Blutgruppentätowierung

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Die Blutgruppentätowierung war ein Kennzeichen der Mitglieder der SS-Verfügungstruppe, der SS-Totenkopfverbände und später des größten Teils der Waffen-SS. Ursprünglich zur Erleichterung medizinischer Hilfe gedacht, wurde es in der Endphase des Kriegs oder nach Kriegsende eine Hilfe, wenn es darum ging, untergetauchte Angehörige der Waffen-SS zu identifizieren, die sich als gewöhnliche Wehrmachtssoldaten ausgaben. Wann und für welchen Kreis diese Regelung für die SS-Truppen eingeführt wurde, ist nicht bekannt bzw. bisher noch nicht recherchiert.

Die Tätowierung bei Angehörigen der Polizeibataillone „bei auswärtigem Einsatz“ wurde Ende 1941 angeordnet. Der Runderlass des MdI vom 5. November 1941 sieht vor, dass für alle, „die als Mußuniformträger mit ihrem auswärtigen Einsatz in Pol.-Bataillonen zu rechnen haben“, eine Blutgruppenbestimmung vorgenommen wird. Zudem wird die Eintragung der Blutgruppe angeordnet: 1) entsprechender Stempel im Polizeipass, 2) Einstanzung in Erkennungsmarke, 3)„Tätowierung in die Beugeseite des linken Armes.“ Der Runderlass wurde im Ministerialblatt der inneren Verwaltung veröffentlicht.[1] Es sollen auch Feuerwehr, Luftschutz und Technische Hilfe die Tätowierung erhalten haben.[2]

Lage und Aussehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tätowierung lag auf der Innenseite des linken Oberarms, bzw. in der Achselhöhle[3] und war ungefähr sieben Millimeter groß. Sie bestand nur aus der Bezeichnung der Blutgruppe: A, B, 0 oder AB.

Die Rhesusformel wurde nicht angegeben, da diese erst kurz zuvor von zwei jüdischen Forschern entdeckt worden war und die Forschung darüber noch in den Anfängen steckte.

Nutzen und Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der eigentliche Zweck war, zu verhindern, dass die Träger bei Verwundungen eine Bluttransfusion der falschen Gruppe bekamen.

Da diese Tätowierung ein eindeutiges Erkennungszeichen war, versuchten viele Angehörige der Waffen-SS, sie nach dem Ende des Krieges loszuwerden – beispielsweise, indem sie sich in den Oberarm schossen.

In der Nachkriegszeit in Deutschland tauchten letztlich immer mehr angeblich „reguläre“ Soldaten auf, die eine Verwundung an der eigentlich tätowierten Stelle trugen. So etwa durch Selbstbeschuss oder verlangten Beschuss durch Kameraden. Ebenso verbreitet war die Entfernung durch einen bezahlten Arzt. Hiermit wollten viele ehemalige Angehörige der Waffen-SS eine Entdeckung ihrer Organisationszugehörigkeit, ihrer wahren Identität und die damit möglicherweise verbundene Bestrafung verhindern.

Die meisten Haupttäter der Vernichtung – v. a. jene am Schreibtisch und alle ohne „Mussuniform“ (politische Polizei und SD) – blieben unentdeckt, da sie nicht an der Front eingesetzt waren.

Ausführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tätowierung gab es in zwei verschiedenen Ausführungen: einmal mit deutschen Schriftzeichen und einmal in lateinischer Schrift. Letztere wurde zu Kriegsende ausschließlich verwendet, da sie nicht so aufwändig war bzw. die lateinische Schrift von Hitler zur Normalschrift im Reich gemacht worden war (siehe Normalschrifterlass). Das spielte vor allem eine Rolle, nachdem die Aufnahmekriterien für die Waffen-SS im Kriegsverlauf herabgesetzt wurden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicholas Kulish, Souad Mekhennet: Dr. Tod: Die lange Jagd nach dem meistgesuchten NS-Verbrecher. C. H. Beck 2015, ISBN 3-406-67262-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. RdErl. d.RFSSuChdDtPol im RMdI, Zl. O-Kdo III an 41 Nr. 27 III/41 v. 5. November 1941, MRBliV. S. 1998
  2. Andreas LINHARDT, Feuerwehr im Luftschutz 1926–1945: die Umstrukturierung des öffentlichen Feuerlöschwesens in Deutschland unter Gesichtspunkten des zivilen Luftschutzes, 2002, Seite 173
  3. Guido Knopp: Die SS: Eine Warnung der Geschichte. C. Bertelsmann Verlag 2013, ISBN 3-641-10841-1.