Bleicher Schöterich

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Bleicher Schöterich
Bleicher Schöterich (Erysimum crepidifolium)

Bleicher Schöterich (Erysimum crepidifolium)

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Gattung: Schöteriche (Erysimum)
Art: Bleicher Schöterich
Wissenschaftlicher Name
Erysimum crepidifolium
Rchb.

Der Bleiche Schöterich (Erysimum crepidifolium), auch als Gänsesterbe[1] oder Pippaublättriger Schöterich bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bleiche Schöterich ist eine zweijährige krautige Pflanze, die in der Regel Wuchshöhen zwischen 15 und 60 cm erreicht. Am aufrecht wachsenden Stängel befinden sich ganzrandige bis buchtig gezähnte Laubblätter. Sie sind vorwiegend mit zweistrahligen (kompassnadelförmigen) Sternhaaren besetzt.

Die geruchlosen, zwittrigen und vierzähligen Blüten sind ziemlich groß und erreichen Längen von 9 bis 15 mm. Die vier Kronblätter sind von hell schwefelgelber Farbe. Es sind sechs Staubblätter vorhanden. Der Griffel endet in einer kopfigen Narbe. Die Blütezeit des Bleichen Schöterichs erstreckt sich vorwiegend über die Monate April bis Juli, seltener können aber auch noch Pflanzen bis in den Herbst hinein blühen.

Die 20 bis 70 mm langen Schoten sind grau-grünlich gefärbt, stumpf vierkantig und besitzen 3 bis 5 mm lange Fruchtstiele.

Die Art hat die Chromosomenzahl 2n = 14.[2]

Verwechslungsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bleiche Schöterich kann vor allem mit dem Steifen Schöterich (Erysimum hieraciifolium) sowie mit dem Harten Schöterich (Erysimum marschallianum) verwechselt werden. Von diesen unterscheidet er sich insbesondere durch die Art der Behaarung.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Art kommt vom Balkan bis Süd- und Mitteldeutschland vor. In Deutschland ist der Bleiche Schöterich recht selten. Häufiger findet man ihn im mittleren Saale- und Nahetal. Fundorte gibt es auch noch in Nordbayern und in Südwestdeutschland. Die Art fehlt in der Schweiz[3] und in Österreich.

Der Bleiche Schöterich wächst in Trockenrasengesellschaften. Sie bevorzugt warme Stein- und Felsböden (Kalk, Dolomit, Porphyr, Phonolith).[2] Sie ist in Mitteleuropa lokal eine Charakterart des Diantho-Festucetum aus dem Verband der Seslerio-Festucion-Verbandes. Sie kommt aber auch in lückigen Festuco-Brometea-Gesellschaften oder halbruderal in Agropyretalia-Gesellschaften vor.[2]

Bleicher Schöterich (Herbarbeleg)

Giftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bleiche Schöterich ist in allen Teilen, besonders aber in den Samen stark giftig. Hauptwirkstoffe in den Samen sind mindestens 20 Cardenolidglykoside (3,5 %). Das Hauptglykosid ist Erysimosid (circa 2,3 %), aus dem durch Abspaltung der Glukose das Sekundärglykosid Helveticosid (0,5-1,2 %) entsteht. Der höchste Gehalt an Erysimosid und Halveticosid liegt zur Reifezeit und während der Trocknung vor.[4]

Vergiftungserscheinungen beim Menschen traten bisher noch nicht auf, während Massensterben von Gänsen bekannt wurden. Gefährdet sind auch Kaninchen; für Hühner soll die Pflanze aber nicht giftig sein. Das Fressen der Pflanzen durch Gänse (daher der Name „Gänsesterbe“) oder Kleinsäuger führt schnell zu Muskellähmungen, woran die Tiere schließlich sterben.[4][5]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  • Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Mit Berücksichtigung der Grenzgebiete. Bestimmungsbuch für die wildwachsenden Gefässpflanzen. Begründet von August Binz. 18. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schwabe & Co., Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 6., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1990, ISBN 3-8001-3454-3.
  • Konrad von Weihe (Hrsg.): Illustrierte Flora. Deutschland und angrenzende Gebiete. Gefäßkryptogamen und Blütenpflanzen. Begründet von August Garcke. 23. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. insbesondere für Wettin benannt von Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 146.(online).
  2. a b c Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  3. Erysimum crepidifolium. In: Info Flora (Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora).
  4. a b Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Giftpflanzen von A-Z. Notfallhilfe. Vorkommen. Wirkung. Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. 4. Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-31-7 (Nachdruck von 1994).
  5. Bleicher Schöterich (Erysimum crepidifolium). In: giftpflanzen.com.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bleicher Schöterich (Erysimum crepidifolium) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien