Bodyflying

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Bodyflying in Milton Keynes[1]
Bodyflying in der militärischen Ausbildung
Bodyflying im Team

Bodyflying oder Indoor Skydiving ist eine Trainingsmöglichkeit für Fallschirmspringer, aber auch eigenständige Sportart. In einem vertikalen Windkanal werden künstlich Windgeschwindigkeiten von üblicherweise circa 180–220 km/h erzeugt, was in etwa der durchschnittlichen Fallgeschwindigkeit eines menschlichen Körpers in Luft entspricht. In modernen Anlagen können jedoch bis zu 270 km/h erreicht werden.[2] Hierdurch ist es möglich, alle Freefly-Körperpositionen zu fliegen und zu trainieren.

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1979 unternahm es der Kanadier Jean Saint-Germain, ein ehemaliger Fallschirmspringer der Armee und Betreiber mehrerer Fallschirmschulen, als Ausbildungshilfe für seine Schüler einen vertikalen Windtunnel zu konstruieren, der es ermöglichen sollte, den freien Fall beim Fallschirmspringen effizienter und kostengünstiger zu trainieren.[3] Diese Trainingsform des Skydiving, die er in einem sogenannten Aerodium durchführte, verbreitete sich in den Folgejahren über den gesamten Erdball, wurde zunehmend technisch und methodisch weiterentwickelt und beflügelte die als ‚Bodyflying’ bezeichnete neue Sportart:

1991 entstand in Rümlang/Kanton Zürich in der Schweiz ein kleines Aerodium, das jedem Interessierten, aber auch professionellen Skydivern auf kommerzieller Basis das Schweben auf einem Luftstrom mit dem bloßen Körper und das Ausprobieren artistischer Bewegungsformen ermöglichte.[4] Im Sommer 2005 wurde auch in Osteuropa, in der lettischen Stadt Sigulda, ein vertikaler Windtunnel eröffnet.[5] Durch ihren spektakulären Einsatz bei den Abschlussfeierlichkeiten der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin erhielt eine sehr breite Öffentlichkeit Kenntnis von der ungewöhnlichen Sportart Bodyflying. Und als im Jahre 2010 die Letten in ihrem Pavillon der Expo 2010 in Shanghai / China eine Bodyflying-Installation mit regelmäßigen attraktiven Showvorführungen darboten, wurden diese zu einem Publikumsmagneten.[6] Die technische Weiterentwicklung der Windkanaleinrichtungen erbrachte im Jahr 2013 die Möglichkeit, auch eine weitere Sportart, das Base-Jumping indoor zu praktizieren, indem der Sportler nicht nur vom Boden aus, sondern auch aus einer Höhe von 15 Metern in den Windstrom hineinspringen und so einen Fall, etwa von einem Gebäude, simulieren konnte. Im Jahre 2017 schließlich erfolgte der Bau einer gewaltigen Windtunnelanlage, die den Namen Peryton erhielt. Sie diente dem Schauspieler Tom Cruise zum Training für seinen Auftritt in der sechsten Folge von Mission: Impossible mit dem Titel Mission: Impossible - Fallout.

Flugtechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodyflying benötigt zum freien Fliegen mindestens einen Luftstrom von einer Geschwindigkeit, welche die Fallgeschwindigkeit des Körpers kompensiert. Diese Windgeschwindigkeit von mehr als 180 km/h wird von einem Generator und einem riesigen Propeller erzeugt und durch ein Gitter hindurch in einer turmartigen, nach oben offenen Räumlichkeit vertikal nach oben getrieben. Der so entstandene Windkanal ermöglicht nach etwas Übung ein aktives Fliegen mit einer Veränderung der Höhenlage und artistischen Körperbewegungen.

Bei Siegbert A. Warwitz[7] findet sich eine Beschreibung der Ausrüstung und der Technik, mit der sich der Bodyflyer in diesem Luftstrom bewegt: Der Sportler lässt sich, ausgerüstet mit Helm, Brille, Mundschutz, Handschuhen und vor allem mit einem speziellen Anzug von einem erhöhten Rand des Aerodiums auf den Luftstrom gleiten. Dabei ergeben sich je nach Leistungsstand unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten aktiven Fliegens: „Während sich der Anfänger noch überwiegend mit dem Schwebevergnügen begnügen muss, eröffnen sich dem Fortgeschrittenen bereits weitere Teilelemente des Fliegens. Durch Vergrößerung oder Verkleinerung der angeströmten Körperfläche und eine damit veränderte Inanspruchnahme des Winddrucks lässt sich die Schwebehöhe regulieren. Durch seitwärtige Bewegungen und Gewichtsverlagerungen sind Drehungen, Saltos und Schrauben möglich. Die Landung erfolgt durch Ausstieg aus dem Luftstrom.“

Anlagen in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In folgenden europäischen Städten gibt es für jedermann die Möglichkeit zum Indoor-Skydiving:

Weitere Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In folgenden außereuropäischen Städten gibt es für jedermann die Möglichkeit zum Indoor-Skydiving:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegbert A. Warwitz: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. Schneider, Baltmannsweiler 2016, ISBN 978-3-8340-1620-1, Seite 57/58.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Indoor Skydiving in Milton Keynes, Webseite (englisch)
  2. Häufig gestellte Fragen. Abgerufen am 18. Dezember 2018.
  3. It's a Bird! It's a Plane! No, It's Man Who Takes Flight in Jean St. Germain's Aerodium
  4. Siegbert A. Warwitz: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. Schneider, Baltmannsweiler 2016, Seite 57.
  5. Ivars Beitāns: Man tauriņi vēderā ir joprojām
  6. Aerodium Technologies Seite "World Expo"
  7. Siegbert A. Warwitz: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. Schneider, Baltmannsweiler 2016, Seite 57/58.
  8. iFLY Indoor Skydiving in Basingstoke. Abgerufen am 1. Juli 2017 (britisches Englisch).
  9. Go Indoor Skydiving At Twinwoods Adventure Bedford. Abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
  10. Erlebe den Traum vom Fliegen. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 9. November 2017; abgerufen am 9. November 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.windobona.berlin
  11. W3M s.r.o., Slovakia: Bodyflying für (fast) alle! - Windkanal • Hurricane Factory Berlin. Abgerufen am 3. März 2018.
  12. Erlebe den Traum vom Fliegen. Abgerufen am 3. März 2018.
  13. Copenhagen Air Experience - English. Abgerufen am 13. Juli 2017 (englisch).
  14. a b iFLY Chute Libre Indoor - Paris & Lyon. Abgerufen am 1. Juli 2017 (französisch).
  15. iFLY Indoor Skydiving in Manchester. Abgerufen am 1. Juli 2017 (britisches Englisch).
  16. iFLY Indoor Skydiving in Milton Keynes. Abgerufen am 1. Juli 2017 (britisches Englisch).
  17. Bodyflying. In: Jochen Schweizer Arena. (jochen-schweizer-arena.de [abgerufen am 1. Juli 2017]).
  18. Indoor Skydiving und Bodyflying in München. Abgerufen am 13. Februar 2018.
  19. indoorskydivingprague. Abgerufen am 1. Juli 2017.
  20. The number one Indoor Skydive of the Benelux! | Indoor Skydive Roosendaal. Abgerufen am 1. Juli 2017 (amerikanisches Englisch).
  21. FlyStation.net: Windkanal Flystation. Abgerufen am 1. Juli 2017 (russisch).
  22. REALFLY | Simulateur de chute libre indoor en Suisse - Soufflerie intérieur Sion (CH)
  23. HOME - FLYSPOT | Tunel aerodynamiczny. Abgerufen am 1. Juli 2017 (polnisch).
  24. WINDOBONA | Indoor Skydiving Wien :: Home. Abgerufen am 1. Juli 2017.
  25. WINDWERK | Indoor Skydiving Winterthur. Abgerufen am 1. Januar 2019.
  26. Inflight Dubai Indoor Skydiving | The thrill of world-class skydiving without jumping from a plane. Abgerufen am 1. Juli 2017 (amerikanisches Englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Bodyflying – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Bodyflying – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien