Bolanden (Adelsgeschlecht)

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Wappen derer von Bolanden

Die Herren von Bolanden waren Reichsministeriale, die vorwiegend im heutigen Donnersbergkreis begütert waren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits vor 1129 stiftete Werner I. von Bolanden das Kloster Hane in der Nähe ihrer Stammburg Altbolanden. Die Bolander waren anfangs als Dienstmannen (Kirchenministeriale) der Erzbischöfe von Mainz tätig. Als solche waren Bolander beim Aufstand Mainzer Ministerialen, Kleriker und Bürger gegen Erzbischof Arnold von Selenhofen 1160 beteiligt. Schwerpunkte ihres Wirkungsfeldes lagen im 12. Jahrhundert im Nahe- und Wormsgau. Vor allem im Bereich des Donnersberges scheinen sie im Auftrag des Reiches den Landesausbau in Form von Rodungen vorangetrieben zu haben.

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erscheint Werner II. von Bolanden in Urkunden als Gefolge des Kaisers und Königs des deutschen Reiches Friedrich I. (Barbarossa), offensichtlich in der Funktion als Reichsministerialer. Im Dienste des Reiches gelangen ihm und der Familie ein schneller Aufstieg innerhalb kurzer Zeit. Werner II. von Bolanden erscheint als Reichsvogt des Ingelheimer Reiches und damit als Verwalter des Reichsgutes am Mittelrhein. Um 1190 wurde er vom Kloster Lorsch mit dem ehemaligen Königshof Chamba (“curia in Chamben”) sowie mit Burg Sterrenberg am Mittelrhein belehnt, die bereits 1034 als Reichsburg erwähnt war und von den Bolandern im 13. Jahrhundert ausgebaut wurde.

In der Folgezeit benutzten die Bolander ihre Lehen zum Ausbau eines eigenen Territoriums. Die Burg Hohenfels kam vermutlich schon im 12. Jahrhundert an die Familie, die Burg Falkenstein als Erbe der ausgestorbenen gleichnamigen Familie Anfang des 13. Jahrhunderts. Um 1220 teilte sich die Familie in die Linien der Herren von Bolanden, der Herren (ab 1397 Grafen) von Falkenstein (als Philipp von Bolanden sich 1233, nach einer Teilung des Familienbesitzes, "von Falkenstein" nannte) und der Herren von Hohenfels. Letztere Linie überlebte am längsten, obgleich ihre Burg 1351 zerstört wurde.

Die Hauptlinie von Bolanden erbaute im 13. Jahrhundert die Burg Neu-Bolanden, die danach zur Ganerbenburg wurde, was im 14. Jahrhundert zu innerfamiliären Streitigkeiten führte. Unmittelbar neben der Burg Sterrenberg erbauten die Bolander vermutlich ebenfalls im 13. Jahrhundert die Burg Liebenstein; beide wurden später als die „feindlichen Brüder“ bezeichnet. Zwar baute Albrecht von Löwenstein, Ehemann der Luccardis von Bolanden, 1284 bis 1290 den Liebenstein aus, da Werner VI. von Bolanden auf Sterrenberg, der Onkel seiner Frau, dieser den Besitz streitig machen wollte, doch kam es nie zu Kampfhandlungen.

Die Herren von Bolanden erhielten für ihre Verdienste das erbliche Hofamt des kaiserlichen Truchsessen. Sie starben 1386 mit dem Geistlichen, Konrad von Bolanden, im Mannesstamm aus.[1] Bereits um 1277 hatte sich durch Heirat der Kunigunde von Bolanden mit Graf Heinrich I. von Sponheim-Kreuznach, einem Sohn des Grafen Simon I. von Sponheim-Kreuznach, die Seitenlinie Sponheim-Bolanden gebildet. Ihr letzter Vertreter war Heinrich II. von Sponheim-Bolanden († 1393); sein Besitz gelangte über seine Enkelin an das Haus Nassau.[2]

1246 war Philipp IV. aus der Linie Falkenstein Verwalter der Reichsburg Trifels und Hüter der Reichskleinodien. Philipps Frau war Isengard von Münzenberg, Erbtochter eines Teiles der Herrschaft Münzenberg. Durch finanzielle Probleme im 14. Jahrhundert ging viel Besitz verloren, 1418 starb die Linie Falkenstein aus (Haupterben wurden die Herren von Eppstein und die Grafen von Solms).

1602 erlosch zuletzt die Linie Hohenfels, ihr Erbe fiel u. a. an die Grafen von Sponheim und an das Haus Nassau-Saarbrücken. Große Teile des Besitzes wurden an Kurpfalz verkauft.

Besitz und Burgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Lehnbuch aus dem 13. Jahrhundert wurden alle Besitzungen und Lehen von Werner II. von Bolanden (aus dem Ende des 12. Jahrhunderts) verzeichnet. Schwerpunkt des Besitzes liegt im Wormsgau, vor allem um den Donnersberg. Neben Burgen sind Rechte in ca. 150 Orten als Lehen von 44 Herren überliefert.[3]

alte Wappen derer von Bolanden in Siebmachers Wappenbüchern, 1882 und 1916

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappenfenster von Bolanden, in der Katharinenkirche (Oppenheim), um 1450

Die Wappensymbolik der Herren von Bolanden bestand wie die der Erzbischöfe von Mainz aus einem Rad. Sehr wahrscheinlich stehen diese Wappen in irgendeinem gegenseitigen Bezug. Beide Räder unterschieden sich aber später sowohl bei der Farbe als auch hinsichtlich der Speichenzahl: Mainz führte im roten Feld ein silbernes sechsspeichiges Rad, die Dynasten von Bolanden dagegen im goldenen Feld ein rotes Rad mit acht Speichen.[4] Diese Ausführungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten lange Bestand. Die These etablierte sich, dass das Bolander Rad von dem Mainzer Rad abzuleiten ist. Mittlerweile ist belegbar, dass das Bolander Rad älter ist als das von Mainz, denn das achtspeichige Bolander Rad ist erstmals 1214[5] nachweisbar, das Mainzer Rad dagegen erstmals 1238.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Döhn: Kirchheimbolanden: Die Geschichte der Stadt, Stadtverwaltung Kirchheimbolanden, 1968 und 1993, S. 84
  2. Hans Döhn: Kirchheimbolanden: Die Geschichte der Stadt, Stadtverwaltung Kirchheimbolanden, 1968 und 1993, S. 81–93.
  3. Übersicht bei Heinrich Leo: Vorlesungen über die Geschichte des deutschen Volkes und Reiches, Bd. IV. Eduard Anton, Halle/S. 1865, S. 599–607 (Google-Books), ausführlich W. Fabricius: Erläuterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, Band 6, „Die Herrschaften des unteren Nahegebietes: der Nahegau und seine Umgebung“, Bonn: Behrendt, 1914.
  4. Adolph Köllner: Geschichte der Herrschaft Kirchheim-Boland und Stauf, Wiesbaden, 1854, S. 14 (Google Books)
  5. Historie Reipoltskirchen - Home. In: www.historie-reipoltskirchen.de. Abgerufen am 19. Januar 2017.