Bojko Borissow

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Bojko Borissow auf dem EVP-Kongress in Dublin, 2014

Bojko Metodiew Borissow (auch Boiko Metodiev Borisov geschrieben, bulgarisch Бойко Методиев Борисов; * 13. Juni 1959 in Bankja) ist ein bulgarischer Politiker der Partei GERB. Seit dem 4. Mai 2017 ist er Ministerpräsident Bulgariens, dieses Amt hatte er bereits von 2009 bis 2013 und erneut von 2014 bis Januar 2017 bekleidet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bojko Borissow absolvierte während der Herrschaft der Kommunisten in Bulgarien die Akademie des bulgarischen Innenministeriums.[1] Von 1982 bis 1985 diente er als Zugführer und Kompanieführer bei den Truppen des Innenministeriums, danach bis 1990 war er Dozent am Höheren Ausbildungsinstitut für Polizeiführer und für wissenschaftliche Forschung des Innenministeriums. Dort erwarb er den Titel eines Dr.phil. mit der Dissertation Psycho-Physiologisches Training der operativen Kräfte.[2]

Seit 1978 beschäftigt er sich aktiv mit Karate; zeitweise war er Trainer der bulgarischen Nationalmannschaft.

1991 gründete Borissow die Personenschutzfirma Ipon-1, die unter anderem den Schutz des ehemaligen Staats- und Parteichefs Todor Schiwkow und des ehemaligen Zaren Simeon Sakskoburggotski übernahm. Nachdem Sakskoburggotski 2001 Ministerpräsident geworden war, wurde Borissow oberster Polizeichef bzw. Staatssekretär im Innenministerium.[3] 2004 wurde er zum Generalleutnant befördert.

2005 zog er als Abgeordneter der Partei Nationale Bewegung Simeon der Zweite in das bulgarische Parlament ein. Noch im selben Jahr gab er seinen Parlamentssitz auf, um als Bürgermeister der Hauptstadt Sofia zu kandidieren. In einer Stichwahl setzte er sich gegen Tatjana Dontschewa von der Balgarska Sozialistitscheska Partija (BSP) durch.

Im März 2006 gründete Borissow die Bewegung „Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens“ (GERB), aus der im Dezember desselben Jahres die gleichnamige Partei hervorging. In beiden Organisationen hatte er jedoch keine offizielle Position. Kurz nach ihrer Gründung wurde GERB die führende politische Kraft Bulgariens. Im Mai 2007 erzielte sie bei den Wahlen für das Europäische Parlament die meisten Stimmen. Im Oktober 2007 wurde Borissow als Bürgermeister von Sofia wiedergewählt. Bei den Parlamentswahlen am 5. Juli 2009 erzielte Borissow mit GERB einen weiteren Wahlerfolg. Die Partei wurde zur stärksten Fraktion im Parlament und bekundete kurz nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen ein Interesse an einer Mitte-rechts-Koalition.

Nach der Parlamentswahl am 5. Juli 2009 und dem Sieg über die Ex-Kommunisten von der BSP sagte Borissow:

„1944 haben sie am 16. September meinen Großvater wie einen Hund ermordet, und heute würdige ich ihn, wenn ich sie vom Thron stürze.“[4]

Bojko Borissow wurde am 27. Juli 2009 zum 11. Ministerpräsidenten der Republik Bulgarien gewählt. Außer der GERB-Partei unterstützten noch die Parlamentarier der Blauen Koalition, der Partei Ordnung, Sicherheit und Gerechtigkeit (kurz RZS) und der nationalistischen Ataka die Regierungsbildung.

Anfang 2010 entzog die Partei RZS, während des Amtsenthebungsverfahrens gegen den bulgarischen Präsidenten Georgi Parwanow, die Unterstützung für die Regierung Borissows und wechselte in die Opposition.

Nach anhaltenden Protesten in der Bevölkerung gegen Sparmaßnahmen und Strompreiserhöhungen trat Borissow am 20. Februar 2013 zusammen mit seinem Kabinett zurück. Finanzminister Djankov hatte bereits zwei Tage zuvor sein Amt aufgegeben.[5]

Im November 2014 wurde Borissow erneut Bulgariens Ministerpräsident; er bildete die Regierung Borissow II.

Nach der Niederlage der von ihm nominierten Präsidentschaftskandidatin Zezka Zatschewa gegen Rumen Radew in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl in Bulgarien 2016 im November 2016 kündigte Borissow an, bald seinen Rücktritt einzureichen.[6] Die Amtsübergabe an seinen Nachfolger, Interimsregierungschef Ognjan Gerdschikow, erfolgte am 27. Januar 2017.[7] Nachdem seine Partei GERB bei der durch seinen Rücktritt ausgelösten Parlamentsneuwahl im März 2017 erneut stärkste Kraft geworden war, wurde Borissow am 4. Mai 2017 erneut zum Ministerpräsidenten gewählt. Seine Regierung stützt sich auf eine Koalition der GERB mit den Vereinigten Patrioten.[8]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußballkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Sommer 2013 steht Borissow als „ältester Fußballprofi Europas“ beim Zweitligisten FC Witoscha Bistritsa unter Vertrag,[10][11] für den er auf der Mittelstürmer-Position am 25. August 2013 gegen Widima-Rakowski Sewliewo sein Debüt feierte.[12] Bereits 2011 war der Politiker als Reaktion der Fans auf die schlechten fußballerischen Leistungen ihrer Nationalspieler zu Bulgariens Fußballer des Jahres gewählt worden.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bojko Borissow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.government.bg. In: www.government.bg. Abgerufen am 2. August 2016.
  2. www.government.bg. In: www.government.bg. Abgerufen am 2. August 2016.
  3. Die neue bulgarische Regierung, Interview mit Alexander Andreev auf www.dw-world.de, vom 28. Juli 2009
  4. …1944-та година дядо ми са го убили като куче на 16 септември и днес, когато ги детронирам, го посвещавам на него…, GERB: Der Sieg verpflichtet uns, eine Partei des ganzen Volkes zu sein (bulg.) auf www.dariknews.bg
  5. Nach Protesten: Bulgarische Regierung tritt geschlossen zurück. Handelsblatt, 20. Februar 2013
  6. Regierungskrise in Bulgarien
  7. Deutsche Welle: Jura-Professor führt Bulgarien zu Neuwahlen
  8. Konservativer Borissow zum Regierungschef gewählt. Spiegel Online, 4. Mai 2017, abgerufen am selben Tage.
  9. Ordensverleihung
  10. 54 mit 54
  11. Bojko Borissow: Vom Regierungschef zum ältesten Profi Europas: Xavi und die Tiger. Abgerufen am 2. August 2016.
  12. Bulgariens Ex-Premier wurde Profi-Fußballspieler
  13. Bulgarien: Ministerpräsident Bojko Borissow wird "Fußballer des Jahres
Vorgänger Amt Nachfolger
Minko Gerdschikow
(Interimsbürgermeister)
Bürgermeister von Sofia
2005–2009
Minko Gerdschikow
(Interimsbürgermeister)