Naturpark Blockheide-Gmünd

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Wackelstein in der Blockheide

Die Blockheide ist ein Naturpark bei Gmünd im nordwestlichen Waldviertel in Niederösterreich.

Natürliche Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lämmersalat (Arnoseris minima), ein seltenes Ackerbeikraut, besitzt in Österreich in der Blockheide sein größtes Vorkommen. Als subatlantisches Florenelement findet er in der Gmünder Bucht am Rande des Wittingauer Beckens geeignete Lebensbedingungen vor.
Das Kleinfrucht-Ohmkraut (auch Südlicher Ackerfrauenmantel, Aphanes australis) ist eine in Österreich sehr seltene Art. Es ist extrem kalkmeidend und in den mineralarmen, stark bodensauren, sandigen und extensiv bewirtschafteten Äckern in der Blockheide zu finden.

Die Blockheide stellt eine Heidelandschaft mit einer kleinteiligen bäuerlichen Kulturlandschaft dar. Man kann hier eine Mischung aus kleinteiligen Ackerfeldern, extensiv genutzten Wiesen und Mischwäldern antreffen. Die Landschaft ist mit Granitblöcken durchsetzt. Es handelt sich dabei um eine Ansammlung von oft bizarr geformten Restlingen, Blockburgen und Findlingen (manche auch als Wackelsteine ausgebildet), ein Überbleibsel des einstigen Hochgebirges der Böhmischen Masse, durch Wollsackverwitterung entstanden. Einige davon haben die Fantasie der Menschen zu Namensgebungen wie Pyramide, Pilzstein, Opferschale oder Brotlaib angeregt.

Auch zahlreiche Märchen ranken sich um die Steine. So besagt eine Legende, dass Gott nach der Erschaffung der Welt vom Manhartsberg nach Westen gewandert sei und dabei die umliegenden Steine in einem Tuch aufgesammelt habe. In der Gegend der Blockheide sei dieses Tuch so schwer geworden, dass es riss und die Steine überall durch die Gegend auseinanderrollten. Da Gott schon müde war, beschloss er, nach Hause zu gehen und die Steine liegen zu lassen.

Die Gründung des Naturparks erfolgte 1964 auf Anregung des österreichischen Bildhauers Carl Hermann, als es Pläne gab, die landwirtschaftliche Arbeit durch Sprengung der Granitblöcke zu erleichtern. Die Erhaltung der Kulturlandschaft zählt zu den großen Schwierigkeiten des Naturparks, da die Bewirtschaftung sehr arbeitsintensiv und wenig rentabel ist.

Errichtete Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits der jungsteinzeitliche Mensch der Bemaltkeramik hinterließ hier Spuren. Weitere Hinweise auf menschliche Anwesenheit gibt es dann aber erst für das Mittelalter, die Zeit der slawischen und bairischen Landnahme. Die Restlinge (Steinformationen), die der Anlass für die Opfersteintheorie des Franz Xaver Kießling und dessen Anhänger (die es auch heute noch gibt) waren, wurden allerdings in ur- und frühgeschichtlicher Zeit in keiner Weise in kultischem Sinne verwendet. Diese Theorie entspricht nicht dem Stand des heutigen Wissens und hat ihre Wurzeln im romantischen und nationalen Historismus des späten 19. Jahrhunderts.

Im Naturpark gibt es eine Ausstellung über die Entstehung der Heidelandschaft mit ihren Granitrestlingen sowie eine Dioramen-Schau unter dem Titel „Die Geburt der Wackelsteine“ zu sehen, die im ehemaligen 1908 errichteten Wasserreservoir untergebracht sind, sowie ein angeschlossenes Informationszentrum. Über dem Wasserbehälter wurde 2003 ein 23,2 m[1] hoher hölzerner Aussichtsturm errichtet, der einen guten Blick über den Naturpark bis über die nahe gelegene Grenze nach Tschechien bietet. Dies ist bereits der dritte Aussichtsturm an diesem Standort. 1964 wurde ein erster, 17 m hoher, 1980 ein zweiter, bereits 20 m hoher Holzturm errichtet. Die neue Warte weist insgesamt 117 Stufen[1] auf, welche zur Aussichtsplattform in 20,35 m[1] Höhe führen.

Die Blockheide zeichnet eine Landschaft aus, die von Rotföhren, Birken, Eichen geprägt ist, vor allem aber auch von Ranker, also silikatischen, kalkfreien Trockenrasen, die es in Österreich selten gibt. Diese Trockenrasen haben nur wenige Zentimeter Erdschicht über dem Granit- oder Gneisgestein. Es gibt noch einen Steinbruch, der in Betrieb ist. Ein weiterer, alter Steinbruch liegt am Wegesrand im Wald, die ehemaligen zwei Abbaugruben haben sich mit Wasser gefüllt und sind als Mondteiche bekannt. Einige der besonders beeindruckenden Granitformationen haben Namen bekommen, wie etwa Teufels Brotlaib, Christophorusstein, Schulerstein. Zur Erkundung des Gebietes wurden Themenwege wie die GranitkulTOUR, MythologieTOUR, oder die LandschaftskulTOUR eingerichtet. Der Meridianweg folgt dem 15. östlichen Meridian. Es gibt ein geologisches Freilichtmuseum, in dem verschiedene Granit-, Gneis-, Marmor- und Magmatitformen aus dem Waldviertel zu sehen sind, einen Natur-Kinderspielplatz mit Steinlabyrinth und einen Picknickplatz. Es werden auch geführte Erlebniswanderungen angeboten. Ein Eingang zum Naturpark befindet sich in Grillenstein beim Schüsselwirt, wo es auch einen großen Parkplatz gibt. Ein weiterer Eingang ist bei der Textilfabrik Backhausen, von deren Kundenparkplatz aus man über den Braunaubach aus dem Südosten durch den Wald in die Blockheide spazieren kann. Ein dritter Eingang ist durch das Malerwinkel, ein Graben, der aus mächtigen Granitschichtungen besteht und einen interessanten Blick auf die Holzgebäude eines ehemaligen Freibades ermöglicht, das hier noch bis in die 1980er Jahre geöffnet hatte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verein "Naturpark Blockheide Eibenstein-Gmünd": 20 Jahre Naturpark Blockheide Eibenstein-Gmünd, 1984.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Naturpark Blockheide-Gmünd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Aussichtswarte Blockheide Gmünd auf der Webseite der Firma Graf-Holztechnik

Koordinaten: 48° 46′ 47″ N, 14° 59′ 45″ O