Blaustirn-Lanzettschnabel

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Blaustirn-Lanzettschnabel
Blaustirn-Lanzettschnabel illustriert von John Gould und Henry Constantine Richter (Lieferung 4 aus dem Jahr 1853)

Blaustirn-Lanzettschnabel illustriert von John Gould und Henry Constantine Richter (Lieferung 4 aus dem Jahr 1853)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Gattung: Doryfera
Art: Blaustirn-Lanzettschnabel
Wissenschaftlicher Name
Doryfera johannae
(Bourcier, 1847)

Der Blaustirn-Lanzettschnabel (Doryfera johannae) ist eine Vogelart aus der Familie der Kolibris (Trochilidae). Die Art hat ein großes Verbreitungsgebiet, das sich über die Länder, Kolumbien, Ecuador, Peru, Venezuela, Guyana und Brasilien erstreckt. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Blaustirn-Lanzettschnabel erreicht eine Körperlänge von 9 cm, wobei der gerade leicht nach oben gebogene Schnabel 2,7 cm lang ist. Dabei haben sie ein Gewicht von 3,7 g. Das Männchen wirkt sehr dunkel mit einem violett glitzernden vorderen Oberkopf und einem kleinen, weißen Fleck hinter dem Auge. Der Nacken ist kupferfarben, der Rest der Oberseite mit einer dunklen metallisch grünen Färbung, die an den Oberschwanzdecken ins Bläuliche übergeht. Die Unterseite ist schwärzlich blaugrün, der abgerundete Schwanz blauschwarz. Die Weibchen haben ein schmaleres glitzerndes blaugrünes Stirnband. Die Unterseite ist heller mit gräulicherem Teint. Die Schwanzfedern sind von grauen Sprenkeln durchzogen.[1]

Verhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie verhalten sich eher unauffällig.[1] Wenn sie sitzen, ist ihr Sachnabel meist nach oben gerichtet. Meist sieht man die Vögel alleine in den unteren bis mittleren Straten Nektar sammeln. Dabei bevorzugen sie lange, rohrförmige nach unten oder horizontal gerichtete Blüten, wie z. B. Heidekrautgewächse, Gesneriengewächse und Rötegewächse, die sie in rascher Folge von einer zur anderen anfliegen und regelmäßig aufsuchen (traplining). Besonders bevorzugen sie blühende Reben. Außerdem fangen sie im Flug regelmäßig kleinere Insekten. Nur gelegentlich verteidigen sie auch ihre Blüten.[2]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiet (grün) des Blaustirn-Lanzettschnabels

Meist findet man sie alleine in der Nähe von rauschenden Bergflüssen. Dort besuchen sie regelmäßig blühende Büsche und kleinere Bäume an Waldrändern. Sie verhalten sich ähnlich wie der Grünstirn-Lanzettschnabel (Doryfera ludovicae), mit dem sie teilweise das gleiche Habitat teilen. Blaustirn-Lanzettschnäbel sind aber deutlich öfters nahe an Gewässern vorzufinden.[1] Sie bewegen sich in Höhenlagen zwischen 400 und 1400 Metern. Oft sind sie an schattigen, nassen Steinformationen oder Höhlen anzutreffen, sehr selten in sonnigem, offenem Gelände.[3]

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kelchförmiges Nest bauen sie auf Steinüberhängen in Höhlen. Zum Bau verwenden sie Moos und Spinnweben.[2]

Lautäußerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie geben gelegentlich ein hellklingendes tsit, insbesondere im Flug von sich.[1]

Unterarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es sind zwei Unterarten bekannt:[4]

  • Doryfera johannae johannae (Bourcier, 1847)[5] - Die Nominatform kommt im Südosten Kolumbiens, im Osten Ecuador und im Nordosten Perus vor.
  • Doryfera johannae guianensis (Boucard, 1893)[6] - Diese Unterart kommt im Süden Venezuelas, im Süden Guyanas und im Norden Brasiliens vor.

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jules Bourcier beschrieb den Blaustirn-Lanzettschnabel unter dem Namen Trochilus Johannae. Das Typusexemplar hatte Andrew Mathews (1801–1841) in Peru gesammelt.[5] 1847 führte John Gould die Gattung Doryfera für den Grünstirn-Lanzettschnabel (Doryfera ludovicae) (Bourcier & Mulsant, 1847) und den Blaustirn-Lanzettschnabel ein.[7][A 1] Dieser Name leitet sich von den griechischen Wörtern dory, doratos, δορυ, δορατος für ‚Speer‘ und pherō, φερω für ‚tragen‘ ab.[8] Wer mit dem Artnamen „johannae“ geehrt werden sollte, ist unklar, da Bourcier keine Angaben dazu machte.[5] Möglicherweise war Jane Cooke, geb. Loddiges (1812–1843), gemeint, eine Tochter von George Loddiges (1786–1846). Das Manuskript seines Vaters und den Balg hatte Bourcier von Conrad Loddiges II (1821–1865) erhalten.[9] „Guianensis“ bezeichnet Britisch-Guayana, das Land, in dem Henry Whitely das Typusexemplar gesammelt hatte.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Sterling Ridgely, Paul J. Greenfield: Birds of Ecuador Field Guide: Status, Distribution, and Taxonomy. Band 1. Princeton University Press, Princeton 2001, ISBN 978-0-8014-8720-0.
  • Robert Sterling Ridgely, Paul J. Greenfield: Birds of Ecuador Field Guide: Field Guide. Band 2. Princeton University Press, Princeton 2001, ISBN 978-0-8014-8721-7.
  • Steven Leon Hilty, John A. Gwynne, Guy Tudor: Birds of Venezuela. Princeton University Press, Princeton 2002, ISBN 978-0-691-09250-8.
  • James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  • Jules Bourcier: Description de quinze espèces Trochilidées du cabinet de M. Loddiges. In: Proceedings of the Zoological Society of London. Band 15, 1847, S. 42–47 (biodiversitylibrary.org).
  • Adolphe Boucard: Description of several supposed new Species of Humming-Birds. In: The Humming Bird. A quaterly Scientific, Artistic and Industrial Review. Band 3, Nr. 1, 1893, S. 6–10 (biodiversitylibrary.org).
  • John Gould: Drafts for a new arrangement of the Trochilidae, with the characters of two new Genera and descriptions of three new species. In: Proceedings of the Zoological Society of London. Band 15, Nr. 171, 1847, S. 94–196 (biodiversitylibrary.org).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Blaustirn-Lanzettschnabel (Doryfera johannae) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Robert Sterling Ridgely u. a. (Band 2), S. 249.
  2. a b Steven Leon Hilty u. a., S. 398.
  3. Robert Sterling Ridgely u. a. (Band 1), S. 340.
  4. IOC World Bird List Hummingbirds
  5. a b c Jules Bourcier, S. 45.
  6. a b Adolphe Boucard, S. 10.
  7. John Gould, S. 95.
  8. James A. Jobling, S. 139.
  9. Jules Bourcier, S. 42.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Trochilus Louise ist ein Synonym für Doryfera ludovicae, Trochilus (Doryfera) violifrons für Doryfera johannae.