Blumenau (Brasilien)

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Município de Blumenau
„Capital da Cerveja“
Blumenau
Blumenau2.JPG
Blumenau (Brasilien)
Blumenau
Koordinaten 26° 55′ S, 49° 4′ WKoordinaten: 26° 55′ S, 49° 4′ W
Symbole
Coat of arms of Blumenau.svg
Wappen
Flag of Blumenau.svg
Flagge
Wahlspruch
„Pro Sancta Catharina Et Brasilia“
Gründung 2. September 1850
Basisdaten
Staat Brasilien
Bundesstaat Santa Catarina
Região intermediária Blumenau (seit 2017)
Região imediata Blumenau (seit 2017)
Mesoregion Vale do Itajaí (1989 bis 2017)
Mikroregion Blumenau (1989 bis 2017)
Höhe 21 m
Klima Cfa, subtropisch (Ostseitenklima)
Fläche 518,5 km²
Einwohner 309.011 (2010[1])
Dichte 596 Ew./km²
Schätzung 366.418 (1. Juli 2021[1])
Gemeindecode IBGE: 4202404
Postleitzahl 89000-000
Zeitzone UTC−3
Website www.blumenau.sc (brasilianisches Portugiesisch)
Politik
Stadtpräfekt Mário Hildebrandt[2][3] (5. April 2018–2020; 2021–2024)
Partei Podemos
Wirtschaft
BIP 16.958.783 Tsd. R$
48.115 R$ pro Kopf
(2018)
HDI 0,806 (sehr hoch) (2010)

Blumenau, amtlich portugiesisch Município de Blumenau, ist eine Großstadt im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina.

Die Einwohnerzahl betrug laut Volkszählung von 2010 309.011 Bewohner, die Blumenauer oder portugiesisch blumenauenses genannt werden.[1] Die Einwohnerschätzung vom 1. Juli 2021 laut IBGE betrug anwachsend 366.418 Bewohner[1] auf einer Fläche von 518,497 km². Sie steht an dritter Stelle der 295 Gemeinden in Santa Catarina.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blumenau liegt etwa 50 Kilometer von der Küste des Atlantiks entfernt, zwischen Joinville im Norden und der Hauptstadt Florianópolis im Süden, im Tal des Itajaí. Durch die hügelige Umgebung sowie den Fluss ist die bewohnbare Fläche sehr begrenzt. Die Stadt hat wie zur Zeit ihrer Gründung auch heute noch mit schweren Überschwemmungen und Hochwasser von bis zu 17,1 Meter zu kämpfen.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Blumenau
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 29,3 28,9 27,6 25,7 23,0 21,3 21,1 21,5 22,5 24,1 26,3 27,6 Ø 24,9
Min. Temperatur (°C) 20,2 20,0 18,5 16,2 13,2 11,5 11,1 12,3 14,2 16,0 17,7 18,6 Ø 15,8
Temperatur (°C) 24,7 24,4 23,0 20,9 18,1 16,4 16,1 16,9 18,3 20,0 22,0 23,1 Ø 20,3
Niederschlag (mm) 187,0 190,0 145,0 109,0 99,0 103,0 76,0 106,0 128,0 142,0 116,0 139,0 Σ 1540
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
29,3
20,2
28,9
20,0
27,6
18,5
25,7
16,2
23,0
13,2
21,3
11,5
21,1
11,1
21,5
12,3
22,5
14,2
24,1
16,0
26,3
17,7
27,6
18,6
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
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r
s
c
h
l
a
g
187,0
190,0
145,0
109,0
99,0
103,0
76,0
106,0
128,0
142,0
116,0
139,0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Das Klima von Blumenau ist subtropisch. Nach der Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger hat die Stadt ein warmgemäßigtes Regenklima Cfa. Blumenau liegt wie der ganze Bundesstaat Santa Catarina südlich des südlichen Wendekreises, daher gibt es milde Winter und warme, feuchte Sommer.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt wurde 1850 von deutschen Einwanderern unter Leitung des Apothekers Hermann Blumenau in der damaligen Provinz Santa Catarina gegründet.[4] Sie ist neben Joinville und Brusque eines der drei Zentren der deutschen Kolonisation in Santa Catarina. Die bei vielen Besuchern beliebten Fachwerkhäuser (z. B. Prefeitura Municipal, Casa Moellmann) stammen allerdings meist aus neuester Zeit. Zudem handelt es sich bei den meisten moderneren Gebäuden nicht um "echtes" Fachwerk, sondern um rein optische Dekorationen der Fassaden der Betonbauten im "Fachwerk-Look".

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethnien Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethnische Gruppen nach der statistischen Einteilung des IBGE (Stand 2000 mit 261.808 Einwohnern, Stand 2010 mit 309.011 Einwohnern):[5] Von diesen lebten 2010 265.145 Einwohner im städtischen Bereich und 12.534 im ländlichen Raum.

Ethnische Zusammensetzung von Blumenau im Zehnjahresvergleich 2000/2010
Gruppe Anteil
2000
Anteil
2010
Anmerkung
Brancos 247.527   277.680 Weiße, Nachfahren von Europäern
Pardos 9.171   25.186 Mischrassige, Mulatten, Mestizen
Pretos 3.042   4.838 Schwarze
Amarelos 252   961 Asiaten
Indígenas 340   345 indigene Bevölkerung
ohne Angabe 1.476

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl der Schulen nach Unterrichtssprache, 1905
Deutsch (ausschließlich) 81
Italienisch (ausschließlich) 17
Deutsch und Portugiesisch 5
Deutsch und Polnisch 4
Portugiesisch (ausschließlich) 4
Deutsch und Italienisch 1
Insgesamt 112

Ungefähr in den ersten 100 Jahren nach der Gründung der Kolonie war Deutsch die vorherrschende Sprache in Blumenau. Sie wurde zunächst als einzige Sprache verwendet, da die ersten Kolonisten ausschließlich aus Deutschland kamen.

Mit zunehmender Einwanderung aus anderen europäischen Ländern und brasilianischer Binnenwanderung wurden in Blumenau auch andere Sprachen, insbesondere Italienisch und Polnisch, vermehrt gesprochen. Sie waren aber auf die jeweiligen Einwanderer begrenzt. Als lingua franca galt in Blumenau und der ganzen Region Deutsch. Die deutschsprachigen Auswanderer und deren Nachfahren verfügten über eine gute Infrastruktur aus Schulen, Vereinen, Theatern und ähnlichen Einrichtungen.

Eine Vorstellung davon, welche Bedeutung Deutsch auch zwei Generationen nach Gründung der Kolonie hatte, vermittelt nebenstehende Tabelle, die die Anzahl der Schulen Blumenaus nach Verwendung der Unterrichtssprache angibt.[6]

Mit der Politik des Estado Novo zwischen 1937 und 1954 unter dem mit diktatorischen Vollmachten ausgestatteten Präsidenten Getúlio Vargas wurde in Brasilien eine Nationalisierungskampagne durchgeführt, die auch die deutschsprachige Gemeinschaft betraf, da der Staat den Assimilierungsprozess forcierte. Als Brasilien am 22. August 1942 auf Seiten der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg eintrat, verschärfte sich die Situation für die deutschsprachige Bevölkerung nochmals. Schulen, in denen auf Deutsch unterrichtet wurde, wurden geschlossen, die Verwendung der deutschen Sprache wurde verboten und das Portugiesische hielt auch in Blumenau Einzug. Obwohl heute Portugiesisch die vorherrschende Sprache in Blumenau ist, hat sich in Teilen der Bevölkerung Deutsch als Umgangssprache erhalten.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bistum Blumenau

Blumenau ist Sitz einer römisch-katholischen Diözese, die am 19. April 2000 aus Gebieten des Erzbistums Florianópolis und der Diözesen Joinville und Rio do Sul gegründet wurde.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festzug beim Oktoberfest 2011

Industrien und Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige ist die Textilindustrie. So produziert unter anderem das im Jahr 1880 von deutschen Einwanderern gegründete Unternehmen Hering in Blumenau vor allem für den brasilianischen Markt.

Des Weiteren haben sich in den letzten Jahren verstärkt Firmen aus der Informations- und Kommunikationsbranche in der Stadt angesiedelt. Die Brauerei Eisenbahn produziert in Blumenau Bier, das nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut und von der Schincariol-Gruppe in ganz Brasilien vertrieben wird.

Neben dem Tourismus und der Textilindustrie gilt auch die Porzellanindustrie als ein weiterer wichtiger Wirtschaftsbereich. Zusätzlich ist die Stadt der wichtigste Finanzplatz im Bundesstaat Santa Catarina.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Moellmann in Blumenau
Rio Itajaí-Açu mit Blick auf die untere Stadt

Ein wichtiger Wirtschaftsbereich für die Stadt wie auch für die gesamte Region ist der Tourismus, dessen Schwerpunkt in dem für Brasilien eher untypischen Angebot an deutscher Gastronomie und Kultur liegt. 1984 wurde in Anlehnung an das Münchener Oktoberfest das erste Oktoberfest in Blumenau abgehalten. Anlass hierfür war der Bedarf an Finanzmitteln für die notwendigen Wiederaufbaumaßnahmen nach der großen Überschwemmung 1983. In den letzten Jahren hat sich das Fest mit über 600.000 Besuchern als das nach dem Karneval in Rio de Janeiro zweitgrößte Volksfest Brasiliens etabliert. Dies hat den Bekanntheitsgrad der Stadt auch in Deutschland gesteigert, was auch im Hinblick auf den Tourismus von Bedeutung ist.

Zur Attraktivität tragen auch die mit Fachwerkfassaden versehenen Gebäude bei. Das 1978 eröffnete Haus Moellmann ist ein vergrößerter Nachbau des 1484 erbauten Rathauses von Michelstadt im Odenwald in Hessen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standbild Hermann Blumenaus vor dem nach ihm benannten Mausoleum

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Stadt verbundene Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antonio B. Barreto, Alda S. Niemeyer: Ein Tal ruft um Hilfe. Debras Verlag 2004, ISBN 3-937150-00-5, Dokumentation der Überschwemmung in Blumenau von 1983.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Blumenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística (IBGE): Santa Catarina: Blumenau > Panorama. Abgerufen am 9. Oktober 2021 (brasilianisches Portugiesisch).
  2. Mário Hildebrandt assume a Prefeitura de Blumenau. In: Farol Blumenau. 6. April 2018 (brasilianisches Portugiesisch, farolblumenau.com [abgerufen am 19. April 2018]).
  3. Augusto Ittner, Maria Eduarda Dalponte: Mário Hildebrandt é eleito prefeito de Blumenau nas Eleições 2020. In: nsctotal.com.br. 29. November 2020, abgerufen am 9. Oktober 2021 (brasilianisches Portugiesisch).
  4. Paulo Malta Ferraz: Apontamentos para a história da colonização de Blumenau, 1850–1860. Instituto Hans Staden, São Paulo 1949.
  5. IBGE: Sistema IBGE de Recuperação Automática - SIDRA: Tabela 2093. Abgerufen am 9. Oktober 2021 (brasilianisches Portugiesisch, Datenbankabfrage, Suchbegriffe Blumenau (SC) und Cor ou raça).
  6. Santa Catarina – 100 anos de historia. Florianópolis, 1997 (portugiesisch).
  7. Liste der Partnerschaften Covilhãs beim Verband portugiesischer Kreisverwaltungen (ANMP), abgerufen am 5. Januar 2019 (portugiesisch).