Bodo Zeuner

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Bodo Zeuner bei einer Podiumsdiskussion der FAU Berlin

Bodo Zeuner (* 1942 in Königsberg) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und war bis 2006 Professor an der FU Berlin am dort angesiedelten Otto-Suhr-Institut (OSI) für Politikwissenschaft.

Zeuner war seit 1978 Hochschullehrer an der FU Berlin und dort zuständig für den Berufsfeldbereich Politische Erwachsenenbildung. Außerdem lehrte er in den Gebieten Regulierung der Arbeitsbeziehung/Gewerkschaft und Grundlagen der Politikwissenschaft. Zu diesen Themen und zur Parteienforschung veröffentlichte er zahlreiche Publikationen.

Schwerpunkte seiner Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewerkschaftsarbeit und politische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter anderem ist Bodo Zeuner im Bereich der Gewerkschaftsarbeit aktiv. So veröffentlichte er z. B. ein Referat mit dem Titel Verteilungsgerechtigkeit gehört zur Demokratie, welches er im März 2004 in Freiburg im Breisgau bei einer ver.di Konferenz hielt.

In dem Text Ungleichheit ist geil, den er in der blz, der Mitgliederzeitschrift der GEW, veröffentlichte, befasst sich Bodo Zeuner mit den Plänen der damaligen Rot-Grünen Bundesregierung einigen wenigen Universitäten den Status einer Elite-Universität zu geben und somit die Ausbildung eines geringen Teiles der Studentenschaft auf ein höheres Niveau zu bringen.

Für ihn seien die Elite-Pläne der Bundesregierung, die einen vollen PR-Erfolg darstellen würden, die Ausdehnung der „ideologischen Ungleichheitsoffensive – die Leute sollen glauben, dass mehr Gesellschaftsspaltung allen nützt“, auf das Bildungswesen. Dabei würde der Elite-Begriff als Selbstrechtfertigung für die Gewinner fungieren, ganz nach dem Motto „Die Besserverdienenden verdienen es auch besser“.[1]

Seit 1980, also dem Gründungsjahr der Partei, war Bodo Zeuner Mitglied der Grünen. „Aus Protest gegen den Jugoslawienkrieg und die neoliberale Politik“ sei er aber nach 18-jähriger Mitgliedschaft ausgetreten und engagierte sich nun zunächst bei der WASG und jetzt bei der Partei Die Linke. Außerdem war er Mitunterzeichner des Aufrufs Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wählen links!.[2]

Forschungsgruppe Rechtsextremismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodo Zeuner war Sprecher einer Forschungsgruppe, die sich mit Rechtsextremismus in den Gewerkschaften befasste. Hier arbeitete er mit Richard Stöss und Michael Fichter zusammen.

Diese Forschungsarbeit war mit 200.000 Euro von der Hans-Böckler-Stiftung und der Otto-Brenner-Stiftung gefördert worden und die Ergebnisse der Studie wurden auf einer Diskussionsveranstaltung im DGB-Haus des Bezirks Berlin-Brandenburg am 1. Juni 2005 präsentiert. Die empirische Untersuchung war mit der Befragung von über 4.000 Personen das bisher größte Forschungsvorhaben zu rechtsextremen Einstellungen in der Bundesrepublik.[3] Das Ergebnis dieser Prüfung wurde von den Auftraggebern als schockierend eingestuft. Es hat sich herausgestellt, dass gerade ausgebildete Facharbeiter (rund ein Viertel der Gewerkschaftsmitglieder) überproportional zu rechtsextremen Überzeugungen tendieren.

Insgesamt wurde festgestellt, dass 20 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder eine rechtsextreme Einstellung besitzen, was prozentual den Schnitt der restlichen Gesellschaft widerspiegelt. Unter rechtsextremen Einstellungen subsumierten die Forscher in ihrer Untersuchung eine positive Haltung zu „extremem Nationalismus“, „Staatsautoritarismus“, „Verharmlosung des Nationalsozialismus“, „Sozialdarwinismus“, „Fremdenfeindlichkeit“ und „Antisemitismus“.[3]

Rot-Grün in den Kommunen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1992 führte Bodo Zeuner zusammen mit Jörg Wischermann eine Erhebung zu dem Thema „Rot-Grün in den Kommunen“ durch, in der er unter anderem auf die Schwankungen im Verhältnis der beiden Parteien einging. Die Ergebnisse dieser Erhebung wurden 1995 in dem Buch Rot-Grün in den Kommunen: Konfliktpotentiale und Reformperspektiven; Ergebnisse einer Befragung von Kommunalpolitikern veröffentlicht.

In diesem Buch wird folgendes postuliert: Seit der Gründung der Grünen würden beide Parteien über einen gewissen Erfahrungsschatz im Umgang miteinander verfügen, der sich sowohl aus Ablehnung, wie auch aus Koalitionsverhandlungen speisen würde. Als Hauptziel der Erhebung wurde formuliert, „Diesen Bestand auf der sich als Experimentier- und Beobachtungsfeld anbietenden kommunalen Ebene zu sichten, die Vielfalt der Formen des Verhältnisses von SPD und Grünen, seiner Bedingungen und der von den Akteuren für ihr Handeln angegebenen Gründ systematisch zu beschreiben“.[4] Hintergrund seien unter anderem die Probleme, die sich auf der kommunalen Ebene ergeben hätten, z. B. „fehlende politische Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten“.[4] Neu an dieser Untersuchung ist, dass sie die erste Totalerhebung bei sozialdemokratischen und grünen Kommunalpolitikern darstellt.

Politik an der Hochschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Juni 2005 wandte sich Bodo Zeuner in einem offenen Brief an Bernd Rabehl; dieser hatte zuvor ein Interview in der Deutschen Stimme, der Zeitung der NPD, gegeben. Zeuner verurteilte in dem Brief Rabehl für seine rechtspopulistischen Statements und verdeutlichte ihm, dass er damit außerhalb des Konsenses und Selbstverständnisses des Fachbereichsrates des Otto-Suhr-Institutes stehe.

Über die Durchsetzung von Partikularinteressen und Zitierkartellen innerhalb von Universitäten referierte Zeuner in seiner Abschiedsvorlesung.[5]

Andere Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Tochter Katharina Zeuner war neben anderen Personen von einem Polizeieinsatz auf die Armando Diaz-Schule am 22. Juli 2001 während des G8-Gipfels in Genua betroffen. Vater Zeuner und Mutter Gundula Bölke-Zeuner (1941–2012) traten deshalb in regen Briefkontakt mit dem deutschen Innenministerium und gaben auch diverse Zeitungsinterviews hierzu.

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitsunrecht: Geschichten über Bürgerrechte im Betrieb; Hamburg: Rasch und Röhring, 1991
  • Linke und Demokratie: Wohnungsbau, Sozialgeschichte; Münster: Westfälischen Dampfboot Verlag, 1985; ISBN 3891364253
  • Genossen, was nun? Bilanz und Perspektiven sozialdemokratischer Politik; mit Beiträger von Volker Grans; Hamburg: Konkret Literatur Verlag, 1983
  • Veto gegen Augstein: der Kampf in der Spiegel-Redaktion um Mitbestimmung; Hamburg: Hoffmann und Campe, 1972
  • Kandidatenaufstellung zur Bundestagswahl 1965: Untersuchungen zur innerparteilichen Willensbildung und zur politischen Führungsauslese; Den Haag_ Nijhoff Verlag, 1970
  • Innerparteiliche Demokratie; Berlin: Colloquium Verlag, 1970 (Neuauflage)
  • Bodo Zeuner: Rot-Grün in den Kommunen; Vs Verlag, 1998; ISBN 3810013129
  • Bodo Zeuner, Günter Polach, Jörg Wischermann: Ein nachhaltig anderes Parteiensystem: Profile und Beziehungen von Parteien in ostdeutschen Kommunen; Ergebnisse einer Befragung von Kommunalpolitikern; Opladen: Leske und Budrich Verlag, 2000; ISBN 3810027383

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bodo Zeuner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. blz: Ungleichheit ist geil: Elite als neuer Leitbegriff der SPD-Bildungspolitik, blz Nr.3–4 2004
  2. Aufruf der Initiative „Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wählen links!“ (Memento vom 23. Februar 2007 im Internet Archive), Aufruf zur Bundestagswahl 2005
  3. a b Jungle World, Ausgabe 26 vom 29. Juni 2005
  4. a b Rot-Grün in den Kommunen: Konfliktpotentiale und Reformperspektiven; Ergebnisse einer Befragung von Kommunalpolitikern; S. 1 ff.
  5. nachdenkseiten.de: Die Freie Universität Berlin vor dem Börsengang? Bemerkungen zur Ökonomisierung der Wissenschaft, Abschiedsvorlesung am 11. Juli 2007