Blue Lives Matter

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Person bei einer Blue-Lives-Matter-Demonstration, 2020

Blue Lives Matter (deutsch: Blaue Leben zählen) ist eine US-amerikanische Bewegung, die sich unter anderem für eine stärkere Bestrafung für Gewalt gegen Polizisten einsetzt. Sie entstand als eine Gegenbewegung der Black Lives Matter (deutsch: Schwarze Leben zählen).

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Bewegung ist eine Anspielung auf die Black-Lives-Matter-Bewegung, die sich gegen die Gewalt gegen Schwarze bzw. People of Color einsetzt. Die Farbe Blau wurde aufgrund der blauen Uniformen der US-amerikanischen Polizei gewählt. Randy Sutton, Sprecher der Blue-Lives-Matter-Bewegung, erklärte im Jahr 2016, dass die Namenswahl nicht nur als Anspielung, sondern auch als bewusster Angriff auf die Black-Lives-Matter-Bewegung zu verstehen sei.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bewegung formierte sich im Dezember 2014 als Gegenbewegung zur Black Lives Matter und in Reaktion auf die Ermordung zweier Polizisten in New York City.[2][3] Initiatoren waren aktive und bereits pensionierte Polizisten, die als Ziel angaben, den angeblichen Lügen der Black-Lives-Matter-Bewegung entgegentreten zu wollen. Als Sprecher der Bewegung fungierte Randy Sutton, ein pensionierter Polizist, der unter anderem in Las Vegas arbeitete. Nach dem Attentat auf Polizisten in Dallas am 7. Juli 2016, bei dem fünf Polizisten getötet und sieben weitere Polizisten verletzt wurden, erhielt die Bewegung weiteren Aufschwung und es kam bundesweit zu Solidarisierungsbekundungen.[4] Im Frühjahr 2020 zeigte eine Untersuchung des Online-Magazins Snopes, dass eine Vielzahl von Social-Media-Profilen, die mit Blue-Lives-Matter-Inhalten mehrere Millionen Menschen erreichten, von einem kosovarischen Netzwerk betrieben werden.[5]

Im Juli 2020 kam es bei den Protesten infolge des Todesfalles von George Floyd zu Zusammenstößen zwischen Anhängern von Blue Lives Matter und Black Lives Matter, wobei sich einige Vertreter von Blue Lives Matter nicht als Gegner der Black-Lives-Matter-Bewegung sehen. Als Entgegnung zur Forderung, der Polizei die finanziellen Mittel zu entziehen, wurde zudem die Bewegung Back the Blue (deutsch: Unterstützt die Blauen) gestartet.[6]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Protestschild gegen die Blue Lives Matter, 2020

Lisa Olson von der Southeastern Louisiana University bezeichnet die Blue Lives Matter-Bewegung als Backlash gegen Kritik an rassistischer Polizeiarbeit, der von bestehenden Missständen ablenken soll.[7] Frank Cooper sieht die Bewegung als Ausdruck von „cop fragility“: Polizisten würden sich fälschlicherweise für objektiv halten, strukturelle Probleme individualisieren und somit einen unangemessenen Umgang mit berechtigter Kritik zeigen. Cooper betont, dass die Bewegung sich klar gegen schwarze Amerikaner richten würde.[8]

Name der Bewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter anderem die Namenswahl der Bewegung wurde von Aktivisten der Black Lives Matter kritisiert. Sie merkten an, dass die blaue Uniform im Gegensatz zur Hautfarbe ablegbar ist.[4] Auch wird ähnlich wie bei den White Lives Matter (deutsch: Weiße Leben zählen) kritisiert, dass keine Notwendigkeit für die Bewegung bestünde, da Gewalt gegen die Polizei auch ohne die Bewegung medial große Aufmerksamkeit erfahren würde.[9] Der damalige US-Präsident Barack Obama erklärte in einer Rede vom 7. Juli 2016, die Aussage, dass schwarze Leben zählen, nicht bedeute, dass blaue Leben nicht zählen. Weiter sagte er, dass jedoch die Daten zeigen, dass schwarze Menschen gefährdeter seien.[10]

Einstufung von Gewalt gegen Polizisten als Hasskriminalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine zentrale Forderung der Blue Lives Matter stellt die Anpassung der Gesetzgebung dar, so dass Gewalt gegen Polizisten als Hasskriminalität eingestuft und entsprechend bestraft werden kann.[11] Ein Gesetz, das die Gewalt gegen Angestellte der Polizei, Feuerwehr und des Rettungsdienstes als Hasskriminalität einstuft, wurde im Mai 2016 im Bundesstaat Louisiana verabschiedet. Es erhielt neben seinem offiziellen Namen „HB 953“ die inoffizielle Bezeichnung „Blue Lives Matter“.[12][13] In weiteren Bundesstaaten wurden nach Vorbild dieses Gesetzes ähnliche Vorschläge gemacht.[14]

Die Bürgerrechtsbewegung American Civil Liberties Union (ACLU) kritisiert solche Gesetze und Gesetzesvorschläge, mit der Begründung, dass Polizeibeamte bereits durch Gesetze besonders geschützt seien und die neuen Gesetze als Antwort auf die Blue-Lives-Matter-Bewegung und nicht auf die Realität gegeben wurden.[15][13] Es ließen sich auch empirisch keine Nachweise für eine gestiegene Gefährdung bei der polizeilichen Arbeit, wie sie von Blue-Lives-Matter-Aktivisten angeführt wird, finden. Untersuchungen zufolge ist diese Gefahr in den letzten Jahren deutlich gesunken.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Blue Lives Matter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Polizisten wollen schwarze US-Bewegung kontern. In: Tagesspiegel. 11. Juli 2016, abgerufen am 19. August 2020.
  2. Christopher Berg: Introducing The Police Tribune. Blue Lives Matter, 11. Juni 2020, abgerufen am 19. August 2020 (englisch).
  3. Police groups want to paint a 'Blue Lives Matter' street mural in New York City, too. In: CBS 58. 16. Juli 2020, abgerufen am 19. August 2020 (englisch).
  4. a b Markus Mayr: BlueLivesMatter-Bekundungen nach Attentat in Dallas. In: Süddeutsche Zeitung. 11. Juli 2016, abgerufen am 19. August 2020.
  5. Kosovar Facebook ‘Giveaway’ Network Exploits COVID-19 Fears. In: Snopes. 10. April 2020, abgerufen am 20. August 2020 (amerikanisches Englisch).
  6. Juliana Kim, Michael Wilson: ‘Blue Lives Matter’ and ‘Defund the Police’ Clash in the Streets. In: The New York Times. 22. Juli 2020, ISSN 0362-4331 (englisch, nytimes.com [abgerufen am 19. August 2020]).
  7. Lisa Olson: Blue Lives Have Always Mattered: The Usurping of Hate Crime Laws for an Unintended and Unnecessary Purpose. In: The Scholar: St. Mary's Law Review on Race and Social Justice. Band 20, Nr. 1, 1. Januar 2017, ISSN 1537-405X, S. 13–55 (stmarytx.edu [abgerufen am 9. November 2020]).
  8. Frank Rudy Cooper: Cop Fragility and Blue Lives Matter. ID 3566553. Social Science Research Network, Rochester, NY 1. April 2020 (ssrn.com [abgerufen am 9. November 2020]).
  9. Natasha Lennard: After Dallas, We Don't Need to Say 'Blue Lives Matter'. In: Rolling Stone. 8. Juli 2016, abgerufen am 19. August 2020 (amerikanisches Englisch).
  10. Statement by the President. In: obamawhitehouse.archives.gov. 7. Juli 2016, abgerufen am 19. August 2020 (englisch).
  11. Kevin Conlon: Louisiana governor signs 'Blue Lives Matter' bill. In: CNN. 27. Mai 2016, abgerufen am 19. August 2020 (englisch).
  12. Naomi LaChance: In Alton Sterling’s Baton Rouge, “Blue Lives Matter”. In: The Intercept. 7. Juli 2016, abgerufen am 19. August 2020 (englisch).
  13. a b Julia Craven: Louisiana’s New ‘Blue Lives Matter’ Law On Cop Killers Is Actually Pretty Redundant (UPDATE). In: Huffington Post. 25. Mai 2016, abgerufen am 19. August 2020 (englisch).
  14. Matthew Guariglia: ‘Blue lives’ do matter — that’s the problem. In: Washington Post. 30. November 2017, abgerufen am 19. August 2020 (englisch).
  15. Coalition Opposition to H.R. 5698, the Protect and Serve Act of 2018. In: aclu.org. 15. Mai 2018, abgerufen am 19. August 2020 (englisch).
  16. Michael D. White, Lisa M. Dario, John A. Shjarback: Assessing dangerousness in policing. In: Criminology & Public Policy. Band 18, Nr. 1, 2019, ISSN 1745-9133, S. 11–35, doi:10.1111/1745-9133.12408 (wiley.com [abgerufen am 20. August 2020]).