Boizenburg/Elbe

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Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Boizenburg/Elbe in Mecklenburg-Vorpommern. Für weitere Bedeutungen von Boizenburg siehe Boizenburg (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Boizenburg/Elbe
Boizenburg/Elbe
Deutschlandkarte, Position der Stadt Boizenburg/Elbe hervorgehoben
53.36666666666710.7166666666679Koordinaten: 53° 22′ N, 10° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Ludwigslust-Parchim
Höhe: 9 m ü. NHN
Fläche: 47,26 km²
Einwohner: 10.254 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 217 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19258
Vorwahl: 038847
Kfz-Kennzeichen: LUP, HGN, LBZ, LWL, PCH, STB
Gemeindeschlüssel: 13 0 76 014
Stadtgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kirchplatz 1
19258 Boizenburg/Elbe
Webpräsenz: www.boizenburg.de
Bürgermeister: Harald Jäschke (parteilos)
Lage der Stadt Boizenburg/Elbe im Landkreis Ludwigslust-Parchim
Brandenburg Niedersachsen Schleswig-Holstein Schwerin Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Rostock Landkreis Nordwestmecklenburg Banzkow Plate Plate Sukow Bengerstorf Besitz (Mecklenburg) Brahlstorf Dersenow Gresse Greven (Mecklenburg) Neu Gülze Nostorf Schwanheide Teldau Tessin b. Boizenburg Barnin Bülow (bei Crivitz) Crivitz Crivitz Demen Friedrichsruhe Tramm (Mecklenburg) Zapel Dömitz Grebs-Niendorf Karenz (Mecklenburg) Malk Göhren Malliß Neu Kaliß Vielank Gallin-Kuppentin Gischow Granzin Obere Warnow Gehlsbach (Gemeinde) Kreien Kritzow Lübz Lübz Marnitz Passow (Mecklenburg) Siggelkow Suckow Tessenow Gehlsbach (Gemeinde) Werder (bei Lübz) Goldberg (Mecklenburg) Dobbertin Goldberg (Mecklenburg) Mestlin Neu Poserin Techentin Goldberg (Mecklenburg) Balow Brunow Dambeck Eldena Gorlosen Grabow (Elde) Karstädt (Mecklenburg) Kremmin Milow (bei Grabow) Möllenbeck (Landkreis Ludwigslust-Parchim) Muchow Prislich Steesow Zierzow Alt Zachun Bandenitz Belsch Bobzin Bresegard bei Picher Gammelin Groß Krams Hoort Hülseburg Kirch Jesar Kuhstorf Moraas Pätow-Steegen Picher Pritzier Redefin Setzin Strohkirchen Toddin Warlitz Alt Krenzlin Bresegard bei Eldena Göhlen Groß Laasch Leussow Lübesse Lüblow Rastow Sülstorf Uelitz Warlow Wöbbelin Blievenstorf Brenz (Mecklenburg) Neustadt-Glewe Neustadt-Glewe Cambs Dobin am See Gneven Pinnow (bei Schwerin) Langen Brütz Leezen (Mecklenburg) Pinnow (bei Schwerin) Raben Steinfeld Domsühl Domsühl Obere Warnow Groß Godems Zölkow Karrenzin Lewitzrand Rom (Mecklenburg) Spornitz Stolpe (Mecklenburg) Ziegendorf Zölkow Barkhagen Ganzlin Ganzlin Ganzlin Plau am See Blankenberg (Mecklenburg) Borkow Brüel Dabel Hohen Pritz Kobrow Kuhlen-Wendorf Langen Jarchow Mustin (Mecklenburg) Sternberg Sternberg Weitendorf (bei Brüel) Witzin Zahrensdorf Zahrensdorf Dümmer (Gemeinde) Holthusen Klein Rogahn Klein Rogahn Pampow Schossin Stralendorf Warsow Wittenförden Zülow Wittenburg Wittenburg Wittenburg Wittendörp Gallin Kogel Lüttow-Valluhn Vellahn Zarrentin am Schaalsee Boizenburg/Elbe Ludwigslust Lübtheen Parchim Parchim Parchim HagenowKarte
Über dieses Bild

Boizenburg/Elbe ist die westlichste Stadt Mecklenburgs, gelegen im Naturpark Mecklenburgisches Elbetal im Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Stadt ist Verwaltungssitz des Amtes Boizenburg-Land, dem elf Gemeinden angehören, ist selbst aber amtsfrei.

Boizenburg befindet sich in der Metropolregion Hamburg, verzeichnet jedoch noch wenig Einwohnerzuwächse. Der Ort bildet ein Grundzentrum, das zu einem Mittelzentrum entwickelt wird.[2]

Ortsteile[Bearbeiten]

  • Bahlen
  • Bahlendorf
  • Gehrum
  • Gothmann
  • Heide
  • Metlitz
  • Schwartow
  • Streitheide
  • Vier[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte von Boizenburg

Name[Bearbeiten]

Die Boize – Namensgeberin der Stadt

Der Name der Stadt verweist auf eine ehemalige Burg an dem Fluss Boize. Die älteste Erwähnung als territorio boyceneburg[4] findet sich in einer Urkunde Heinrich des Löwen von 1171, dann in einem Dokument von 1223 die terra boyzenburc[5] und im Ratzeburger Zehntregister von 1230 die terra boyceneburch. 1255 wurde erstmals der Name Boitzenborg erwähnt. Der zusammengesetzte Ortsname ist deutschen Ursprungs.[6] Der Gewässername Boize könnte sich vom niederdeutschen bõke bzw. boic, also Buche ableiten oder vom Umkämpften Fluss, vom slawischen Wort boj für Kampf. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Name mit einem t, also Boitzenburg geschrieben.

Mittelalter[Bearbeiten]

Nach dem Abwandern der Elbgermanen besiedelten ab dem 8. Jahrhundert Abodriten das Land. Durch das Gebiet verlief ein Fernweg vom Harz zur Ostsee. Im Fürstengarten entstand deshalb im 9. Jahrhundert eine slawische Niederungsburg.

Der letzte slawische Fürst verlor um 1139 die Herrschaft über Polabien.[7] Heinrich der Löwe vergab Polabien 1142 als erbliches Lehen an Heinrich von Badewide. Den militärisch bedeutsamen Elbübergang bei Gothmann und das Land Boizenburg behielt der Sachsenherzog. Die Burg wurde Zollstelle für den Salzhandel zwischen Lüneburg und dem Ostseeraum.[8] Es entstand südöstlich der Burg eine Siedlung, das spätere Altendorf. 1181 unterstand das Land Bernhard I. von Ratzeburg. Dieser errichtete auf dem Bollenberg die hölzerne Befestigung castrum wotmunde.

1201 fiel die Grafschaft an die Dänen; Boizenburg gehörte zur Grafschaft Schwerin. 1208 wurde die wieder aufgebaute Burg und das castrum wotmunde zerstört und das Land Boizenburg verwüstet.[9] Die Marienkirche wurde in dieser Zeit errichtet und zwischen dem Kirchplatz und der Niederungsburg entstand eine Kaufmannskolonie. 1241 verwaltete sich diese Kaufmannskolonie selbst. 1255 kauften die „borgern to Boitzenborg" von Graf Gunzelin III. ein Vorwerk an der Boize. Die Siedlung erhielt das Lübecker Stadtrecht 1267 verliehen.[10] 1380 ließ Wismar eine Stadtmauer um Boizenburg errichten. Um 1542 durfte ein evangelischen Prediger lediglich auf dem Kirchenhof predigen.[11]

17. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

1627, während des Dreißigjährigen Krieg, wurden bei schweren Kämpfen die Hoch-Burg und die Kirche zu großen Teilen zerstört. 1680 zerstörte ein schwerer Hagelschlag viele Hausdächer. 1688 wurde zu Boizenburg durch Herzog Gustav Adolf von Mecklenburg-Güstrow ein Vertrag über einen Truppenbeitrag von 1000 Mann und 3 Kompanien zu Pferd für den Kampf gegen die Türken in Ungarn geschlossen.[12]

Beim großen Stadtbrand vom 15. auf den 16. Oktober 1709 wurden über 150 Häuser und die Kirche zerstört. 1717 wurde mit dem Wiederaufbau der Kirche auf den Resten der Ruine im barocken Stil begonnen und 1712 das barocke Fachwerk-Rathaus neu errichtet. Es folgten zumeist im 18. Jahrhundert die Fachwerkhäuser und später die klassizistischen Putzbauten.

1719 rückte die kaiserliche Armee in Mecklenburg ein, so auch in Boizenburg, und Truppen blieben als Garnison bis 1768 in der Stadt. Boizenburg war von 1734 bis 1763 Sitz des hannoverschen Ober-Aufsehers über die verpfändeten mecklenburgischen Ämter.[13] 1793 wurde die Lemmsche Bootswerft gegründet.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgte die Ansiedelung von jüdischen Kaufleuten. Dies stieß auf Ablehnung des Boizenburger Stadtrates. 1767 wurde den Schutzjuden das Hausieren in Boizenburg untersagt.[14] Eine selbständige jüdische Gemeinde in Boizenburg ist Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisbar.

In den Befreiungskriegen 1813 kämpfte die Boizenburger Landwehr an Seite der Tettenbornschen Kosaken gegen die Franzosen und befreite die Stadt im April 1813.

Zwischen 1827 und 1830 wurde die HamburgBerliner Chaussee gebaut, die heutige B 5 und 1833 die erste Sparkasse eröffnet. 1834 hatte Boizenburg 3147 Einwohner, davon 43 Juden. Der Ort war Sitz des Elb-Zollamts, eines Dominalamts und einer Gendarmerie Brigade. Am 15. Oktober 1846 fand die Inbetriebnahme des 222 Kilometer langen Eisenbahn-Streckenabschnittes Berlin-Boizenburg statt.

Während der Deutschen Revolution1848/49 führte der Boizenburger Rektor und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Ludwig Reinhard die Boizenburger Bürgerwehr an. In der Zeit der Schleswig-Holsteinischen Erhebung von 1848/1851 zogen zahlreiche Truppen durch den Ort. In der Lemmschen Schiffswerft wurde 1885 das erste Motorboot gebaut. 1890 erfolgte die Inbetriebnahme der Boizenburger Stadt- und Hafenbahn. 1892 brach eine Cholera aus.

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

1903 ließ der Mühlenbesitzer an der der Boize ein Generatorhaus zur Stromerzeugung bauen. 1921 übernahm die Stadt das Elektrizitätswerk. Im Ersten Weltkrieg fielen 144 Bürger aus Boizenburg. 1924 lebten nur noch drei jüdische Familien in Boizenburg. 1931 wurde Eduard Ludwig Alexander (KPD) zum Bürgermeister gewählt, sein Amt konnte dieser aufgrund von Notverordnungen aber nicht antreten. 1942 veranlasste der NS-Oberstadtdirektor mit einem persönlichen Schreiben die Einlieferung eines Jungen im Rahmen des menschenverachtenden Kinder-Euthanasie Erlass in die Nervenheilanstalt Schwerin.[15]

Seit 1933 erhielt die Werft Thomsen & Co. viele Rüstungsaufträge. Im Zweiten Weltkrieg wurden in der Werft Zwangsarbeiter eingesetzt. Die Firma Duensing-Bicheroux-Werke (Fliesenwerk Boizenburg) war als Außenkommando der Strafanstalten Dreibergen-Bützow aktiv,[16] die meist politischen Häftlinge mussten Rüstungsgüter für Dornier produzieren. Von September 1944 bis April 45 wurde an Stelle des Ostarbeiterlager Elbberg, das Außenlager KZ Boizenburg des KZ Neuengamme durch die SS betrieben, in dem etwa 450 Frauen, meist ungarische Jüdinnen, interniert waren. Die Frauen mussten unter unmenschlichen Umständen Zwangsarbeit in der Werft Thomsen & Co. verrichten.

Nach der deutschen Teilung wurde Boizenburg eine isolierte Grenzstadt. Die Verbliebenen unterlagen starken und mit dem Mauerbau 1961 weiter verschärften Kontrollen durch die DDR-Behörden. Die Personenbeförderung durch die Stadt- und Hafenbahn wurde 1967 eingestellt. 1969 entstand der Busbahnhof.

Boizenburg lag bis in die 1970er Jahre im direkten Sperrgebiet entlang des Verlaufs der innerdeutschen Grenze. Zum Einreisen in die Fünf-Kilometer-Sperrzone war ein Passierschein notwendig. Mit Ausbau der Grenzsicherungsanlagen wurde die Kontrollstelle für das Grenzgebiet weiter in Grenznähe verlegt. Reisen nach Boizenburg wurden streng kontrolliert, Hafen- und Grenzbesichtigungen waren nicht gestattet. Ein Antrag für Besuche von Verwandten und Bekannten war nach dem veränderten Sperrgebietsverlauf ab dem Jahr 1972 nicht mehr notwendig. 1973 begann die Elbewerft mit der Produktion von Binnenfahrgastschiffen für die Sowjetunion.

Nach der politischen Wende wurde ab 1991 der historische Stadtkern mit dem Rathaus, den Wallanlagen und dem Hafenbereich unter anderem im Rahmen der Städtebauförderung und dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz gründlich saniert. 1995 wurde die Umgehungsstraße fertiggestellt. 1997 musste die Elbewerft Boizenburg wegen Insolvenz schließen. 2001 erfolgte die Neugestaltung des Hafengeländes. 2002 erreichte die Jahrhundertflut Boizenburg. 2013 wurde die Stadt im Juni erneut vom Hochwasser bedroht, die Hochwasser-Schutzmaßnahmen verhinderten Überflutungen im Innenstadtbereich.

Einwohnerentwicklung 1834–2013[Bearbeiten]

Jahr Einwohneranzahl[17]
1834 3.147
1875 3.553
1880 3.614
1890 3.672
1933 5.843
1939 7.067
1950 11.749
1971 11.740
1981 12.338
1988 12.049
1995 10.913
2001 10.684
2011 10.201
2013 10.254

Politik[Bearbeiten]

Stadtvertretung[Bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die Sitze der Stadtvertretung wie folgt auf die einzelnen Parteien und Listen:

Kommunalwahl 2014 in Boizenburg
Wahlbeteiligung 39,42 %
 %
40
30
20
10
0
38,11 %
28,19 %
19,57 %
10,29 %
2,96 %
0,85 %
Partei / Liste Sitze
CDU 9
SPD 7
Die Linke 5
Bürger für Boizenburg 3
NPD 1

Wappen[Bearbeiten]

Wappen der Stadt Boizenburg/Elbe

Das Wappen wurde am 10. April 1858 von Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin festgelegt und unter der Nr. 36 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Blau eine goldene Burg mit gezinnter Mauer und geöffneten Torflügeln; darüber ein Turm mit drei Fenstern und Kuppeldach, flankiert von Seitenflügeln mit je vier Fenstern und gegipfeltem Dach, beide Dächer mit einem Knopf besteckt.“[18]

Das Wappen wurde 1995 von dem Schweriner Heraldiker Heinz Kippnick neu gezeichnet.

Flagge[Bearbeiten]

Flagge der Stadt Boizenburg/Elbe

Die Flagge der Stadt Boizenburg/Elbe ist gleichmäßig längsgestreift von Gold (Gelb) und Blau; in der Mitte liegt, auf jeweils zwei Drittel der Höhe des goldenen (gelben) und des blauen Streifens übergreifend, das Stadtwappen. Die Länge des Flaggentuches verhält sich zur Höhe wie 5 zu 3.[18]

Partnerstädte und Partnerschaften[Bearbeiten]

Partnerstädte

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Innenstadt[Bearbeiten]

Wallgraben
Blick auf die Altstadt und Hafen

Die Innenstadt ist von einer ringförmigen mittelalterlichen Wallanlage umgeben. Der Wall ist auf ganzer Länge mit Linden aus dem späten 19. Jahrhundert bestanden und beidseitig von Gräben umschlossen. Die vielen kleinen Fachwerkhäuser, die unmittelbar an den inneren der beiden Gräben grenzen und das gesamte Stadtbild maßgeblich prägen, sind über 45 Brücken mit dem Mittelwall verbunden, was der Elbestadt auch den Namen Klein Venedig des Nordens einbrachte. Besonders reizvoll ist auch der sogenannte Wallpavillon, ein kleiner sechseckiger Bau, der, von einem Morgenstern bekrönt, unmittelbar über den Wassern des Wallgrabens steht und ebenfalls über eine Brücke mit dem Wall verbunden ist. Die Lindenallee des Kurzen Walls soll seit 1789 bestehen.

Nach dem Stadtbrand von 1709 wurde die Stadt, auch im Sinne des Brandschutzes, mit schachbrettartigem Grundriss wieder aufgebaut. Zu dieser Zeit erhielt die Stadt ihre barocke Prägung. Einige Fachwerkhäuser wie Wallstraße 32, Klingenbergstraße 39, Große Wallstraße 19 (Sparkasse) (18. Jh.), Reichenstraße 1, 15 und 17, Königsstraße 24, Fiefhusen 6 bis 8 und im Bollenberg sind bemerkenswert und gut saniert.

Bei einigen der nach dem Stadtbrand 1709 erbauten Häuser, finden sich Mühlensymbole und Donnerbesen die in das Mauerwerk eingearbeitet sind, diese sollen vor bösen Geistern und Unwettern schützen. Das Mühlensymbol steht auch als Glückssymbol, das dem Hausbesitzer Wohlstand bringen soll.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Rathaus: Bedeutender barocker Fachwerksbau ist das freistehende Boizenburger Rathaus auf dem Marktplatz von 1711 als zweistöckiger Fachwerkbau mit Laubengang, getragen von hölzernen Stützen, und dem abgewalmten Mansarddach mit einem Laternentürmchen.
  • Die dreischiffige, evangelische St.-Marien-Kirche liegt am Markt. Die Ursprünge ihres Baus mit Baubeginn von 1217 sind romanisch im Stil einer westfälischen Stadtkirche des 13. Jahrhunderts, es gibt aber zum großen Teil auch gotische Bauelemente. Zerstörung des Kirchengebäude im Juli 1627 während des dreißigjährigen Krieg durch Explosion von lagernden Pulverbeständen, Wiederaufbau wurde erst 1677 abgeschlossen. Nach dem Stadtbrand von 1709 wurden Veränderung des Baus im Stil der Barockzeit vorgenommen. Die Pfarrkirche erhielt einen neuen Turm. Eine Besonderheit ist die Turmhaube: Aus dem quadratischen Grundriss des Turms formt sich eine achtseitige Laterne, von der aus man eine gute Aussicht über die Stadt und die Elbtalaue hat. Es gibt neugotische Anbauten von 1860 bis 1865 sowie einen gläsernen Einbau innerhalb der vormaligen Apsis, der aus den 1980er Jahren stammt. Die Innenausstattung des Gotteshauses ist neogotisch, so auch die romantische Orgel des Schweriner Hoforgelbauers Friese von 1892. Erhalten sind der barocke Altar und die Kanzel, die nach dem Stadtbrand des 18. Jahrhunderts von einer Hamburger Kirche gestiftet wurden.
  • Erstes Deutsches Fliesenmuseum Boizenburg, Reichenstraße 4: Zweigeschossiges verklinkertes Giebelhaus, seit 1998 Museum
  • Ehemaliges Postamt, Markttorstraße 5, ein Zweigeschossiger Gründerzeitbau. Das Postgebäude wurde im Oktober 1887 für den Postdienst eröffnet.
  • Heimatmuseum Boizenburg, Markt 1: Dreigeschossiges ehemaliges Wohnhaus das planerisch dem Schweriner Hofbaumeister Georg Adolph Demmler zugeschrieben wird.
  • Katholische Heilig-Kreuz-Kirche, erbaut 1926.
  • Wohn- und Geschäftshaus, Klingbergstraße 39: Das zweigeschossige Fachwerkhaus ist eines der ältesten seiner Art.
  • Kleine Wallstraße 7, erbaut 1799 wurde das Gebäude bis 1892 als Synagoge genutzt, 1892 Verkauf an die Freimaurerloge „Vesta zu den drei Türmen“, nach Verbot der Freimaurerlogen 1934 Nutzung als Heimatmuseum und Musikkabinett. Das Gebäude befindet sich seit Oktober 1993 wieder in Besitz einer Freimaurerloge.
  • Wassermühle von 1880 in der Schwartower Straße, mit einem 1892 angebauten Speicher, angetrieben wurde die Mühle durch das Wasser der Boize, die Wassermühle wurde als Getreidemühle genutzt. Auch wurde sie 1903 zu den Anfängen der Elektrifizierung zur Stromerzeugung mittels eines Generator genutzt, der durch Wasserkraft der Boize angetrieben wurde. Heute ist das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut, in der Außenstruktur aber weitestgehend erhalten.
  • Boizenburger Wall-Pavillon im barocken Baustil, mit der Grundfläche eines gleichseitigen Sechseck, auf der Dachhaube des Pavillon befindet sich ein imposanter Morgenstern. Der Boizenburger Wall-Pavillon wurde anlässlich der 725-Jahrfeier 1980 restauriert. Derzeit ist der Wall-Pavillon von der Wallseite aus nicht zugänglich, da die Zugangsbrücke nicht mehr vorhanden ist, er kann aber von außen jederzeit bewundert werden.
  • Markttorstraße Nr.9, Jugendstilvilla, des damaligen Wasser-Mühlenbesitzer Ludwig Hinselmann, erbaut 1907. 1920 übernahm sein Schwiegersohn Johannes Krey das Anwesen mit der Jugendstilvilla. Am Schornstein ist ein Mühlensymbol angebracht was auf die Tätigkeit des damaligen Besitzer hinweist. Die Jugendstilvilla ist heute in Besitz des Traditionsunternehmen Boizenburger Fliesen GmbH.
  • Denkmalgeschützte Friedhofskapelle auf dem Boizenburger Friedhof, erbaut 1788 von Sophia Elisabeth Regass geb. Fischer, Fachwerkbau mit Mansardwalmdach.
  • Grabkapellen auf dem Boizenburger Friedhof, Fam. Lemm, Fam Duncker, H.Evers, von AD 1934.
  • Haus Baustraße 26 von 1880, mit Mansardwalmdach, die Vorderfront des im historistischen Baustil errichteten Gebäude ist mit Terracottaverzierungen geschmückt. 1912 vom jüdischen Kaufmann Phillip Lazarus an den Boizenburger Schlachtermeister Nickel Tennigkeit verkauft.
  • Am Fährweg, ehem. Elbzollhaus erbaut 1828, bis 1869 als Zollgebäude genutzt, Verkauf an Lemmsche Werft, Umbau zum klassizistischen Direktionsgebäude der Werft

Stadthafen Boizenburg[Bearbeiten]

Boizenburger Stadthafen

1422 wurde den Boizenburgern das Schiffahrtsprivilegium erteilt. Der Hafen hatte über viele Jahrhunderte eine bedeutende Rolle für Boizenburg und deren Entwicklung. Der Salzhandel zwischen Wismar und Lüneburg wurde im Mittelalter auch über den Boizenburger Hafen abgewickelt.
Am westlichen Rand der Altstadt liegt der neu gestaltete (Planung von Schweitzer, Berlin) Hafen mit Liegeplätzen für Sport- und Segelboote. Das alte Werftgelände wurde dabei neuen Nutzungen zugeführt. Attraktiv ist die angrenzende De lütte Marsch, eine unverbaute Niederung.

Im Stadthafen liegt das Museums- und Veranstaltungsschiff Minna dauerhaft vor Anker: Das Elbfrachtschiff mit einer Länge von 56 Meter und einer Breite von 5,5 Meter wurde 1918/19 in Boizenburg gebaut; ursprünglich als Unterelbe-Schleppleichter, erhielt es in den 1920er Jahren eine Motorisierung.
Der 1954 gebaute Eisenbahndrehkran EDK-10, von der Elbwerft von 1967 bis 1997 genutzt, kann besichtigt werden.

alter Lindenbestand am Wall

Natur[Bearbeiten]

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

  • Gedenktafeln in der St.-Marien-Kirche Boizenburg für die Gefallenen des Koalitionskrieges und der Befreiungskriege von 1808 bis 1814 und dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870 bis 1871
  • Denkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 bis 1871 auf dem Boizenburger Friedhof
  • Denkmal nach einem Entwurf von Maximilian Preibisch für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918 auf dem Boizenburger Friedhof
  • Denkmal aus dem Jahre 1969 entworfen von Günther Zecher[19] auf der Elbbergkuppe zur Erinnerung an die jüdischen KZ-Insassinen des KZ Boizenburg
  • Mahnmal von 1948 auf dem Boizenburger Friedhof für die Opfer des Faschismus
  • Gedenkstein von Anfang der 1960er Jahre auf dem Boizenburger Friedhof für 24 Opfer von Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit
  • Grabstätte des im Koalitionskrieg dienenden französischen Divisionsgeneral Joseph Morand, der am 2. April 1813 schwer verletzt wurde, und in Boizenburg am 5. April verstarb. Grabstätte wurde auf Veranlassung des Boizenburger Weinhändler Friedrich Jacob Klepper angelegt. 1874 wurde die Grabstätte auf Befehl des Mecklenburger Großherzog Friedrich Franz II erneuert.
  • Grabstätte des Lüneburger Weinhändler Friedrich Jacob Klepper, der seit 1813 in Boizenburg lebte, als Anführer der Boizenburger Landwehr war dieser zusammen mit den Tettenbornschen Kosaken an der Befreiung Lüneburgs von der französischen Besatzung maßgeblich beteiligt.
  • Gedenktafel Baustraße 12, angebracht 2006, in Erinnerung an die letzte jüdische Familie Boizenburgs, der Familie Cohn, diese bewohnte das Haus von 1803 bis 1938.
  • Die 12 Apostel auf dem Elbberg sind Lindenbäume, und nach geschichtlicher Überlieferung zu ehren von 12 gefallenen französischen Offizieren gepflanzt worden, die zwischen 1800 bis 1814 gefallen sind. Die Linden wurden 1996 neu gepflanzt.
  • Denkmalgeschützter jüdischer Friedhof, am Lauenburger Postweg

Wirtschaft[Bearbeiten]

  • Boizenburger Fliesen GmbH, einem seit 1902 ansässigen Unternehmen, in diesem werden Keramikfliesen produziert.
  • Sweet Tec GmbH, tätig in der Süsswarenproduktion.
  • OK Media Group, ein Unternehmen was sich auf CD/DVD Produktion sowie auf Sieb- und Offsetdruck, Relief-Druck spezialisiert hat.
  • MST Matzen Schlauch-Technik Ltd. Co.KG, spezialisiert auf die Herstellung von flexiblen Schläuchen und Verbindungen.
  • Weitere Unternehmen aus den Bereichen Stahlbau, Maschinenbau, Süßwarenproduktion und Fleischverarbeitung sind in Boizenburg ansässig.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter

Boizenburg:

Vier:

Quellen[Bearbeiten]

Gedruckte Quellen[Bearbeiten]

Ungedruckte Quellen[Bearbeiten]

  • Landeshauptarchiv Schwerin
    • LHAS 1. 1-12 Verträge mit dem Reich, deutschen Territorien, Städten und (Ritter-)Orden.
    • LHAS 2. 21-1 Geheimes Staatsministerium und Regierung. (1748/56–1849) Nr. 25646.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Boizenburg/Elbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Regionales Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015.
  3. § 2 der Hauptsatzung (PDF; 95 kB) der Stadt.
  4. MUB I. (1863) Nr. 101.
  5. MUB I. (1863) Nr. 290.
  6. Ernst Eichler, Werner Mühlner: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1, S. 24.
  7. Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Band 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 158, 160.
  8. MUB I. (1863) Nr. 221 von 1216 berichtet davon, bereits Heinrich der Löwe habe die Hamburger Kaufleute von der Zahlung des Zolls in Boizenburg befreit.
  9. MJB 76 (1911) S. 95.
  10. MUB I. (1863) Nr. 1127.
  11. Friedrich Stuhr: Die Bevölkerung Mecklenburgs am Ausgang des Mittelalters MJB 58 (1893) S. 232–278.
  12. LHAS, 1.1-12 Nr. 6
  13. Im Siebenjährigen Krieg 1758/61 peinigten die Truppendurchzüge der Preußen erneut die Bevölkerung. Jugler in Fabris Magazin 1797, S. 258, S. 259.
  14. LHAS, 2.21-1, Nr. 25646.
  15. Helga Schubert: Die Welt da drinnen : eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom "unwerten Leben". Fischer, Frankfurt am Main 2003.
  16. Haftsstätten Verzeichnis.
  17. Volkszählungen und statistische Erhebungen der Stadt und des Landkreis Hagenow, Statistisches Bundesamt Deutschland.
  18. a b § 1 der Hauptsatzung der Stadt.
  19. Museumsverein Ausstellung G.Zecher.
  20. Stephan Sehlke: Das geistige Boizenburg. Norderstedt 2011, S. 92–93.
  21. Stephan Sehlke: Das geistige Boizenburg: Bildung und Gebildete im und aus dem Raum Boizenburg. Verlag Books and Demands, Norderstedt 2011.
  22. Erika Will: Hermann Burmeister, ein bemerkenswerter Mecklenburger. In: Nordkurier/Heimatkurier. Neubrandenburg, 27. Februar 2012. (Volltext, nordkurier.de, abgerufen am 13. Juli 2012).