Blattschraube (Holzblasinstrument)

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Als Blattschraube, besser Blatthalter, wird bei Holzblasinstrumenten mit einfachem Rohrblatt eine Befestigungseinheit benannt mit der Bestimmung, das Blättchen auf dem Mundstück zu fixieren. Im englisch- und französischsprachigen Raum wird der Begriff ligature benutzt.

Das Blättchen wird zwischen den Spielzyklen separat aufbewahrt und vor jedem Einsatz auf das Mundstück positioniert. Mit der Blattschraube wird es dann verschiebesicher am vorbestimmten Platz geklemmt. Darüber hinaus darf das Festhaltesystem das Blättchen als das aktive und variable Teil des Instruments in seinem Schwingungsverhalten nicht behindern oder verfälschen.

Anwendungsbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu diesen Instrumenten gehört heute in der westlichen Welt im Wesentlichen die gesamte Saxophon- und Klarinettenfamilie. Nach der Lage der Grundtonreihe innerhalb des Tonsystems wird die Baugröße des entsprechenden Typs bestimmt. Jeder Baugröße ist eine Mundstück-Klassifikation zugeordnet. Seine Formgestaltung ist gemäß den Vorstellungen der Hersteller hinsichtlich Klang und Musikrichtung weltweit verschieden. Die Konstruktion des Blatthalters hat dieser Variationsbreite Rechnung zu tragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klarinette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielfertig montiertes Klarinettenmundstück (mit Blättchen und Blattschraube)

Ihre Vorläufer reichen bis in die Antike. Dem Nürnberger Instrumentenbauer Johann Christoph Denner gelangen um 1700 entscheidende Verbesserungen. Eine Frühform des Klarinettenmundstücks entstand um 1720, bei dem als Blatthalter eine Schnur diente. Ein weiterer Sprung in der Entwicklung der Klarinette erfolgte durch Iwan Müller. Auf seinen Konzertreisen um 1815 in Holland, England und Deutschland verwendete er als Blatthalter einen verstellbaren Metallring. Dieses Prinzip wird heute noch angewendet und hat die Schnur weitgehend verdrängt.

Saxophon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ligatur eines Saxophons

Am 21. März 1846 hat Adolphe Sax einen französischen Patentantrag über ein neues System von Blasinstrumenten, genannt Saxophone, eingereicht. Die Blattschraube wird nicht ausdrücklich erwähnt. In den Zeichnungen kann man sie jedoch deutlich erkennen. Der in Brüssel am Konservatorium lehrende Beeckmann schreibt in seiner um 1870 erschienenen Schule für das Baritonsaxophon: „Zur Befestigung des Blattes auf dem Tisch dient der Blatthalter; er besteht aus einem Metallband, verbunden durch zwei Schrauben, ...“.

Grundprinzip in der Angebotsbreite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International auftretende Hersteller von Saxophonen und Klarinetten sowie die der dazugehörigen Mundstücke präsentieren ihre Produkte standardgemäß auf Hochglanzpapier mit der herkömmlichen Blattschraube. Die auf das Blättchen wirkende Kraft ist nur schwer einschätzbar. Kontaktstellen zwischen Blech und Rücken des Blättchens sind unkontrolliert verteilt und bei wiederholter Aufspannung des gleichen Blättchens verschieden platziert. Dieses Befestigungsmittel führt zu ungleichmäßiger Druckverteilung zwischen Blättchen und Tisch, kann zu abgehobenen (kontaktlosen) Stellen führen und den Schaft des Blättchens nachhaltig verformen. Variationen in der Blechdicke, eine oder zwei Schrauben, verschiedene Materialien, Druckplatte mit Auflagepunkten, Oberflächenbeschichtung usw. vermitteln Unsicherheit. Verzierungen und Variationen des Grundprinzips (Vinylband, Hartplastik usw.) bilden keine Grundlage für eine funktionsgerechte Arbeitsweise des Blättchens.

Heutiger Stand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Generationen versuchen Tüftler, diese Unzulänglichkeiten zu beheben. Eines der ersten erteilten Patente ist die „Vorrichtung zum Festlegen des Blattes bei Clarinetten“, Patentschrift Nr. 89067 vom 26. Februar 1896. Seitdem wurden unzählige Versuche unternommen, den Bedingungen der Tonerzeugung und den Ansprüchen der Musiker gerecht zu werden. Die Resultate sind wenig ermutigend. Die Darstellung des Verhältnisses von Blättchen und Blatthalter in der Fachliteratur ist widersprüchlich, lückenhaft oder fehlt komplett.

In einer neuen Patentschrift mit dem Titel „Professioneller Blatthalter“, europäische Patentnummer EP2111614, sind zum ersten Mal eindeutige Aufspannrichtlinien vorgestellt. Das Andrucksystem überträgt eine gleichmäßige Auflage der gesamten Kontaktfläche des Blättchens auf dem Mundstückstisch. Dadurch kann ein optimales Verhältnis von Blattstärke und Bahnöffnung angestrebt werden. Der zur Kontrolle notwendige Ansatzdruck im unteren Register wird auf ein Minimum reduziert. Das fördert leichtes Blasen und zuverlässiges Klassifizieren der Blättchen durch wiederholbar gleiche Aufspannbedingungen. Die Voraussetzungen für einen feinen Ton, besonders in der unteren Lage, sind gegeben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literaturliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Saxophone. Verlag Erwin Bochinsky, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-923639-98-8.
  • Jürgen Bachmann: Vom Körper zum Ton. Chili Notes Musikverlag, Frankfurt am Main 2001, DNB 965452395.
  • Kurt Birsak: Die Klarinette. Verlag Obermayer, Buchloe 1992, ISBN 3-9800919-8-8.
  • Jack Brymer: Die Klarinette. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-596-22986-3.
  • Patent EP2111614: Professioneller Blatthalter. Veröffentlicht am 28. Oktober 2009.
  • Patent DE89067: Vorrichtung zum Festlegen des Blattes bei Clarinetten. Veröffentlicht am 26. Februar 1896.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klarinettenteile – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Ligaturen (Instrument) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien