Blaubeuren (Meteorit)

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Blaubeuren (Meteorit)
Offizieller Meteoritenname Blaubeuren
Lokalität im Garten des Grundstücks Aachtalstr. 44 in Blaubeuren-Weiler, in etwa 60 cm Tiefe
Beschreibung Gewicht: 30,26 kg + 0,41 kg; Gewöhnlicher Chondrit (H4-5); Dichte: 3,34 g/cm³
Herkunft Asteroidengürtel
Sammlung Urgeschichtliches Museum Blaubeuren (bis 31. Januar 2021)[1]
Authentizität sicher
Blaubeuren (Baden-Württemberg)
Blaubeuren (48° 24′ 0″ N, 9° 42′ 0″O)
Blaubeuren
Fundort in Baden-Württemberg

i1

Blaubeuren ist der größte in Deutschland gefundene Steinmeteorit, und der erste nachgewiesene Meteorit in Baden-Württemberg, seitdem Meteoritenfunde und -fälle systematisch aufgezeichnet werden. Es handelt sich um einen 30,26 kg schweren Chondrit des Typs H4-5 und vom selben Ort ein 0,41 kg schweres Bruchstück. Der Meteorit wurde bereits 1989 bei Arbeiten in einem Garten in Blaubeuren gefunden, doch erst 2020 als Meteorit erkannt.[2] Verschiedene Untersuchungen des Objektes (unter anderem durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt) ergaben, dass sich die darin enthaltenen Einschlüsse bereits vor 4,56 Milliarden Jahren, also bei der Entstehung des Sonnensystems, gebildet haben müssen.[3] Der Meteorit ist der größte Chondrit, der in Deutschland gefunden wurde. In seiner Klassifikation H4-5 ist er sogar der schwerste weltweit.[4]

An der Universität Arizona in Tucson, USA und am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf wurde durch die Analyse vorhandener langlebiger Radionuklide das terrestrische Alter ermittelt. Demnach schlug Blaubeuren vor etwa 10.000 Jahren während der Mittelsteinzeit auf der Schwäbischen Alb ein.[1]

Vor dem Eindringen in die Erdatmosphäre mit einer Anfluggeschwindigkeit von etwa 20 km/s dürfte er als Meteoroid ungefähr eine Tonne gewogen haben.

Der Meteorit wurde im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren ausgestellt.

Entdeckung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1989 hob der Finder, Hansjörg Bayer, einen Graben zur Verlegung eines Leerrohres aus. In ca. 60 Zentimeter Tiefe stieß er auf einen harten Stein. Da dieser unnatürlich schwer war, und seine braune Oberfläche nicht zu den hellen Kalksteinen in dieser Gegend passte, wurde er zur Seite gelegt. In den folgenden 26 Jahren lag der Stein im Garten, als Gestaltungselement. 2015 wollte Bayer kurzerhand den Stein in einem Bauschuttcontainer entsorgen, holte ihn aber schließlich in sein Haus. Im selben Jahr kam er durch Googeln etwa nach „Stein, braun und schwer“ auf die Seite des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und dort zu einer Checkliste, wie man prüft, ob ein Meteorit vorliegt.[5] Ein Nickeltest verlief aber negativ. Fünf Jahre später (2020) rief der Finder dann das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt an, und ließ sich zur Leiterin des Instituts für Planetenforschung durchstellen. Er teilte der Leiterin in kühner Weise mit, dass er einen Meteoriten gefunden habe. Fotos und Proben gingen danach umgehend zum Institut.

In den letzten 15 Jahren wurden dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt 2000 Meteoriten (aus Deutschland) gemeldet. Nur drei stellten sich nach Prüfung als echt heraus.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Heinlein: Welt der Wissenschaft: Meteoriten: Der Meteorit Blaubeuren. In: Spektrum.de (Hrsg.): Sterne und Weltraum. November 2020, S. 42–47 (spektrum.de [abgerufen am 8. Mai 2021] Login erforderlich).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Blaubeuren (Meteorit) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Neues über „Blaubeuren“. (PDF; 514 KB) Urgeschichtliches Museum Blaubeuren, 21. Oktober 2020, abgerufen am 3. Mai 2021.
  2. Größter deutscher Steinmeteorit in Blaubeuren gefunden. Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, 15. Juli 2020, abgerufen am 15. Juli 2020.
  3. Sensation aus dem All – neben der Garage. In: tagesschau.de. Abgerufen am 17. Juli 2020.
  4. Search the Database. In: Meteoritical Bulletin Database. The Meteoritical Society, abgerufen am 3. Mai 2021 (englisch).
  5. Wilfried Tost: Institut für Planetenforschung – Woran erkenne ich einen Meteoriten? Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, 25. April 2013, abgerufen am 8. Mai 2021.
  6. Barbara Hardinghaus: Am Abend sah er seinen Stein in der „Tagesschau“. In: Der Spiegel. 21. August 2020, abgerufen am 7. September 2020 (kostenpflichtig).

Koordinaten: 48° 24′ 6,4″ N, 9° 46′ 1,4″ O