Mitarbeiter verkleinert. Das Unternehmen wurde schließlich dadurch gerettet, dass der langjährige Kooperationspartner E.G.O. große Teile des Unternehmens erwarb. Die Geschäftsleitung übernahm Reinhard Fischer. In der Folgezeit wurde die Produktpalette in die Bereiche Haushaltstechnik, Großküchenzubehör und die neu hinzugekommene Medizinaltechnik gegliedert. Zur weiteren Konsolidierung trugen Großaufträge wie der zur Ausstattung von 73 russischen Fischgroßmärkten 1975 sowie der Verkauf des Kronauer Küchen- und Tafelgerätewerks 1978 bei.

In den 1980er Jahren fertigte Blanco weiterhin Haushaltsspülen, Großkantinenausstattungen und OP-Tische. Gegen Ende der 1980er Jahre hatte das Unternehmen 1400 Mitarbeiter und belieferte Kunden in etwa 100 Ländern. Eine neue Tochtergesellschaft wurde in den USA gegründet, ein neues Werk für Haushaltsspülen in Sinsheim errichtet. Außerdem übernahm Blanco 1990 die Firma Welbilt, einen Hersteller von Geschirrstaplern und -förderbändern, sowie den Speyerer Kühltechnik-Hersteller Klais, womit die Großküchensparte des Unternehmens erweitert wurde.

1991 wurde die Tochtergesellschaft Blanco Med GmbH gegründet, die die Produktion von Medizinaltechnik in ein vormals von Zeiss genutztes Firmenareal in Saalfeld verlagerte, wordurch im Stammwerk Oberderdingen Kapazitäten frei wurden.

Blanco-Edelstahlspüle mit Tropffläche und Zusatzbecken

1993 übernahm Frank Straub, ein Enkel des Gründers Heinrich Blanc, die Geschäftsführung. 1994 wurde die 25-millionste Spüle produziert. 1995 übernahm Blanco die Produktionslagen von Mirolin in Toronto, um damit den nordamerikanischen Markt mit Haushaltsspülen zu beliefern. 1998 übernahm Blanco die Wolff Kunststofftechnik, die Catering-Transportbehälter herstellte, verlegte deren Sitz nach Leipzig und benannte sie in Blanco Polymer Technologies um. Im selben Jahr trennte sich Blanco mit dem Verkauf des Werks in Saalfeld von einem Teil der bisherigen Medizinalproduktsparte. Stattdessen wurden ein neues Presswerk in Sulzfeld und ein neues Zentrallager in Bruchsal errichtet. 1999 erwarb Blanco eine 25-prozentige Beteiligung an dem indischen Spülenhersteller Phoenix, außerdem expandierte das Unternehmen weiter mit einer Tochtergesellschaft in Tschechien.

Um 2000 gab Blanco die Herstellung von OP-Tischen vollends auf und setzte in der Medizinalsparte künftig auf die Herstellung von Schranksystemen für Kliniken. 2007 wurde das Logistikzentrum in Bruchsal durch einen Neubau bedeutend erweitert.

Seit 2007 agieren unter der Marke BLANCO zwei rechtlich selbständige Gesellschaften. Die BLANCO GmbH + CO KG und ihre Tochtergesellschaften konzentrieren sich als BLANCO Gruppe auf Systemlösungen für die Küche im Privathaushalt. Die Geschäftsbereiche Catering Systems und Medical Care wurden zusammen mit dem neuen Produktbereich Industrial Components in der BLANCO Professional Gruppe[3] (zuvor BLANCO CS GmbH + CO KG) zusammengefasst.[4]

Von der BLANCO Gruppe werden derzeit Küchenspülen aus Edelstahl, SILGRANIT und Keramik, Küchenarmaturen, Abfallsysteme sowie die Sub-Marke BLANCO SteelArt für exklusive Individuallösungen aus Edelstahl[4] produziert und in nahezu 100 Ländern vermarktet.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oberderdingen: Firmensitz und Hauptverwaltung
  • Sulzfeld: Produktion von Spülen und Arbeitsplatten aus Edelstahl
  • Sinsheim/Rhein-Neckar-Kreis und Toronto/Kanada: Produktion von Verbundwerkstoff-Spülen aus SILGRANIT PuraDur
  • Istanbul/Türkei: Produktion von Keramik-Spülen
  • Bruchsal/Baden: Europäisches Logistikzentrum

Vertriebsgesellschaften in Belgien, China, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Österreich, Russland, Schweiz, Ukraine, USA

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl-Heinz Glaser u. a.: Heinrich Blanc, Karl Fischer - Gründer zweier Weltfirmen. ifu - verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher u. a. 2008, ISBN 978-3-89735-443-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unternehmensportrait: BLANCO GmbH + Co KG. Abgerufen am 17. Mai 2017.
  2. Zahlen und Fakten der Blanco GmbH + Co KG, 17. Mai 2017.
  3. blanco-professional.com
  4. a b Florian Langenscheidt: Deutsche Standards / Marken des Jahrhunderts. 16., neu bearbeitete Auflage. Gabler, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8349-2044-7.