Bodenhorizont

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Siehe auch Bodenschicht (Begriffsklärung)
Bodenhorizonte in einem vom Grundwasser beeinflussten Gley im Teutoburger Kalkbuchenwald

Bodenhorizont (vlg. Bodenschicht), oft in der Kurzform Horizont verwendet, ist ein Begriff aus der Bodenkunde. Er bezeichnet einen Bereich im Boden mit annähernd gleichen Eigenschaften, der sich von darüberliegenden oder darunterfolgenden Horizonten also Bereichen unterscheidet. Die Horizonte eines Bodens sind an einem sogenannten Bodenprofil (vertikaler Querschnitt des Bodens in einer Aufgrabung, seltener einer Bohrung) erkennbar und verlaufen fast immer horizontal bzw. hangparallel. Die Horizontabfolge eines Bodens ist das maßgebliche Kriterium für die Ermittlung des vorliegenden Bodentyps.

Horizonte können durchaus mit Schichten identisch sein. Dennoch besteht zwischen beiden Begriffen eine klare Abgrenzung: Eine Schicht bezeichnet nicht nur einen Wechsel der Eigenschaften, sondern auch einen Wechsel des Materials (z.B. Sand zu Ton). Sie ist das Ergebnis von Sedimentationsprozessen (vgl. dazu auch Geologie, physische Geographie) oder menschlicher Materialverlagerung.

Definition[Bearbeiten]

Bodenhorizonte sind Bereiche innerhalb des Bodens, die einheitlich ähnliche Merkmale und Eigenschaften besitzen und sich von darüberliegenden oder darunterfolgenden Bereichen unterscheiden. Die Prozesse der Bodenbildung und -entwicklung (Pedogenese) beeinflussen oder durchdringen den Boden in der Regel vertikal von oben nach unten. Dies sind vor allem natürliche Prozesse also physikalische oder chemische Verwitterung (durch Einwirkung von Hitze, Kälte, Niederschlägen), biologische Aktivität (Pflanzenwurzeln, Bodenlebewesen, wühlende Tiere, Mikroorganismen) oder Ein- oder Auswaschung von Stoffen mit dem Niederschlags- und Sickerwasser. In besiedelten Regionen nimmt mittlerweile auch der Mensch einen großen Einfluss (Bodenumlagerung, Materialeintrag, Pflügen…).

Die Horizontabfolge[Bearbeiten]

Die bodenbildenden Prozesse sind nicht überall im Boden gleich stark ausgeprägt. Viele von ihnen konzentrieren sich an der Oberfläche. Diese ist z.B. bewachsen (Humusbildung), besser durchlüftet (Aktivität der Bodenlebewesen) oder der Witterung ausgesetzt (Verwitterung). Feuchte Regionen zeigen eine beständige Verlagerung von Stoffen von oben nach unten, da die Niederschläge versickern. Es bestehen also vertikale Gradienten der bodenbildenden Prozesse und ihrer Produkte, was zu einer vertikalen Abfolge der durch sie geprägten Bereiche im Boden führt. Horizonte liegen daher von Natur aus immer mehr oder weniger übereinander, nicht aber nebeneinander.

Die Anzahl der Horizonte kann von Standort zu Standort erheblich schwanken. Bei einer gerade aufgewehten Sanddüne liegt sie bei 1, da nur „reiner Sand“ vorliegt. Bereits nach kurzer Zeit kommt es zur Ansiedlung von Pionierpflanzen und der Bildung von Humus. Somit erhöht sich die Horizontzahl auf 2, da an der Oberfläche ein Bereich „Sand mit Humus“ im Gegensatz zum Untergrund „reiner Sand“ entstanden ist. Damit wird klar, dass die Horizontabfolge nicht fix ist, sondern auch zeitlich mit voranschreitender Bodenentwicklung variiert.

Die Abfolge der Bodenhorizonte ist also charakteristisch für die bisher abgelaufene Entwicklung des Bodens. An ihr lassen sich alle wesentlichen bodenchemischen und -biologischen Prozesse und Eigenschaften ablesen (Humusbildung und -einarbeitung, Versauerung, reduzierende und oxidierende Bedingungen, …). Die Ansprache und Interpretation der vorhandenen Bodenhorizonte ist daher wesentlicher Bestandteil der Bodenkartierung, z. B. im Rahmen der forstwirtschaftlichen Standorterkundung bei der Entscheidung zur geeigneten Baumartenwahl oder der Ermittlung der Ackerzahl. Mit ihnen wird die systematische Einordnung der Böden in Bodentypen vorgenommen.

Unterscheidung der Bodenhorizonte[Bearbeiten]

Die Aufteilung in typische Bodenhorizonte (O-, A-, B-, C-)
Rendzina-Kalkboden im Teutoburger Wald. Hier fehlt der B-Horizont weitgehend

Bodenhorizonte werden mit Buchstabenkombinationen (Horizontsymbole) benannt, die wesentliche Merkmale und Prozesse kennzeichnen.

Die Bodenhorizonte lassen sich – im Bodenprofil von oben nach unten – grob wie folgt einteilen:

(Torf, Streu, nicht-torfige organische Feinsubstanz)
(Anreicherung von Humus, Auswaschung von Stoffen)
  • B-Horizonte: mineralischer Unterboden
(Mineralumwandlung, Einwaschung von Stoffen)
  • C-Horizonte: mineralischer Untergrund
(wenig verändertes Ausgangsgestein, physikalische Verwitterung)

Die nähere Charakterisierung erfolgt durch hinzugefügte, nachgestellte Kleinbuchstaben. Außerdem gibt es weitere vorangestellte Buchstaben zur Kennzeichnung besonderer Prozesse und Eigenschaften, die nicht durch die Bodenbildung entstanden sind. Beim Auftreten mehrerer pedogenetischer Prozesse, die einen Horizont prägen, werden nach bestimmten Regeln weitere Kombinationen von Symbolen gebildet. Die folgende Auflistung und Beschreibung nennt die wesentlichen Horizonte und orientiert sich an der deutschen Bodensystematik (vgl. Bodenkundliche Kartieranleitung).

Organische Bodenhorizonte[Bearbeiten]

Sie besitzen einen Anteil von mehr als 30 Masse-% (= ca. 60 Vol.-%) organischer Substanz.

  • H – Torf: Organischer Horizont aus Resten torfbildender Pflanzen ist an der Oberfläche entstanden. Der Abbau wird durch Wasser gehemmt, es entsteht Torf. Eine weitere Differenzierung nach der Torfart ist möglich:
  • L – weitgehend unzersetzte, frische Streu (Förna, engl. Litter = Streu), früher auch als Ol-Horizont bezeichnet: Von der organischer Substanz mit mindestens 60 Vol.-% ist weniger als 10 Vol.-% organische Feinsubstanz.
  • O – Organischer Auflagehorizont (soweit kein Torf!): Von der organischer Substanz mit mindestens 60 Vol.-% ist mehr als 10 Vol.-% organische Feinsubstanz
    • Of – neben Pflanzenresten treten 10-70 Vol.-% organische Feinsubstanz als Ergebnis der Zersetzung (Fermentation) auf.
    • Oh – die organische Feinsubstanz (Humus) als Ergebnis der Abbauprozesse überwiegt stark.
    • O/C-Böden

Mineralische Bodenhorizonte[Bearbeiten]

Anteil organischer Substanz unter 30 Masse-%

  • A-Horizonte
    • Aa – durch Vernässung Humusanreicherung zwischen 15 und 30 Masse-% (anmooriger Oberboden)
    • Ae – Bleichung, Auswaschung (Auswaschungshorizont) von Huminstoffen und Eisen (eluvial, typisch für Podsol)
    • Ah – Anreicherung von Humus (< 15 Masse-%, Humus)
    • Ai – nur geringmächtige Akkumulation organischer Substanz (initial)
    • Al – Auswaschung von Tonpartikeln (Tonverlagerung = Lessivierung, typisch für Parabraunerde)
    • Ap – regelmäßige landwirtschaftliche Bearbeitung (pflügen) – Mutterboden
  • B-Horizonte
    • Bh – Akkumulation von eingewaschenen Huminstoffen (starke Färbung!) und in geringerem Maße von Sesquioxiden, (typisch für Podsol, s. Ortstein)
    • Bs – Akkumulation von eingewaschenen Sesquioxiden (Eisen-, Mangan- und Aluminiumverbindungen) (typisch für Podsol, s. Ortstein)
    • Bt – Akkumulation von eingewaschenem Ton (Tonanreicherung, typisch für Parabraunerde)
    • Bv – Eisenoxidation, Mineralneubildung (Verbraunung, Verlehmung, typisch für Braunerde)
  • C-Horizonte
    • Cn – unverwittertes Ausgangsgestein der Bodenbildung, Locker- oder Festgestein (novus oder neu)
    • lC – C-Horizont aus lockerem, grabbarem Lockergestein (Löß, Sand, Kies, etc.)
    • mC – C-Horizont aus massivem Festgestein
    • Cv – Ausgangsgestein mit nur schwacher Verwitterung (verwittert)

Weitere mineralische Bodenhorizonte[Bearbeiten]

  • G – Mineralbodenhorizonte mit Grundwassereinfluss (typisch für Gley)
    • Go – oxidiert, zeitweilig grundwassererfüllt, zeitweise belüftet, daher Rostflecken als Folge von Oxidationsprozessen
    • Gr – normalerweise grundwassererfüllt, kaum belüftet, reduzierende Verhältnisse, vorherrschend grau als Folge von Eisenreduktion
  • S – Mineralbodenhorizont mit Stauwassereinfluss (typisch für Pseudogley)
    • Sw – Stauwasserleiter, zeitweilig luftarm (wasserleitend)
    • Sd – Stauwassersohle, weitgehend dicht, so dass es zu stark verlangsamter Versickerung kommt
  • P – Mineralischer Unterbodenhorizont, > 45 Masse-% Ton, entstanden aus Ton- oder Tonmergelgestein (P von Pelosol)
  • T – Mineralischer Unterbodenhorizont aus Lösungsrückstand von Carbonatgesteinen mit mehr als 75 Masse-% Carbonat, (T von Terra rossa und Terra fusca, nur fossil in Deutschland aber nicht in Frankreich zum Beispiel)
  • M – Mineralbodenhorizont aus erodiertem und kontinuierlich sedimentiertem holozänem Solummaterial, typisch für Auenböden und Kolluvisole (M von lat. migrare = wandern)
  • E – Mineralbodenhorizont, aufgetragene durch meist jahrhundertelange Plaggenwirtschaft (Esch als Flurbezeichnung, Bodentyp Plaggenesch)
  • R – Mineralischer Mischhorizont durch tiefreichende bodenvermischende Meliorationsmaßnahmen (Rigolen, Tiefumbruch) entstanden (Bodentyp je nach Kulturtechnik Rigosol oder Treposol)

Subhydrische Bodenhorizonte[Bearbeiten]

  • F – Horizont am Gewässergrund mit in der Regel mehr als 1 Masse-% organischer Substanz

Boden im tropischen Regenwald[Bearbeiten]

Im tropischen Regenwald dominiert die chemische Verwitterung aufgrund hoher Temperaturen und starker Niederschläge. Das Ausgangsgestein ist daher oft tief aufgelöst, daher liegt der C-Horizont oft in Tiefen von 20 bis 100 Metern. Zudem gab es seit dem Tertiär kaum klimatische Veränderungen und deshalb konnte die Verwitterung sehr lange wirken und so entstanden sehr mächtige und tiefgründige Verwitterungsdecken.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Scheffer F., Schachtschabel P. (2002): Lehrbuch der Bodenkunde. Spektrum Akademischer Verlag. 15. Auflage, ISBN 3-8274-1324-9
  • Blume H.-P., Felix-Henningsen P., Fischer W. R. (2002): Handbuch der Bodenkunde. Ecomed Verlag, Landsberg, ISBN 3-609-72232-0
  • AD-HOC-Arbeitsgruppe Boden: Bodenkundliche Kartieranleitung, Hrsg.: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Dienstern, 5. Aufl., 438 S.; 41 Abb., 103 Tab., 31 Listen, Hannover 2005. ISBN 3-510-95920-5
  • AG BODEN: Bodenkundliche Kartieranleitung, Hrsg.: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und Geologische Landesämter, 4. Aufl., 392 S., 33 Abb., 91 Tab., Hannover 1994. ISBN 3-510-95804-7
  • Kuntze, Roeschmann, Schwerdtfeger: Bodenkunde, 5.Aufl., UTB - Verlag, ISBN 3-8252-8076-4

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Regenwald der immerfeuchten Tropen und der Laubwald von Nadine Peiler

Weblinks[Bearbeiten]