Blauglockenbaum

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Blauglockenbaum
Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) mit Samenkapseln

Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) mit Samenkapseln

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Blauglockenbaumgewächse (Paulowniaceae)
Gattung: Paulownien (Paulownia)
Art: Blauglockenbaum
Wissenschaftlicher Name
Paulownia tomentosa
(Thunb.) Steud.

Der Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa, Syn.: P. imperialis), auch Kaiserbaum oder Kaiser-Paulownie genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Paulownien (Paulownia), die wiederum die monotypische Familie der Blauglockenbaumgewächse innerhalb der Ordnung der Lippenblütlerartigen (Lamiales) bildet.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Blauglockenbaum ist in Zentral- und Westchina beheimatet. Er wird aber weit darüber hinaus in Korea, Japan, Nordamerika und Europa als Zierbaum und zur Holznutzung kultiviert, insbesondere in klimatisch wärmebegünstigten Regionen, wo er auch als invasive Art vorkommt.

In Bezug auf den Boden ist er anspruchslos, bevorzugt nicht zu arme, mäßig trockene Böden. Ein warmer, windgeschützter Standort in sonniger Lage ist wichtig für den Blauglockenbaum. In der Jugend ist er frostempfindlich und benötigt Winterschutz durch Einbinden mit Stroh oder Frostschutzmatten. Nach dem Rückschnitt der erfrorenen Triebe erfolgt ein starker Neuaustrieb. Später ist der Blauglockenbaum winterhart. Der Baum kann sich aus kleinen Ritzen in Mauern und Pflaster entwickeln.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Blauglockenbaum ist ein sommergrüner, laubabwerfender Baum mit Wuchshöhen bis zu 15 Meter. Er bildet einen geraden Stamm, dicke Äste und eine breite, lichte Krone. Die Rinde ist glatt und grau. Bei jungen Bäumen sind die Lentizellen als helle Punkte gut sichtbar.

 Der Blauglockenbaum kann sich in Mauerritzen entwickeln. Grenoble, Frankreich, April 2016.
Der Blauglockenbaum kann sich in Mauerritzen entwickeln. Grenoble, Frankreich, April 2016.

Auffällig sind die gegenständig angeordneten, bis zu 45 Zentimeter breiten (bei jungen Pflanzen bis zu 10 Zentimeter breiten) Laubblätter. Die Blätter sind lang gestielt, matt dunkelgrün bis hellgrün und unterseits samtig behaart.

Die Knospen sind fuchsbraun bis braunrot behaart. Von April bis Mai vor dem Blattaustrieb erscheinen die Blüten in aufrecht verzweigten, bis zu 40 Zentimeter hohen traubigen Blütenständen. Die glockenförmigen, rosa- bis blauvioletten und innen gelb gestreiften Blüten sind 5 bis 6 Zentimeter lang.

Die breite zweihäusige Kapselfrucht mit Schnabelspitze ist zuerst grünlich, später dann trocken braun und bleibt bis zur nächsten Blüte (über den Winter) am Baum. Sie enthält etwa 600 leichte, häutig geflügelte Samen.

Die großen Blütenstände, die nussförmigen Kapselfrüchte sowie die samtige rotbraune Behaarung der Zweigspitzen machen den Blauglockenbaum unverwechselbar. Aufgrund des ähnlichen Blattschmucks wird er häufig mit dem Trompetenbaum verwechselt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.[1]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Blauglockenbaum enthält Verbascosid. Hierbei handelt es sich um eine glykosidische Verbindung mit Glucose und Rhamnose als Zuckerkomponente sowie mit einem 3,4-Dihydroxyphenyl-1-hydroxyethanol- und einem 3,4-Dihydroxyphenylzimtsäure-Rest am Glucose-Baustein.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leimholzplatte aus Paulownia

Das Holz ist leicht, schwer entflammbar, isoliert gegen niedrige Temperaturen, ist trotz der hohen Wachstumsraten vergleichsweise stabil, und optisch ansprechend. Es wird verwendet für Möbel, oder für Surfboards und Tischtennisschläger. Bei letzteren werden die Kernfurniere in diesem Kontext meist japanisch Kiri genannt. In Japan werden aus Kiri-Holz traditionell feuersichere Kimonoschränke geschreinert. Wegen der Klangholz-Eigenschaften wird das Paulownia-Holz auch für Musikinstrumente verwendet; etwa im Korpus von Elektrogitarren.

Bereits in den 1980er Jahren forschten Wissenschaftler an der landwirtschaftlichen Verwertbarkeit, weil die Bäume (vor allem im ersten Jahr) rasch wachsen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siebolds Originalzeichnung

Der Würzburger Naturforscher, Arzt und Japanologe Philipp Franz von Siebold hatte den Blauglockenbaum nach Europa gebracht. Siebold stand in niederländischen Diensten und benannte den Baum nach der niederländischen Kronprinzessin und späteren Königin Anna (Pawlowna), die eine Tochter des russischen Zaren Paul I. war. Der Blauglockenbaum wurde zum Lieblingsbaum von Kaiser Franz Joseph. Viele der Bäume, die heute in allen Ländern des ehemaligen Österreichischen Kaiserreichs stehen, sind aufgrund seiner Anordnung dort gepflanzt worden. Damit ist auch die Häufung von Blauglockenbäumen in den Zentren der ehemaligen Monarchie (z. B. Baden, Schönbrunn) erklärbar.[2]

Japanisches Kabinettswappen (Go-Shichi no Kiri)

Der Blauglockenbaum war Teil einer Vielzahl von japanischen Wappen (mon), darunter eine Variante – Go-Shichi no Kiri (jap. 五七の桐) genannt – mit drei geäderten Blättern und zwei 5-teiligen sowie einer 7-teiligen Blüte, die neben der Chrysantheme vom japanischen Kaiserhaus geführt wurde.[3] Heute bildet diese das Wappen des Premierministers und seines Kabinetts.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Blauglockenbaum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Blauglockenbaum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 862.
  2. Geschichte des Kiribaumes. In: Kiribaum zur kommerziellen Wertholzerzeugung. Archiviert vom Original am 28. März 2015.
  3. Rudolf Lange: Japanische Wappen. In: Eduard von Sachau (Hrsg.): Mittheilungen des Seminars für Orientalische Sprachen an der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Commissionsverlag v. Georg Reimer, Berlin 1903, S. 63–281 (Online-Abschrift).