Bloc identitaire

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Le Bloc identitaire – Le mouvement social européen ("Identitärer Block - Die Europäische Sozialbewegung", BI) ist ein Zusammenschluss von regionalen Gruppen in Frankreich und benachbarten frankophonen Regionen wie der Romandie und der Wallonie, der versucht, sich als politische Bewegung darzustellen und allgemein der „Neuen Rechten“ zugeordnet wird. Er wurde de facto mit der Jugendorganisation Jeunesses identitaires im September 2002 von Mitgliedern der Vorgängerorganisation Unité radicale (UR) gegründet, die wegen des Mordversuchs eines ihrer Mitglieder auf den damaligen Präsidenten Jacques Chirac am Nationalfeiertag 2002 verboten wurde. Am 6. April 2003 folge die offizielle Gründung als "Bloc identitaire".[1][2] Das Logo des "Bloc identitaire" zeigt ein stilisiertes Wildschwein. Der aktuelle Vorsitzende ist Fabrice Robert.

Ideologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BI, der generell als rechtsextrem eingestuft wird, vertritt keinen klassischen Nationalismus, sondern einen neurechten Bioregionalismus und europäischen Föderalismus. Die Identitären vertreten ethnopluralistische Ideen und behaupten, eine „europäische Identität“ gegen kulturelle „Überfremdung“ etwa durch muslimische Einwanderung zu verteidigen. Ihr Konzept eines identitären Dreiklangs aus „Regionalismus, Nationalismus und Europäismus“ wird europaweit von rassistischen und kulturrassistischen Gruppen als Vorbild einer aktionsorientierten antimuslimischen Rechten genommen, die sich selbst als „Identitäre Bewegung“ bezeichnet.[3][4]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bloc identiaire besteht aus zahlreichen regionalen Unterorganisationen wie etwa Nissa Rebela in Nizza oder Alsace d’abord. Er grenzt sich gegenüber Antisemitismus und Antizionismus ab und richtet sich vor allem gegen eine angebliche „Islamisierung“ Europas und einen behaupteten „zersetzenden Charakter des Multikulturalismus“. Der BI zählt etwa 2000 Anhänger.

Convention identitaire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2007 wurde vom Bloc identitaire in Beaune erstmals eine sogenannte Convention identitaire veranstaltet. Auf dem Treffen sollte auch die europäische Dimension der Bewegung diskutiert werden.[5]

Die nächste Zusammenkunft fand 2009 im südfranzösischen Orange statt, an der unter anderem auch der Schweizer SVP-Politiker Dominique Baettig und der österreichische FPÖ-Politiker und EU-Parlamentarier Andreas Mölzer teilnahmen.[6][7]

Der letzte Konvent, der am ersten Novemberwochenende 2012 in Orange stattfand, bot etwa 500 Teilnehmer auf, darunter auch Gäste der italienischen Lega Nord und der Neuen Rechten aus Deutschland und Österreich.[8][9]

Génération Identitaire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Oktober 2012 erklärte der Jugendzusammenschluss „Génération Identitaire“ der angeblich von der 68er-Bewegung geprägten multikulturellen Gesellschaft in der verfilmten „Déclaration de guerre – Génération Identitaire“ den Krieg.[10] Seit die Polizei am 20. Oktober 2012 eine sechsstündige Besetzung eines Moscheedachs im westfranzösischen Poitiers durch 60 bis 80 Mitglieder der Jugendorganisation beendete und drei Personen wegen Anstachelung zum Rassenhass und Sachbeschädigung festnahm und Premierminister Jean-Marc Ayrault und Innenminister Manuel Valls die Aktion verurteilten, prüft die französische Regierung den juristischen Bestand eines geplanten Verbots des Jugendzusammenschlusses des Bloc identiaire.[11][12][13][14] Das drohende Verbot für die „Génération Identitaire“ wegen ihrer Aktion wurde „aufgrund juristischer Probleme“ von der Regierung später verworfen.[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernard Schmid: Nationalistische „Identitäten“. In: Blick nach Rechts, 7. November 2012 (online)
  2. Bernard Schmid: Die “identitäre Bewegung” lud zum “Konvent”. In: haGalil, 13. November 2012 (online)
  3. Roland Sieber: Neonazis übernehmen die “Identitäre Bewegung”. In: Die Zeit, 14. November 2012 (online)
  4. Robert Schmidt: Rechtsextreme Rattenfänger in Lyon. In: Neues Deutschland, 17. Dezember 2012 (online)
  5. Convention identitaire de Beaune, Fabrice ROBERT, 13. November 2007 (Französisch)
  6. La Rédaction du DL: La Convention identitaire européenne donne rendez-vous. ledauphine.com. 5. September 2009. Archiviert vom Original am 6. September 2009. (Französisch)
  7. Jean-Yves Camus: MPF : de l'UMP aux Identitaires, le grand écart idéologique. rue89.com. 3. September 2009. Archiviert vom Original am 6. September 2009. (Französisch)
  8. Bernard Schmid: Der Konvent der identitären Bewegung. In: Publikative.org, 18. November 2012 (online)
  9. A la convention identitaire, Harlem Désir est un "petit kapo de camp de rééducation antiraciste", francetvinfo.fr, 3. November 2012 (Französisch)
  10. Arno Klönne: Kriegserklärung gegen den "alten Erzfeind". In: Telepolis, 10. November 2012 (online)
  11. Roland Sieber: Von tanzenden Rassisten und uniformierten Milizen. In: Publikative.org, 22. Oktober 2012 (online)
  12. AP: Rechtsextreme besetzen Moscheeneubau in Poitiers. In: Die Welt, 20. Oktober 2012 (online)
  13. Reuters/AFP: Rechtsextreme besetzen Moscheeneubau in Poitiers. In: Tageblatt, 20. Oktober 2012 (online)
  14. Poitiers: la gauche et des associations réclament la dissolution des Identitaires. In: Libération, 20. Oktober 2012 (online)
  15. Bernard Schmid: Die “identitäre Bewegung” lud zum “Konvent”. Abgerufen am 5. Februar 2013 (auf haGalil,com, 13. November 2012).