Blaswandler

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Blaswandler-Spieler

Ein Blaswandler (auch Elektronisches Blasinstrument, Blassynthesizer, englisch wind controller, wind synthesizer, breath controller) ist ein elektronisches Musikinstrument, das in der Spielweise einem herkömmlichen Blasinstrument (z. B. Blockflöte, Klarinette, Saxophon oder Melodica) nachempfunden ist. Der Blaswandler tastet über spezielle Sensoren Anblasluftstrom des Musikers und die Griffkombination einer klappenähnlichen Schalterkombination ab. Diese elektronischen Signale werden bei modernen Instrumenten in MIDI-Daten umgewandelt und gelangen zur eigentlichen Tonerzeugung in einen internen Synthesizer oder ein externes Soundmodul.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1930ern arbeitete Benjamin F. Miessner an verschiedenen elektroakustischen Instrumenten. Darunter war auch eine elektroakustische Klarinette, die er 1936 als Patent [1] anmeldete. Für diese entwickelte er einen speziellen elektromagnetischen Tonabnehmer, mit dem die Schwingung des Rohrblatts abgetastet werden konnte. Diese Erfindung markiert den Beginn der Geschichte der elektronischen Blasinstrumente.[2]

Die ersten Experimente mit voll-elektronischen Musikinstrumenten sind von Leo F. J. Arnold bekannt. Er meldete 1941 ein Patent [3] für eine elektronische Klarinette an. Bei diesem Instrument wurde der Anblasdruck dazu verwendet um einen Ein/Aus-Schalter anzusteuern.[2]

Der Franzose Georges Jenny und der Deutsche Ingenieur Ernst Zacharias spielten eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der ersten elektronischen Blaswandler in den 1950er Jahren. Jenny meldete sein erstes Patent [4] für ein elektronisches Blasinstrument 1951 an. Darin wird ein Blaswandler für stufenlose Lautstärkensteuerung beschrieben, der mit einem Piezoelement funktioniert. Die Prototypen von Zacharias, welcher ab 1956 elektronische Blasinstrumente entwickelte, führten zum ersten kommerziell vermarkteten elektronischen Blassynthesizer – der Hohner Electra-Melodica, die 1967 veröffentlicht wurde.[2]

In den 1970er Jahren folgten der Electra-Melodica weitere analoge Blassynthesizer wie z. B. Crumar Lyricon, Steiner EVI, Martin Martinetta und Realton Variophon. Ab den 1980er Jahren wurden die Blassynthesizer zunehmend mit MIDI-Controllern kombiniert (z. B. Casio Digital Horn oder Akai EWI) und entwickelten sich in weiterer Folge zu reinen Breath-Controllern ohne eigener Synthese-Einheit weiter (z. B. Yamaha WX oder TEControl USB MIDI Breath Controller). Bis heute werden neue Instrumente entwickelt, wie z. B. das Roland Aerophon AE-10 welches 2016 veröffentlicht wurde.[2]

Spielweise und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Blaswandler ist auf unterschiedliche Arten spielbar.

So bietet Yamaha bei ihrem WX5 ein Saxophon- bzw. Blockflöten-ähnliches Kunststoffmundstück an. Die Griffe sind bis zu einem gewissen Grad einstellbar, aber größtenteils denen eines Saxophons ähnlich. Bei dem WX5 sind die „Klappen“ so gebaut, dass man sie drücken muss, während man die Tasten eines EWI von Akai lediglich berühren muss (touch sensitive pads). Der Tonumfang beträgt 6 bis 8 Oktaven, die mit dem Daumen an der Rückseite ausgewählt werden können.

Moderne Geräte reagieren wie ein konventionelles Instrument auf die Dynamik und die Stärke des Luftstroms und verändern damit die Klangfarbe. Gespeist wird die Auswahl der spielbaren Instrumente durch eine sogenannte „Soundbank“, in der die verschiedenen Klangfarben abrufbar sind.

Bedeutende Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der ersten Musiker, der dieses Instrument spielte, war der Saxophonist Wayne Shorter mit einem Lyricon der Firma Computone. Der kalifornische Saxophonist Tom Scott verhalf dem Instrument mit seiner Band L. A. Express und der Titelmusik zur TV-Serie Starsky & Hutch zu breiterer Popularität. Auf sehr hohem Niveau verwendete der amerikanische Saxofonist Michael Brecker den AKAI EWI Blaswandler. Weitere Künstler: Martin Hurni, Erfinder des Synthophones, der Schweizer Saxofonist G-SAX, Bob Mintzer, die Japaner Masato Honda und Miyazaki Takahiro, u. v. a. mehr.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Benjamin F. Miessner: Apparatus for the production of music. US2138500A, 29. November 1938 (dpma.de [abgerufen am 11. April 2018]).
  2. a b c d Andreas Swoboda: Die Anfänge der elektronischen Blasinstrumente. 1. Auflage. epOs-Verlag, Osnabrück 2017, ISBN 978-3-940255-70-9 (OCLC=978263084).
  3. Leo F. J. Arnold: Electrical clarinet. US2301184A, 10. November 1942 (dpma.de [abgerufen am 11. April 2018]).
  4. Georges Marcel Charles Jenny: Elektronen-Musikinstrument. DE944649B, 21. Juni 1956 (dpma.de [abgerufen am 11. April 2018]).