Blauglockenbaum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Blauglockenbaum
Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) mit Samenkapseln

Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) mit Samenkapseln

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Blauglockenbaumgewächse (Paulowniaceae)
Gattung: Paulownien (Paulownia)
Art: Blauglockenbaum
Wissenschaftlicher Name
Paulownia tomentosa
(Thunb.) Steud.

Der Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa, Syn.: P. imperialis), auch Kaiserbaum oder Kaiser-Paulownie genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Paulownien (Paulownia), die wiederum die monotypische Familie der Blauglockenbaumgewächse innerhalb der Ordnung der Lippenblütlerartigen (Lamiales) bildet.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Blauglockenbaum ist in Zentral- und Westchina beheimatet. Er wird aber weit darüber hinaus in Korea, Japan, Nordamerika und Europa als Zierbaum und zur Holznutzung kultiviert, insbesondere in klimatisch wärmebegünstigten Regionen, wo er auch als invasive Art vorkommt.

In Bezug auf den Boden ist er anspruchslos, bevorzugt nicht zu arme, mäßig trockene Böden. Ein warmer, windgeschützter Standort in sonniger Lage ist wichtig für den Blauglockenbaum. In der Jugend ist er frostempfindlich und benötigt Winterschutz durch Einbinden mit Stroh oder Frostschutzmatten. Nach dem Rückschnitt der erfrorenen Triebe erfolgt ein starker Neuaustrieb. Später ist der Blauglockenbaum winterhart. Der Baum kann sich aus kleinen Ritzen in Mauern und Pflaster entwickeln. Er ist eine C4-Pflanze.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Blauglockenbaum ist ein sehr schnell wachsender, oft reich verzweigter, sommergrüner, laubabwerfender Baum mit durchschnittlicher Wuchshöhe von ca. 15 Meter, er kann aber um einiges höher werden; 20 bis 30 Meter, vereinzelt sogar bis gegen 50 Meter.[1] Er bildet einen geraden üblicherweise etwa 30 bis 60 Zentimeter dicken Stamm; dieser kann aber bis zwei Meter im Durchmesser erreichen, dicke Äste und eine breite, lichte Krone. Die Borke ist bei älteren Bäumen leicht rissig und grau-braun, bei jungen ist sie glatt und die Lentizellen als helle Punkte gut sichtbar. Die jungen Zweige besitzen klebrige Drüsenhaare.[2]

 Der Blauglockenbaum kann sich in Mauerritzen entwickeln. Grenoble, Frankreich, April 2016.
Der Blauglockenbaum kann sich in Mauerritzen entwickeln. Grenoble, Frankreich, April 2016.

Auffällig sind die gegenständig angeordneten, durchschnittlich 15–30 Zentimeter langen und 10–20 Zentimeter breiten, herz- bis breiteiförmigen Laubblätter (bei jungen Pflanzen und bei jenen am Stockausschlag sind sie bis zu 90 Zentimeter lang). Die langen Blattstiele sind rauhaarig und bis 20 cm lang. Die weichen Blätter sind obseits matt dunkelgrün und spärlich behaart, unterseits hellgrün sowie kurz und samtig behaart. Die Blätter sind spitz oder zugespitzt bis stumpf, die Ränder variieren von ganzrandig an älteren Pflanzen und bei jungen auch grobgezähnt und/oder mit drei bis fünf entfernten Spitzen. Die jungen Blätter besitzen klebrige Drüsenhaare.[2]

Die behaarten Knospen sind orange-bräunlich. Von April bis Mai vor dem Blattaustrieb erscheinen die zwittrigen, gestielten und stark nach Vanille[3] duftenden Blüten in aufrecht verzweigten, bis zu 40 Zentimeter hohen traubigen Blütenständen. Die glockenförmigen, hellrosa, violett- bis blauvioletten auch weißen Blüten sind 5 bis 7 Zentimeter lang. Im Schlund mit gelben sowie weißlichen Streifen, auch teils mehr oder weniger violett gestreift und gesprenkelt. Die außen behaarte Krone ist fünflappig, oben zwei, unten drei, die längsgerippte Kronröhre ist bis etwa 5 cm lang und 1,5 cm breit, die ausladenden, rundlichen Läppchen sind etwa 1,5 cm lang. Die ausgebreiteten Blüten haben etwa einen Durchmesser von 4,5 cm.[3]

Der orange-bräunliche, glockenförmige, spitzig bis abgerundete, ungleich fünflappige, etwa 2 cm lange Kelch ist außen und innen behaart. Der zweikammerige, gelbliche, feinhaarige Fruchtknoten ist oberständig und etwa 5 mm lang, mit weißem, etwa 2 cm langem Griffel und weißer Narbe. Es sind vier, je zwei ungleich lange, ca. 2,5 cm[3] lange Staubblätter mit weißen Staubfäden und beigen Staubbeuteln vorhanden.[4]

Die eiförmige, vierkammerige, bauchspaltige Kapselfrucht mit Schnabelspitze und vier mittigen Längsrillen ist etwa 2,5–4,5 cm lang und bis 2.5 cm breit. Sie ist zuerst hellgrün, kurz rauhaarig und klebrig, später dann trocken und braun, sie bleibt bis zur nächsten Blüte (über den Winter) am Baum. Sie enthält 1000–2000 sehr leichte, bräunliche, kleine, flache, etwa 1,5 mm lange, geflügelte Samen, mit Flügeln ist die Länge ca. 3–4 mm. Die facherförmig gefalzten Flügel sind weißlich, durchscheinend häutig und mehrlagig. →Windflieger (Meteorochorie). Das holzige Perikarp ist etwa einen Millimeter dick. Die Tausendkornmasse beträgt nur 0,15–0,2 Gramm. Die Mannbarkeit liegt bei 4–5 bis 8–10 Jahren.[1][5][6]

Die großen Blütenstände, die nussförmigen Kapselfrüchte sowie die samtige rotbraune Behaarung der Zweigspitzen machen den Blauglockenbaum unverwechselbar. Aufgrund des ähnlichen Blattschmucks wird er häufig mit dem Trompetenbaum oder in der Blüte mit den Jacaranda-Bäumen verwechselt.

Der Blauglockenbaum verfügt über spezielle Ausscheidungsdrüsen und Drüsenhaare (Trichome) die Schleimstoffe absondern welche Insekten, vor allem Ameisen, anlocken, diese dienen dann dem Baum als Schutz vor Pflanzenfressern.[2]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.[7]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Blauglockenbaum enthält Verbascosid. Hierbei handelt es sich um eine glykosidische Verbindung mit Glucose und Rhamnose als Zuckerkomponente sowie mit einem 3,4-Dihydroxyphenyl-1-hydroxyethanol- und einem Kaffeesäure-Rest am Glucose-Baustein.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leimholzplatte aus Paulownia

Das Holz ist leicht, schwer entflammbar, isoliert gegen niedrige Temperaturen, ist trotz der hohen Wachstumsraten vergleichsweise stabil, und optisch ansprechend. Es wird verwendet für Möbel, oder für Surfboards und Tischtennisschläger. Bei letzteren werden die Kernfurniere in diesem Kontext meist japanisch Kiri genannt. [8] In Japan werden aus „Kiri-Holz“ traditionell feuersichere Kimonoschränke geschreinert. Wegen der Klangholz-Eigenschaften wird das Paulownia-Holz auch für Musikinstrumente verwendet; etwa im Korpus von Elektrogitarren.

Bereits in den 1980er Jahren forschten Wissenschaftler an der landwirtschaftlichen Verwertbarkeit, weil die Bäume (vor allem im ersten Jahr) rasch wachsen.[9]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siebolds Originalzeichnung

Der Würzburger Naturforscher, Arzt und Japanologe Philipp Franz von Siebold hatte den Blauglockenbaum nach Europa gebracht. Siebold stand in niederländischen Diensten und benannte den Baum nach der niederländischen Kronprinzessin und späteren Königin Anna (Pawlowna), die eine Tochter des russischen Zaren Paul I. war. Der Blauglockenbaum wurde zum Lieblingsbaum von Kaiser Franz Joseph. Viele der Bäume, die heute in allen Ländern des ehemaligen Österreichischen Kaiserreichs stehen, sind aufgrund seiner Anordnung dort gepflanzt worden. Damit ist auch die Häufung von Blauglockenbäumen in den Zentren der ehemaligen Monarchie (z. B. Baden, Schönbrunn) erklärbar.[10]

Japanisches Kabinettswappen (Go-Shichi no Kiri)

Der Blauglockenbaum war Teil einer Vielzahl von japanischen Wappen (mon), darunter eine Variante – Go-Shichi no Kiri (jap. 五七の桐) genannt – mit drei geäderten Blättern und zwei 5-teiligen sowie einer 7-teiligen Blüte, die neben der Chrysantheme vom japanischen Kaiserhaus geführt wurde.[11] Heute bildet diese das Wappen des Premierministers und seines Kabinetts.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Blauglockenbaum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Blauglockenbaum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Pirro Icka, Robert Damo, Engjëllushe Icka: Paulownia Tomentosa, a Fast Growing Timber. In: Annals ”Valahia” University of Targoviste - Agriculture. Band 10, Heft 1, 2016, doi:10.1515/agr-2016-0003.
  2. a b c Sawa Kobayashi u. a.: Anti-herbivore Structures of Paulownia tomentosa: Morphology, Distribution, Chemical Constituents and Changes During Shoot and Leaf Development. In: Ann. Bot. 101(7): 2008, S. 1035–1047, doi:10.1093/aob/mcn033.
  3. a b c Editorial Committee: The European Garden Flora. Vol. VI: Dicotyledons, Cambridge Univ. Press, 2000, 2004, ISBN 0-521-42097-0, S. 344.
  4. Paulownia tomentosa auf discoverlife.org, abgerufen am 15. August 2017.
  5. F. T. Bonner u. a.: The Woody Plant Seed Manual. Agriculture Handbook 727, United States Dept. of Agriculture, 2008, ISBN 978-0-16-081131-9, S. 772 f, archive.org.
  6. Robin J. Innes: Paulownia tomentosa. Fire Effects Information System, U.S. Department of Agriculture, Forest Service, Rocky Mountain Research Station, Fire Sciences Laboratory (Producer), 2009, online bei US Forest Service, abgerufen am 15. August 2017.
  7. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 862.
  8. Wood species (Memento vom 13. Februar 2009 im Internet Archive).
  9. Final Technical Report of Paulownia Project (Memento vom 27. Oktober 2011 im Internet Archive).
  10. Geschichte des Kiribaumes. In: Kiribaum zur kommerziellen Wertholzerzeugung. Archiviert vom Original am 28. März 2015.
  11. Rudolf Lange: Japanische Wappen. In: Eduard von Sachau (Hrsg.): Mittheilungen des Seminars für Orientalische Sprachen an der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Commissionsverlag v. Georg Reimer, Berlin 1903, S. 63–281 (Online-Abschrift).